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I will BREEEEEEEEAAAAAK!

4  09.08.2006

Pro:
eingängige, gut produzierte und abwechslungsreiche Rockmusik, vorgetragen von einer famosen Sängerin

Kontra:
wenig eigenständiger Sound

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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23Skeebob

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:194

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 83 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Dumpfe, tiefe Gitarrenklänge. Eine Frauenstimme, zart und gefühlvoll. Hoch und sanft. Klingt nach Schmuse-Rock. Irgendwie. Zuckersüß wird ins Mikro gehaucht. Doch dann...folgt der Weckruf:
"I will BREEEEEEEEEEEEEAK!" Ein Schrei, ganz tief unten aus der Kehle. Rumms. Willkommen bei Flyleaf!

Das selbstbetitelte Debütalbum erscheint bei uns erst in wenigen Tagen, nämlich am 18.8. Dass ich dennoch schon im Besitz der (gebrannten, ich gebe es zu) Platte bin, verdanke ich einem Kommilitonen, der in den Ferien in den USA war und dort die Band entdeckte. Ich werde mir allerdings das Original zulegen, wenn es denn in den Läden erhältlich ist. In ihrem Heimatland laufen die Singles I'M SO SICK und FULLY ALIVE, zwei wunderbare Rocksongs mit unwiderstehlichen Refrains, rauf und runter - wird also Zeit, dass die Band auch bei uns die Aufmerksamkeit erhält, die sie verdient.

Flyleaf stammt aus Texas und besteht aus fünf Mitgliedern: an den Gitarren toben sich Sameer Bhattacharya und Jared Hartmann aus, während Pat Seals und James Culpepper an Bass respektive Drums den nötigen Rhythmus vorgeben. Im Mittelpunkt aber steht eine Frau: Lacey Mosley, die für den Gesang zuständig ist. "Flyleaf" erscheint bei Gun Records und umfasst die folgenden Titel:

I'm so Sick
Fully Alive
Perfect
Cassie
Sorrow
I'm Sorry
All Around Me
Red Sam
There for You
Breathe Today
So I Thought
(auf der in wenigen Tagen erscheinenden deutschen Ausgabe ist noch ein 12. Titel namens "Tina" zu hören)

Wie könnte man die Musik der Band in wenigen Worten beschreiben? Das ist schwer. Flyleaf mischen verschiedene Rockstile: es sind sowohl Anleihen von Alternative, Crossover als auch Poppunk enthalten. Einige Titel könnten unter die Kategorie Schmuserock fallen, andere Songs dagegen sind deutlich härter. Ich würde das Ganze also als kernige Rockmusik zusammenfassen. Allerdings muss man sagen, dass die Band das Rad nicht neu erfindet.

Die Musik klingt meist konventionell, echte Ideen findet man selten. Auch die Instrumentierung ist auf Gitarre, Bass und Schlagzeug beschränkt. In vielen Titel, z.B. in BREATHE TODAY ist die Gitarrenarbeit nicht gerade anspruchsvoll, ausufernde Riffs gibt es auch kaum/nicht zu hören. Etwas schade ist nur, dass die Musik nicht druckvoller ist. Härtere Riffs oder Drums würden einigen Titeln sicher gut zu Gesicht stehen.

Über weite Strecken sind die Songs mittelmäßig schnell, in den Balladen wird's natürlich langsamer. Das Schlagzeugspiel ist leider auch wenig innovativ. James Culpepper bekommt leider zu selten die Möglichkeit, die Initiative zu ergreifen.

Aber: es soll jetzt nicht der Eindruck entstehen, als würden Flyleaf nur 0815-Musik von der Stange präsentieren. In vielen Titeln gibt es nämlich überraschende Tempowechsel, die die Songs auflockern. Bestes Beispiel dafür ist ALL AROUND ME. Knappe drei Minuten lang ist der Titel eine wunderbar klingende Rockballade mit einem einlullenden Refrain, der sofort ins Ohr geht. Doch dann folgt für die letzten Sekunden dieser unerwartete Rhythmus- und Tempowechsel, der das komplette Songgefüge durcheinanderbringt.

Zur Verdeutlichung stelle ich jetzt einen Titel genauer vor. Ich habe mir dafür RED SAM ausgewählt, da dieser in meinen Augen schön die Musik von Flyleaf repräsentiert. Zunächst startet der Titel mit druckvollen, wenig anspruchsvollen Riffs, die dann in einer ruhigen Strophe münden. Hier wird Lacey fast ausschließlich vom Bass begleitet - erst im Refrain geht es dann wieder härter und schneller zur Sache. Natürlich verändert sich auch der Gesang entsprechend: in den Strophen klingt Lacey ruhig, im Refrain singt sie kraftvoller, bevor im Schlussakt wieder ihr markantes Geschrei zum Einsatz kommt.

Meines Erachtens liegt die große Stärke von Flyleaf darin, eingängige Lieder zu schreiben. Bei den meisten Titeln kann man relativ schnell die Refrains mitsingen, weil sie so einprägsam sind. Dennoch sind die Songs vom Attribut "poppig" weit entfernt, schließlich handelt es sich nach wie vor um echte Rockmusik - bis auf die Balladen natürlich, die nicht fehlen dürfen. THERE FOR YOU ist die erste echte Ballade des Albums, die treffend mit dem Adjektiv "schön" bezeichnet werden kann. Ein süßer, ohrwurmartiger Refrain wird kombiniert mit zart gesungenen Strophen. Die Gitarren werden ganz sanft angeschlagen und klingen fast wie ihre akustischen Kollegen. Allerdings ist der Text wenig originell - es geht um wahre Liebe: "I want to be there for you / And be someone you can come to / The love runs deeper than my bones / And I want to be there for you".

Glücklicherweise gilt das mit den wenig einfallsreichen Texten nicht für alle Titel. Andere Songs bauen textlich eine sehr düstere Atmosphäre auf: CASSIE zum Beispiel ist einer der härtesten Titel des Albums und beschäftigt sich mit dem Thema Selbstmord: "Do you believe in God/ Written on the bullet / Say yes to pull the trigger / Do you believe in God / Written on the bullet / And Cassie pulled the trigger". Missbrauch wird in Titel Nummer sechs, I'M SORRY, behandelt.

Doch es kommt natürlich nicht allein auf die Texte an, sondern auch daran, wie sie vorgetragen werden. Und wie ich aber schon weiter oben gesagt habe: im Mittelpunkt der Band und absoluter Fixpunkt der Platte ist die Sängerin. Und es ist schlicht und ergreifend UNGLAUBLICH, was diese Frau am Mikrofon leistet. Viele Passagen von ihrem Gesang klingen irgendwie nach Avril Lavigne - die Tonlage, die Betonung. Doch Lacey besitzt gegenüber Avril einen entscheidenden Vorteil: sie ROCKT.

Lacey hat die Fähigkeit, ihre Stimme dem Text anzupassen: zuckersüß singt sie in den ruhigen Titeln. Bei CASSIE wird mehr gesprochen denn gesungen. In BREATHE TODAY (hier geht es darum, sich selbst zu finden und sich von Zwängen zu befreien) singt sie in den Strophen kalt und abweisend. Aber mit all diesen Facetten ist ihr Stimmvolumen noch lange nicht ausgereizt. Sie haucht. Sie schreit. Sie säuselt. Sie flüstert. Sie...sie...sie. Mir gefällt das, was auf dieser Platte geboten wird, außerordentlich gut. Mit dieser Frontfrau ist Flyleaf im Dschungel der Rockbands ein Fixpunkt, da sie eine unvergleichliche Stimme hat, die wohl nur wenige Rocksängerinnen aufweisen können.

Zusammenfassend?

Wie schon gesagt: musikalisch können Flyleaf das Rad nicht neu erfinden. Sie spielen bodenständige Rockmusik, die irgendwie zwischen Crossover, Alternative und Power Rock hin und herpendelt, dabei aber auch zahlreiche ruhige Momente aufweist.

Alle Songs haben aber eines gemeinsam: sie sind mit Gefühl und Leidenschaft vorgetragen. Das gilt vor allem für die Sängerin. Schon im Opener zeigt sie, wie wandlungsfähig ihre Stimme ist, wenn sie vom zarten Hauchen am Anfang zum kraftvollen Gesang im fantastischen Refrain und eben zu diesem Urschrei "I will break" wechselt.

Ich kann die Platte auf jeden Fall nur empfehlen. Flyleaf ist eine junge und talentierte Band, die die leichten Innovationsschwächen locker mit einer grandiosen Sängerin wettmachen kann. So muss Rockmusik klingen!

Schade ist allerdings nur, dass die Titel nach einer guten halben Stunde schon vorbei ist. viele der elf Titel kratzen an der drei Minuten-Marke, überspringen sie aber nicht. Somit ist "Flyleaf" ein sehr kurzweiliges Vergnügen, das aber gerne zum wiederholten Hören einlädt.
In der Gesamtabrechnung erhält die Platte von mir 4 Sterne. Wenn beim nächsten Album die musikalische Abteilung mehr Freiheiten erhält und auch etwas druckvoller agiert, dann klappt es auch mit der Höchstwertung!

_

Nachtrag: Wer jetzt neugierig geworden ist, sollte bei www.flyleaf-music.de vorbeischauen und sich dort die Hörbeispiele und die Videos zu Gemüte führen.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Innere_Stimme

Innere_Stimme

14.08.2006 22:22

Tja, ich hab mal bei youtube zwei Clips durchlaufen lassen....klingt irgendwie wie Evanescence für Arme. ;-) Naja, nicht schlecht, aber auch nicht überragend....hört auf eure Innere_Stimmt

Milsch

Milsch

09.08.2006 23:10

Puh - die Beschreibung des Stils lässt mich ein wenig ratlos. Soll ich oder nicht? Eine unspektakuläre Formulierung erweckt mein Interesse, andere werden sie wohl überlesen: "eingängige Lieder". Wenn das zutrifft, bin ich hier richtig - dann stünde Flyleaf in einer Reihe mit Paul Weller, Paddy McAloon und im weiteren Sinne George Michael. I might try this out.

Lucie0107

Lucie0107

09.08.2006 22:01

Fesselnde Schreibe. Respekt und ein BH. LG Lucky

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