Ein Traum für Jazzer und Blueser
21.06.2001
Pro:
Legendäres Bluesgerät
Kontra:
überteuert
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Bedienkomfort:
mehr
 Bluesy
Über sich:
Mitglied seit:09.07.2000
Erfahrungsberichte:47
Vertrauende:10
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 20 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ich spiele nun seit etwa 14 Jahren Gitarre und habe schon so ziemlich alles in den Fingern gehabt, was sechssaitig ist und wo man Musik rausholen kann. Ich habe natürlich Vorlieben entwickelt und auch sicherlich einen Geschmack, der nicht unbedingt nur vom Mainstream und von Statussymbolen beeinflußt wird.
Deshalb bin ich immer sehr kritisch gegenüber Signature-Modellen, da ja allgemein bekannt ist, daß hier für leicht modifizierte Gitarren ein horrender Aufschlag verlangt wird, weil mit Hilfe eines großen Namen besondere Qualität suggeriert werden soll. Das einzige Signature-Modell, das ich mir bisher geleistet habe ist eine Career "Django-Modell" und das auch nur, weil mich die Gitarre überzeugt hat, Career preislich in einem absolut fairen segment liegt (hier: 1200DM) und es das Django-Modell eben nur als Django-Modell gibt (will sagen, alle Django-Modelle sind nachbauten der original Django Reinhardt-Gitarre aus den 30ern).
Natürlich war einer der ausschlaggebenden Punkte dafür, daß ich mir diese Gitarre überhaupt angeschaut habe, daß ich Django Reinhardt verehre. Ebenso ist es bei der Gibson Lucille. Ich bin schon lage B.B. King-Fan und finde es immer wieder faszinierend, wie er seine Gitarre förmlich zum "singen bringt".
Dehalb habe ich mir das Gerät mal näher angeschaut: Die Lucille ist eine Halbresonanz-E-Gitarre in klasssischer Jazz-Bauweise mit hohlem Korpus und F-Löchern.
Eine prägnante eigenheit ist die besonders rund ausgeprägte Form des Korpus im unteren Bereich. Ansonsten verfügt sie über die typischen Jazz-Merkmale wie eine leicht gewölbte Decke, kein Tremolo und allerlei Verzierungen.
Die Lucille ist mit zwei Humbuckern versehen, die sich nach klassischem Gibson-System über einen 3-Stufen-Schalte entweder einzeln oder kombiniert ansteuern lassen. Der Sound ist Bluesig (natürlich!) bis jazzig. B.B. spielt diese Gitarre normalerweise fadt ohne Effekte. Das solte man auch so belassen. Ein bißchen Reverb vielleicht, eventuell auch ein winzig kleines Fitzelchen Distortion für besonders dreckige Blues-Stücke, aber dann ist Feierabend!!!
Alles andere wäre brutale Gitarren-Vergewaltigung, ja fast schon Mißachtung einer Legende! Ich habe schon Rock-Gitarristen auf dem Teil rumdreschen sehen, die vermutlich dachten, alles was zwei Humbucker hat, sei eine Speed-Metal-Gitarre.
Mein Aufruf: Wenn Ihr hart abrocken wollt, dann Finger weg!!! Dier Lucille ist was für Kenner mit Fingerspitzengefühl, die den Sound lieben und nicht für Schreddel-Meister, bei denen es eigentlich scheißegal ist, auf was für einem Brett sie rumdreschen.
Okay, wer sich die Lucille zulegen will, der wird sich das sicher vorher genau überlegeb, denn mit über 3500 DM ist sie nicht gerade einer der günstigsten, deshalb ist das Mißbrauchs-Risiko vermutlich nicht so hoch, denn unsere etwas oberflächlicheren Freunde würden sich in der Preislage wohl eher etwas ESP-artiges zulegen. Fazit:
Eine Gitarre für Liebhaber und Spezialisten. Allerdings, wie eingangs schon gesagt eine Signature-Gitarre und deshalb (auch weil es eine Gibson ist, aber dazu demnächst mehr bei der LP Standard) überteuert.
Qualitativ ist die Lucille natürlich auf einem guten Level, aber immer noch nicht im Spitzensegment (Spanier können das einfach besser). Wenn man mich um Rat bei der Auswahl einer Gitarre in diesem Segment fragen würde, fielen mir da auf anhieb einige (weniger namhafte, teilweise in Handarbeit hergestellte) Jazz-Gitarren ein, die formell besser sind, aber die Lucille ist halt die Lucille. Ein klassiker eben. Es kauft ja auch kein Mensch eine Rolex aus rein qualitativen Gründen. Irgendwie spielt da immer nch der Bauch mit. Auch hier. Trotzdem weiß ich nicht, ob ich mich im zweifel nicht für eine günstigere oder bei Preisgleichheit qualitativ bessere Alternative entscheiden Würde.
Gruß an alle & rock on!
Bluesy
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27.05.2003 22:39
Blues ist zwar nicht so mein Fall, aber so eine ES-335 muß ich auch mal ausprobieren....
15.06.2002 01:19
Hi! Mein Chef ist Gitarrensammler... er hat mir mal übers Wochenende seine 67er ES335 und seine ES 175 ausgeliehen. Die 335 über meine Groove Tubes Anlage war der Himmel... Gruß, Sebastian
21.06.2001 13:57
das ist genau meine Kategorie. Bei Django und B.B. muss man als Gitarrist mit offenem Ohr (und Mund) zuhören. Ich spiele selber auch seit knapp 15 Jahren, aber trotzdem muss ich bei den Preisen passen - sehr guter Bericht - Gruß vom Viperman