Bitte nicht mehr lesen
31. Mai 2002
(15. Jul 2002)
Pro:
Hier geht es um das bisher mit Abstand beste Album Montells
Kontra:
Nach Freischaltung der "richtigen" Kategorie habe ich den Beitrag noch mal umgeräumt . Also bitte nicht mehr lesen !
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung:
Dieser Tonträger ist:
mehr
 dcbe
Über sich:
It was fun for a while -
There was no way of knowing -
Like a dream in the night -
Who can say...
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 35 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Mai 2002. Wieder einmal musste ich bei ciao eine Kategorie mißbrauchen, weil weitere Produktvorschläge im Musik-Bereich nicht akzeptiert wurden. Seltsamerweise ging es anderen Nutzern nicht so, und so ist diese Meinung zu "Montell Jordan" dann doch etliche Wochen in der falschen Ecke geblieben. Wie dem auch sei: Hier ging es um "Montell Jordan", das aktuelle Album des noch vor kurzem durch deutsche Lande tourenden schwarzen Sängers gleichen Namens. Und damit zum Text (für diejenigen, die es nun unbedingt noch lesen wollen). "Wer hätte gedacht, das wir es so weit bringen?" fragt der Interpret gleich zum Auftakt seines fünften Albums, bedeutungsschwer mit dem eigenen Namen "Montell Jordan" betitelt. Nun ja: Ich jedenfalls nicht. Von viel zu weit hinten war mir der gute Montell trotz durchaus vorhandener sängerischer Substanz aus der flachen Mode-Ecke gestartet, so etwa auf einem Level mit Sisqo (wer?) oder Bobby Brown (weer?) oder vielleicht noch Aaron Hall (weeer?). Mit den dreien hat er gemein, in den USA bereits mehrfach Platin für seine Platten erhalten zu haben, zwei oder drei Riesenhits gehabt zu haben, ein Mädchenschwarm und
Jungs-Vorbild gewesen zu sein, und nun in ein Alter für langsames Verdämmern im Alkohol, Rückzug in Immobiliengeschäfte oder "ernsthafte" Musik gekommen zu sein.
Da ist er nun, der lang gewachsene frühere Teenie-Held ("This Is How We Do It", 1995), mit Frau und Kindern, einem schönen Haus im heimatlichen L.A., jeder Menge Kostgängern aus der erweiterten Familie - und immer noch mit einem Plattenvertrag. Gut sieht er noch aus, doch die Teenies haben sich anderen Idolen zugewandt, wie sie das halt so tun. Und Montell hat sich Gott zugewandt, wie man das als schwarzer Performer in so einer Situation halt gerne auch tut. Alles bekannte Geschichten - und doch überrascht mich das Ergebnis. Als ich zum ersten Mal die aktuelle Single "You Must Have Been" höre, kann ich es eigentlich nicht glauben. Das soll Montell Jordan sein, dieses ehemalige Schaumflöckchen, dieser völlig unglaubwürdige Beau und Männer-Darsteller aus der Mitte der 90er? So eine Tiefe, so eine Musikalität hätte ich dem Burschen nun wirklich nicht zugetraut. Und die Nummer hat er auch noch selbst geschrieben? So was kann der? Doch, tatsächlich, dies IST Montell Jordan. Hm, vielleicht gebe ich dem Album ja doch mal eine Chance. Um keinen Zweifel aufkommen zu lassen, sagt er es im Beiheft zur CD dann auch selbst: "This is the 1st MONTELL JORDAN album." Und spricht dann davon, dass sein bisheriges Zeug nicht wirklich von ihm selbst gehandelt habe, dass es auf vermeintliche Erwartungen des Publikums hin konstruiert gewesen sei. Tjaaa - der Mann hat völlig recht.
Und wie ist es geworden, dieses erste eigenständige Album? Zugegeben, allzu weit vom Kanon der aktuellen amerikanischen R&B-Musik entfernt er sich dann doch nicht. Vielleicht ein bißchen mehr in Richtung Neo-Soul, textlich jedenfalls mit deutlich mehr Tiefe. Und musikalisch innerhalb des gesteckten Rahmens relativ vielseitig. Der Anfang, wie eigentlich immer bei Alben schwarzer Amerikaner, ist nicht viel mehr als ein überproduziertes "Hallo hier bin ich", doch dann geht es überraschend los: "You're The Right One" ist ganz dem Neo-Soul-Stil verpflichtet, Gitarre sprudelt los, sonniges 70er-Feeling macht sich breit, gefällt mir sehr gut. Noch besser wird es dann mit der eben erwähnten Single - trotz offenkundiger Isley Brothers-Anleihen hervorragend ausgearbeitet, tief anrührend und, ja, begeisternd. Die nächsten Stücke vergehen angenehm und ohne Höhepunkte. Doch dann ein Duett mit dem von mir über alle Maßen geschätzten Case: "Coulda Woulda Shoulda". Auch das ist qualitativ hochwertige Musik von Heute. Ich will es immer noch nicht glauben - wie kann der Kerl so gutes Zeug herstellen? Doch er hält die Form, weitgehend. "Why Can't We" ist wieder eine gute und aktuelle Schlafzimmer-Nummer mit dem Zeug zur Dauerhaftigkeit. Vielleicht schon tausende Male so ähnlich gehört - aber eben doch mit Aussage. Und das Niveau bleibt weit über dem Durchschnitt. Die peinliche Zusammenarbeit mit seinem Lieblingsprediger am Schluß hätte er vielleicht besser weggelassen, aber wer kennt sich schon mit den religiösen Gefühlen anderer Leute aus? Und ach ja, muss er sich wirklich im Begleitheft vier Zeilen lang bei seinem Schmuck-Designer bedanken? Gewisse Reflexe aus der Modepuppen-Zeit sind wohl doch noch nicht so ganz ausgelöscht...
Trotzdem, in der Summe bleibe ich ausgesprochen positiv überrascht. Trotz gelegentlicher Füllsel übertrifft "Montell Jordan" meine Erwartungen bei weitem. Und ich bin auch ziemlich sicher, dass es alle seine bisherigen Alben (die ich nur in Teilen kenne und wohl kaum noch kaufen werde) bei weitem übertrifft. Vielleicht nicht beim Umsatz, aber eben bei allen anderen Kriterien. Zumindest in den USA hat es überdies immer noch zum Gold gereicht. Und vielleicht reicht es ja auch für genügend neue Fans (zu denen ich mich mittlerweile mit leichten Einschränkungen zähle), um ein sechstes Album zu ermöglichen. Hätte nicht gedacht, dass es ausgerechnet Montell Jordan so weit bringt.
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05.06.2002 17:11
Mit Verlaub: Bist du bei Ciao soweit gekommen, weil du immer in der falschen Kategorie schreibst? Kann nicht verstehen, wie man hier was anderes als nh geben kann. Lesen die Leute gar nicht, was hier drin ist. Selbst wenn Ciao diese Kategorie nicht zulassen würde, hätten sie wohl ihre Gründe. Aber ich hab mal trotzdem das Album vorgeschlagen und siehe da - sogar ein Foto is mit dabei! Sehr arm von Dir, wie ich finde.
02.06.2002 09:02
@ayrton: Abgelehnt nicht, sondern gar nicht erst ermöglicht. Und den ciao-Leuten ein separates Email zu schreiben, da habe ich dann doch keine Lust drauf. Noch einen zum "Neo-Soul". Das ist ein nicht zu unterschätzendes Marktsegment in den USA. Den Interpreten ist gemein, dass sie starke Anleihen bei der Soulmusik der frühen 70er machen, auf sinnvolle Texte achten - und meist noch "handgemachte" Elemente in die Produktion einbauen. Für mich eindeutig die bessere Alternative zu schwarz angehauchtem Plastik-Chartpop a la "Destiny's Child", "Usher" oder "J.Lo", Dumpfbackenhiphop vom Schlage "P. Diddy" (oder wie immer der gerade heißt), "Ja Rule" etc. Wenn schon neue schwarze Musik, dann solche. Das Genre hat in der ersten Hälfte der 90er so richtig zu verkaufen begonnen (mit Bands wie Tony Toni Toné oder auch Sängern wie D'Angelo). Und ein Ende ist gar nicht abzusehen...
01.06.2002 10:35
das sagt mir nun nichts, Neo-Soul, candlelighttauglich ... hm, ... ob mein Kommentar jetzt besser ist als der meines Vorgängers? ... btw. hat Ciao den Vorschlag definitiv abgelehnt? *maul*