Der Wendepunkt des Projects
27.06.2004 (04.07.2004)
Pro:
Gutes Pop - /Rock - Album
Kontra:
wenig neue Ideen
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 Milsch
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:192
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 56 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Beim sechsten Studioalbum des Alan Parsons Projects, das 1982 erschien, kann man bei aufmerksamen Hinhören bereits Hinweise nachlassender Kreativität und zunehmender Lustlosigkeit erkennen. Dieser CD folgte eine künstlerische Pause, notdürftig mit einer mässig zusammengestellten Best-Of überbrückt, nach der das einst legendäre Project praktisch am Ende war. Das tatsächliche Ende zog sich allerdings noch über 4 quälende neue Alben hin. Insofern ist „Eye In The Sky“ eigentlich das letzte Parsons-Opus, dass man guten Gewissens empfehlen kann. Ungeachtet des eingangs erwähnten Schwächelns bei Schaffenskraft und Spielfreude wurde das Auge am Himmel das wohl erfolgreichste Album von Parsons (gemessen an Chartpositionen), es war auch von allen seinen Veröffentlichungen am kommerziellsten angelegt: Überraschungen wie Disharmonien, Tempiwechseln oder dergleichen wird man hier nicht begegnen, stattdessen wird überwiegend gefälliger Mainstream-Sound mit gleichmässigen Beats und voraussehbaren Akkorden serviert. Das mag nicht übermässig aufregend erscheinen, doch da Parsons wie üblich sorgfältig komponiert hat, finden sich hier möglicherweise viele unspektakuläre Titel, aber nicht eine einzige schwache Nummer. Im Gegenteil, einige Songs sind gar echte Juwelen.
DIE SONGS ----------------- Das einführende Instrumental „Sirius“ ist gleich so eine zwiespältige Angelegenheit: es ist ganz effektvoll gemacht, mit gleichmäsigen Synthesizer-Sequenzen, die an Funk oder Radar erinnern, dann setzen die Harmonien ein, schliesslich das Schlagzeug und ausgangs wird ein Gitarrensolo über den Klangteppich gelegt. Doch wenn man ehrlich ist, besteht „Sirius“ nur aus 4-5 wiederholenden Akkorden und einem Haufen Synthesizern, selbst der Gitarreneinsatz ist vorhersehbar. Man überhört es, weil es durch den nahtlosen Übergang zum Titelsong wie ein Intro für „Eye In The Sky“ wirkt, das eben vorher abgespult wird – die Faszination früherer Parsons-Instrumentals erreicht „Sirius“ genausowenig wie das zweite Instrumental der Scheibe, „Mammagamma“, eine ebenfalls relativ ereignisarme Nummer über harmonischen Synthesizer-Sequenzen.
Der Titelsong selbst ist eine ganz einfach gestrickte Nummer: gleichmässiges Schlagzeug, Viervierteltakt, einfache Keyboard-Harmonien, die übliche Strophe-Bridge-Chorus-Dramatik, dazu eine schöne eingängige Melodie und ein Ohrwurm-Refrain. Das ist der Stoff, aus dem man Charthits produziert...was Parsons bei seinen Frühwerken nicht so wichtig war, jetzt aber sein Schaffen zunehmend dominierte. Aus diesem Stoff des mustergültigen Rock/Pop-Songs sind auch „Children Of The Moon“, „You’re Gonna Get Your Fingers Burned“ und „Step By Step“ geschnitzt, allesamt gut gemacht und umgesetzt, jedoch ohne den letzten Kick, der für einen Hit oft entscheidend ist. Es bleiben anständige Mainstream-Nummern – ohne Makel, aber auch ohne grossen Wiedererkennungswert.
Ganz anders „Psychobabble“: dieser rockige Titel ist nun gerade überladen mit Soundeffekten und zieht schon dadurch die Aufmerksamkeit auf sich. Ein grummelnder Bass, geheimnisvoll züngelnde Cymbals und ein düsteres Piano dominieren hier die Stimmung. Dieser Song hat nun ohne Zweifel Wiedererkennungswert, doch spaltet er die Fans wie kaum ein zweiter Parsons-Titel. Neben denen, die „Psychobabble“ für den innovativen Kick dieser CD halten, lehnt die andere Gruppe den Song als Effekthascherei und heisse Luft ab. Ich persönlich zähle mich übrigens zur letztgenannten Fraktion. Doch wir sollten noch die Juwelen erwähnen. Da wären 2 grossartige, herausragende Balladen, sehr episch angelegt, wie das für Parsons typisch ist. „Old And Wise“ ist wie frühere Nummern sehr orchesterlastig, mit einer Oboe als Führungsinstrument. Diese Ballade hat einen grossartigen Spannungsbogen vom leisen Anfang über die zunehmende Lautstärke und Instrumentalisierung bis hin zum Wechsel der Tonart (der Übergang von Moll in Dur vor dem ausleitenden Finale dieses Songs bleibt die einzige harmonische Gewagheit). „Silence And I“ bleibt verhaltener und leiser, zwar baut sich auch hier Spannung auf bis hin zum Orchestereinsatz, doch bleibt der Song über weite Strecken ein Zwiegespräch zwischen Sänger und Klavier – ganz so, wie man es von einem Lied mit diesem Titel erwartet.
Bleibt noch „Gemini“, der einzige Song ohne jegliche Schlaginstrumente, der so herrlich dahinplätschert. Kanonartige Gesänge über einem minimalen Klangfundament, alles wird doppelt gesungen und ineinader verschachtelt, es klingt fast wie ein Echo (Gemini ist das Sternbild des Zwillings, daher der Doppelgesang). Für mich persönlich üben nur wenige Songs eine beruhigerende Wirkung aus als dieser. TRACKS ------------
1. Sirius 2. Eye In The Sky 3. Children Of The Moon 4. Gemini 5. Silence And I 6. You’re Gonna Get Your Fingers Burned 7. Psychobabble 8. Mammagamma 9. Step By Step 10. Old And Wise FAZIT --------
„Eye In The Sky“ ist ein wirklich gutes Pop/Rock-Album, das letzte Empfehlenswerte vom Alan Parsons Project. Wegen der Durchschnittlichkeit, die sich hier ganz untypisch für Parsons in vielen Nummern zeigt, kann man die Höchstwertung eigentlich nicht mehr vergeben, doch die vorhandenen Höhepunkte rechtfertigen noch einmal 5 Sterne. Es ist eindeutig der Wendepunkt in der Historie des Projects: die vorherigen Alben waren eher besser, alles, was später kam, war erheblich schwächer. Wer das musikalische Genie Parsons erleben möchte, dem empfehle ich die früheren Werke, der Freund eingängiger, gut geschriebener Mainstream-Musik ist mit dem „Eye“ freilich bestens beraten.
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10.02.2006 01:16
An dieses Werk erinnere ich mich nicht. Ausser daß es in der Musikpresse damals ziemlich ignoriert oder verrissen wurde. Und die Platte wurde mit den Sternstunden wie "Tales of ..." oder "I Robot" verglichen und fiel dagegen natürlich ab. Den Titeltrack kenne ich vom Radiohören alles andere ist mir unbekannt. Vielleicht sollte ich dem Himmelsauge doch mal ne Hörchance geben. Ob der Sound an die frühen Achtziger erinnert bezweifle ich. Eher an die Nostalgie der späten Siebziger? Wenn ichs mal sehe, höre ich rein. Guter Bericht über ein wohl eher mittelmäßiges Album, wo aber mindestens ein oder zwei gute Tracks mit drauf sind. LG Tomas
08.02.2006 13:32
Der Titeltrack machts richtig fett / phatt.
28.09.2004 23:35
Also man kann ja zu den verschiedenen Arten von Schreibstilen stehen wie man will, manche Krümelkacker wollen ja jeden Bericht einzeln bis zum "get now" filetieren, aber die "wh2 kann ich mir nicht erklären. Sicherlich kein Bericht, der qualitativ oder stilistisch Welten bewegt, aber eine grundsolide und gut geschriebene Rezension. Das Album habe ich zwar nicht, werde es aber vermutlich auch nicht kaufen, da es schon ein wenig in Richtung Mainstream geht. Einige Songs habe ich ja auf dem Best Of... und dem Live-Album. Ansonsten sind mir die experimentelleren Sachen lieber. Viele Grüße Peter.