Erfahrungsbericht über

Fireball - 25th Anniversary - Deep Purple

Gesamtbewertung (3): Gesamtbewertung Fireball - 25th Anniversary - Deep Purple

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Bilden Sie die Schnittmenge aus Martin Semmelrogge & Deep Purple!

5  14.03.2011

Pro:
hörenswertes Album in kaufenswerter Ausgabe

Kontra:
öh  .  .  .  nix .

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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Spassprediger

Über sich: “We're all mad here. I'm mad. You're mad.” “How do you know I'm mad?” said Alice. “You must be,” sai...

Mitglied seit:21.08.2005

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Vertrauende:64

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 53 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Fühlen Sie sich angesichts der Überschrift, die ich mir für diesen Beitrag ausgewählt habe, zurückversetzt auf die Schulbank? Falls dem so ist und Sie deshalb ein unangenehmes Gefühl beschleicht, kann mein Tipp an Sie nur wie folgt lauten: Lesen Sie nicht weiter – der Trip in die Vergangenheit endet keinesfalls bei der Überschrift.



Die Älteren unter Ihnen werden sich erinnern: Es gab eine Zeit, in der noch nicht alle Taxis weiß waren, in der ein gewisser Schmatzriegel noch „Raider“ hieß und in der es noch keine Alternative zum gebührenfinanzierten Programm der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender gab.

Aber wie heißt es so schön? “Some things change and some things don’t“ – Martin Semmelrogge gab’s zum Beispiel damals schon, und schon im jungen Semmelrogge deutet sich vieles an, das erst viel später zur vollen Blüte gelangen wird.

„Damals“ soll hier übrigens soviel heißen wie „im schönen Jahr 1977, in dem erstmals eine Serie mit dem Titel ‚Die Vorstadtkrokodile’ über die Mattscheibe flimmerte“. Auch damals gab’s Semmelrogge, und es gab ihn auch schon als Schauspieler zu bewundern. Irgendwer muss schon sehr früh erkannt haben, wo genau das besondere Talent von Semmelrogge liegt – die Entscheidung, die Rolle eines halbstarken Ganoven mit Semmelrogge zu besetzen, beweist mindestens ein gutes Gespür, vielleicht sogar eine hellseherische Gabe. Schließlich wurde Semmelrogge in den darauf folgenden Jahren so etwas wie das Paradebeispiel für einen strikt nach dem Type-Casting-Prinzip besetzten Darsteller, und nicht nur auf der Leinwand stand er oft mit mehr als nur dem einen sprichwörtlichen Bein im Knast.

Genau dort landet auch die Figur namens Egon, die Semmelrogge in der nach einem Kinderbuch gleichen Titels gedrehten Serie spielt, und genau dieser Titel ist auch die Antwort auf die in der Überschrift gestellten Frage: Einige der spannendsten Szenen in „Die Vorstadtkrokodile“ sind nämlich mit einem längeren Instrumentalteil von Deep Purples “The Mule“ unterlegt. Die deutlich erkennbar um sittlichen Nährwert bemühte Serie ist in meinen Augen deshalb nicht nur in einem sozialpädagogischen
Bilder von Fireball - 25th Anniversary - Deep Purple
Fireball - 25th Anniversary - Deep Purple Fireball 25th Anniversary - Fireball - 25th Annive
Nicht von Pappe: die CD, die im hübschen Schuber steckt.
Sinne wertvolles Kinderfernsehen, sondern auch musikdidaktisch begrüßenswert, zumal sie junge Zuschauer nicht nur spielerisch ans Werk von Deep Purple heranführt, sondern auch an die Hervorbringungen von anderen guten Bands wie z. B. Rainbow, Alan Parsons Project und Supertramp. Zu der Entscheidung, eine Kinderserie mit einem Stück Musik von einer LP zu unterlegen, die auch schon damals nicht mehr flammneu war, kann ich dem, der oder den Verantwortlichen (ja, so schön kann Grammatik sein) jedenfalls nur meinen herzlichsten Glückwunsch aussprechen.

“The Mule“ mag das erste Stück sein, das mir einfällt, wenn ich an das 1971er Album „Fireball“ denke; das erste Stück auf der LP ist es nicht. Das ist vielmehr das Stück, dem das Album seinen Titel verdankt, und allein der Auftakt von Stück und LP, in dem aus dem Sound einer anfahrenden Klimaanlage (!) unvermittelt ein Stück Rockhistorie wird, ist denkwürdig – es röhrt und rauscht eigentümlich, dann steuert Schlagzeuger Ian Paice das bei, was man auf Englisch wohl als “powerhouse drumming“ bezeichnen würde, und dann, auf einen Schlag, stößt der Rest der Band hinzu und beschert der Musikwelt dreieinhalb Minuten lang einen Vorgeschmack auf das, was viele, viele Jahre später einmal “Speed Metal“ heißen wird. Anders gesagt: Das Intro der 1971er LP „Fireball“ gestaltet sich ähnlich rasant wie das der ein Jahr zuvor veröffentlichten LP “In Rock“, die auf dem Trommelfell des nichts ahnenden Hörers gleich zu Beginn eine Granate namens “Speed King“ zündet.

Bis der CD-Player im Display 3:25 anzeigt, ist alles gut; über das, was darauf folgt, ist nicht nur die Fangemeinde von jeher stark geteilter Meinung, sondern offenbar auch die Band selbst.

Tatsächlich wirkt das Songwriting von „Fireball“ fahriger und weniger geschlossen als das des Vorgängeralbums – insgesamt fehlt es „Fireball“ an der rohen Kraft, die der furiose Auftakt verheißt und die auch „In Rock“ prägt. Kein Stück ist wirklich schlecht, aber es fehlt der musikalische rote Faden, der die einzelnen Elemente eines uneinheitlich wirkenden Albums miteinander verknüpfen könnte. Vor allem “Anyone’s Daughter“, dessen Veröffentlichung auf “Fireball“ Sänger Ian Gillan im Nachhinein als Fehler bezeichnete, fällt deutlich aus dem Rahmen. Mit Blackmores im Hintergrund gespielter Slide Guitar und Jon Lords Honkytonk-Klavier macht der Song deutliche Anleihen beim Genre „Country & Western“ – mit anderen Worten: “Anyone’s Daughter“ ist nicht unbedingt repräsentativ für das Schaffen der Progressive Rock-Pioniere Deep Purple.

Dass der Song deshalb schlecht sei, will ich damit nicht gesagt haben – er passt nur einfach in etwa so gut zu Deep Purple wie ein großzügiger Klecks Vanillesauce auf die Currywurst. Wer sich etwas eingehender mit dem Frühwerk Blackmores aus der “Pre Purple Era“ befasst, stößt aber irgendwann unweigerlich auf die Wurzeln von “Anyone’s Daughter“ – eine Ende der 60er Jahre unter der Firmierung “Ritchie Blackmore Orchestra“ eingespielte Version des Liedchens “Little Brown Jug“ zum Beispiel verrät ebenfalls, dass Blackmore durchaus eine Ader fürs Volkstümliche hat. Noch früher spielte Blackmore in einer Band, die sich „The Outlaws“ nannte und die Singles mit Titeln wie „Texan Spiritual“ und, unter dem Titel „Doo Dah Day“, auch schon mal eine Coverversion des Songs „Camptown Races“ (Sie werden es erkennen, wenn Sie es hören) einspielte.

Da führen “No No No“ und auch “Demon’s Eye“ den Stil der Band schon konsequenter fort, das epische “Fools“ besteht den Purple-TÜV ebenfalls mit Bravour, und auch “No One Came“ passt durchaus in den Katalog der Band. "Fools" ist ein persönlicher Favorit von mir; der Text erinnert mich an eine Reihe von Stücken, die Sänger Gillan später für seine Solo-Veröffentlichungen geschrieben hat.

Grundsätzlich ist “Fireball“, so empfinde ich das wenigstens, ein Album, das sich zunächst etwas sperrig gibt und seine wahren Qualitäten ggf. erst im Zuge der wiederholten Beschäftigung mit dem darauf enthaltenen Material preisgibt – insgesamt fehlt es dem Album einfach an leicht zugänglichen Krachern wie etwa “Strange Kind of Woman“, das ursprünglich ebenfalls auf “Fireball“ hatte erscheinen sollen, in der Folge dann aber doch nur als Single veröffentlicht wurde. Bezeichnenderweise hat keines der Stücke von “Fireball“ die Weihen erfahren, in den Katalog der immer wieder auch live dargebotenen DP-Evergreens aufgenommen zu werden –“Speed King“ zählt nach wie vor zum Live-Repertoire, “Fireball“ kam dem Vernehmen nach nicht einmal in die engere Auswahl.

Die anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Albums veröffentlichte Neuauflage von „Fireball“ bietet freilich nicht nur die sieben Stücke des Original-Plattenschnitts, sondern darüber einige Goodies, die nicht nur bekennenden Fans das Herz aufgehen lassen müssten: “Freedom“ z. B. war lange Zeit nur auf einer meines Wissens nie auf CD veröffentlichten Doppel-LP erhältlich gewesen; „I’m alone“ und „Slow train“ sind zwei weitere Perlen, derentwegen es sich lohnen kann, die CD-Erstveröffentlichung von „Fireball“ einzumotten und durch die “25th Anniversary“-Ausgabe zu ersetzen.

Optisch hebt sich das gute Stück von der Erstveröffentlichung übrigens durch ein gefällig gestaltetes Pappschuberchen ab, und im Gegensatz zur stiefmütterlich aufgemachten Original-CD bietet die Neuauflage außerdem ein umfangreiches Booklet – Interessierten, die mit dem Kauf von „Fireball“ liebäugeln, kann man also guten Gewissens zum Kauf der ein Vierteljahrhundert nach der Original-LP erschienenen CD-Fassung raten.

R e s ü m e e

„Fireball“ ist ein Album, das mit jedem erneuten Hören hinzugewinnt. In der Vergangenheit hat das 1971er Studioalbum der legendären Band Deep Purple für meine Begriffe allzu viel Schelte bezogen. Vieles auf „Fireball“ mag gewöhnungsbedürftig und im Vergleich mit den zuvor erschienenen LPs und Singles der Band auch sehr ungewohnt erscheinen, aufgeschlossene Hörer aber erwartet ein Album, auf dem die Band sich dafür ungemein vielseitig präsentiert. Die 1996 erschienene „25th Anniversary Edition“ bietet neben den sieben Stücken des Original-Plattenschnitts neun weitere Stücke, die teils sehr hörenswert sind und die Neuauflage zu einem guten Griff machen – übrigens gleichermaßen für Fans, welche die Original-CD durch eine besser ausgestattete Version ersetzen möchten, wie auch für interessierte „Neukäufer“.


Die Stücke des 1971er Plattenschnitts:

1. "Fireball" 3:25
2. "No No No" 6:54
3. "Demon's Eye" 5:19
4. "Anyone's Daughter" 4:43
5. "The Mule" 5:23
6. "Fools" 8:21
7. "No One Came" 6:28

Zusätzliche Stücke auf der CD der „25th Anniversary“-Neuauflage:

8. "Strange Kind of Woman" (a-side remix '96) 4:07
9. "I'm Alone" 3:08
10. "Freedom" (album out-take) 3:37
11. "Slow Train" (album out-take) 5:38
12. "Demon's Eye" (remix '96) 6:13
13. "The Noise Abatement Society Tapes" 4:17
14. "Fireball" (take 1 - instrumental) 4:09
15. "Backwards Piano" 0:56
16. "No One Came" (remix '96) 6:24


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
hr.biernot

hr.biernot

27.03.2011 17:34

@ Überschrift - ich habe im ersten Schuljahr tatsächlich Mengenlehre gelernt. Der größte Blödsinn überhaupt - da ist diese Musik weitaus besser...

sussmannwerner

sussmannwerner

16.03.2011 22:20

klasse, leider geht mein bh nicht mehr lg

CiaoFonzie

CiaoFonzie

16.03.2011 19:02

hier kommen wieder ne Menge Infos rüber. LG Matthias

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  2. mp3undlos
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  1. t.schlumpf
  2. hr.biernot
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