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Force Majeure - Tangerine Dream

Gesamtbewertung (1): Gesamtbewertung Force Majeure - Tangerine Dream

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5  26.07.2008 (22.02.2008)

Pro:
Alles, Musik diesmal wirklich leben und erleben, der CD - Player funktioniert noch .

Kontra:
Kalt, nochmals kalt, einfach kalter Sound, in der Fanszene nicht so beliebt, sonst nichts .

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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thearcadefire

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:41

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 134 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Frostige Zeiten durch frostige Musik. Lieber Leser, magst Du Kraftwerk, magst Du kalte, sterile Musik aus dem Synthesizer ? Ja, dann bist Du genau richtig bei meinem heutigen Bericht zum Thema Tangerine Dream. Es soll heute um das Album "Force Majeure" von 1979 gehen, ein Album, was auch in der Fanszene von Tangerine Dream nicht so ganz unumstritten ist, aber der Reihe nach, denn nicht nur Fans von elektronischer, kalter und steriler Musik oder von Tangerine Dream dürfen, Interesse vorausgesetzt, nun weiterlesen. Auch Fans von psychedelischen Klängen, gar Fans der frühen Pink Floyd und alle, die auf ausgedehnte, elektronisch verzerrte Gitarrensoli stehen, die sind noch immer ebenso direkt angesprochen, wie auch die zahllosen Techno-Jünger unserer Zeit, denn an deren heutiger Musik, der ganzen Techno-, Trance- und / oder Chill-Out-Szene sind u.a. auch Tangerine Dream nicht ganz unschuldig. Sie sind Pioniere, die zusammen mit Kraftwerk, Pink Floyd, Klaus Schulze, aber auch Steve Reich, Philip Glass, Terry Riley, Brian Eno oder Florian Fricke (Popol Vu), den Weg in die heutige Musik geebnet haben. Zur Band Tangerine Dream möchte ich derzeit nicht viel erzählen, vieles ist dazu in meinen 2 Berichten, welche quasi eine Biographie dieser Band widerspiegeln, nachzulesen, allerdings haben sich mittlerweile die aktuelle Ereignisse überschlagen, so daß beide Berichte dringend eines größeren Updates bedürfen bzw. ggf. ein dritter Bericht zum Thema notwendig ist, das steht jedoch auf einem anderen Blatt.

Um aber die Stellung der CD bei den Fans und in der Geschichte der Band zu verstehen, ist eine Kenntnis wichtig, das langjährige Mitglied Peter Baumann hat 1977 die Band mehr oder minder plötzlich verlassen, ein erheblicher Verlust für die Band, denn die Mehrheit der Fans empfindet entweder die Phase vor "Phaedra" 1974 als die kreativste und beste Phase der Band (die sogenannten "Pink Years") oder eben die 1. Phase der "Virgin Years" (von 1974 bis 1977 und somit mit Peter Baumann). Mit dem Album "Cyclone" von 1978 und dem Mitwirken von Steve Joliffe (Klavier, Flöte, Synthesizer) und Klaus Krieger am Schlagzeug löste die Band fast Aufstände bei den Fans und riesige Bestürzung aus, da die darauf befindlichen Songs bis auf den langen instrumentellen Titel "Madrigal Meridian" mit "uninspirierten" und zudem auch noch von Steve Joliffe gesungenen kürzeren Stücken aufwartete, aber sich zudem an den damals gängigen Zeitgeist des Prog-Rocks anfügte. Auch dieser Nachfolger "Force Majeure", eben mein heutiges Thema, kann sich dieser Kritik nicht vollends entziehen, ehrlich, so schlecht empfand ich persönlich "Cyclone" zwar nie, allerdings habe ich diese CD nicht in meinem Besitz, so daß ich sie bisher ausgelassen habe und wohl auf absehbare Zeit auch nicht mehr hören oder gar in Form eines Berichtes beschreiben werde, denn auch die Mini-Disc mit den Aufnahmen von diesem Album ist derzeit nicht greifbar. Ganz anders ergeht es mir mit dem zunehmenden Hören von "Force Majeure", denn dieses Album finde ich persönlich doch deutlich besser, als es insgesamt in der Fanszene ankommt, dieses trotz der Eiseskälte, die die Titel teilweise ausstrahlen, trotz der Ähnlichkeiten zu Kraftwerk, die ich wohl nie besonders mochte, aber vor allem trotz der oft diesem Album und damit dessen Songs vorgeworfenen "Abfolge von Stücken, die insgesamt keine Einheit ergeben zu scheinen und die ohne Zusammenhang sein sollen" (vergleiche dazu die entsprechende Rezension von Jochen Rindfrey auf Babyblaue-Seiten bzw. Babyblaue-Prog). Oftmals kann ich mich den Rezensionen von Jochen Rindfrey oder auch anderen in bestimmten Meinungen anschließen, vor allem empfinde ich auch die Werke der "Pink Years" und aus der Ära mit Peter Baumann von Ausnahmen abgesehen ("White Eagle", "Tangram", "Hyperborea" und "Poland") als die beste Phase der Band, mit Meilensteinen der Musikgeschichte, die eigentlich mehr oder minder von jedem Musikfan zumindest in Teilen einmal gehört worden sein sollten. Aber genau bei diesem Werk kommen wir gänzlich nicht auf einen gemeinsamen Nenner, im Gegenteil, denn gerade diese teils deutlichen Anleihen zum Prog-Rock und den teils doch mehr als deutlichen Anspielungen in Richtung Pink Floyd sind genial, irgendwie "klauen" ja Tangerine Dream von Pink Floyd, Klaus Schulze orientiert sich an Pink Floyd, aber auch die Mannen um Roger Waters und David Gilmour haben dann gegenteilig viele Sounds, Werke oder Anleihen von Tangerine Dream und Klaus Schulze für sich wieder übernommen ... Gerade in den Zeiten bis etwa 1979 / 1980 sind diese Parallelen manchmal noch sehr deutlich. Wer mir nicht glaubt, der Vergleiche doch z.B. einmal "One Of These Days" von Pink Floyd mit einigen Phasen des Songs "Thru Metamorphic Rocks" von Tangerine Dream, einem Song, der auch auf diesem Album "Force Majeure" zu finden ist. Doch schauen wir einmal genauer hin. Bevor dieses aber gemacht wird, vielleicht noch eine kleine Bestätigung zur Meinung des zuvor zitierten Jochen Rindfrey, denn auch ich vermute, daß dieses Album eher den Leuten gefallen mag, die sonst nicht so auf Elektronik stehen (durch die besagte doch teilweise sehr deutliche Rockorientierung).

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Frisch aus dem Gefrierfach:
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Auch dieses Mal kenne ich sowohl die Ausgabe aus der Definitive Edition, die mir gerade vorliegt, als auch die erste CD-Ausgabe von Virgin, das Cover unterscheidet sich wie fast immer nur unwesentlich, wie immer sind beide Bilder dem Bericht angehängt, wie zumeist weiß ich auch wieder nicht, was das Cover-Motiv denn darstellen soll, auch dieses mag so jeder Leser für sich selbst entscheiden. Der gelblich-orange
Bilder von Force Majeure - Tangerine Dream
  • Force Majeure - Tangerine Dream Force Majeure alt
  • Force Majeure - Tangerine Dream Force Majeure neu
  • Force Majeure - Tangerine Dream TangerineDream_Front
  • Force Majeure - Tangerine Dream TangerineDream_Booklet_outside
Force Majeure - Tangerine Dream Force Majeure alt
Cover alt
Ball jedenfalls könnte für mich eine Sonne darstellen, wäre dann aber ein krasser Gegensatz zum Sound, Wärme gibt es in Form von Klängen auf diesem Album eigentlich nicht, im Gegenteil, die Klänge sind eher sehr kühl. Soundlich unterscheidet sich die neuere Ausgabe (Definitive Edition) nur sehr unwesentlich von den Originalaufnahmen, lediglich das sonst etwas vernehmbare Rauschen ist auf der neueren Veröffentlichung nicht mehr hörbar, unter dem Strich wirken auch die Sounds (noch) steriler und die Schlagzeugsounds klarer, aber wer eine ältere CD oder gar eine Ausgabe auf Vinyl sein Eigen nennt, dürfte auch dort noch klanglich sehr gut bedient werden. Soundlich lohnt sich die Neuanschaffung dieses Albums durchaus, optisch und in Sachen Service hingegen empfinde ich die Unterschiede zwar als relevant, aber obwohl in dem Booklet der neuen Veröffentlichung eine Story zur Band nachzulesen ist, die übrigens von Mark Prendergast in London 1993 als "Remembering The Dream" verfaßt wurde, so ist dieser zumindest für Fans der Band (oder für Leser meiner 2 Berichte über die Biographie der Band) nichts wirklich Neues zu entnehmen. Eher im Gegenteil, denn ich persönlich empfinde diesen Text schon fast als Zumutung. Das optische Bild des Booklets, welches neben einigen wenigen zusätzlichen Informationen zur Produktion des Albums und zur Besetzung auch alle Covermotive der Virgin Years abgebildet zeigt, ist hingegen recht ansprechend, jedoch viel wichtiger ist der Sound, so gibt es folgende Songs zu hören:

1. Force Majeure [18:17]
2. Cloudburst Flight [7:27]
3. Thru Metamorphic Rocks [14:30]

Spieldauer: ca. 40,5 Minuten
Produktion: Edgar Froese, Christopher Franke
Musik: Edgar Froese, Christopher Franke (im weiteren Verlauf des Berichtes Chris Franke) und Klaus Krieger (Schlagzeug)
Aufgenommen: August / September 1979 in den Hansa-Studios, Berlin
Cover-Design: Monique Froese
High Definition Remastering: Simon Heyworth in den Chop 'Em Out-Studios, London
Re-Release dieser Edition: 1995

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Auf zum Eiskratzen:
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Hören wir einfach einmal hinein, nehmen den Eiskratzer und erhoffen, daß die Gänsehaut, die ich teilweise beim Anhören bekomme, auch manchen Leser überkommt, wie ich bereits zuvor in anderen Berichten zu Tangerine Dream-Alben geschrieben habe, es ist nicht nur das bloße Anhören, was die Alben einerseits so genial bzw. interessant macht, es ist das Erleben dieser Sounds. Die einzige Bedingung ist, man muß sich darauf einlassen wollen (und dann wird fast jeder Leser an irgendwelchen Werken der Band seinen Gefallen finden, wenn auch vielleicht die restlichen Alben dann nicht begeistern können). Nehmt Euch nun einige Minuten Zeit und folgt mir in die Tiefen der "sensibilisierten" Musik, die das Innere meiner Haut scheinbar fast nach außen kehrt bzw. gleich beim ersten Song eine Gänsehaut bei mir zu erzeugen vermag, die manchem Reptil schon als Panzer gut stehen mag.

1. Force Majeure:

Ein unscheinbarer Titel, ein Zwang der bzw. zur Mehrheit, erinnert irgendwie namentlich an "Tour de Force" von Kraftwerk, soundlich kann ich das nicht bestimmen, da ich das Album der Kraftwerker dann doch zu wenig kenne, aber es ist zumindest eine Tour durch die tiefsten Gefühlswelten. Ganz besonders verantwortlich hierfür ist eine Stelle nach ca. 12 Minuten, die einerseits eine der bekanntesten Sequenzen der Bandgeschichte Tangerine Dreams beinhaltet, aber andererseits auch (zumindest für mich) den höchsten Gänsehaut-Faktor überhaupt hat. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob ich immer den ganzen Song an jeder Stelle in einem Konzert erkennen würde, aber zumindest diese Sequenz ist jederzeit zu erkennen und einfach genial, allein dadurch lohnt sich dieser Song bereits, aber wir hören doch noch etwas genauer hinein.

Sounds wie bei einem Telespiel und wabernde Synthesizer eröffnen die ersten Sekunden des Stückes, flirrende Töne werden eingeworfen, alles klingt ziemlich düster und furchtbar, diese Einleitung würde so manchen Horrorfilm ziemlich gut vertonen. So nach knappen 2 Minuten sind Sounds zu vernehmen, die bereits an Pink Floyd erinnern, sehr hoch und erschreckend, daran schließen sich elektronische Sounds und ein Cello, gespielt von Edvard Meyer, an. Sind die Anfänge dieses Songs bis zu etwa 3:50 Minuten sehr klassisch gehalten, so taucht gleich sehr abrupt ein Sound auf, der bereits den Anfang vergessen läßt, derber Bass, ein kurzes Spiel auf dem Klavier, in welches Gitarren in dem so typischen Edgar Froese-Stil einsetzen, der mich oft an Jimi Hendrix in mehr oder minder synthetischer Form erinnert. Die nächsten 4 Minuten gehören nun diesen Gitarreneinsätzen, doch so schnell, wie diese gekommen sind, so schnell verändern sich die Sounds dieses Titels bei ca. 6:45 Minuten auch wieder.

Dezentes Klavier, dazu sanfte akustische Gitarren, Paukensounds und sehr viel Trommel sind zu vernehmen, dahinein folgen wilde Figuren eines Synthesizers, anfangs recht schnell und sehr hell gespielt, bauen sie nun ein gänzlich neues Motiv in diesem Song auf, kein wirklich unbekanntes Motiv für die Fans der Band, doch so besonders machen es die rhythmischen Einwürfe, die es sonst bei anderen Werken dazu nicht gibt. Mit den flirrenden Gitarrenlauten erinnert der Teil verdammt an eine sehr kalte sterile Form von Melodien von Kraftwerk mit kräftiger Gitarrenunterstützung, doch bei ca. 8:48 Minuten wandeln sich diese Sounds erneut. Die Synthesizer schlängeln sich durch den Titel, einige Sounds, darunter u.a. heulende Laute, Walschreie, Sounds wie bei einem Geiger-Müller-Zähler und stampfender Rhythmus, wie bei einer Dampflokomotive, die gerade abfährt, leiten jetzt den weiteren Fortgang zum absoluten Leitmotiv im Kraftwerk-Stil ein, es erinnert mich zuweilen sehr an "Radioaktivität" von eben jenen Mannen. Dahinein setzt nun die von mir bereits am Anfang beschriebene berühmteste Sequenz der Band. Gongschläge und völlig verzerrte Klaviertöne, mit synthetischen Klängen untermalt, sorgen für den absoluten Schauer und der besagten Gänsehaut, die Tieren bereits als Panzer dienen mag, es ist so kalt, steril, teils so übersteuert, daß man hier vor allem beim Hören auf seiner Stereoanlage auf seine Hochtöner achten sollte, entweder etwas Lautstärke oder zumindest etwas Höhe wegnehmen, ansonsten übernehme ich für deren weitere bzw. für deren Boxen ordnungsgemäße Funktion keine Garantien. Genau bei ca. 11:55 Minuten gibt es den ersten legendären Gongschlag, der Beginn dieser besonderen Sequenz war, welche dann mit entspannenden Melodienführungen, Synthesizer, Klavier und Mellotron, einhergeht, eines ist bereits bei diesem Song sehr auffällig und fast gewiß, Schlagzeuger Klaus Krieger dürfte bisher wohl deutlichst an Unterbeschäftigung gelitten haben. Doch kaum geschrieben, folgt sein kurzer Einsatz nun kurz vor Schluß (bei ca. 15:53 Minuten), ein Spinett, oder eher eine synthetische Version davon, erscheint dabei unterstützend zu spielen. Ab 16:20 Minuten wird ein Sound gespielt, der mich dann bereits etwas langweilt und wohl auch die Schwachstelle des Liedes ausmacht, genau dieses Motiv wird dann auch nochmals wiederholt. Na ja, denn eigentlich hätte man den Song um genau diese knapp 1,5 Minuten kürzen können, die dann allerdings mit einem sehr abrupten Ende und mit leichten Pianoklängen und schwabernden Synthesizersounds untermalt bei 17:41 Minuten diesem Song quasi das letzte Geleit geben. Diese wenigen Sekunden entschädigen mich für die vorherigen knappen 1,5 Minuten, die ich persönlich nicht mag, an dieser Stelle mag ich Jochen Rindfrey bedingt zustimmen, es wirkt irgendwie nicht einheitlich zum Rest, was wohl eher an dem recht langweiligen Motiv liegt, als an der Einpassung in den Song. Schade ist es aber dennoch, denn so vermag ich hier nicht die Traumnote vergeben, die der Song sich eigentlich verdient hätte, dieses vor allem wegen des Durchlebens zahlloser Gefühlswelten oder vielmehr Gefühlskälte zuvor.

Hier gibt es eine kleine Sequenz, die in etwa nach 12 Minuten einsetzt und dann bis zum Ende dieses Stücks andauert, leider ist die absolute Gänsehaut-Sequenz bereits vergangen, dennoch viel Spaß beim Anschauen und vor allem Anhören, obwohl der Sound bei YouTube doch dann und wann eher mau bei diesem Werk (zu verrauscht) ist.

http://www.youtube.com/watch?v=JT3vYhfDdwc

~10/10~

2. Cloudburst Flight:

Im ruhigen, von akustischen Gitarren und leicht verhangenen Keyboardpassagen, Anfang des Stückes lassen sich deutlichste Parallelen zu Pink Floyd vernehmen, hier ein wenig "Wish You Were Here", dahinein ein wenig "Welcome To The Machine", vielleicht gar eine Prise aus Phasen von "Shine On You Crazy Diamond", doch wer nun ein Pink Floyd-Cover oder einen bloßen Abklatsch des Albums "Wish You Were Here" erwartet, der sieht sich deutlich getäuscht. Auch das sind Tangerine Dream, die einzige Frage, die sich mir stellt, ist die, ob die Band das nötig gehabt hat ? Ja, diesmal gebe ich sogar gleich eine Antwort darauf, denn ich meine, ja, sie haben es. Einerseits, um die deutlich rockorientiertere Phase der Band nach der Ära Peter Baumann einzuleiten, wenn diese auch relativ kurz bleibt, andererseits gerade durch den Weggang von Peter Baumann, um dem damit verbundenen Wechsel im Line-Up und der teilweise musikalischen Neuorientierung mit vertrauten Melodien zu begehen, die zwar den Fans der alten Stunde nicht gleich vor den Kopf stoßen, andererseits aber auch den ein oder anderen Fan neu gewinnen läßt, der vielleicht mit der kosmischen Musik, den bisher sehr harmonischen, vielfach spacigen und nahezu reinelektronischen Produktionen gar mehr oder minder überfordert war.

Pink Floyd-Fans dürfen sicher dann und wann verstimmt sein, aber dennoch, auch Floyd hat sehr viel probiert, variiert, zumindest in den Anfängen, Stillstand ist Rückschritt, und so sind auch Tangerine Dream im Wandel, von den Sounds der Alben "White Eagle", "Hyperborea" oder das von mir bisher ausgelassene "Tangram" sind die Mannen um Edgar Froese immer noch sehr weit entfernt, aber bis dahin hat sich ja auch noch Johannes Schmoelling der Band angeschlossen. Jedenfalls dürfte Tangerine Dream mit diesem Song einer der beliebtesten und bekanntesten Titel der Band jenseits von Charts und Radioeinsätzen gelungen sein, zwar ist das Album insgesamt nicht ganz so beliebt, aber der Flug durch den Wolkenbruch ist es, der Grund läßt sich erahnen, diesmal liegt die Würze des Songs in seiner Kürze, viele Ecken und Kanten, die melodiös umgangen werden, zudem erinnert seine musikalische Essenz deutlich an besagten Flug durch einen Wolkenbruch oder die entsprechenden Regenwolken. Diesmal habe ich sogar einmal das Glück, neben der soundlichen Beschreibung dieses Titels auch die soundliche und bildliche Darstellung als Link zu YouTube allen interessierten Lesern mit auf den Weg zu geben.

Doch dieser Titel ist und bleibt der Song, der die wenigste Kälte ausstrahlt, im Gegenteil, im Vergleich zu den anderen beiden Titeln dieses Albums ist er fast schon mit einer herzlichen Wärme versehen. Gerade die Anfänge, mögen sie noch so sehr an Pink Floyd erinnern, sind ein echtes Highlight des Songs, doch die darin einsetzen synthetischeren Sounds harmonieren nahezu perfekt miteinander, so daß "Cloudburst Flight" ein Stück bleibt, was auf ein Best Of sollte und die Schnittstelle zwischen Pink Floyd und Tangerine Dream darstellt, wie nur sehr wenige Stücke, aber an dieser Stelle sei gleich gesagt, es ist nicht verboten, Pink Floyd zu mögen und Tangerine Dream zu hören oder umgekehrt, im Gegenteil, es liegt sogar nahe, genau in diese Verbindungsstellen zu stoßen, um den (musikalischen) Horizont erweitern zu können. An dieser Stelle möchte ich einen Vertrauten, den ich persönlich sehr gut kenne, der auch mich (und meinen Hang zu Tangerine Dream) kennt, der eigentlich mit der Musik von Tangerine Dream herzlich wenig anfangen kann, ansprechen, denn genau dieses Album und wohl auch "nur" dieses Album könnte Dir, Stephan, von dieser Band aber durchaus zusagen, bestimmt aber dieser Song (er weiß, daß er gemeint ist, falls er denn überhaupt hier liest), oder sollte ich mich so irren ?

Sei's drum, hier ganz speziell für alle Leser ein Link zu diesem Stück, so daß sich jeder (und ganz besonders besagte Person) ein Bild machen können:

http://www.youtube.com/watch?v=F0OrKx8DEYk

Insgesamt gibt es für mich an diesem sehr entspannenden und wunderschönen Stück rein gar nichts zu mäkeln (und da stimme ich sogar noch mit Jochen Rindfrey überein), im Gegenteil, je öfter ich den Song höre, desto besser gefällt er mir, obwohl er mir eigentlich immer schon gefallen hatte.

~10/10~

3. Thru Metamorphic Rocks:

Es ist zwar eine ungewöhnliche Schreibweise des Wortes "durch" (= through), aber ein Song, der die Verwandlung oder Umwandlung in einen Stein nicht annähernd musikalisch darbieten kann, im Gegenteil, ein Stein hätte wohl deutlich mehr Wärme als diese Sounds und Klänge hier, kalt, kälter, "Thru Metamorphic Rocks", lol. Zu spüren gibt es das zwar bereits in der relativ ruhigen Keyboard- / Klavierpassage am Anfang, doch was der Titel danach in sich vereint, das ist für mich schon einer gesonderten Erwähnung wert. Wer Stücken wie z.B. den Teilen von "Rubycon" oder "Ricochet" elektronische Kälte vorwerfen mag (und davon kenne ich etliche Leute), die sollten sich hier doch ganz dringend einen Pullover zulegen, lol. Sind nach den Anfängen erste Gitarren unter einem Synthesizer-Vorhang zu hören, diese Phase ist zwar deutlich kälter als beim zweiten Song "Cloudburst Flight", aber macht noch Spaß, so beginnt es nach etwa 4,5 Minuten richtig abenteuerlich, frostig und wirklich heftig zu werden. Schreckhafte Menschen dürften ob dieser Sounds Albträume oder Angstzustände, vielleicht sogar die ein oder andere Panikattacke bekommen, denn zu allen derben kalten synthetischen Sounds, einer fast genauso kalten und aggressiven Gitarrenführung sind noch diverse Töne zu vernehmen, die an die Mischung aus dem deutlich später entstandenen "Thriller" von Michael Jackson, u.a. ist Wolfs- oder Wehrwolfsgeheul zu hören, und zudem dem kalten synthetischen Vertonen einer typisch französischen Polizeisirene erinnern. Wortfetzen, die wieder extrem an "One Of These Days" von Pink Floyd erinnern und Gitarrenfragmente, die es bei "Igneous" auf "Thief O.S.T." zum Film "Der Einzelgänger" von Michael Mann (u.a. "Heat") auch später geben wird, ergänzen den "gefährlichen" Song dann auch. Stichwort "Igneous", dieser Song auf "Thief O.S.T." ähnelt dem Titel hier stark, er ist quasi ein kleiner Teil aus diesem hier doch noch sehr langen Titel, als Beitrag zum Soundtrack bleiben quasi noch etwa 5 Minuten aus diesem Stück hier über.

Steine sind hart, das hier ist (musikalischer) "Hartcore" (das ist hier mit voller Absicht mit t geschrieben). Trotz allem macht mir der Song aber Spaß, auch wenn die Eispickel auf meiner Haut keine Gänsehaut mehr sind, sondern schon deutlichst irgendwas darüber hinaus. Eines ist klar, dieser Song ist zu extrem, um Fans für die Musik der Band zu werben, im Gegenteil, damit kann man eher Leute vergraulen oder auch den ein oder anderen unliebsamen Gast verschrecken (oder gar verstören). Komischerweise ist das Ende fast schon unscheinbar und überraschend erreicht, aber wozu gibt es die Taste mit dem Aufdruck "Wiederholung" bzw. "Repeat" ? Genau, um nochmals hineinzuhören, ja, ich weiß, ich bin "krank" bzw. süchtig nach Sounds von Tangerine Dream, aber dieser Sound, so finde ich, macht heiß auf mehr davon. Einem Vertrauten hatte ich mal dieses Album vor einiger Zeit zukommen lassen, ich bin sehr gespannt, was er dazu sagt und wie er besonders diesen Song sieht, also Andreas, wie sieht es aus, bist Du meiner Meinung und verteilst auch hierfür die Höchstnoten (allein wegen des Feelings vielleicht) ?

Für alle interessierten Leser auch von diesem Song einen kurzen Ausschnitt, der so in etwa ab 4,5 Minuten im Song beginnt, also dem "schrecklichsten" Teil für alle zartbesaiteten Leser und Hörer, das Video an sich ist natürlich keines Blickes wert, ist ja "nur" ein Bild, lol.

http://www.youtube.com/watch?v=adKlTh65h04

~12/10~

########## ########
Heulende Wölfe:
##################

Mit heulenden Wölfen kann ich nun zwar nicht mehr dienen, die sind gerade verstummt, nachdem diese Scheibe (leider) geendet hat, aber mit einem Fazit, einer (eingeschränkten) Empfehlung, damit kann ich Euch noch dienen. Wer Kraftwerk, Pink Floyd oder jedwede Form der elektronischen Musik mag, der wird hier sogleich gratis nach Sibirien verfrachtet, wer zudem oder gar ausschließlich mal mehr oder minder elektronisch verzerrte Gitarren im Stile des großen Jimi Hendrix mag, wer generell Musik mag, zu der man chillen und / oder entspannen kann oder auch eben Musik mag, die man "erleben" bzw. "durchleben" muß, der hat an diesem Album ganz sicher sehr viel Spaß und kann sich meiner Empfehlung bedienen. Wem aber bereits der Song "Cloudburst Flight" zu kalt, zu steril oder auch einfach "nur" zu synthetisch bzw. zu elektronisch erklingt, der sollte von diesem Album ganz deutlich seine Finger bzw. seine Ohren lassen, auch für Menschen, die ängstlich bzw. schreckhaft sind, ist dieses Album nichts, selbst dann, wenn sie auf Michael Jackson stehen (der Leser weiß diese Zeilen zu deuten, dem Scroller sollte es egal sein).

Jedenfalls ist dieses Album für mich deutlich besser als sein Ruf in der Fanszene, nein, im Gegenteil, ich finde dieses Album richtig klasse, so vermag ich auch die Höchstwertung von 5 Sternen vergeben, wenngleich natürlich Alben wie "Ricochet", "Hyperborea" und das bisher ausgelassene "Tangram" nicht erreicht werden können, mit "Phaedra" und "White Eagle" darf es sich aber durchaus messen lassen. Das Erleben finde ich positiv und selten habe ich solche Gänsehäute wie auf dieser CD (bei mir) erlebt, den Titel als Album, was bei mir die größte Gänsehaut überhaupt erzeugt, dürfte "Force Majeure" wohl für immer innehaben. Den Titel für das Album jedoch sehe ich eigentlich als völlig verkehrt an, zumindest dann, wenn ich auf die übrige Fanszene höre, "Force Mineure" oder ein ähnlicher Titel wäre da passender, denn ich schwimme eindeutig gegen den Strom, vielleicht ist mein Alter schuld, denn die Mehrzahl der Tangerine Dream-Anhänger ist wohl 5-15 Jahre älter, gelle ?

Damit übergebe ich symbolisch den Eispickel und bedanke mich für alle Scroller (und wieder etwas verpaßt !), Lesungen, Bewertungen und Kommentare, deren sinnvoller ich mich sehr gerne erfreue, bedanke mich zudem für Eure immense Geduld und verbleibe mit höflichem Gruß an Euch und dem besonderen Gruß an Jochen, alles Gute, Sven

~ Den Scrollern möge die Eiszeit nicht nur auf dem CD-Player ereilen, der Klickfinger darf gleichsam dran glauben. ~


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
campino

campino

27.09.2008 06:24

Tangerine Dream habe ich auch noch , allerdings nicht im CD-, sondern im Schallplattenregal.

kleenerknuffi

kleenerknuffi

14.09.2008 15:22

„magst Du Kraftwerk, magst Du kalte, sterile Musik aus dem Synthesizer ?“ Leider muss ich da zu beidem „Nein!2 sagen. Aber Geschmäcker sind ja bekannter maßen unterschiedlich. Wäre sonst ja auch ein wenig langweilig. Was mich jedes Mal wieder aufs Neue beeindruckt ist die Tatsache, wie gut es dir gelingt einzelne Musikstücke zu beschreiben. Das ist etwas, was mir so überhaupt nicht liegt. Aber wieder zurück zu deinem Bericht. Nachdem ich mir jetzt auch noch die Links zu youtube angehört habe. Mmhh. Also. Es wird ganz sicher nicht meine Lieblingsmusik werden. Da ich eigentlich diese Art von Musik nicht so wirklich mag. Aber, obwohl ich eigentlich kein Fan von „elektronischer“ Musik bin, fand ich das gar nicht mal so schlecht. Allerdings muss ich ehrlich sagen, dass ich mir keine ganze CD davon anhören könnte. Wie dem auch sei. Auch wenn mich „Tangerine Dream“ jetzt nicht wirklich angesprochen hat, so fand ich deinen Bericht erstklassig. Aber da habe ich von dir auch nichts anderes erwartet. Liebe Grüße und noch einen schönen Sonntag, Bine.

Pik7

Pik7

05.09.2008 13:00

Mal wieder beschleicht mich das Gefühl, daß Dein Bericht ansprechender als die besprochene Musik ist. Es ist wahrlich ein Glück, daß Du zurückgekommen bist.

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