Erfahrungsbericht über

Gone to Earth - Barclay James Harvest

Gesamtbewertung (3): Gesamtbewertung Gone to Earth - Barclay James Harvest

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Der Fuchs im Bau sieht die Welt...

4  06.09.2002

Pro:
abwechslungsreiche Musikstücke

Kontra:
Wolstenholmes mieseste Leistung

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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butler_carlo

Über sich: Was gibt es schöneres, als in der Sonne auf der Terrasse zu sitzen und einfach nichts zu tun...

Mitglied seit:26.03.2001

Erfahrungsberichte:251

Vertrauende:51

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 68 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Als ich kürzlich die Kommode im Wohnzimmer öffnete und nach etwas suchte, fielen mir meine alten Langspielplatten in die Hände, die dort ihr Ausgedinge gefunden haben. Leider hat sich mein Plattenspieler schon vor längerer Zeit verabschiedet und zwischenzeitlich wurden die alten schwarzen Vinylscheiben durch neue glänzende "Minischeibchen" verdrängt. *Schnüff*
Was waren da für Raritäten dabe... die krieg ich wohl nie wieder! Jaja, ich weiß, ich könnte mir die CD’s kaufen, aber das wäre wohl nicht dasselbe. Ich verbinde mit jeder Platte irgendeine Erinnerung, auch wenn ich nur daran denke, dass ich mir jede einzelne vom Mund gespart habe. Langsam zog ich jedes einzelne Album heraus, als mein Blick auf einen kleinen Schmetterling fiel, der - eher unscheinbar – eines der Cover zierte. Na, von denen habe ich aber auch schon lange nichts mehr gehört! Barclay James Harvest.
Zu ihrer Musik kann man eigentlich nicht tanzen, sie ist rein etwas für die Ohren, - sogar das Mitsingen fällt manchmal schwer - darum sind sie wahrscheinlich auch nicht so bekannt geworden, wie seinerzeit die Beatles oder heute noch die Stones oder Bee Gees (ich weiß, es gibt noch mehr, aber ich habe bewusst die drei gewählt, da sie in den 60ern entstanden sind). Ihre Gründungszeit fällt auch in die 60er Jahre, genauer 1967 und hielt die Band bis 1994, wo es schließlich zu massiven Problemen mit einem früheren Arrangeur kam, der die Gruppe mit einer Klage bombardierte. Glücklicherweise wurde sie abgewiesen. Trotz eines neu erschienen Studioalbums und den üblichen Revival-Alben wurde es dann eigentlich recht still um die BJH…aber es geht weiter, denn im Oktober 2002 sind sie wieder on Tour.
Barclay James Harvest, eine Band, deren einziger Fehler es wahrscheinlich war, dass sie Musik machte, die zwar gut ankam, aber eher schlecht zu vermarktet war.
Selbstverständlich habe ich mir später auch die CD’s gekauft, doch ich habe sie im CD-Regal schlicht und einfach ...vergessen.

Cover:
"Gone to Earth" ist eigentlich ein englischer Jagdruf, der signalisiert, dass der Fuchs es geschafft hat, in seinem Bau zu verschwinden. Diesen Namen erhielt das Album durch seinen LP-Cover, der ein Loch hatte, durch das man die Welt draußen sieht. Die Farben sind in dezenten erdbraunen Tönen gehalten und in der Mitte prangt ein Loch, durch das man einen Sonnenuntergang und den Horizont einer grünen Landschaft erkennen kann. In der Mitte sieht man eine Eule, die aussieht, als würde sie mit ihren Fängen nach einem Beutetier stoßen. Auch der unvermeidbare Schmetterling, das Markenzeichen von BJH, ziert die Vorderseite, ebenfalls in Brauntönen. Die Rückseite ist ziemlich düster. Es ist Nacht, man erkennt die Band, die mit ihren Instrumenten vor einer Baumgruppe steht und von der Seite ganz leicht angestrahlt wird. Zusätzlich finden sich hier auch die Songtitel aufgelistet.

Das Album setzt sich ausschließlich aus Titeln zusammen, die aus den Federn von John Lees, Les Holroyd, und Woolly Wolstenholme stammen. Mel Prichtard, der Schlagzeuger der Gruppe ist zwar Gründungsmitglied und heute noch mit von der Partie, aber das Komponieren dürfte nicht seine Sache sein.

Die Songs sind größtenteils Balladen und regen, sofern man die Texte versteht, zum Nachdenken an. Die Melodien sind getragen und beginnen zumeist recht leise, um dann immer lauter zu werden und mit vollem Klang ihr Ende zu finden. Nun wollen wir uns die einzelnen Titel näher betrachten.

Hymn:
Eine echte Ballade, die den Drogenmissbrauch mit einem religiösen Hoch vergleicht. Eigentlich schon ein alter Hut, denn bereits 1971 versuchte man diesen Titel zu veröffentlichen, was aber abgelehnt wurde. Verbesserungen im Arrangement wurden durchgeführt und schließlich landete er auf „Gone to Earth“ und zählt heute wohl zu den bekanntesten BJH-Liedern.
Der Song beginnt recht leise und schwillt mit der Zeit zu einem Feuerwerk an instrumentalen Eindrücken an. Die Melodie geht ins Ohr und nach einigen "Repeats" auf dem CD-Player hat man auch den Text intus. Neben "Mockingbird" dürfte Hymn wohl einer der bekanntesten Titel sein.

Love is like a Violin:
Dieser Song ist eine Hommage an die Liebe, in der John Lees Vergleiche mit einer Violine, dem Sommerwind, den Bergen und dem Winter zieht. Auch bei diesem Lied geht der Refrain wieder gut ins Ohr, während die einzelnen Strophen eher flach klingen. Beeindruckend ist hier der Schlagzeuger, der mit einigen Breaks versuchte, sich hier in Szene zu setzen, was ihm auch tatsächlich gelang.

Friend of Mine:
Endlich ein bisschen Happy-Sound, um das Album aufzufrischen. Der Sound geht gut ins Ohr, obwohl es ihm am gewissen Etwas fehlt, um ein Gassenhauer zu werden. Die Gitarrenriffs der Leadgitarre, die sehr scharf klingt, geben dem Song aber doch eine persönliche Note, die ihn nicht vergessen lassen.

Poor Man’s Moody Blues:
Wieder eine getragene Melodie, die sich gut einprägt. Bass und Schlagzeug kommen hier gut zur Geltung, während sich die anderen Instrumente vorerst bedeckt halten. Ähnlich wie bei Hymn schwillt der Sound zunehmend an, um zwischen den Refrain-Parts wieder abzuflachen.
Das Lied handelt von einer verlorenen Liebe, der der Sänger ausgiebig nachtrauert.

Hard Hearted Woman:
Hier überzeugt eindeutig die Gitarre, die den Song einleitet. Der Refrainteil ist mein absoluter Favorit, da hier das Zusammenspiel von Stimme und Instrument besonders gut hervorkommt. Im Zwischenspiel sind leichte Reggae-Elemente zu erkennen, die zwar ein wenig irritieren, aber neugierig machen, was noch folgen wird. Irgendwie muss ich bei dem Text immer an meine Herrschaft denken (...allerdings in etwas abgeänderter Form…Hard Headed Woman).

Sea of Tranquility:
Es handelt sich eindeutig um einen Spar-Song... den hätte man sich sparen können. Der einzige Song im Album, der von Wooly Wolstenholme alleine stammt. Ein Lied, das ein wenig melancholisch klingt. Sphärische Klänge erinnern an Raumschiffe, die Melodie ist eher nicht einprägsam. Während Musikkritiker diesen Titel als den besten Song Wolstenholmes bezeichnen, nenne ich ihn einfach nur …schlecht. Befindet man sich in einer depressiven Phase könnte dieses Lied die Suizidgefahr drastisch erhöhen.

Spirits on the Water:
Angeblich ein Umwelt-Song, indem die Ausbeutung der Tiere und in diesem Fall die Fellindustrie kritisiert wird. Kein besonders aufwendiges Lied, das zwar keine Disharmonien aufweist, aber auch kein besonderer Renner wurde. Fällt eher unter die Kategorie "Gedudel".

Leper’s Song:
Frei übersetzt, würde der Titel lauten "Das Lied der Aussätzigen". In Wahrheit erzählt es aber von einem Mann, der unter dem Burnout-Syndrom leidet. Der Beginn ist wie ein Schlag ins Gesicht, Keyboard, Schlagzeug und Gitarre knallen plötzlich los, dass einem der Schreck kurzfristig in die Glieder fährt. Kurz darauf verausgabt sich die Gitarre mit Kapriolen und man hat das Gefühl, dass eine Art Stresssituation dargestellt werden soll. Der Song ist zwar nicht sonderlich schnell, aber durch das Aufbäumen der Gitarre erhält dieser Titel eine besondere Note.

Taking me higher:
Ein Liebeslied, wieder einmal aus der Feder von Les Holroyd. Der Text ist ziemlich einfach gehalten, und der Gesang wird durch die Instrumente wieder gut untermalt. Der Song hat keine wirklichen Höhepunkte, trotzdem kann man sich nicht davon lösen. Eigentlich ein Lied zum Träumen, das das Album gekonnt abrundet.

Fazit:
Das Album hat zwischenzeitlich satte 25 Jahre auf dem Buckel, wirkt aber zeitlos, ja, wenn nicht sogar aktuell (im Bezug auf die Texte). Die Musik fällt in die Kategorie anspruchsvoll und ist wohl nicht zu vergleichen mit dem "Dosen"-Gemüse, das uns heute vorgesetzt wird. Tanzmusik oder die berühmten Gassenhauer, die man aus allen Autoradios röhren hört, darf man sich nicht erwarten, doch ich bin davon überzeugt, dass auch der eine oder andere der jüngeren Generation an "Gone to Earth" Gefallen finden würde. Das Album ist sicher nicht das Beste, aber es gehört zu meinen persönlichen Favoriten, da es gekonnt abwechslungsreich, die bunte Vielfalt der BJH-Kompositionen darstellt.
Leider hört man sie nur sehr selten im Radio und wenn, dann nur mit "Live is for Living". Schade!

Als dann, ich wünsch euch was,
B.C.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
winterspiegel

winterspiegel

29.09.2002 20:53

mir kommen die tränen...gleich morgen zieh ich los und besorg mir nen plattenspieler...ich hab auch noch all die alten platten im schrank....mfg

Atiline

Atiline

07.09.2002 00:33

Da fällt mir ein: ich könnt doch auch mal meine guten alten BJH-Platten ausmotten :-)) Grüße Atiline

fctunnel

fctunnel

07.09.2002 00:06

Bis heute eine meiner Lieblingsscheiben. Mein Favorit ist "Poor Man’s Moody Blues", übrigens eine Anspielung auf den Spitznamen, den die Band von Musikkritikern oft bekam. Man nannte BJH damals die "Moody Blues für Arme". Viele Grüße, Axel.

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