Eye Dance - Schlimmer geht's nimmer
09.05.2005 (16.10.2005)
Pro:
nichts
Kontra:
Boney M . s vergeblicher Versuch, in den 80er auf der Höhe der Zeit zu bleiben
Empfehlenswert:
Nein
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 xenophon84
Über sich:
Mitglied seit:09.05.2005
Erfahrungsberichte:8
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 25 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als hilfreich bewertet
Mit diesem letzten Album der Gruppe Boney M. hat sich Produzent Frank Farian gründlich in die Nesseln gesetzt. Nach der Krise der Band anfang der 80er folgte 1984 bereits das schwächelnde, aber immerhin noch akzeptable Album 10.000 Lightyears und 1985 dieses. Stand der Name Boney M. in den 70ern noch für eingangige, melodische, tanzbare Musik ohne Tiefgang aber Hitpotential, war das Album "Eye Dance" wohl nur noch der verzweifelte Versuch, daran anknüpfend in den 80ern Geld zu machen. Dabei reichte es aber nicht aus, mit elektronischer Besetzung den Mainstream zu kopieren. Zu recht war das Album ein richtiger Flop und bedeutete das Aus für die einst so erfolgreiche Formation. Durch die gesamte LP ziehen sich in geradezu unerträglicher Weise hohle, uninteressante Titel, die einer wie der andere klingen und letztlich keinen Eindruck hinterlassen außer einem langweiligen Reigen elektronischer Schrott-Musik, die in die Kategorie "Typischer 80er-Jahre-Mainstream-Schrott" gehört und dort auch belassen werden sollte. Vielleicht ab und zu hörenswert sind die Titel "Sample City" und "Young, Free And Single", die aber keineswegs einen Kauf der ganzen Platte rechtfertigen. Außer diesen beiden enthält die Platte noch folgende Titel: "Todos Buenos": Erweckt aufgrund seines Mangels an kreativen Einfällen (vor allem fehlt dem Stück so etwas wie eine Melodie...) den Eindruck eines reinen Lückenfüllers, der mit über 4 Minuten Länge eindeutig zu lang ist.
"Give It Up" geht in eine ähnliche Richtung. Das Lied mag in den 80er durchaus als Verkörperung des Mainstream seine Berechtigung gehabt haben, hat sich dadurch jedoch eindeutig überlebt. "My Chérie Amour" ist ein schlechtes Elektronik-Cover des gleichnamigen Stevie-Wonder-Hits, der im Original richtig schön ist, aber in dieser Version...
"Eye Dance" Der Titelsong. Auch hier nichts Bahnbrechendes, wieder eine reine Anbiederung an den Mainstream, die zu keinem heute noch gerne gehörten Ergebnis geführt hat. "Got Cha Loco" Mit Sommer-Hits hat Boney M. in den 70ern ja durchaus große Erfolge gefeiert. In den 80ern hält auch hier die Ideenlosigkeit Einzug.
"Dreadlock Holyday" ist ebenfalls ein Cover. Da es vom Prizip sich genauso anhört wie das Orginal, nur mit modernem Elektronik-Sound, ist der Titel natürlich hörenswert. Aber er hat aufgrund der fehlenden Variation gegenüber dem Original meiner Meinung nach keine wirkliche Existenzberechtigung. Man vergleiche das Cover "Sunny" von 1976: Dort hat Frank Farian einiges geleistet, um aus einem Blues ein Disco-Stück zu machen. Hier hingegen scheinen ihm die Ideen abermals ausgegangen zu sein. "Chica Da Silva" stellt als vor Schmalz triefende Ballade einen der Gipfel schlechten Geschmacks dar. Man darf zwar Liz Mitchells wunderbare Stimmgewalt bewundern, kommt aber nicht umhin, das Lied aufgrund des Kitsches wegzudrücken. Zwar sind kitschige Songs für Boney M. nichts Neues, doch machte ihre Umsetzung sie meist dennoch interessant und hörbar. Hier fehlten dafür aber, wie schon vorher oft, die Ideen...
"Bang Bang Lulu" Auch das alte Boney M.-Konzept "Einfache Melodie - sinnlose Texte" funktioniert nicht mehr. "Bang Bang Lulu" ist einfach nur noch peinlich. Der elektronische Sound erschlägt jedes sympathische Gute-Laune-Gefühl des Liedes bereits im Keime. Als Fazit kann man wohl festhalten, daß dieses Album mit Abstand das schwächste der Gruppe war. Über weite Strecken kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Platte völlig halbherzig komponiert und produziert wurde. Eigentlich schade, wenn man die Erfolge der 70er betrachtet, doch so ist es nun mal.
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13.09.2006 16:46
Ja, damals war die Zeit offenbar vorbei für Boney M. Ich hatte bisher nur schlechtes über "Eye Dance" gehört ... fand aber einige Songs wie "young free and single" durchaus reizvoll. Ich würde die Platte nicht mit den anderen Boney M.-Platten vergleichen, eher mit dem "Sound" der Achtziger, dem man ja Tribut zollen musste. Insofern ist die LP gar nicht so schlecht, es gab schlimmere Produktionen um 1985 von damals bekannten Stars. Ich würde der CD 3 Sterne geben, stimme überein, daß es ihre schwächste Produktion war. Ich finde aber, die einzig schwache aus 8 hervorragenden, das ist ja keine Todsünde. LG Tomas
26.04.2006 10:54
Ich glaube die Zeit von Boney M. war einfach vorbei. Deshalb das Album als schlecht zu beschreiben, finde ich nicht besonders fundiert. Die Songs sind nicht schlechter als anderer Mainstream-Pop aus dieser Zeit. Die Gruppe hatte mit dem Ende der Discoära einfach ihre Identifikation verloren und Boney M. als Popband wollte niemand.
27.01.2006 21:50
Auch ich gehöre zu den Hardcore-Fans und dein Bericht ist absolut richtig, zutreffend und ehrlich geschrieben. Die Platte ist einfach nur Scheiße. Farian hat gedanklich wohl schon mehr an Far-Corporation gearbeitet. Von der Melodie her gefällt mir Bang Bang Lulu zwar sehr gut, doch ist dies auch schon alles. Dem Album fehlt einfach alles, was Farian früher gezeigt hat.