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Everybody Got Their Something - Nikka Costa

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Ein Zauberkasten namens Nikka

5  20.07.2003

Pro:
nikka

Kontra:
eigtl nichts

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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mary-p

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:501

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 32 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Dieser Bericht ist geistiges Eigentum von mary-p und erschien auch bei der Konkurrenz, also nicht weinen!

Es war einmal vor langer langer Zeit, da sah ich eine junge, rothaarige Sängerin in einem lilafarbenen Etwas, die sich die Zeit mit ihrem Mikrofon vertrieb auf MTV. Schon damals war ich durchaus angetan, verlor sie aber erstmal wieder aus den Augen. Ihr Auftritt bei den American Music Awards rückte sie dann aber wieder in mein Blickfeld (Sie war übrigens auch nominiert!) und so geschah es, dass ich eines Tages ihr Album für sensationelle 10.20€ erstand. (Für die Preisfüchse: Bei Amazon momentan für 9.99€ zu haben; Es lohnt sich!)

Aber wer ist diese Frau? Mehr als du oder ich denken...
Die rothaarige Italoamerikanerin wurde 1972 in Tokio geboren – auf einem Musikfestival, wo ihr Vater auftrat. Aufgewachsen ist sie in L.A., wo sie heute noch lebt, als Tochter des Produzenten, Komponisten und Arrangeurs Don Costa, der unter anderem für so Namen wie Sarah Vaughn, Dinah Washington, Barbra Streisand und Frank Sinatra arbeitete, wobei letzterer sogar Nikkas Taufpate ist.
Ihre Karriere beginnt früh. Mit fünf Jahren ein Weihnachtsalbum, zusammen mit Don Ho auf Hawaii aufgenommen, mit sieben sang sie Zugaben auf Konzerten ihres Vaters und brachte ein weiteres Album heraus, dass in Europa, Israel, Mittel- und Südamerika veröffentlicht und platiniert wurde. Mit 8 Jahren stand sie als Vorgruppe von The Police in Chile auf der Bühne und performte vor 300000 Leuten.
Doch das Glück blieb ihr nicht unbedingt hold. Nach der Veröffentlichung des zweiten Werkes „Fairy Tales“ starb ihr Vater, was für die zehnjährige Nikka nicht gerade einfach war. Vier Jahre später meldete sie sich mit einer Produktion für ein kleines deutsches Label zurück, war aber selber nicht wirklich von der Scheibe begeistert. Sie kehrte zurück nach L.A., war in einigen lokalen Bands, sang Background, trat in schlechten Clubs auf und machte ihren Highschoolabschluss. Dann fand sie zurück zur Musik...
Und wer jetzt an Stories à la Britney „mein neues Album ist viel reifer!“-Spears denkt, der sei sowas von enttäuscht, dass es wehtut! Sie „fand“ nämlich wirklich zurück in gewisser Weise, nämlich zu den Wurzeln! Für ein paar Jahre ging sie nach Australien, wo sie an ihren Livequalitäten und dem Songwriting feilte, viele Gigs gab und 1996 schließlich auf dem kleinen Label Mushroom Records das Album „Butterfly Rocket“ (In eigener Sache: Falls jemand ne Ahnung hat, wo man das herbekommen könnte, bitte melden!) herausbrachte. Selbiges brachte ihr eine „Best New Artist“-Nominierung bei den Australian Recording Industry Awards ein. Eins ist sicher: Die Metamorphose vom Kinderstar zur ernstzunehmenden Künstlerin war gelungen (war sie früher eine Raupe und wurde dann zur Schmetterlingsrakete?).
Dominique Trenier, Labelchef von Cheeba Sounds (u.a. D’Angelo), reiste, von einem Freund auf Nikka aufmerksam gemacht, selbst nach Australien und nahm sie unter Vertrag. Er brachte sie mit den richtigen Leuten zusammen und 2001 kam dann das Album „Everybody got their something“ heraus.

Nikka hat alle Songs geschrieben und coproudziert, zusammen mit Mark Ronson und Justin Stanley aka The Soundhustlers, die zuletzt auf Lamyas Album positiv auffielen und auch schon für Lauryn Hill, Erykah Badu, D’Angelo und Common gearbeitet haben. Auch sonst findet man einige prominentere Namen in den Credits. Ahmir ?uestlove Thompson von den Roots schwingt mehr als einmal die Stöcke und Pino Palladino und James Poyser könnte man auch kennen. Letzteren besonders wegen dem wunderbaren Album von Jaguar Wright... Billy Preston, Ein Soulstar aus den 70ern, spielt Klavinet bei „Just because“ und lobte zudem noch Nikkas Klavierspiel, was sie sehr verlegen machte.
O ja! Die Dame kann nämlich Instrumente! Wurlitzer, Celesta, Klavier, Rhodes und Akustikgitarre sind keine schlechten Ergebnisse, oder? Kann da überhaupt noch was schiefgehen?
Normalerweise sind Cover und Booklet für mich absolut nebensächlich, aber in diesem Fall muss es lobend erwähnt werden. Neben den Texten finden wir wunderbare Collagen, teilweise mit ihren Fotos, teilweise werden die Songtitel dargestellt, zum Beispiel über einem Waschbecken mit Metallbuchstaben verschiedener Größe, dann Bilder aus einem Zimmer und immer wieder ein neonleuchtender Stern. Absolut cool und künstlerisch gemacht.

1. LIKE A FEATHER: War eine Singleauskopplung und wurde zudem als Jingle für eine Tommy Hilfigher-Werbung benutzt. Sie selber sagt über den Song: „Der Song handelt davon, sich seinem Schicksal zu fügen. Ich vergleiche es mit einer Feder: Versuche sie zu fangen und sie fliegt davon. Aber wenn du einfach deine Hand ausstreckst, kommt sie von ganz allein zu dir."
Beginnt mit einer Mucke, die sich sehr schwerlich beschreiben lässt. Ein gewisser Melodieablauf, unterstrichen von trockenem, schleppenden Beat, der immer etwas hinterherhinkt (positiv) wird immer wieder wiederholt, was schon mal eine gewisse Eingängigkeit ausmacht. Erst steigt es von der Tonhöhe, dann fällt es wieder und klingt irgendwie nostalgisch, aber auch neu, fragil, kraftvoll und auf jeden Fall cool. Dann setzt ihre Stimme ein, verrauscht, recht hoch, irgendwie wunderbar verknotet, und singt sich durch Höhen und Tiefen. Der Refrain ist durch flottes Händeklatschen und eine röhrend-schnurrende Gitarre begleitet und ihr zerbrechlich-angerauhter Gesang legt sich perfekt drüber. Ab und zu tauchen komische Geräusche auf, die wie Kammblasen klingen. Dann geht es weiter zur nächsten Strophe, eingeleitet durch einen ah-ah Teil, der mit Händeklatschern unterstrichen war. Die Mucke bleibt die Gleiche wie am Anfang, wird aber nicht langweilig, auch dank dem wunderbaren Gesang. Es folgt wieder der Refrain, wobei sie diesmal richtig ausholt und rumkreischt, was wunderbar klingt. Die folgende Musik wird durch vereinzelte Händeklatscher, ah-ah und Kammblasen begleitet, und leitet uns in den Mittelteil, der nicht verrauscht, aber wunderbar lässig und laid-back (darf man das so sagen) gesungen wird, perfekt unterstrichen durch das Händeklatschen. Mit der Musik klingt es aus.
Wunderbar, schnieke, toll! Mir fehlen die Worte und zwar nicht nur in Punkto beschreiben. Das klingt neu und frisch, originell und einfach nur cool zum Zurücklehnen und mit dem Kopfnicken.

2. SO HAVE I FOR YOU: lässt kein Qualitätsabsinken zu, obwohl es ziemlich anders klingt. War man vorher auf der Freakschiene, werden hier die Weichen für Rock-Pop gestellt. Im Text geht es mal wieder um Selbstfindung und ihre Wahl, Künstlerin zu sein. „Well Mama you can choose the rain but I choose the sun/ That’s all I need to free myself.” Oder meine Lieblingsstelle: “I am a woman with a mission and a past to outdo/ I don’t need a gun I’ve got a microphone and a melody or two.”
Wir beginnen das ganze mit traurig-schnurrenden Gitarren, dezenten Scratches und Schlagzeugakzenten. Dann setzt ihre Stimme ruhig ein und das Schlagzeug spielt auf, zusammen mit der Gitarre, die einen beständigen Klangteppich bildet. Ihr ruhiger, fast trauriger Gesang mutiert zu einem sehr kraftvollen, unterstrichen von den Gitarren, die zwar nicht E-, aber trotzdem cool sind. Beim Refrain werden sie dann E- und unterstützen ihre Aussage ordentlich ohne aber zu übertreiben. Danach wird die Mucke wieder etwas zurückgenommen für kurze Zeit und sie widmet sich mit trauriger Stimme der zweiten Stimme, um dann aber trotzdem mal auszuholen. Bridge wieder sehr gelungen, stimmlich wunderbar unterstrichen durch hohe, fast quietschende Töne ab und zu und dann der Refrain, der mich jedes Mal vom Stuhl reißt, und diesmal in ein ordentliches Instrumental mit ordentlich Gitarren mündet und dazu etwas fast verzweifelt-schreiender Gesang, der sich als zweite Gesangsspur über den Refrain legt und himmelhoch jubiliert, schreit, kreischt und einfach nur wunderbar klingt und die Aussage des Songs perfekt unterstreicht. Mit einem apokalyptischen Instrumental endet das ganze.
O Mann! Was für ein Song! Rockig ja, aber nicht das übliche E-Gitarren-Gekreische, sondern einfach sehr kräftig gespielt und sehr mitreißend. Dazu ihre Stimme, die man so gar nicht beschreiben kann. Hoch, ein bisschen mädchenhaft, zerbrechlichklingend und doch kraftvoll trifft es wohl am ehesten. Auf keinen Fall normal und vor allem traut sie sich, ordentlich damit rumzuspielen. Eine perfekte Powernummer, die man sich nicht entgehen lassen sollte!

3. TUG OF WAR: behält die Power in gewisser Weise bei, wenn auch auf eine andere Art und Weise. Sie singt von innerer Zerissenheit und vergleicht es mit Tauziehen. „My soul wants to go one way but my heart and mind playing a tug of war with me baby“.
Beginnt mit komischen Geräuschen, die so ähnlich klingen wie wenn man Geschenkband kräuselt, so ein Ratschen in verschiedenen Tonlagen, hinzu kommen Bläsertöne und dann singt sie über schleppenden Schlagzeugbeat ohne Takt und Basstöne, später noch Gitarre. Ruhig und gelassen bis zum Refrain, der mal wieder undefinierbare Geräusche enthält. Auf jeden Fall dezente Bläser und dem Ratschen ähnliche Geräusche. Sie singt etwas kraftvoller drüber, immer noch ohne Takt, und weiß zu überzeugen. Teilweise erinnert ihr Gesang etwas an Soul, hat aber trotzdem noch etwas eigenes. Die nächste Strophe, dann wieder der Refrain, diesmal gesanglich variiert. Plötzlich trifft uns der Schlag und alle Instrumente vermengen sich zu einem gar mitreißenden Mischmasch, wobei die Bläser noch deutlich zu hören sind. Darüber schreit sie dann fast drüber, um in einem flirrenden Streicherteppich zu enden, der sich fröhlich solo hochfidelt. Dann steigt sie zusammen mit dem Beat wieder ein und zwar fantastisch. Hoch, fast kreischend, mal wieder diese gewisse Fragilität gepaart mit Kraft und dann noch ein paar Schlinger, was die Töne angeht. So muss der siebte Himmel des Gesangs aussehen! Schließlich bricht sie nach einem hohen Ton in einen mehrstimmigen Chor, der fast tragikomödisch daher kommt. Wir treffen wieder auf den Refrain, der sich musikalisch wieder zurücknimmt, dann aber doch wieder in den Instrumentenstrudel bricht, über den sie diesmal wirklich drüberschreit, so dass es eine Wonne ist und über den dann der Refrain gesungen wird, um dann abrupt zu enden.
Mal wieder was sehr eigenes, mal wieder sehr Nikka. Der Song erlangt eine wunderbare Steigerung, die leise beginnt und schließlich ziemlich plötzlich in das Instrumentalchaos bricht, was dem Ganzen aber das gewisse Etwas verpasst und Verzweiflung versprüht. Ein wunderbares Arrangement, eine wunderbare Stimme, ein wunderbares Lied und eine wunderliche Autorin, die nicht weiß, wie man sowas wunderbares in Worte fassen soll.

4. EVERYBODY GOT THEIR SOMETHING: So, der nächste Song! Nach drei Lieblingen kommt doch glatt noch einer! Mal wieder beschäftigt sie sich mit sich selber und ihrem Status als Künstlerin. „There’s a time for every star to shine.“
Beginnt mit Bass und Gitarrentönen, die fröhlich immer wieder wiederholt werden und dadurch eine gewisse, fröhliche Atmosphäre aufbauen und schon mal sehr cool und nikkamäßig klingen. Dann kommt Schlagzeug dazu und schließlich singt sie drüber, dem Melodieverlauf folgend. Diesmal klingt ihre Stimme wieder ein bisschen anders. Reifer, aber doch noch diese Zerbrechlichkeit, dazu eine leichte Verrauschung, absolut passend! Der Refrain ist eingängig, wird wunderbar gesungen und perfekt durch den klopfenden Beat unterstrichen. In der nächsten Strophe treffen wir in der Mitte auf eine Meldodieveränderung, die sich als gut erweist und gegen Ende wunderbar hingehauchte, krächzige Tönchen enthält, die uns noch ein paar Mal in diesem Lied begegnen und zum an die Decke springen bringen werden. Beim Refrain treffen wir diesmal auf positivklingende Bläserakzente, die in den Raum schmettern und das ganze abwechslungsreich gestalten. Der Mittelteil ist wunderbar gesungen, reißt mit und scheint an Tempo zuzulegen, was aber auch illusorisch sein könnte. Das Wort „high“ wird wunderbar lang gezogen und mehrstimmig dargestellt, was ein schnieker Effekt ist. Beim Finalrefrain treten wieder die Bläser auf und eine zweite Gesangsspur krächzt-kreischt wunderbar drüber. Nach einem kurzen Instrumental, klingt das ganze mit ruhig gesungenen Worten aus, die dezent durch eine zweite Gesangsspur unterstrichen werden und schließlich unterwasserradiomäßig enden.
Was soll ich sagen? Ein Liedchen, dass frech und beschwingt durch die „klopfende“ Musik ist, irgendwie an alte Zeiten erinnert und durch Gesang unterstrichen wird, der fröhlich herumspielt, als ob nichts wäre. Sehr eingängig, sehr schön, sehr neu. (Langsam komm ich mir vor, als würde ich einen total übertriebenen Promotext schreiben, aber es ist nun mal so!!!! Ich habe diese CD tausend Jahre und höre sie immer noch! Das haben andere nicht geschafft!)

5. NOTHING: fährt jetzt mal die Balladenschiene. Es geht um eine Beziehung, die beendet wird, denn mittlerweile ist nichts mehr übrig, man hat sich auseinander gelebt.
JA! Endlich ein Lied, dass sich ziemlich leicht beschreiben lässt! Beginnt mit pianoartigen, traurigen Klängen, dann kommt eine Akustikgitarre dazu und ihr Gesang. Beim Wort „nothing“, das als Art Refrain fungiert, kommt noch eine elektrisch angehauchte, dezente Gitarre dazu, die die Eindringlichkeit des Wortes noch ein bisschen unterstreicht. In der nächsten Strophe wird sie wieder etwas zurückgenommen, dafür tauchen Streicherakzente auf und Nikkas traurige, gefühlvolle Stimme verzaubert uns. Beim Refrain kommt endlich langsames Schlagzeug dazu und tiefe Streicher bringen Ausdruck rein. Mit dieser etwas volleren Mucke fährt man weiter. Eine geänderte Melodie, etwas kraftvollere Mucke und Gesang treten auf, um gegen Ende doch wieder verzweifelter zu klingen. Die Mucke wird zurückgenommen, nur noch das Tasteninstrument und die von Nikka gespielte Akustikgitarre. Dann wieder „nothing“, ordentlich unterstrichen und noch ein mal die geänderte Melodie, die Abwechslung in den Song bringt und auf jeden Fall einer Mainstreammäßigkeit vorbeugt.
Ok, selbige wäre eh schwierig gewesen. Dafür sind Mucke, Text und Gesang zu gut, aber es fällt auf, dass hier der gewisse Nikkafreak fehlt, aber man muss ja auch beachten, dass es sich hier um eine Ballade handelt. Also mildernde Umstände. Trotzdem ein sehr gutes, deepes Lied, das gut arrangiert ist und schön ins Ohr geht.

6. NIKKA WHAT?: ist eine Art zwischenspieliges Instrumental, wo eine halbe Minute nur irgendwelche verzerrten Gitarrengeräusche und Beat zu hören sind. Klingt ganz cool, ist gut arrangiert und stört aufgrund der Kürze nicht.

7. HOPE IT FELT GOOD: haut nach dem ruhigen „Nothing“ wieder ordentlich auf die Glocke. Unterstrichen von wütenden Gitarren, schreit Nikka ihrem Typen entgegen, dass sie hofft, dass die andere gut war!
Verzerrte Gitarren, Schlagzeugakzente und ein überlegenes „hah“ von Nikka, dann setzt die Restmucke ein, die Gitarren haben immer wieder Akkorde, die sich kräftig übers Schlagzeug legen. Hinzu kommt ihre wütende, fast ausflippende Stimme, die so richtig Spirit zu haben scheint und ordentlich ausholt. Der Refrain ist eingängig von Gitarren unterstrichen, wird vom Background gesungen und sie jubiliert, kreischt und wasweißichalles mit zweiter Gesangsspur drüber. Die zweite Strophe rockt fast noch mehr, weil sie noch mehr rumschreit, so richtig wütend. Das ist prima! Das wollen wir hören! Beim Refrain gibt sie uns auch noch mal was auf die Ohren, bis wir zum instrumentalen Break kommen, der sich flirrend in den Raum schiebt, mit Scratches und Spielereien angehaucht ist und dann ein E-Gitarren-Solo enthält. Schließlich kreischt sie noch mal den Refrain zum besten und schreit sich die Lunge aus dem Leib gegen Ende, unterstrichen vom Background. Das Ganze endet ruhiger mit Bläserakzenten und man hat das Gefühl, als würde ihr Wut verpuffen. Gut gemacht!
Ja wirklich. Ein sehr rockiges Stück, dass aber trotzdem nicht nach einem misslungenen Versuch à la Britney klingt und vor alle nicht versucht, total rockig zu sein. Wir treffen immer noch auf Spielereien, Scratches und sowas, die dem ganzen einen „modernen“ Touch geben ohne zu stören. Mal wieder sehr gut!

8. SOME KIND OF BEAUTIFUL: erinnert auf den ersten Hör etwas an „Like a feather“, offenbart sich dann aber als eigenständiger, sehr chilliger Track, beim dem ich immer chillige Clubmucke denken muss. Nicht dieser Technokram, sondern, keine Ahnung, ???Loungemusik???? Ich hab keine Ahnung, was das wirklich ist, aber mein Gehirn möchte das Lied unbedingt mit diesem Wort assoziieren. Du dummes kleines Gehirn!
Nachdem sie dem männlichen Geschlecht vorher einen auf den Deckel gegeben hat, besingt sie hier eine Person in höchsten Tönen. „You’re some kind of beautiful in my life.“ Das keine schwülstige Ballade draus wird, sollte ihr auf jeden Fall gutgeschrieben werden.
Beginnt mit einem chilligen Beat, der schlagzeugunterstrichen ist, und Labergeräuschen im Hintergrund. Er klingt schön schrullig und ist mit Gitarren- und Basstönen angereichert. Darüber legt sich ihre ruhige, angenehme Stimme. Beim zweiten Teil der Strophe kommt eine zweite, höhere Stimme dazu, die etwas verspielt klingt und eine gewisse Verliebtheit rüberbringt. Beim Refrain, der voll gesungen wird und so klingt, wie er klingen sollte, kommen Rasselgeräusche dazu, die noch etwas Schwung bringen. Die zweite Strophe weist gleich zu anfangs Akzente der zweiten Gesangsspur auf, was gut zusammenpasst. Selbige kreischt-krächzt lässig auch über den nächsten Refrain. Dann kommt ein Taktwechsel, auf einmal nur noch Bass und Gitarre, dann doch wieder der Beat, der sich, unterstrichen durch gesungene Tönchen, nach oben schraubt und schließlich in einen ordentlich zweitengesangsspurlastigen Refrain bricht. Sehr cool mit gesungenen Tönchen klingt das ganze aus.
Angenehm. Das ist das Wort, das den Nagel auf den Kopf trifft. Das Lied ist so richtig angenehm. (Für die Poeten unter uns: Angenehm wie eine Sommerbrise). Locker-flockig, chillig, eine Stimme, die nicht zu dick aufträgt, aber trotzdem ordentlich Akzente setzt, beschwingte Musik. Einfach nur schön angenehm. Und trotzdem nicht langweilig!

9. NIKKA WHO?: ist ein weiteres Zwischenspiel, dass diesmal aus ihrer Zeit als Kinderstar stammt. Eine kleine Nikka singt (manchmal etwas schief) über eine geschrammelte Akustikgitarre. Klingt fast ein bisschen trashig, aber irgendwie auch süß und stört wegen der Kürze nicht. Manche Leute sind jetzt noch nicht über dieses Stadium heraus...

10. JUST BECAUSE: Nach der kleinen, quietschigen Nikka treffen wir hier auf die erwachsene, reife Nikka, die mal wieder eine Ballade aus dem Ärmel schüttelt.
Wirklich schlau werde ich aus dem Text nicht, aber es ist eine Hommage an einen Verflossenen, glaub ich jedenfalls.
Schlagzeug, Klavier und ihre ruhige, traurige Stimme. Die Mucke ist recht kraftvoll. Die Brigde überzeugt nicht wirklich. Ihr fehlt der letzte Kick, aber ansonsten ist das Lied nicht schlecht. Der Refrain hat nur wenige Worte, die mit Background in die Länge gezogen werden und mit Bläserunterstützung klingt das ganze sehr schön und traurig. Die nächste Strophe knüpft nahtlos an, genau wie die Bridge und der Refrain, wobei gesangliche Variationen natürlich nicht ausgeschlossen sind! Mit einer leichten musikalischen Variationen und einer drüberwimmernden Nikka endet das ganze.
Wohl etwas schwächer wegen der etwas unmelodiösen Bridge, aber der ordentlich mit Bläsern angereicherte Refrain weiß zu bestechen. Es fällt auf, dass auf diesem Album wenige Streicher, dafür aber viele Bläser vertreten sind und das ist schon mal was! Wie normal sind Streicher?!

11. PUSH AND PULL: war sogar mal auf einem Soundtrack drauf, ich glaube dem von „Blow“. „Mr Nothin’s got a lot/ He’s got a lot to say/He’s good at being what he’s not…“ Der kleine Mann und sein täglicher Überlebenskampf, gepaart mit dem Versuch, besser zu sein als er ist.
Beginnt mit dumpfem Schlagzeug und Akustikgitarre, sehr ruhig, dazu ihr ruhiger Gesang, der etwas traurig klingt, fast erzählerisch. Trotzdem unterlässt sie es nicht, ein bisschen mit der Stimme rumzuspielen. Kleine Streicherakzente soulignieren die Stimmung des Songs und beim schönen, melodiösen, eingängigen Refrain kommt noch etwas Schwung dazu durch Fingerschnipsen. Bei er nächsten Strophe holt sie stimmlich schön aus, um dann beim Refrain, der ruhiger ist, wieder runterzukommen. Der folgende Schlussteil, bei dem die Instrumente auffahren und sie anhaltende Töne drüber singt, klingt schön verzweifelt, leidenschaftlich und rundet das Lied schön ab, angereichert mit Refrainversatzstücken. Dank der stimmlichen Leistungen in diesem Schlussteil, dezentes Rumkreischen und so, klingt das ganze wirklich sauschön (ah! Ein anderes Wort als wunerbar!)
Eine schnofte Ballade, schön ruhig, aber doch beschwingt, dank dem beschnipsten Refrain, und mit einem stimmlich fulminanten Schlussteil. Was „Just because“ fehlte, ist hier zu finden: Viel Melodie.

12. CORNERS OF MY MIND: Wir nähern uns dem Ende und zwar mit einem abschließenden, wunderschönen Lied, vermutlich der besten Ballade auf dem ganzen Album. Ich glaube, es geht um die traute Zweisamkeit, die totale Vertrautheit. „So shed your skin for me/ let’s pull back the covers/ there’s so much about ourselves/ we’ve yet to discover/ so won’t you let me in to the corners of your mind“
Beginnt mit Glöckchenxylophon, Schlagzeug und einem traurigen Cello. Darüber wird erstmal eine Rede gelegt bis dann ihre schöne, ruhige, traurige Stimme einsetzt, unterstrichen durch derdiedas Rhodes. Später gesellt sich das Cello vordergründig dazu, was prima mit ihrer Stimme harmoniert. Der Refrain wird sehr kräftig gesungen und klingt dank ihrer Stimme einfach nur zum Kringeln schön, verbunden mit dem Cello und einer fast gruseligen Eingängigkeit. Dies ist einer der Songs, die einem echt Gänsehaut zaubern können. Diese hält auch noch in der nächsten Strophe an, wo sie ordentlich auffährt und mit ihrer fantastischen Stimme Effekte erzeugt, zu denen wir am liebsten einfach nur die Augen schließen würden. Der Mann mit der Rede meldet sich auch kurz wieder, dann kommt der Mittelteil, anfänglich ohne Takt singt sie ruhig, um dann kräftiger zu werden und schließlich in diesen wunderbaren Refrain zu brechen. Wuah! Das ist so cool! Juhu! Ich werde zu subjektiv!! Die Rede tritt wieder auf und sie singt langgezogene Töne drüber, die wunderbar passen und eine furchtbar kuschelige Atmosphöre schaffen.
Ein wahrlich wunderbarer Abschluss! Eine Ballade, bei der sich die Innereien nach Außen kehren, so wunderschön klingt sie. Das sei dem Cello gedankt, dass diese traurige Atmosphäre aufbaut, und ihrer Stimme, die diese Atmosphäre ausnützt und uns diesen Hörgenuss ans Ohr legt. Mir fehlen die Worte!

O nein! Man zwingt mich ein abschließendes Urteil zu fällen!
Erstmal ist diese CD Freak, Individuum und Eigenständigkeit pur. Vielleicht höre ich ja die falsche Musik, aber so einen Zauberkasten habe ich noch nie gehört. Sie spielt fantastisch mit ihrer Stimme, die eine Art Mischform von mädchenhaft, weiblich-kraftvoll, einem Schüßchen Souldiva mit einer eigenen Zerbrechlichkeit und feministischer Aktivistin darstellt, foglich neu und fantastisch. Sie schafft es zudem, Effekte zu setzen, indem sie sich nicht ziert, zu schreien, zu kreischen, zu wimmern, zu krächzen oder es einfach rauszulassen. Eine der besten Stimmen in meinem Regal, auf jeden Fall, und sie weiß sie einzusetzen!
Die Musik ist dann ein weiteres Kapitel für sich. Sehr oft werden eher artfremde Instrumente verwendet, die ich vermutlich selten erwähnt habe, aus dem Grund, dass ich sie einfach nicht heraushören konnte, weil sie mir zu fremd waren. Eine große Anzahl von Tasteninstrumenten, viele Bläser, die nicht klischeehaft eingesetzt werden, und sehr guter Schlagzeugeinsatz... hier wurde an nichts gespart. Hinzu kommen die elektronischen Spielereien, die so gar nicht elektronisch klingen wollen, aber da sein müssen, weil sonst so etwas musikalisch minimalistisches wie „Like a feather“ gar nicht möglich wären. Egal. Der ganze Instrumentenfundus wird passend zusammengesetzt, wunderbar arrangiert und das teilweise recht unkonventionell. Da hebt sich vor allem „Tug of war“ heraus, dass durch die Steigerung erst den richtigen Schwung erhält.
Wie schon in gewisser Weise gesagt: Die Lieder sind teilweise total freakig, total anders und total fantastisch. Zwar nicht so, dass sie jemals ein großes Publikum ansprechen werden, aber alle meine Freaks werden sich sowas von dran erfreuen können... Hier war man wirklich mit Durchdachtheit am Werk!
Das einzige, was recht normal klingt, singt die langsameren Stücke, aber das liegt vermutlich an ihrem Charakter. Sie wissen trotzdem dank der oben genannten Attribute zu überzeugen und runden das Album schön deep ab.
Empfehlen kann ich „Everybody got their something“ jedem, der ein something hat, und allen, die gerne wunderbar exklusive Musik hören, die Ansprüche stellt, und denen, die schöne Frauenstimmen lieben. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass der eine oder andere Blackmusichörer sich dafür erwärmen könnte! Hört einfach mal rein und dann nichts wie hin zu Amazon! Die 10€-Investition lohnt sich absolut!
Fünf Sterne, was sonst, für dieses wundervolle Werk, diesen Zauberkasten namens Nikka.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Lorin76

Lorin76

02.12.2006 19:02

Für diesen ausführlichen, informativen Bericht gebe ich auch mal ein b. h. Ich kenne von diesem Album nur "Corner of my mind", aber immerhin besitze ich das Nachfolgeralbum der Sängerin.

logan

logan

15.05.2004 22:26

*droooool* hallahalla, habbahabba, *drooollll*, aahaachaalahalllahlalaahhh, *writhe,drool,convulse*, alla alla hlllllll..... *endgültighabenwillundmuss*

Stepnwolf

Stepnwolf

26.07.2003 15:17

1000 Jahre hörst du die CD schon??? Sach mal, wie alt werdet ihr Aliens eigentlich???

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