Garth Brooks' FEVER vs. Apiculas FIEBER
09.05.2002
Pro:
Geschichten mit Musik
Kontra:
Das Album viel zu . . . kurz(weilig)
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 Apicula
Über sich:
Das wird wohl kaum zutreffen,aber wer viel Sehnsucht nach Neuigkeiten oder Buch- und Hörbuchtipps ha...
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 77 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
„Etwas“ über den Interpreten dieses Albums zu schreiben würde mir nicht schwer fallen, könnte aber den Rahmen sprengen. So fange ich OHNE eine eventuell erwünschte Biographie des Country-Superstars, Garth Brooks (GB), an ( - schleicht sich ohnehin ungewollt ein, fürchte ich). ---------------------------------------------------------- Ach – Sie haben !!! >COUNTRY< !!! gelesen und klicken nun weg oder überfliegen nur? Nun denn, wenn Sie meinen. Ich verstehe. Country ist klischeebehaftet. Etwas für Fernfahrer. Truck Stop und Tom Astor und so Sachen ... jaja, ich verstehe. Wenn Sie bis hier durchgehalten haben, könnten Sie den Beitrag vielleicht sogar schon bewerten. Ciao! :) ----------------------------------------------------------
Mein FANatismus für GB fing im Jahr 1991 an. Mit seinem Album „No Fences“. Meine Schwester hatte es angeschleppt. Seitdem kommen wir von Garth nicht mehr los. Garth Brooks ist der Country Star in den USA! Dafür stehen die Verkaufszahlen seiner Alben und Konzerte bei denen Karten am Tag der Ausgabe schon zu Schwarzmarktpreisen gehandelt werden. Wahrscheinlich gibt es das Wort schon. „Garth-Mania“. Wenn dem so ist – leide ich darunter. Besser: Ich fühle mich wohl damit. Stars wie GB (seine Manager wohl eher und die Plattenfirma) haben es natürlich raus, und veröffentlichen ihre Alben oft um den November herum – auf jeden Fall VOR Weihnachten. Als die Kommunikation mit meiner Schwester (Distanz: 900km) noch nicht so klappte – zum Glück gibt’s nun E-Mail – und als überhaupt noch nicht an Internet und die damit verbundene Informationsflut zu denken war, kam es mehrmals im Lauf der Jahre vor, dass wir einander die GLEICHE („Neue“) von GB geschenkt haben – zu Weihnachten. Mittlerweile ein „running gag“. Zu Weihnachten jetzt nichts mehr von Garth Brooks oder Springsteen. So schnell kann keiner schauen und wir haben uns „Das Neue Album“ zugelegt. Nach Absprache – versteht sich. Nun gerate ich ins Schwafeln ... Was die Faszination von Garth Brooks ausmacht ist einfach zu beschreiben. Mir fällt es einfach, weil ich mich selten mit einem Musiker so viel beschäftigt habe. Seine Musik ist (wohl kommerziell äusserst erfolgreich) aber ehrlich. Die Musik perfekt – mal mehr, mal weniger Country-like. Stets mit der klassischen Gitarre, Geige. Ab und zu fetzig. Wenn das alles wäre, wär ihm der Erfolg noch nicht gewiss, denn dazu kommen Texte, die sein Leben, seine Erlebnisse beschreiben. Erlebnisse, wie sie jeder haben kann. UND Erlebnisse aus dem Bereich „moderner Cowboy“ – sprich: Rodeo. Wobei man die Erfahrungen, die er in diesen Liedern schildert allegorisch auf andere Berufe und Schicksale übertragen kann. Das trifft die Menschen. Wer zuhört, wer die Texte aufnimmt – was bei GB nicht schwer fällt, er singt ein ohne Probleme verständliches Englisch – wird und muss, meines Erachtens, begeistert sein. Man findet sich selbst wieder. In vielen Situationen. Es könnte den Anschein erwecken, dass nun ICH zum Prediger mutiere, das möchte ich natürlich nicht. GB predigt nämlich. Mehr oder weniger macht er das. Er singt zudem viel über Gott – seinen Glauben an ihn. Nun, das muss man nicht mögen. Was ich vielleicht sagen will: Er klingt glaubwürdig. Wenn es je ein Sänger geschafft hat Zweifel ins Wanken zu bringen, so möchte ich für mich eingestehen, dass Garth das bei mir geschafft hat. Und man zweifelt viel in seinem Leben ...
Track 1: >Fresh Horses> beginnt mit dem Lied >THE OLD STUFF< und schlägt damit eine Brücke vom letzen (1993) erschienen Album (‚In Pieces‘) und der dazwischen liegenden Tornee. In dem Lied beschreibt er seine Eindrücke – der Hintergrund deutet an, dass es ein LIVE-Song ist – der Tournee. „Oh i said al little prayer tonight Before i came on stage ... Then I prayed that Detroid Goes wild tonight (GEKREISCHE AUS DER MENGE) ... Hey it's still one big party You can call it whatever you choose You make me feel like the old stuff is new “
Nun wird man sich anhand ein paar Videos vielleicht nicht DEN Eindruck verschaffen können, WAS ein GB-Konzert ausmacht. Ich möchte mir aber erlauben anhand der Videos, die ich mir zugelegt habe zu behaupten, dass seine Konzerte EINMALIG sind. Meinen Traum, den Boss live zu sehen, habe ich wahr gemacht. Ein Konzert von GB zu erleben wird schwer. :-( Track 2: >COWBOYS AND ANGELS< Oh, da haben wir es. So ein richtig kitschig anmutendes COUNTRY-Cowboy Liedchen. Zudem erzählt es die Geschichte wie des Cowboys Flehen und Beten zu Gott von eben jenem – am achten Tag der Schöpfung - erhört wurde und ihm „der Engel“geschickt wurde. Die Frau an der Seite des Cowboys – ein Engel! „... Cowboys and angels leather and lace Salt of the earth meets heavenly grace Cowboys and angels tested and tried I'ts a long way to heaven And one hell of a ride ...“
Die Schreiber von Track 3 könnten dem einen oder anderen bekannt sein: Bryan Kennedy, Joe Perry, Dan Roberts, Steven Tyler. >THE FEVER< erschien als Rock-Version auf dem Album „Get The Grip“ von AEROSMITH. Ein fetzig rockiges Stück. Das zum „affrocke“ anregt. Garth schrieb die Lyrics mit einigen seiner Cowboy-Kumpels um – speziell zugeschneidert für die Country-Sender. Was an Aerosmith erinnert ist lediglich der musikalische Refrain, Garths Stimme, die sich bei dem Lied förmlich überschlägt und nur so sprüht vor Energie, die gibt dem Song ein neues Gesicht. Abgedreht. Country-Rock. Abartig schnell. „What he loves might kill him But he's got no choice He's a different breed With a voice down deep inside That's screamin' he was born to ride
He's got a fever, fever, fever, fever Fever makes you crazy 'cause it makes no sense Like runnin' from your shadow out of self-defense He won't run and baby he can't hide He thinks the odds are even leavin' one hand tied He gets so tired of hangin' on so tight I know you think he's crazy well I think you're right We're all here 'cause he's not all there that's right.“ Alles in allem schreibt er über sich und seine Passion für diese Musik. Wenn jemand meint, er wäre verrück, so hätte er recht, sagt GB. Und er hat es, das FIEBER.
Track 4: Wenn die countrylastige Gitarre anfängt zu plärren, der langsame Rhytmus dazu und Garth beginnt die Geschichte von >THAT OL‘ WIND< zu erzählen, wird eine unglaubliche lange zurückliegende unglückliche Liebe wieder lebendig. Man sieht sie vor sich, eine normale Hausfrau. Beim Bügeln – ihren Sohn hat sie schon zur Schule gebracht. In einer Radioansage wird für einen Konzerttermin in der Stadt geworben. Sie ist sprachlos: „ER ist wieder in der Stadt!“. Der abgehalfterte Country-Star, wie der Radiosprecher ihn bezeichnet. Das empört sie. Sie kennt ihn anders. Und das ist lange lange her. „Meine Güte – ist das ... schon 10 Jahre her?“, kommen ihr die Tränen in die Augen. Damals auf dem Rummel (Jahrmarkt am Land) ... 10 Jahre? Als sie die eine Nacht ... diese eine Nacht, die für sie alles verändert hat ... („Alles wird gut“. Um mit Nina Ruge zu sprechen *smile * ... die ganze rührselige Geschichte mag ich nicht wiedergeben. Manch einem mag das zu kitschig erscheinen. Vielleicht wie ein Märchen. Aber so sind sie, die Geschichten, die GB erzählt. Er erzählt sie so, dass es kein Video braucht um die Personen bildhaft vor sich zu sehen. Mir fällt schwer zu erzählen, warum das so ist, aber wenn ich dieses Lied höre „sehe ich die Geschichte“!)
Track 5: >ROLLIN‘< Die, die’s nicht lesen wollten haben wohl schon weggeklickt. DAS ist ein Lied für DEN Trucker oder: In dem Fall eine TruckerIN. :-) Fetzig bringt es den Rhytmus mit der das Herz des Truckers (so meine Vorstellung *g *) höher schlagen lässt. Der Clou an dem „Rooooooouuulinnnnng“, das GB singt ist, dass es sich anhört wie ein vorbeifahrender grosser Truck („Doppler-Effekt“, falls das jemandem etwas sagt). Naja, kann ich mir auch einbilden. Garth’s Stimme ist in jedem Fall unverwechselbar leidenschaftlich – unverkennbar sowieso. „She was born to a mother trucker Raised behind the wheel So you can blame it on the highway For the way she can't sit still She says life is like a windshield It ain't no rear view mirror The only way to get where you're goin' Is find that higher gear And keep it
Rollin' Life's gonna run you over if you don't get goin' She said I wanna fell the earth move under me Movin' with the motion of a melody Oh I get the blues if the rhythm ain't got no soul You got to keep it Rollin'.“ Track 6: >The CHANGE< ist ehrenrühriges edelmütiges Hoffnungsgesäusel (werden die sagen, die von Berufs wegen Pessimisten sind). Die Musik dazu mutet überhaupt nicht nach country-music an. Ein Lied von eher leisem Humor. Klavier und Stimme – und was für eine! – im Vordergrund. Man hat nicht die Macht alles auf der Welt zu ändern und alle verlorenen Seelen zu retten, will er uns mitteilen, aber wenn man jemandem hilft, macht man einen Anfang. Soll da keiner daherkommen und sagen: „Ja, aber was ist mit den 1000 anderen, denen man nicht helfen kann?“ Das ist kein Grund zu resignieren und aufzugeben will er uns wissen lassen. Die Welt wird er nicht ändern, meint er. Aber er will auch nicht, dass die Welt ihn ändert.
„This heart Still believes The love and mercy still exist While all the hatred rage and so many say That love is all but pointless in madness such as this It's like trying to stop a fire With the moisture from a kiss And I hear them saying you'll never change things And no matter what you do it's still the same thing But it's not the world that I am changing I do this so this world will know That it will not change me
As long as one heart still holds on Then hope is never really gone ... What I do is so This world will know That it will not change me“
TRACK 7: >THE BEACHES OF CHEYENNE< ist (wieder) eine richtige kleine Geschichte. „Seine“ Sachen werden schön verpackt. Sein Sattel wird an seinen Vater geschickt. So wie das Haus aussieht hat sie es nicht grade angenehm aufgenommen – durchgedreht. „Ihr“ Haus wird jetzt renoviert. Wände herausgerissen. Alles neu gestrichen. Die Handwerker unterhalten sich: „Kein Wunder, dass die Frau durchgedreht hat, nach dem Anruf, neulich nachts ...“ Er war oben in Wyoming und ritt einen Teufels-Bullen. Er hatte ihr versprochen, dass nichts passiert, aber es kam anders. Er hat gelogen. Und all die Träume die sie am Strand in Kalifornien geschmiedet hatten starben. Mit ihm zusammen. Am Strand in Cheyenne. Sie haben ihren Körper nie gefunden. Nur ihr Tagebuch. Neben dem Bett. Zuletzt schrieb sie über ihren letzten Streit. Und ihre letzten Worte, bevor er sagte, das er „nur noch dieses eine Mal ...“ waren:
„Verdammt! Mir doch egal, wenn Du nicht zurückkommst!“ Man erzählt sich, dass sie durchgedreht ist. Laut rief sie seinen Namen in die Nacht. Lief hinunter an den Strand – ins Meer. Jetzt tuschelt man, dass man ihre Fusspuren sehen kann, unten am Strand. Weil sie immer noch jede Nacht dort wandelt - am Strand von Cheyenne. Ganz genau kann es sich natürlich keiner erklären aber einige meinen, sie lebt noch. Sie behaupten, sie gesehen zu haben, spät nachts, unten am Strand. Wenn Du hinunter gehst an den Strand, kannst Du ihre Fusspuren sehen im Sand. Unten – am Strand von Cheyenne.
TRACK 8: Anscheinend gehört es zu seinen Alben, dass da das eine oder andere Lied dabei ist, das aus dem Rahmen fällt. Von der Musik und vom Text. >IT’S MIDNIGHT CINDERELLA< gehört meines Erachtens dazu. Werde schlau daraus wer mag. Aber mir sagt der schnelle Fiddel-lastige Song nicht zu. Was es mit „Peter.Peter the Pumpkin Eater“ auf sich hat, wird mir verborgen bleiben. Ich füchte, das Lied brauchen eingefleischte Square Dancer für ihre Tanzeinlagen auf den Parketten zwischen Wyoming und Minnesota? :-)
TRACK 9: >SHE’S EVERY WOMAN< erkläre ich mir – ohne die Hintergründe genau ausspioniert zu haben - als Liebeserklärung für seine damalige Freundin und ‚noch nicht-‚ jetzt aber ‚nicht mehr-Frau‘ (Sandy). Zumindest muss es Frauen im allgemeinen gewidmet sein, denn dieses Album >FRESH HORSES< hat Garth im weitesten Sinne den Frauen an Seiten der Cowboys gewidmet, sagt er.
„She's sun and rain, she's fire and ice A little crazy but it's nice And when she gets mad, you best leave her alone 'Cause she'll rage just like a river Then she'll beg you to forgive her She's every woman that I've ever known ... It needs no explanation 'Cause it all makes perfect sense For when it comes down to temptation She's on both sides of the fence“ TRACK 10: Die Überraschung und zugleich den Abschluss der 10 Tracks bildet ein intessantes Stück, das noch weniger als das vorhin beschriebene „It’s Midnight Cinderella“ zum Gesamtbild eines Country-Albums passt. >IRELAND< Backpipes (Dudelsäcke) leiten musikalisch im Hintergrund leise die Melodie ein - begleitet von GB’s Stimme. Was danach kommt, klingt schon ein wenig irisch. Für mich unzuordenbar. Eine Melodie die ins Ohr geht – eine Stimme die fasziniert.
„... Now the fog is deep and heavy As we forge the dark and fear We can hear their horses breathing As in silence we draw near There are no words to be spoken Just a look to say good-bye I draw a breath and night is broken As I scream our battle cry Ireland I am coming home I can see your rolling fields of green And fences made of stone I am reaching out won't you take my hand I'm coming home Ireland
I am home Ireland“ Nach einer Tournee im Jahr 1994 entdeckte er seine „Liebe zu Irland“. Seine Mutter hat irischstämmige Wurzeln. GB selbst fühlt sich nicht nur der beeindruckenden Landschaft wegen zur grünen Insel hingezogen, sondern mehr der Musik wegen. Sie hat Parallelen zum Country, sagt er. Alleine die Geige – sie spielt in der Irish Folk- und in der Country Musik eine grosse Rolle. Nicht zuletzt auch die Texte. Die Texte, die von Menschen geschrieben werden die diese Hoffnung haben, wie er selbst sie in seinen Liedern an uns weitergeben will. :
ZITATE VON Garth Brooks: „The Irish have an undying spirit of hope -- anything is possible.“ "The greatest thing about music for me is the lyric, and these people hang on the lyric."
Dem habe ich nun wenig hinzuzufügen. Api©ula am 9. Mai 2002 +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Erscheinungsdatum: 16. November 1995 / 21. November 2000 Label: Capitol Na (EMI Vertrieb) Bei amazon.de gesehen NEU für 16,99EUR (oder gebraucht ... gibt’s bei amazon.de auch, neuerdings)
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01.02.2003 03:08
Klasse beschrieben, hätte es selber nicht besser machen können! mfg Maiva
10.05.2002 21:05
Ist nicht so meine Richtung, trotzdem natürlich ein klasse Bericht. Gruß Peter
10.05.2002 19:34
Für mich ist "Country" allerdings etwas anderes - und nicht dieser vor Kommerz (!!!) nur so triefende "all-american-guy"!! (*kotzunterdrück*) Nix für ungut ;-)