Fast schon eine verkappte "Best of"-CD
19.11.2004
Pro:
eine tolle CD von einem tollen Sänger und Songschreiber nebst Begleitband
Kontra:
scheint hierzulande derzeit gerade mal wieder vergriffen zu sein – aber amazon gibt's ja zum Glück nicht nur in " . de"
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 Gemeinwesen
Über sich:
"Dumm sein und Arbeit haben, das ist das Glück" (Gottfried Benn) ciao-Merksatz 2006: "...
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“Man has a limited biological capacity for change. When this capacity is overwhelmed, the capacity is in future shock.” (Alvin Toffler, Autor und Zukunftsforscher)
“There is only one thing that is sure to be And you know you can be sure, sure of nothing at all” (Ian Gillan, Kopf der Band “Gillan”)
Den Überblick über das Schaffen von Ian Gillan zu behalten ist eine wahrhaft herkulische Aufgabe, die wohl auch erklärten Fans einiges abverlangen dürfte. Das liegt zum einen am Umfangreichtum des Solowerks von Deep Purple-Frontmann Gillan, zum anderen wohl auch an der inflationären Anzahl von als “Best of“ oder ähnlich betitelten CDs mit Material von Deep Purple und von Ian Gillan, mit denen die Plattenindustrie die Regale des Handels in den letzten Jahren geflutet hat. Angesichts dieser wahren Gillan-Schwemme muss man es wohl auch ciao.com bzw. dem Datenlieferanten von ciao.com nachsehen, wenn da im Tracklisting etwas durcheinandergeraten ist: Die Stücke 11-20, die das Tracklisting in den Produktangaben anführt, sind zwar von Gillan, und es gibt auch eine CD, auf der sie veröffentlicht worden sind – aber die heißt nun einmal nicht “Future Shock“, sondern “Mr Universe“. Ist das wichtig?
Nein, finde ich nicht, zumal der Plattenschnitt von “Future Shock“ ohnehin lediglich zehn Stücke zählte. Was auf der CD-Version ab Stück 11 geboten wird, ist mithin eine nette Dreingabe, die ein wenig darüber hinwegtröstet, dass die CD in anderen Punkten nicht mit der LP mithalten kann. Die war, wie so viele 80er Jahre-Veröffentlichungen von Gillan, nämlich ursprünglich in einem hübschen Klappcover erschienen und machte deshalb schon rein äußerlich eine ganze Menge her. Trotzdem mag ich die CD-Version, zumal sie mit den knapp 20 DM, die ich damals für sie bezahlt habe, auch noch recht günstig war. Günstig? Ach, was sag’ ich denn da: Ich habe das wirklich als spottbillig empfunden, da “Future Shock“ zu den LPs gehörte, deren CD-Transfer ich wirklich heiß und innig herbeigesehnt hatte; und der Tag, an dem ich von der Veröffentlichung von “Future Shock“ und einigen anderen famosen Gillan-LPs auf dem damals noch recht neuen Medium CD erfuhr, war wirklich ein Freudentag. Zugegeben: Das vierseitige Einlegeblatt ist zwar kaum der Erwähnung wert und verdient es eigentlich nicht, als „Booklet“ bezeichnet zu werden – aber dafür bietet die CD eben eine gute halbe Stunde mehr Musik als die LP.
Im Vergleich zu manch anderem Solo-Material aus den späten 70er und frühen 80er Jahren, bei dem Gillan sich für meinen Geschmack zu sehr im Jazzrock verzettelt, kommt “Future Shock“ ziemlich geradlinig daher. Das Titelstück “Future Shock“, “The Lucitania Express“, “Sacre Bleu“, “Bite the Bullet“ und “Don’t Want the Truth” sind allesamt Stücke, die ihre Heimat irgendwo im Grenzland zwischen dem Progressive Rock der Marke Deep Purple und dem Heavy Metal der 80er Jahre haben. Einer meiner persönlichen Favoriten auf “Future Shock“ ist “No Laughing in Heaven“, das in meinen Augen viel weniger ein Song ist als eine Art Sprechgesang von Ian Gillan, den die restlichen Bandmitglieder mit einfachen musikalischen Mitteln untermalen. Hier lohnt es sich wirklich, auf den Text zu achten, der von den endlich von Erfolg gekrönten Bemühungen einer armen Sünderseele um Einlass in den Himmel erzählt: Da schwört wer Wein, Weib und Gesang ab, betet, was das Brevier hergibt, gibt den Zehnten – um dann festzustellen, dass der Himmel ein sterbenslangweiliger Ort ist, an dem sich lautes Gelächter verbietet. Ernst dreinschauen und Auszüge aus der Bibel lesen solle die arme Seele, die darauf entsetzt um einen Transfer in die Hölle ersucht. Indes – dafür ist es jetzt zu spät, und eine Rückkehr ins Diesseits, wie sie einst dem „Münchner im Himmel“ gewährt wurde, ist anscheinend auch nicht drin. “Dont laugh – this place is hell!“
Mit “New Orleans“ erweist Gillan mal wieder dem Rhythm and Blues die Ehre: ob er weiß, dass er dieses Faible mit Kinderkanal-Kastenbrot Bernd teilt? (vgl. hierzu auch: „Tanz das Brot“, das sich deutlich an die „New Orleans“-Version der Blues Brothers Band anlehnt; zu hören auf dem Soundtrack zum Film „Blues Brothers 2000“); auch “Night Ride out of Phoenix“ lässt Blues anklingen. Das Liebeslied “If I Sing Softly“ und das nicht minder tolle, ungemein dynamische “For your Dreams” (dessen charakteristisches Keyboard-Motiv mich immer ein bisschen an die Soundtracks von John Carpenter erinnert), sind schlicht und einfach zwei der schönsten Stücke, die ich von Ian Gillan kenne – die hätten wirklich einen Platz auf einer der vielen “Best of“-Zusammenstellungen mit Songs von Ian Gillan verdient, finden sich meines Wissens aber auf keiner der einschlägigen Compilations, die mal „Best of“, mal „Very best of“ oder auch „Nothing but the best“ oder „Anthology“ heißen.
R e s ü m e e : “Future Shock“ ist eine überaus abwechslungsreiche CD, die sage und schreibe doppelt so viele Stücke bietet wie die gleichnamige Vinyl-Ausgabe, die 1981 ihren Weg in die Plattenläden fand. Besonders löblich: eine hochkarätige Auswahl toller Singles und B-Seiten gibt’s hier ganz selbstverständlich dazu, ohne dass viel Aufhebens um die Veröffentlichung auf CD gemacht würde – das nenne ich sympathisches Understatement vom Label „Virgin“; andere hätten “Future Shock“ wahrscheinlich entweder als teure Doppel-CD vermarktet oder aus dem Single-Sammelsurium keine kostenlose Zugabe gemacht, sondern eine eigene EP.
So aber bekommt man gewissermaßen zwei CDs zum Preis von einer: Zum einen eine der in meinen Augen besten Veröffentlichungen aus Ian Gillans Solokarriere – und außerdem eine mit einer ganzen Reihe von raren Single-Schätzchen, für die wahre Fans auf Plattenbörsen teilweise weit mehr bezahlt haben als den vergleichsweise niedrigen Preis, für den die CD in der Regel zu haben ist (der aktuell beste Kurs: $ 11.99 – was beim derzeitigen Stand des Euro ja wirklich nicht viel Geld ist). Wer sich neben “Future Shock“ dann noch “Mr Universe“, “Glory Road” und “Magic” zulegt, darf das Gros der “Best of Gillan“-CDs wirklich ganz getrost links liegen lassen.
::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: D i e _ C D / m e i n e _ A n s p i e l t i p p s : :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
Die 10 Stücke des LP-Schnitts … 1. Future Shock (3.06) (Gillan/McCoy/Tormé) … 2. Night Ride Out Of Phoenix (5.06) (Gillan/Towns) … 3. (The Ballad Of) The Lucitania Express (3.10) (Gillan/McCoy/Tormé) [>] 4. No Laughing In Heaven (4.58) (Gillan/McCoy/Tormé/Towns/Underwood) … 5. Sacre Bleu (3.03) (Gillan/McCoy/Tormé) [>] 6. New Orleans (2.37) (Guida/Royster) … 7. Bite The Bullet (4.50) (Gillan/Towns) [>] 8. If I Sing Softly (6.10) (Gillan/McCoy/Tormé) … 9. Don't Want The Truth (5.40) (Gillan/McCoy/Tormé) [>] 10. For Your Dreams (5.04) (Gillan/Towns)
(LP-Spielzeit: 43:24) … das Bonusmaterial:
… 11. One For The Road (3.03) (Gillan/Towns) … 12. Bad News (3.08) (Gillan/McCoy/Tormé/Underwood) [>] 13. Take A Hold Of Yourself (4.42) (Gillan/McCoy/Towns/Underwood) … 14. Mutually Assured Destruction (M.A.D.) (3.13) (Gillan/McCoy/Tormé/Towns/Underwood) … 15. The Maelstrom (Longer Than The A Side) (5.07) (Gillan/McCoy/Tormé/Towns/Underwood) [>] 16. Trouble (2.39) (Leiber/Stoller) … 17. Your Sister's On My List (4.07) (Gillan/Towns) … 18. Handles On Her Hips (2.10) (Gillan/McCoy/Tormé) … 19. Higher and Higher (3.42) (Gillan/McCoy/Tormé) … 20. I Might As Well Go Home (Mystic) (2.16) (Gillan/Towns) (CD-Gesamtspielzeit: 77:52)
Vocals: Ian Gillan Keyboards: Colin Towns Bass: John McCoy Guitar: Bernie Tormé Drums: Mick Underwood Artist: Gillan Title: Future Shock Record Label: Virgin Catalogue No.: CDVM2196 Year: 1981 (CD: 1989)
Die obigen Daten stammen übrigens von der folgenden, sehr informativen Website: http://website.lineone.net/~gary_gilmurray/
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22.11.2004 16:31
Deep Purple kenn ich ja noch, aber der Typ als Solokünstler? Das sagt mir gar nichts. Das Cover hat übrigens was von den Perry Rhodan Heftcovern;-) Gruß, Claudia.
19.11.2004 17:11
Man könnte erdichten, würde ich nicht über deinen Musiksachverstand im Bilde sein, dass du CD´s ausschließlich nach dem Cover beurteilend konsumierst, denn es ist ein weiteres mal augenscheinlich erste Sahne. Gruß Godzilla
19.11.2004 16:24
allein das cover ist schon kultverdächtig