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Hallo liebe Leserinnen und Leser!
Kürzlich berichtete ich ja bereits von der neuen Iced Earth-Single "Overture of the Wicked", die zum einen mit "Ten thousand strong" einen erstaunlich guten Ausblick auf das kommende Album erlaubte und zum anderen mit der Neuaufnahme des Bandklassikers der "Something Wicked"-Trilogie einen absoluten Griff ins Klo machte. Nun ist es also soweit und der Release der kompletten Albums "Framing Armageddon (Something Wicked, Part 1) steht bevor und es wird Zeit einen Blick darauf zu werfen, ob die Truppe aus Florida dem positiven Eindruck der ersten neuen Komposition folgen oder ob man die Scheibe im Zuge des Something Wicked-Recyclings gleich mit in die Tonne treten kann. Wir werden sehen...
| ° Iced Earth |____________________
Die Mannen um Riffschrubber Jon Schaffer gehören seit nunmehr 13 Jahren zu den ersten Adressen, wenn es um riffbetonten, melodischen Metal geht und konnten nicht umsonst bereits mit dem gleichnamigen Debüt aus dem Jahre 1990 die Gunst der Krefelder Fantasy-Metaller "Blind Guardian" gewinnen. Er folgten zwei gemeinsame Tourneen, letztmalig im Jahre 1995, bevor man mit der Hinzunahme von Matthew Barlow an den Vocals und dem Album "Burnt Offerings" und dem Spawn-Konzeptwerk "The Dark Saga" die breitere Öffentlichkeit auf sich aufmerksam machte. Der Durchbruch gelang dann 1998 mit "Something wicked this way comes", einem Klassiker des Genres und dem Meisterwerk der Kapelle. Das im Anschluss daran aufgenommene Live-Album "Alive in Athens" mit seinen drei randvollen CDs zählt auch heute noch zu den besten Livedokumentationen in diesem Sektor.
Nach ausgiebigen Tourneen und Festivalauftritten nahm man 2001 das Album "Horror Show" auf, ein Konzeptalbum über die bekanntesten Monster der Weltgeschichte. Die anschließende Welttour sollte von großen Bühnenaufbauten und einem dreiteiligen Set geprägt werden, bei dem man Songs aus allen Schaffensperioden spielte. Nach dem Album trennte man sich zum Schock vieler Fans von Sänger Barlow, sucht lange nach Ersatz und fand diesen in früheren Judas Priest-Shouter Tim "The Ripper" Owens. Mit ihm wurde "The glorious Burden" eingespielt, ein von Patriotismus strotzendes Werk, welches nicht überall auf Gegenliebe stieß. Umso gespannter darf man sein, was Jon Schaffer & Co nun mit dem achten Studioalbum, "Framing Armageddon", für die Fans bereit halten.
| ° Discographie |____________________
1986 - Psychotic Dreams (Demo) 1988 - Enter the Realm (Demo) 1991 - Iced Earth 1992 - Night Of The Stormrider 1995 - Burnt Offerings 1996 - The Dark Saga 1997 - Days Of Purgatory 1998 - Something Wicked This Way Comes 1999 - The Melancholy EP 1999 - Alive In Athens (3 Live-CDs) 2001 - Horror Show 2001 - Dark Genesis (5fach CD-Box) 2002 - Iced Earth (Reissue) 2002 - Night of the Stormrider (Reissue) 2002 - Burnt Offerings (Reissue) 2002 - Tribute to the Gods (Cover-Collection) 2003 - The Reckoning (EP) 2004 - The Glorious Burden 2004 - The Blessed and the Damned (Best of) 2005 - Gettysburg (DVD) 2006 - Alive in Athens (DVD) 2007 - Overture of the Wicked (Single) 2007 - Framing Armageddon (Something Wicked, Part 1)
| ° Line Up |____________________
Jon Schaffer - Rhythmus- und Leadgitarre, Backing Vocals Tim Owens - Lead and Backing Vocals Brett Smedley - Drums Troy Seele - Leadgitarre Dennis Hayes - Bass
| ° Overture of the Wicked |____________________
01.) ~ Overture [02:24] ~ 6/10 02.) ~ Somewthing Wicked, Part 1 [05:02]~ 6,5/10 03.) ~ Invasion [01:00] ~ 04.) ~ Motivation of Man [01:34] ~ 7,5/10 05.) ~ Setian Massacre ~ [03:48] ~ 6/10 06.) ~ A Charge to keep ~ [04:24] ~ 7,5/10 07.) ~ Reflections ~ [01:50] ~ 9/10 <--- Anspieltipp 08.) ~ Ten thousand strong ~ [03:56] ~ 9/10 <--- Anspieltipp 09.) ~ Execution ~ [01:27] ~ 10.) ~ Order of the Rose ~ [04:51] ~ 8,5/10 11.) ~ Cataclysm ~ [01:30] ~ 12.) ~ The Clouding ~ [09:18] ~ 8/10 13.) ~ Infiltrate and assimilate ~ [03:48] ~ 8,5/10 14.) ~ Retribution through the Ages ~ [04:32] ~ 7,5/10 15.) ~ Somewthing Wicked, Part 2 ~ [02:59] ~ 8/10 16.) ~ The Domino Decree ~ [06:36] ~ 9/10 <-- Anspieltipp 17.) ~ Framing Armageddon ~ [03:40] ~ 8/10 18.) ~ When Stars collide (born is he) ~ [04:17] ~ 8,5/10 19.) ~ The Awakening ~ [02:01] ~ 3/10
Eigentlich ist es müßig, einem ehemaligen Sänger einer Band hinterher zu trauen. Und eigentlich ist es auch nicht angebracht, dies in jeder folgenden Rezension anzubringen. Denn auch wenn man es sich noch so sehr wünscht, die Tage mit Matthew Barlow als Frontsänger bei Iced Earth sind schon lange gezählt und während Barlow nun als Gesetzeshüter in seiner Freizeit bei einer Jazz-Combo trällert, schwingt Tim "The Ripper" Owens im Hause von Eiserde das Mikro. Doch die Hoffnung ist nicht ganz verloren, immerhin hat Barlow bei den dänischen Proggern von Pyramaze angeheuert und werkelt mit ihnen an einem neuen Album. Ach ja, und der "Ripper" kann für sich genommen natürlich auch ganz gut singen. Aber
Bilder
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an sein Organ bei Iced Earth muss man sich wirklich erst gewöhnen. Von daher ist es vielleicht nachvollziehbar, dass Mastermind Jon Schaffer einen Schnitt machen wollte nach dem letzten Output "The glorious Burden", was zwar inhaltlich nichts, dem Namen nach aber alles mit der Bürde eines neuen Sängers zu tun hatte. Deswegen wollte Schaffer auch die "Something Wicked"-Trilogie neu aufnehmen, um die "Altlast" Matthew Barlow von Bord zu werfen und mit dem neu vertonten Bandklassiker im Rücken erfolgreich in die Zukunft zu blicken. Immerhin arbeitete man schon seit Monaten an einem Doppelalbum, welches die komplette Wicked-Trilogie ausbaute und weitersponn. "Framing Armageddon", so der Name des ersten der beiden Silberlinge", steht ab dem 7. September in den Plattenläden, die Fortsetzung soll dann bereits nächstes Jahr im Februar folgen.
Dass Schaffer mit der Neuaufnahme der "Something Wicked"-Trilogie nicht überall auf Gegenliebe stoßen würde, hätte er sich dabei schon vorher denken können. Eventuell hat er es ja sogar getan und die kritischen Stimmen bewusst in Kauf genommen. Vielleicht war er aber auch der Meinung, dass er den Songs etwas Gutes tun und man die neuen Arrangements schätzen würde. Fakt ist jedenfalls, dass die Meinungen in der Tat geteilt sind. Einhellig ist man aber auch der Ansicht, dass der vorab ausgekoppelte Track "Ten thousand strong" ein recht starkes Stütz Hartmetall ist und sich durchaus sehen und sogar noch besser hören lassen kann. Von daher ist es ratsam, den von Schaffer gewollten Schlussstrich unter die Ära Barlow endlich zu ziehen und "Framing Armageddon" ganz objektiv und ohne Gedanken an die gesangliche Vergangenheit der Kapelle eine Chance zu geben, immerhin sieht Schaffer die Konzeptstory sicherlich als etwas wie sein kleines Meisterwerk an.
Den grandiosen Einstieg von "Ten thousand strong" noch in den Ohren klingend, freute ich mich also wirklich auf "Framing Armageddon" und erhoffte mir eine würdige Umsetzung der Konzept-Saga. Immerhin hat Schaffer sich eine wirklich feine und mehr als umfassende Geschichte ausgedacht, welche diesem Werk zu Grunde liegt. Der Stoff würde ebenso für eine Film-Trilogie reichen, soll aber zumindest kurz umrissen werden: Die Menschheit stammt ursprünglich nicht vom Planeten Erde, sondern ist schlicht und ergreifend ein kriegerisches Volk gewesen, welches nach einer Auseinandersetzung mit anderen Rassen dort notlanden musste, wo wir heute die Wüste Sahara wissen. Um den Drang nach Macht und Dominanz gegenüber den anderen Rassen zu unterdrücken, forcierten außerirdische Agenten verschiedene Religionen und Sprachen, um so die einst vereinte Menschheit in sich zu spalten. Fortan führten die Menschen gegeneinander Krieg, während mit der Zeit die Raumschiffe, mit denen sie gekommen sind, und damit auch die fortschrittliche Technik, im Sand versinken. Doch die Geschichte ist nimmt dadurch erst ihren Anfang, denn die Außerirdischen versuchen weiterhin eine Vereinigung der Menschen durch Intrigen und Manipulation zu verhindern. Wie Schaffers Geschichte ausgeht, verrät uns dann die Fortsetzung im nächsten Jahr.
Widmen wir uns nun aber "Framing Armageddon" selbst. Den Einstieg hat das Quintett dabei ganz geschickt gelöst, denn das Intro "Overture" führt den Zuhörer langsam in die ganze Sache ein, egal ob nun Fan der alten Alben oder nicht. Wer nämlich unbedarft an die Scheibe herangeht, kann sich von dem mystischen Intro gefangen nehmen lassen, während Fans der älteren Werke hier Ausschnitte aus den Melodiebögen der Wicked-Trilogie wiedererkennen werden. Zarte Streicher geben die Melodie wieder, während ethnisch angehauchte Percussion die Begleitung dazu mimen. Das Intro mag einen Tick zu lang geraten sein, doch wirklich störend wirkt dies nur bedingt. Was dagegen störend wirkt, ist der extrem verkackte Einstieg, den die Band dann mit "Something Wicked, Part 1" abliefert. Wo man eigentlich gerade nach einem derartigen Intro mit einem Donnerknall oder zumindest einem Paukenschlag hätte fulminant das Album einleiten müssen, sägen abgehackt wirkende Riffs, die man schon viel zu oft zuvor gehört hat, von Beginn an an den Nerven. Hinzu kommt, dass sich auch Shouter Tim Owens keinen Gefallen tut, indem er die einleitenden Chöre durch seine hohe Kopfstimme zu unterstützen versucht. Natürlich kann der Ripper singen und an passender Stelle klingt auch so eine hohe Kopfstimme nur noch geil, tritt quasi Arsch ohne Ende. Aber hier nicht. Hier wirkt es aufgesetzt und gekünstelt, ohne dem Song selbst dientlich zu sein. Ein kurzes Aufblitzen der alten Iced Earth-Qualitäten bieten die melodisch untermalten Übergangsriffs zwischen der Strophe und der Bridge, wo man sich sofort an die "Dark Saga"-Glanztaten erinnert fühlt. Doch diese Zeiten sind längst vorbei, das sollte dem langjährigen Fan spätestens nach dem Chorus klar sein. Altbackenes Riffgeschrubbe, teils vertrackt, aber stets ohne Sinn und Zweck sowie frei von Innovation bestimmt das Geschehen, so dass selbst der Ripper trotz gewollter Aggressivität in der Stimme hier nichts mehr reißen kann. Der Opener hat seine Wirkung verfehlt und lässt für den Rest des Albums Böses ahnen. Dem Konzept des Albums folgend geht es mit Zwischenspielen und richtigen Songs in einer heiteren Mixtur weiter. Das Lasergeballer und die Explosionen in "Invasion" wirken ein wenig billig, dafür überzeugt das kurze und mit viel Samples unterlegte "Motivation of Man". Hier kommt in eineinhalb Minuten trotz des Rippers sägenden Gesangslinien mehr Stimmung auf als im gesamten Opener. Der quasi nahtlose Übergang in "Setian Massacre" lässt dann zwar die Frage aufkommen, warum man die beiden ohnehin kurzen Titel nicht zu einem Song verknüpft hat, aber auf Konzeptalben macht sich eine lange Trackliste eben immer gut. Ob dabei die Songs selbst eher kurz sind und durch Interludes aufgebläht wurden, steht nicht zur Debatte.
Um die Rezension etwas abzukürzen und nicht jeden Song zu verpflücken: Das erste Drittel des Albums ist eine pure Enttäuschung. Alle Riffs wirken wie schon tausend Mal gehört, nur diesmal eben ein wenig anders zusammengeschustert und in neue Songs verpackt. Die Refrains versuchen mit Chor-Arrangements zu punkten und der Ripper am Mikro gibt sein Bestes. Mal gelingt die vokale Untermalung richtig gut, wie im schleppenden Midtempo-Groover "A Charge to keep", der mit seinem Bombast-Chorus aus einer Demons & Wizards-Session hätte stammen können und trotz langatmiger Chorus-Wiederholungen ein Highlight im ersten Albumdrittel darstellt. Mal sind die Vocals dagegen aufgesetzt und nervtötend, wie die zusätzlich eingesungene Kopfstimme in den Strophen von "Setian Massacre". Das kurze, von Akustikgitarren eingeleitete "Reflections" scheint dann die ersehnte Wende zu bringen. Die gefühlvollen Vocals von Tim Owens passen perfekt zur verzweifelten Grundstimmung des Tracks. So ähnlich kennen wir die Jungs auch aus früheren Zeiten, wo derartige Akustikpassagen gerne mal eine Einleitung zu einem grandiosen Epos darstellten. Auch auf "Framing Armageddon" weiß man mit der aufgebauten Atmosphäre umzugehen, denn mit einem Mal scheppert das bereits von der Vorabsingle bekannte "Ten thousand stron" aus den Boxen. Und hier machen Schaffer & Co plötzlich alles richtig. Die Sechssaiter sägen riffbetont, das Drumming bollert den Song voran und der Ripper setzt dem Song mit seiner Mischung aus kreischender Kopfstimme und normalen, aber aggressiven Vocallines die Krone auf. Auch wenn großartige Innovationen im songaufbau ausbleiben, so haben wir es doch mit dem ersten wirklich überzeugenden Stück zu tun. Warum um alles in der Welt hat man denn bisher auf "Framing Armageddon" nicht solche Tracks abgeliefert? Jon Schaffer hat das Songwriting doch offensichtlich nicht komplett verlernt! Dummerweise nimmt das langweilige Interlude "Execution" nach diesem Kracher wieder den ganzen Fluss aus dem Album, so dass die gerade aufgekeimte Stimmung extrem abflaut. Zum Glück folgt mit "Order of the Rose" wieder annehmbare Riffgeschrubbe im Midtempo mit einer netten Leadgitarrenmelodie im Hintergrund. Der sich dramatisch steigernde Refrain mit Chorgesang weiß ebenfalls zu gefallen, wirkliche Überraschungen bleiben dennoch aus.
Überraschend finde ich es auch nicht, dass anschließend mit "Cataclysm" wieder ein Langweiliger bevorsteht. Das Zwischenspiel mit leisem Grollen und Blitzen hätte man sich sparen können, ebenso die berstenden Glassplitter am Ende. Zum Glück war dies das letzte Interlude seiner Art und der Rest des Albums ist mit richtigen Songs gespickt. Die richtigen Kracher sucht man dabei aber dennoch mit der Lupe. Das langatmige "The Clouding" hat zwar gute atmosphärische Ansätze und zeigt den Ripper in Bestform, kommt aber erst nach über fünfeinhalb Minuten in Schwung und bietet auf die gesamte Spielzeit zu wenig Abwechslung. Auch "Retribution through the Ages" ist kein Hit, sondern dümpelt im Midtempo umher und bietet - welche Überraschung - einen bombastischen Chor-Refrain. Immerhin sind hier die Strophen ansprechend und überzeugen mit leicht progressiven Vocals. Percussion, Akustikgitarren und Leads im Hintergrund mit alten "Something Wicked"-Melodien, das macht "Something Wicked, Part 2" aus, also auch nichts, worauf Schaffer übermäßig stolz sein könnte, auch wenn die Atmosphäre stimmt. Doch entgegen aller Erwartungen warten zum Ende der Scheibe hin dann doch noch vier Tracks auf den Hörer, die wirklich überzeugen können. Zum einen hätten wir da "Infiltrate & Assimilate" mit seinen leicht vertrackten Strophen. Eine zudem wirklich geile Bridge gipfelt in einem Bombast-Chorus, der aber auch hier zu oft wiederholt wird und dadurch dem Song eine höhere Wertung kostet. Im Vergleich zu den meisten vorangegangenen Tracks aber dennoch ein Lichtblick.
Über viel Licht gibt es auch bei "The Domino Decree" zu berichten. Gut, der Titel startet gleich mit einer Schattenseite, nämlich einer extrem unpassend in den Vordergrund gemischten Hammondorgel, aber der folgende vokale Einstieg vom Ripper ist gottgleich und bietet die besten Melodiefolgen des Albums. Zudem gibt es aggressive strophen, wahnsinnig geil gesungen übrigens und man stelle sich vor, da passt auch die Orgel in den Hintergrund. Auch der Mega-Refrain überzeugt, der einen Chor mit des Rippers kreischender Kopfstimme im Hintergrund sieht. Dummerweise konnte Schaffer das orgeln nicht lassen und hat dem Instrument auch noch ein Solo spendiert, welches noch unpassender und deplatzierter als das Intro klingt. Das kostet dem Song definitiv die Höchstwertung, der beste Track des Albums ist "The Domino Decree" zusammen mit "Ten thousand strong" aber dennoch. Klassisch-thrasig geht es im Titelsong zu, wo die Double Bass rattert und man sich flott und hart bis zu einem rasenden Finale steigert. Innovationslos, aber handwerklich gut gemacht. Das Quartett der guten Songs wird vom Quasi-Rausschmeißer "When Stars collide (Born is he)" abgerundet. Das uninspirierte Riffgeschrubbe im Midtempo der Strophen wird zum Glück von einem hammergeilen Mega-Chorus mit viel Pomp wieder halbwegs ausgebügelt, so dass auch dieser Song den Daumen nach oben erhält. Vom absolut übflüssigen Outro "The Awakening" kann man das dagegen nicht behaupten, denn dieses Ethno-Gedudel hätte man sich sparen können. Tja, somit bleibt nach der kompletten Scheibe ein ziemlich ernüchterndes Fazit zu ziehen. "Iced Earth" waren einmal eine Koryphäe in ihrem Genre. Mit "Framing Armageddon" haben Schaffer & Co bewiesen, dass sie auch nur ganz normale Musiker sind, die auch unter Ideenarmut leiden können. Das gesamte Album wirkt lustlos zusammengeschustert und hat nichts von dem Glanz, den ein Album wie "The Dark Sage" oder "Something wicked this way comes" hatte. Hinzu kommt, dass diesmal auch der Sound nicht zu überzeugen weiß. Die Drums wurden viel zu sehr in den Vordergrund gemischt, während die Gitarren dagegen meist saft und kraftlos im Hintergrund agieren. Von den einst sägenden, treibenden Riffs, die es vermochten jede Box zu sprengen, ist nichts mehr zu bemerken. Und auch der Gesang könnte besser sein. Damit meine ich aber weder die technischen Fähigkeiten von Tim Owens, die sind unbestritten. Auch einen Vergleich mit Matt Barlow lasse ich außen vor und wage sogar zu behaupten, dass selbst die göttlichen Vocals von Barlow bei den meisten Songs hier nichts hätten retten können - und das will was heißen! Nein, für meinen Geschmack kommt des Rippers hohe Kopfstimme einfach viel zu oft als hintergründige Begleitung der normalen Vocals vor und geht einem deswegen irgendwann auf den Sack - sofern vorhanden. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen. Der größte Kritikpunkt sind aber die Songs selbst, alles andere sind eigentlich nur Kleinigkeiten am Rande, die auf einem anderen Album der Truppe nur nebensächlich gewesen wären.
Dabei sind die Probleme in erster Linie hausgemacht. Das Konzept und die Story an sich sind in jedem Fall ausbaufähig, doch nach dem von vielen Seiten nicht zuletzt aufgrund der patriotischen Lyrics krisitierten "The glorious Burden" wollte Schaffer einfach das verwirklichen, was er sich schon vor knapp zehn Jahren vorgenommen hatte: Die "Something Wicked"-Trilogie ausarbeiten zum Konzeptwerk. Vielleicht hätte er sich mehr Zeit lassen, vielleicht das Werk aber auch einfach nicht schon im Vorfeld der Veröffentlichung als sein "Magnum Opus"anpreisen sollen. Dass Konzeptalben funktionieren können, sieht man immer wieder. Dream Theaters "Scenes from a Memory" zieht jeden Hörer in seinen Bann, "The Human Equation" von Ayreon sorgt ebenfalls auf zwei Alben für Gänsehaut pur dank einfachster, menschlicher Schicksale. Und auch durch Interludien und Sprechpassagen verwobene Alben können funktionieren, wie es Blind Guardian mit einer vertonten Geschichte aus Tolkien Silmarillion auf "Nightfall in Middle-Earth" eindrucksvoll unter Beweis stellten. Im Hause Iced Earth geht dieses Unterfangen jedoch mehr oder weniger in die Hose. Zum großen Teil liegt dies wirklich an den Überleitungen und Zwischenspielen, die jeglichen Druck aus dem Album nehmen. Die Songs plätschern nur so dahin. Und dummerweise wurden einige der richtig guten Melodiebögen für eben jene Interludes verwendet, anstatt sie in einem eigenständigen Song ansprechend zu verwerten - "Reflection" lässt grüßen. Zum anderen Teil fehlen diesmal aber auch oftmals die zwingenden Ideen, das gewisse Fünkchen Genialität, welches die Band früher einmal ausmachte. Mit "Night of the Stormrider" konnte man damals die beinharten Fans begeistern, mit "Burnt Offerings" und "Dark Saga" die Fangemeinde erweitern und sich mit "Something wicked this way comes" selbst ein Denkmal setzen.
Kaum jemand wagte Kritik an der Band zu üben und es schien, als könne diese Truppe gar keine schlechten Alben veröffentlichen. Als würde diese gewisse Magie in den Songs immer mitschwingen. Als hätte man die Perfektion gepachtet. Mittlerweile ist dem aber nicht mehr so. Das hängt sicher nicht alles mit dem - und nun erwähne ich es doch noch einmal - Ausstieg von Matthew Barlow zu tun. Aber zu einem gewissen Anteil spielt dies sicherlich eine Rolle. Jon Schaffer scheint aber zudem auch momentan einfach das Händchen für geniale Kompositionen zu fehlen. Ansätze sind immer noch vorhanden, derart viele Filler wie auf "Framing Armageddon" hätte man aber früher auf einer Iced Earth-Scheibe vergeblich gesucht, selbst auf der vergleichsweise schwachen "Horror Show". Mag es ein Zufall sein, dass das schwächste Album mit Barlow am Mikro trotzdem herausragend erscheint im Vergleich zu dieser Scheibe hier? Eventuell. Ob Schaffer das Blatt in Zukunft noch einmal wenden kann, vermag ich nicht vorauszusagen. Zu wünschen wäre es der Band, da sie mich ein ganzes Stück weit in meinem Leben begleitet hat und mir einige Songs der Truppe verdammt viel bedeuten. Da geht es sicher nicht nur mir, sondern vielen anderen ebenso. Doch nach "Framing Armageddon" sehe ich ehrlich gesagt schwarz für den zweiten Teil des Konzeptalbums, immerhin ist dieses ebenfalls bereits im Kasten. Änderungen daran aufgrund der massiven bisher geäußerten Kritik sind daher unwahrscheinlich. Aber zumindest liegt es diesmal nicht nur am Fehlen von Barlow, dass das vorliegende Album enttäuscht.
Jon, das kannst Du besser. Beweis es uns! Bitte...
In diesem Sinne...
Stay Dark!
The-Master-of-Armageddon
PS: Allen Freunden des schnellen Klicks sollen von Außerirdischen entführt werden... ;)
Cool geschrieben! Hab' die Band kurz nach "Dark Saga" abgehakt, obwohl die "Something wicked" auch noch ganz gut war. hab' in dieses Werk hier kurz reingelauscht und sie schnell wieder weggelegt. ich mag Konzeptalben, aber sie müssen mich fesseln.
23.12.2007 02:13
lg, . . . Wilfried
03.11.2007 00:05
Cool geschrieben! Hab' die Band kurz nach "Dark Saga" abgehakt, obwohl die "Something wicked" auch noch ganz gut war. hab' in dieses Werk hier kurz reingelauscht und sie schnell wieder weggelegt. ich mag Konzeptalben, aber sie müssen mich fesseln.
25.09.2007 19:24
BH von mir. LG Jacqueline