Exit Finnland - Enter Geknüppel
09.04.2005
Pro:
Toller Sound, ein Grindcorejuwel
Kontra:
Spielzeit
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:
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 lasthardman
Über sich:
Sitze da und warte. Komme wieder. An einem anderen Tag.
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 40 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Wenn Jugendträume in Erinnerung gehen... So klingelte vor etwa zwei Monaten das Telefon und der Weckmann von der Zeitschrift Metal Hammer war am anderen Ende der Leitung: Ich hatte die Position des "Lesers im Soundcheck" für das Märzheft gewonnen. Das bedeutet: man darf sich innerhalb von ein paar Tagen durch 30 CD's hören und diese für Europas größtes Heavy Metal Magazin bewerten. Im Heft wird man dann groß abgebildet und darf sogar ein paar Fragen beantworten. Wer sich nun über mein Konterfei im Metal Hammer freuen möchte, der organisiere sich also das Märzheft und blättert auf die Soundcheckseite. Das Märzheft brachte einige saustarke Platten zum bewerten hervor. Namentlich Apocalyptica, Belphegor, Domain...etc. Die Höchstpunktzahl, nämlich die 7, vergab ich allerdings nur einmal. Nämlich an die finnische Grindcoreband Rotten Sound für ihre CD "Exit". Grindcore ist das schnellste und heftigste wo gibt, ey! Das ist Metal jenseits von Geschwindigkeitsbarrieren, jenseits von Harmonien... das ist aggressiver Krach voll auf die Fresse. Eine gewisse Liebe für derart extreme Musik habe ich, seit ich mich mit der Materie Metal auseinandersetze. Grindcore hatte allerdings recht häufig das Manko, daß sich nur wenige Menschen wirklich für derart extremen Sound begeistern können, ergo nicht gerade viel Umsatz damit gemacht wird, ergo sich das Budget für die Produktion in Grenzen hält, ergo darunter oft die Soundqualität litt. Rotten Sound räumen auf "Exit" damit auf!
Nach einem kurzen Intro ballern Rotten Sound drauf los, daß es einem Fan solcher Musik die Freudentränen in die Augen treibt. Das erste absolute Highlight der 28 minütigen CD ist mit Song Nr. 2, Burden, erreicht. Hier, wie übrigens auch bei allen Songs der Platte, sind regelrechte Songstrukturen zu erkennen. Vor allem: der Sound ist glasklar und dennoch gnadenlos brutal. Und ein bisschen englisch kann und genau hinhört, der versteht sogar einige Fetzen vom Text. Am eindrucksvollsten lässt sich "Burden" geniessen, wenn man auf der Website www.rottensound.com sich das gar nicht mal übel gemachte Video zu Gemüte führt. Darin kommt übrigens auch das Kerlchen vom Cover gut zur Geltung. Dieser soll einen Businessman darstellen, der immer schön brav mit einer Tüte über den Kopf herumläuft. Auf dem Frontcover der CD hält er sich ein Gewehr an den Mund, auf dem Backcover liegt er erschossen da, das Blut auf der Wand hinter ihm verteilt. Mein absoluter persönlicher Favorit des Albums sind die Tracks 12 und 13. "Slay" ist ein Song ohne "Gesang", eine kleine Pause, eine Gelegenheit zum durchatmen. "Slay" ist eher Midtempo und basiert auf einem Gitarrenriff, das ich schon beinahe als hymnisch bezeichnen möchte. "Slay" ist aber wie ein Intro zu "Western Cancer" zu sehen, den geilsten Song dieser Platte. Hier hört man den Vocalisten nochmal tief durchatmen, bis er zusammen mit seiner Band zu einem Inferno ansetzt, das seinesgleichen sucht. In puncto heavyness verblassen da sogar solche Lümmel wie die Landsmänner von Impaed Nazarene. Übrigens, der Gitarren- und Basssound von Rotten Sound erinnert mich etwas an die Nazarener. Finnischer Sound, wenn man so möchte.
Wer die Knüppelstrophe und den Mitgröhlrefrain von "Western Cancer" überlebt hat, der darf sich an das gleich darauffolgende "Nation" wagen, dem - wenn man so will - brutalsten Song dieser Platte. Zumindest im ersten Teil des Songs. Der zweite Teil des Songs ist etwas langsamer, teilweise gar groovig und ein bisschen verschachtelt. Und wer auf punkige Sounds steht, der darf sich das darauf folgende "Havoc" reinziehen. Dieser Song ist straight, erinnert an Hardcorepunks wie Mistfits oder Driller Killer. In der Mitte des Songs ändert sich allerdings wieder der Rhythmus zum üblichen Grindcoregedrsche. So ziemlich jeden der 18 Songs könnte man dem geneigten Grindcorefan als Earcandy ans Herz legen. Wer bis dato lieber Radiomusik hörte, der sollte vielleicht auch dabei bleiben. Naja... aber um Himmels Willen es nicht mit Rotten Sound versuchen. Es gibt Menschen, die diese Art von Musik allen Ernstes verbieten möchten. Nun mag man einwenden, daß eine Spielzeit von 28:30 min nicht unbedingt einen Kaufpreis von 17 € rechtfertigt. Es gibt EP's, die dauern länger. Grindcore hat allerdings seine eigenen Gesetze. Die Urväter dieser Musik, Napalm Death, haben Songs mit einer Spielzeit von ein paar wenigen Sekunden im Programm. Dagegen ist die durchschnittliche Spieldauer eines Rotten Sound Songs von anderthalb Minuten beinahe inflationär.
Rotten Sound besteht, wie so ziemlich jede Band mit Plattenvertrag aus Finnland, aus platzhirschen der Musikszene: Gitarrist Mika Aalto spielt auch noch bei Deathbound und bei ...And Oceans Drummer Kai Hahto spielt bei Wintersun und vielen (!) weiteren Bands Vocalist Keijo Ninimaa war früher bei Vomiturition, Uttervoid und Burlesque Nur was der Bassist sonst so treibt - außer saufen - steht nicht auf der offiziellen Website www.rottensound.com. Diese Site ist übrigens hervorragend aufgemacht. Das einzige was mich stört sind die Tourdaten. Das nächste Konzert in Deutschland ist ungefähr 1000 km von meinem Wohnort entfernt.
Rotten Sound haben für mich den Grindcore neu erfunden. Es kommt nicht oft vor, daß mich eine CD dermaßen begeistert. Wer Grindcore mag, der sollte sich dieses Highlight nicht entgehen lassen!!!
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11.04.2005 10:17
Wenn ich das nächste mal zum Frühstück ein noch zuckendes Zicklein mit einem Humpen lauwarmen Stierblut runterspüle, dann - und erst dann - werde ich Grindcore hören!
09.04.2005 14:33
ey honk, des glaub i jetzt net. gestern lass ich mir grindcore erklären und heute haust du nen bericht dazu raus... du bist unheimlich.