Von Wunderknaben und Gentlemen
***Wie ich zu dieser CD kam***
Vor einigen Tagen wollte ich einen Amazon-Gutschein einlösen. Das passende Buch war relativ schnell gefunden, aber ich hatte noch einen kleinen Restbetrag über.
Ich entschied mich, noch eine entspannende CD zu kaufen und ... Bericht lesen
Amazon.de ist eine famose Compilation erhältlich, die in ihrer geschmackvollen Zusammensetzung dem sicheren Stilgefühl eines Siggi Loch nacheifert. famous. the finest female jazz today bietet einen umfassenden Blick auf populäre Jazzvokalistinnen. In beeindruckender Klangfülle wird das ganze Spektrum des Genres offenbar -- fast, denn eine Einschränkung gibt es schon: Wirklich abgefahren soll es nicht werden. Es ist daher kein Terrain für das Experimentelle, sondern vielmehr (überwiegend) junge, gefühlige und nicht zu komplizierte Musik, die es auch dem ungeübteren Hörer erlaubt, eine echte Erfahrung mit Jazz zu machen. Eine Leistung, die großes Lob verdient, denn oft genug wird man als Laie mit nichtsnutzigem Smoothjazz verschaukelt. famous. the finest female jazz today hingegen erlaubt Authentisches und Anspruchsvolles zwischen Mainstream, Latin und Modern, anschmiegsam und originell, manchmal mit dezenten Anleihen aus Pop und HipHop. Hier darf mutig hingehört werden, hier darf man in den Stimmen baden und einen Stil mit allen Sinnen erleben, vor dem man ein ander Mal vielleicht erschrocken wäre. Für den Kenner bietet famous. the finest female jazz today eine erfrischende Sammlung bekannter und noch nicht ganz bekannter Künstlerinnen. Wunderbar die Beiträge mit Silje Nergaard, Victoria Tolstoy oder Holly Cole. Lisa Bassenge, mit soulig lichtem Ansatz und im traditionellen Jazztrio oder die Schwedin Lisa Nilsson, die in einer Aufnahme mit Bassist Niels-Henning Orsted Pedersen eine von Klassik inspirierte Song-Pop-Jazzballade interpretiert. Natürlich fehlen die Großen nicht: Cassandra Wilson mit "Round Midnight" und Dianne Reeves. Dee Dee Bridgewater wurde vergessen und Rachelle Ferrell hätte auch noch gut gepasst. Hitverwöhnte Sternchen wie Diana Krall oder Bebel Gilberto waren hier wichtiger -- sei es drum. --Katharina Lohmann
Und diese Behauptung ist wahrlich nicht übertrieben, ein Blick auf die Teilnehmerliste bestätigt, dass wir es hier tatsächlich mit den herausragenden weiblichen Stimmen der Gegenwart zu tun haben. Gleich im Eröffnungssong begegnen wir der populärsten und meistverkaufenden Jazzsängerin der jüngsten Zeit: Norah Jones. Sie ist mit ihrem Gastbeitrag für Charlie Hunters Longplay Analog Playground vertreten, in dem sie den Folktitel "Day Is Done" des allzu früh verstorbenen Nick Drake in eine mitternächtlich-bluesige Ballade verwandelt. Anschließend betört Cassandra Wilson in der funky groovenden Eigenkomposition "Show Me A Love" mit ihrem dunkel-geheimnisvollen Vokaltimbre. Danach kommt dann die Schwedin Viktoria Tolstoy an die Reihe und setzt in ihrer Bearbeitung von Steve Kuhns "Saga Of Harrison Crabfeathers" auf einen Jazz im traditionellen Akustikformat. Es folgt Dianne Reeves mit dem Evergreen "What A Little Moonlight Can Do", den vor ihr auch Ella Fitzgerald, Anita O'Day und Peggy Lee im Repertoire hatten; sie macht daraus eine ansteckende Fingerschnipp-Swingnummer. Und so geht es in insgesamt sechzehn Stücken munter weiter mit -- wie es im Album-Untertitel treffend heißt -- The Finest Female Jazz Today. Wie es in der Famous-Reihe schon gute Tradition ist, erhalten auch diesmal neben anerkannten Größen aufstrebende Nachwuchskräfte ihre Chance. In der Heimat sind sie zwar zum Teil schon etwas bekannter, bei uns wollen sie hingegen noch von den Massen entdeckt werden. Die Dänin Cæcilie Norby etwa empfiehlt sich nachhaltig mit einer nordisch-kühlen Jazzfassung des Police-Hits "Tea In The Sahara". Ihre kanadische Kollegin Molly Johnson macht in "Melody" mit einem fast klassischen Barjazz auf sich aufmerksam. Und die zum Zeitpunkt der Aufnahme erst vierzehn Jahre alte Reneé Olstead ("Still Standing") schließlich begeistert in der Schmuseballade "A Love That Will Last" mit einer Wahnsinnsstimme. Nach und nach gibt die Famous-Reihe einen umfassenden Überblick über die aktuelle Jazzszene. Wer alle bisherigen Folgen im Plattenschrank stehen hat, besitzt mittlerweile ein fast lückenloses Kompendium mit tonangebenden Jazzkünstlern aus aller Welt. -- Harald Kepler
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Erfahrungsbericht von La_Livia über Famous - The Finest Jazz Today: Men's Edition 08.08.2005
Produktbewertung des Autors:
Cover-Design:
exzellent
Klangqualität:
ausgezeichnet
Langzeithörspaß:
mittelmäßig
Pro:
große Bandbreite, vielseitig, günstig, qualitativ
Kontra:
nur bei Amazon
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Von Wunderknaben und Gentlemen
***Wie ich zu dieser CD kam***
Vor einigen Tagen wollte ich einen Amazon-Gutschein einlösen. Das passende Buch war relativ schnell gefunden, aber ich hatte noch einen kleinen Restbetrag über. Ich entschied mich, noch eine entspannende CD zu kaufen und so stöberte ich ein wenig durch das CD-Angebot bei Amazon und stieß schnell auf eine Jazz-Compilation, die mein Interesse weckte.
Es handelt sich um "The finest Jazz Today: Men's Editions". Eine Compilation, die ausschließlich bei Amazon erhältlich ist. Es gibt bereits drei recht erfolgreiche und schöne Ausgaben mit ausschließlich weiblichen Stimmen. Für 12, 99 € erstand ich eine Compilation mit 18 sehr schönen Stücken, die eine spannende Mischung an jungen Wunderkindern des Jazz und Kultstars anbietet. Aber lest doch selbst ...
***unerlässliche Infos***
Auf dem Cover sieht man einen jungen Mann auf einem Pier, der entspannt aufs Meer schaut. Die gesamte CD ist in kühlen Minttönen gehalten.
Im mehrseitigen Booklet findet man zu jedem Künstler eine kleine Biographie und schöne Fotos der oftmals sehr ansehnlichen Sänger.
Die CD ist ausschließlich über www.amazon.de erhältlich. Wer genaueres wissen möchte, schaue unter www.amazon.de/famous nach.
***Die Lieder im Einzelnen
1: Jamie Cullen: Frontin' Die CD beginnt mit einem Knaller. Der 24-jährige Pianist und Sänger Jamie Cullum hat sich eines Rap-Hits angekommen. Er coverte "Frontin'" der Neptunes (die ihn für dieses Cover übrigens ausdrücklich lobten) Der junge Engländer aus Bath wurde von der Presse schon "Robbie Williams für Fortgeschrittene" genannt. Seine Version ist unglaublich cool. Mitreißend schlägt er in die Tasten und legte ein sehr jazziges Fassung hin, die mich sehr überzeugt. Toller Anfang
2 Denzal Sinclaire: You dont know how glad I am Mein Lieblingslied dieser CD: Nach den ersten Sekunden überlief mich ein wohliger Schauer. Der Kanadier Denzel Sinclaire hat eine warme Stimme, die wie Honig und Milch den Rücken runterrieselt. Mit samtiger Stimme interpretiert er auf dieser Compilation einen Hit aus den 60er. "How Glad I am" ist eine gelungene Coverversion. Sehr schön romantisch und relaxt machte mich dieser Titel neugierig auf mehr. Nicht zu Unrecht gilt er als bester Jazzsänger Kanadas.
3: Till Brönner: High Falls Viele kennen den schnuckeligen Till Brönner als Moderator seiner eigenen Jazz-Sendung auf Klassikradio. Und viele böse Zungen behaupten er sollte moderieren oder seine Trompete blasen, aber bitte nicht singen. Mit "High Falls" legte Till Brönner einen sehr leichtes (vielleicht auch seichtes) Sommer-Stückchen ab, das durch Bossa Nova Rhythmen und ein gefühlvolles Trompetenspiel geprägt ist. Dieses Lied klingt sehr nach Sommer und Cocktaillounge. Vielleicht das schwächste Lied dieser Compilation.
4. Peter Cincotti: I'd rather be with you Und noch ein schöner Wunderknabe. Peter Cincotti modelt für Ermenegildo Zegna oder schauspielerte in "Spider Man 2". Da für ist er sicher bestens geeignet, aber was er wirklich kann, ist Klavier spielen. Als Schüler von Ellis Marsalis klingt der 21-jährige mit " I'rather be with you" unglaublich reif. Seine schöne Stimme wird von einem romantischen Klavierspiel untermal. I'd rather be with you, denkt sich auch die geneigte Zuhörerin.
5 Chantz: Nothing to lose
Auf dem Foto im Booklet sieht der Amerikaner Chantz unglaublich jung aus, aber wenn man seine Stimme hört, möchte man nicht glauben, dass er erst 17 Jahre alt ist. Vor seinem Erfolg verdiente er sich sein Geld als Louis-Armstrong-Imitator. Der Einfluss des großen Armstrong ist nicht zu überhören. "Nothing to lose" klingt nach Fats Domino, nach New Orleans und nach guten alten R&B. Ich mag nicht glauben, das der Knabe erst 17 ist. Chantz Stimme ist samtig und unglaublich stark. Eine weitere wertvolle Neuentdeckung
6. DE-Phazz feat. Kurt Frierson «Message to the cool »
Ich kannte De-Phazz aus Heidelberg bis dato nur von ihrer loungigen Seite. Hier präsentieren sich De-Phazz sehr mit sehr cooler und perkussiver Tanzmusik, die von der frostigen Stimme Kurt Frierson passend untermalt wird. Mir ist dieses Stückchen zu glatt arrangiert, aber das ist ja Geschmackssache.
7. Will Downing: Beautiful to me
Nach vielen jungen Wunderknaben mal wieder ein Gentleman des Jazz und der R&B-Szene. Will Downings sinnliche Stimme ist nicht umsonst die gefragteste Backgroundstimme Amerikas. Mit "Beautiful to me" stellt er sich auf dieser Compiliation als romantischer und sinnlicher Soulsänger vor. Ein sehr entspanntes Lied, das wunderbar für einen Abend zu zweit geeignet ist.
8. Ron Isley & Burt Bacharach
Ron Isley ist ein weiterer kultiger Gentleman auf dieser CD. Seine ersten großen Hits konnte Ron Isley schon in den frühen 50igern verbuchen.Nun hat er sich endlich einen großen Traum ermöglicht. Er produzierte ein komplettes Album mit dem Songwriter Burt Bacharach. "The Look of Love" stammt von eben jeder Zusammenarbeit zweier Kult-Stars. "The Look of Love" klingt zeitlos, wunderschön und ist geprägt von sehr außergewöhnlichen Stimme Ron Isleys. 100 % Kult.
9. Aaron Neville: Summertime
Und noch ein Gentleman des Jazz: Aaron Neville interpretiert hier Gershwins "Summertime". Ich weiß nicht, wie viele Coverversionen ich schon von diesem Evergreen gehört habe. Da es eins meiner Lieblingslieder ist, bin ich immer sehr kritisch. Aaron Neville ist jedoch eine wunderbare Interpretation gelungen. Seine Falsettstimme bricht an vielen Stimmen und setzt so tolle Kontraste zum zarten Arrangement. Eine wunderschöne und herzerweichende Version.
10. Matt Dusk: Windows
Und noch ein schnuckeliger Wunderknabe. Dieses Mal handelt es sich um einen ambitionierten und sehr talentierten Kanadier, der in Sinatras Fußstapfen treten möchte. "Windows" klingt sehr gelungen nach dem alten Crooner Frank Sinatra. Matt Dusk schwingt sich sehr cool durch ein sehr gut arrangiertes Liedchen. Ich könnte mir vorstellen, dass man in nächster Zeit mehr von diesem Schönling hören könnte und dann muss Michael Bublé sich warm anziehen. Wer diese Art von Musik mag, sollte hier mal reinhören.
11. Al Jarreau: My foolish Heart
Kaum eine Jazz-Compilation kommt ohne den Altmeister Al Jarreau aus. Der studierte Psychologe präsentiert sich auf dieser Compilation mit dem zeitlosen Evergreen " My foolish Heart". Der mittlerweile 65-jährige klingt hier ebenso zeitlos wie das Lied selbst. Seine vielseitige Stimme macht aus diesem oft kopierten Standard des Jazz eine wunderschöne Interpretation, die sehr romantisch und voller Gefühl ist. Al Jarreau ist einer der ganz großen Gentlemen des Jazz und durfte auf dieser CD nicht fehlen.
12. John Pizzarelli: One Note Samba
John ist der Sohn des legendärenden Gitarristen Bucky Pizzarelli. Der Song dieser Compilation stammt aus seinem mittlerweile 15. Album, das er ausschließlich dem Bossa Nova und seinem Idol Joao Gilberto gewidmet hat. Es klingt sehr stark nach Bossa Nova und auch ein wenig nach Gilberto, aber so wirklich überzeugen kann mich dieses Auskopplung nicht. Im Gegenteil nach wenigen Minuten geht mir dieser sehr gewollte Bossa Nova auf die Nerven und ich springe zum nächsten Lied über ...
13. Peter Fessler: If you never come to me
Peter Fessler mag einigen noch von seinem 80er-Jahre Smash-Hit " New York Rio Tokyo" bekannt sein. Heutzutage arbeitet Fessler international und übernahm zum Beispiel die Gesangsstimme im Disney-Film Aladdin. Auf dieser Compilation interpretiert sehr sinnlich eine englische Version des Bossa Nova-Klassikers "Inutil Paisagem". Im Gegensatz zum vorherigen Track ist die Überarbeitung eines Stückes von Antonio Carlos Jobim überzeugend gelungen. Seine weiche Stimme passt wunderbar zu den feines Gitarrenrhythmen, die leise im Hintergrund erklingen. Ein weiterer Anspieltipp und für mich eine schöne Neuentdeckung
14. Michael Buble: Love at first Sight
Heutzutage geht ist der kanadische Superstar ja in aller Munde und Ohren. Hier hören wir ihn mit einer Ballade, die er noch vor seiner internationalen Karriere für den Film "Totally Blonde" eingespielt hat. Wie immer geht seine Stimme einem durch und durch. Das Arrangement klingt unglaublich zeitlos, gefühlvoll und sehr romantisch. Sehr gut geeignet für einen romantischen Abend zu zweit. Bublé ist übrigens schon der dritte kanadische Wunderknabe auf dieser CD.
15. Tuey Connell: Why you been gone so long
Und noch ein äußerst ansehnlicher Wunderknabe: Connell fällt vor allem durch seine markante und tiefe Stimme auf. Der Mittdreißiger aus Chigaco stellt sich auf dieser CD mit einem recht altmodisch klingenden Lied, das stark an Fats Domino erinnert, vor. Die Stimme ist wirklich sehr bemerkenswert, so dass ich auch dieses Lied als Anspieltipp wärmstens empfehlen kann.
16. Kenny Rankin: The way you look tonight
Der Songwriter Rankin hat sich hier des Klassikers "The Way you look tonight" angenommen. Das Ergebnis ist eine perfekte und gefühlvolle Interpretation ohne Ecken und Kanten. Seine zarte und raffinierte Stimme ist eine Freude für alle, die es traditionell und romantisch mögen.
17: Philipp Weiss: She brought me back
Der Jazzsänger Mark Murphy nannte Phillipp Weiss ein Geschenk an den Zuhörer. In der Tat hat der Deutsche eine bemerkenswerte Stimme: gefühlvoll, souverän und weich geht diese Stimme sofort zu Herzen. Mit "She brought me back" stellt er sich als gefühlvoller und sehr romantischer Sänger vor. Von diesem Wunderknaben möchte ich noch viel mehr hören.
18. Götz Alsmann: Ganz leicht.
Was für ein Abschluss? Götz Alsmann schließt diese CD mit einer Eigenkomposition aus dem Genre Jazz-Schlager ab. Der promovierte Musikwissenschaftler verbreitet in diesem Lied wertvolle Tipps zum Thema Richtig Küssen. Götz ist wie immer charmant. Eine Lied zum Schmunzeln, das gute Laune verbreitet.
***mein Fazit***
Für knapp 13 Euro habe ich eine sehr gut zusammengestellte und äußerst vielseitge CD erstanden. Auf dieser CD findet sich eine enorme Bandbreite an den derzeitigen Strömungen des Jazz wieder. Die Auswahl der Interpreten stammt von jungen Wunderknaben bis hinzu Gentlemen mit Kultstatus. Es gefällt mir sehr gut, dass auch einige deutsche Wunderknaben dabei sind. Viele Interpreten habe mich sehr neugierig gemacht, so dass mir eventuell auch das ein oder andere Album genauer anhören möchte.
Das Booklet ist hochwertig und sehr schön gestaltet. Zu jedem Interpreten gibt es eine kleine Biographie mit Anekdoten und vor allem sehr schönen Fotos der jeweiligen Stars.
Bezüglich des Langhörspaßes habe ich lange gezögert. Die Auswahl der Lieder ist insgesamt sehr gelungen, so dass ich mir einen mittelfristigen Hörspaß sehr gut vorstellen könnte. Die Hörspannung wird über die gesamte CD aufrecht erhalten.
Ich vergebe an diese CD sehr gern die volle Punktzahl. Die Qualität und das Niveau der Interpreten haben mich sehr überzeugt und positiv überrascht. Der einzige Wermutstropfen ist, dass man diese CD nur bei Amazon bestellen kann.