Erfahrungsbericht über

Everyone is Everybody Else - Barclay James Harvest

Gesamtbewertung (1): Gesamtbewertung Everyone is Everybody Else - Barclay James Harvest

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Die besten LPs Rock und Pop - 1974

5  21.07.2004

Pro:
Perfekt (fast) zeitloser Hörgenuss

Kontra:
Klingt etwas angestaubt nach 30 Jahren

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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mongerbino

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:64

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 21 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Meine Damen und Herren,

für das Jahr 1974 möchte ich in dieser kleinen Reihe eine Platte besprechen, die vielleicht nicht so bekannt ist, wie die meiner Besprechungen der Jahre 1970 – 1973. Die Gruppe „Barclay James Harvest“ erlebte ihre Blütezeit zweifellos in den 70er Jahren. Knall auf Fall wurden Welthits gebacken, von denen Ihnen sicher zumindest „Hymn“ im Ohr verblieben sein wird. Es erschienen dann in den 80ern und 90ern zwar noch ab und an Platten bis vor wenigen Jahren, die aber – wie ich leider finde – nicht mehr erwähnenswert und damit auch nicht sehr empfehlenswert sind.

Bei den Recherchen zu dem Album stieß ich auf die Nachricht, dass im Januar 2004 leider der Drummer der Band, Mel Prichard, an einem Herzinfarkt gestorben ist. Er trug den Beat der Band seit Gründung Mitte der 60er Jahre. Diese Besprechung soll daher als Nachruf dem großartigen Mel Prichard gewidmet sein.

Kurz zur Geschichte der vielfach unterschätzten und heute fast vergessenen Band. Man gründete sich Mitte der 60er Jahre in England und es dauerte bis 1970 die erste Platte erschien. Die Besetzung

John Lees – Gitarre, Gesang
Les Holroyd – Bass, Gitarre, Gesang
Mel Prichard - Drums
John Stuard (Wooly) Wolstenholme – Keyboards, Gesang

blieb bis 1979 bestehen, als der Keyboarder Wolstenholme die Band verließ. Seine oft noch melancholischeren als sonst schon Songs waren wohl nicht so verkaufsfördernd, wie die seiner Bandkollegen Lees und Holroyd. Schade, wie ich fand, da er zwar recht schwerfällige, aber doch Top-Songs beigesteuert hat. 1979 erschien noch ein absolutes - wenn auch ohne Wolstenholme – Topalbum der Band „Eyes of the universe“, das letzte wirklich gute Album der Band.

Gehen wir zu dieser Platte in das Jahr 1974 zurück. Es war aus meinen Augen das erste wirklich stimmige Album der Band, die von Experimenten mit ganzen Orchestern zurückfand zu ihren eigenen Instrumenten. Vielleicht ist das Album weniger schwülstig als manch ein Vorgänger, aber hier hören Sie erstklassige reine und vor allem zeitlose Rockmusik. Heutzutage darf ein Popstar ja kein eigenes Instrument mehr beherrschen, weil er sonst nicht wie doof tanzen kann. Aber damals wollte man die ganze Musik auf die Gruppe selbst reduziert sehen, von der Komposition über Produktion, Einspielung sämtlicher Titel, die auch selbst gesungen wurden. Und das war gut so.

Wie ordnen wir den musikalischen Stil dieser Gruppe ein? Extrem verzerrte und teils jaulende Gitarren bestimmen den Sound, ja. Trotzdem ist es kein Hardrock. Dies ist eine Leistung, da jede verzerrte Gitarre – und ich liebe diese Dinger – dennoch leicht in den Heavy Metal Bereich gleitet. Hier wie gesagt keineswegs. Wofür die Eagles 4 Gitarristen brauchten, schaffen das hier zwei. Und der eine muss sich gleichzeitig noch am Bass festhalten. Gesungen wird im Wechsel von John Lees, Les Holroyd und John Stuard Wolstenholme. Letzterer ist auf dieser Platte leider mit keinem Song vertreten und durfte von jeher nur ab und zu Stücke beisteuern (s. o.). Das Tempo der Songs ist eher langsam, kommt dafür gewaltig daher. Man trägt auf der bombastischen Seite etwas mehr auf. Selbst mit „kleiner“ Instrumentierung, also ohne Symphonieorchester im Hintergrund, ist die Musik schwer und kraftvoll. Ich liebe das. Ich erlaube durchaus Vergleiche mit der „Zeitlupenmusik“ von Pink Floyd. Hierzu gibt es viele Parallelen. John Lees und Les Holroyd spielen beide Gitarre und Les trug oft den sog. Dobbleneck um den Hals, also ein Hals Gitarre und der andere Bass. Ob sich das ständige Umgreifen wirklich lohnte, weiß ich nicht, aber geil sah es aus. Das Fundament bildete natürlich das Drum. Hier werkelte kein Tier wie Keith Moon von The Who, aber ein solider Drummer, dessen Schlag dort saß, wo er hingehörte. Vergleiche kann man erlauben mit Jeff Porcaro, leider auch schon verstorbener Drummer von Toto.

Zum Sound der einzelnen Titel (wie von Lesern vielfach gewünscht):

1. Child of the universe (John Lees)
Gleich ein Klassiker als Opener. Im Midtempo gehalten, über zeugt Piano von Wooly und Sologitarre von John. John Lees singt sich die Seele aus dem Leib. Der Song sollte zuerst gar nicht auf die Platte. Aber wie so oft. Er wurde ein Hit. Viele kennen den Song aus Live-Auftritten, bei denen er gern gespielt wurde. Textlich ein beliebtes Thema. Denken Sie an das fünf Jahre später erschienene Album „Eyes of the universe“.

2. Negative earth (Les Holroyd/Mel Pritchard)
Ein trauriges Lied wohl über den Absturz der Apollo 1970. Ich mochte ihn anfangs nicht so recht, weil er – nun wie soll ich sagen - zum „Leiern“ tendiert. Aber in der Nachschau ein absoluter Klassiker. Die Stimme von Les ist butterweich, fast mädchenhaft. So singt heute keiner mehr. Aber damals galt es als gut, mit hoher, zarter Stimme zu singen.

3. Paper wings (Les Holroyd/Mel Pritchard)
Auch hier schrieb Mel mal wieder den Text. Eine todtraurige Ballade über den Sturz eines Manns in den Tod. Dies ist ohnehin ein beliebtes Thema bei BJH. Denken Sie nur an „Suicide“ auf dem Album „Octoberon“, mit Originalgeräuschen einschließlich Sturz und Aufschlag am Boden. Mannometer, waren wir beeindruckt.

4. The great 1974 mining disaster (John Lees)
Klare Anspielung auf den Titel „New York Mining Disaster 1941" von den Bee Gees. Bisschen Melodienklau vielleicht auch? Entscheiden Sie selber. Auf jeden Fall eine gute Mischung. Ich finde es sogar besser als das ähnliche Stück der Bee Gees. Wenn Sie mich jetzt verhauen wollen, bitte sehr.

5. Crazy city (Les Holroyd)
Hören Sie nur die Gitarre am Anfang – John und Les im Gitarrenduo - und dann säuselt Les mit seiner – hm ... fast weiblichen Stimme, bis wieder losgerockt wird. Vergleiche sind schwer, meine Damen und Herren. BJH definiert sein eigenes Genre.

6. See me see you (John Lees)
“Hey Jude” am Refrainende ist mal wieder eine Anspielung diesmal auf die Beatles. Eine Melodie, die ich nach 30 Jahren immer noch liebe. Es reicht fast ohne Instrumentierung. John Lees ist nunmal erklärter Beatles-Fan.

7. Poor boy blues(Les Holroyd)
und

8. Mill boys (John Lees)
gehören aus folgenden Gründen zusammen. Das jeweilige Gitarrensolo nebst Rhythmus kommt aus dem jeweilig anderen Song. Schwer zu erklären. Also ein Teil aus dem ersten Lied finden Sie im zweiten wieder und umgekehrt. Aber das passt. Klasse. Vom Sound her gleitet man – so jedenfalls Kritiker – ins Countryfach ab. Ich selber hasse Countrymusik. Manchmal aber gibt es Countrysongs von Nichtcountrymusikern, die dann gut sind. So hier.

9. For no one (John Lees)
John Lees singt, als ob sein Leben davon abhinge. Das todtraurigste Stück der Platte am Ende. Und damit der Gipfel der Platte. Wer das Stück nicht kennt, kann es leicht mit Pink Floyd aus der Zeit verwechseln, z. B. endlose Gitarren-Soli.

Produziert ist das ganze von Roger Bain. Er soll nach meinen Informationen schon für Black Sabbath und Judas Priest gearbeitet haben. Er wollte das Album mehr nach Heavy Metal klingen lassen, was aber BJH nicht wollten. Dies soll auch der Grund gewesen sein, warum der Song „Maestoso“ von Wolstenholme nicht mit auf die Platte durfte. Woolly brachte ihn später auf seinem Soloalbum heraus, ich glaube das war 1980.

Zu dem Cover ist wenig zu sagen. Fotos der Musiker, die sicherlich nicht wegen ihrer Schönheit in die Annalen eingegangen sind. Aber damals suchte man noch nicht den „Superstar“.

Zu den Texten will ich nichts weiter ausführen. Ersten wird der Bericht zu lang, zweitens bespreche ich die Musik! Außerdem kann man sich die Texte von der Platte aus dem Internet runterladen.

Also los, noch Fragen?
Bilder von Everyone is Everybody Else - Barclay James Harvest
Everyone is Everybody Else - Barclay James Harvest Bild 57094 tb
Das Cover von "Everyone Is Everybody Else" von Barclay James Harvest


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
photoart

photoart

15.05.2007 21:42

guter bericht. lg TOM

Jxxxxxxx

Jxxxxxxx

12.09.2005 21:52

Da wollte ich doch lesen bzw. sehen, welche Platte Du zu meinem Geburtsjahr ausgelesen hast.... und ich bin begeistert :-)

riederwald

riederwald

12.07.2005 18:24

Ich kannte BJH aus der LP "Live in Berlin" und einige Songs vom Radio. Das sie schon 1974 gute LPs veröffentlichten war mir neu. Ich hätte ihre ersten Werke in der Zeit von Rumours / Alan Parsons vermutet. Gute prägnante Songbeschreibung LG Thomas

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