Erfahrungsbericht über

Grab That Gun - The Organ

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Grab that CD!

4  19.11.2006

Pro:
lies mich

Kontra:
lies mich

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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Stepnwolf

Über sich: mal wieder weg ... und nur ganz selten da ...

Mitglied seit:30.04.2002

Erfahrungsberichte:98

Vertrauende:53

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 80 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet


Willkommen im Hotel THE ORGAN. Wir hoffen, sie werden einen angenehmen Aufenthalt haben und möchten sie zuerst einmal auf unser Servicepersonal aufmerksam machen, die sie rund um die Uhr begleiten und ihnen alle musikalischen Wünsche erfüllen werden. So, here they are:
Immer mit der Klappe vorneweg: Katie Sketch. Tasten schwingend unterwegs: Jenny Smyth. Harmonische Melodieläufe erzeugend: Debora Cohen. Ständig schlecht gelaunt und tief brummend: Ashley Webber. Wild um sich schlagend: Shelby Stocks mit den Sticks.
Frauenwirtschaft eben.
Nach dieser kurzen Vorstellung nun ein wenig zur Geschichte des Hotels THE ORGAN selbst.

===
DIE BAND
=========

Gründungsmitglieder sind die sich selbst auch als Chef bezeichnende Katie Sketch und Jenny Smyth, die Frau an der Orgel. Eben jene Orgel war im Jahre 2001 Ausgangspunkt der Bandformierung. Das die aus Vancouver kommenden Mitglieder am Ende eine klassische Girlband bilden würden, war nicht gewollt, ergab sich aber dann im Verlauf der Suche nach geeigneten Kandidaten an Bassgitarre, Leadgitarre und Schlagzeug.
Nachdem die 5 Mädels komplett waren, probten, probten und nicht zu vergessen probten sie und warfen dann 2002 die "Sinking Hearts"-EP auf den kanadischen Markt, die schnell zum Geheimtipp der Indierockszene avancierte. So wurde das kleine Sink and Stove Label in England 2005 auf The Organ aufmerksam und veröffentlichte die EP auch in Großbritannien.
Zwischenzeitlich hatte sich die Band in Kanada und den USA auf diversen Festivals bereits einen Namen gemacht und arbeitete fleißig an dem Debütalbum "Grab that gun".
Und 2006, nach einem Wechsel zum Label Too Pure (u.a. Heimat der hervorragenden PJ Harvey), erschien "Grab that gun" im United Kingdom.
*****************************=====
DAS ALBUM
===========
"We should put that record on. The one you found when you were gone. The one that has those sad sad songs and makes you sing out loud."

DIE TITEL

Okay, nach diesem kleinen geschichtlichen Exkurs möchte ich ihnen nun unsere verschiedenen Etagen und einige besondere Zimmer vorstellen. Beginnen wir doch gleich hier unten. Wenn sie mir bitte durch die Lobby zu den Zimmern des unteren Hotelbereichs folgen würden. Sie finden in diesem Abschnitt die Familien- und Bekanntensuites. Gleich zu meiner linken... Oh, Vorsicht, passen sie auf die Instrumente auf... Ääh, also, wie gesagt, zu meiner linken haben wir unsere BROTHER-Suite. Wenn sie einen kleinen Blick hineinwagen möchten?

(1) Sie merken es auch, nicht wahr? Gleich von Beginn an druckvolles Bassbrummen, eine verspielte Gitarrenmelodie in gleich bleibendem Rhythmus, vorwärts treibendes Schlagzeugtakten und dazu Katie Sketchs Stimme: "Here we go, they're back again.", dem allgemein schnellen Tempo gesanglich angepasst. Einziger Kontrapunkt des Songs: die vereinzelt erklingende Orgel. "Here is the best part of the song!" teilt Katie mit und leitet den lauteren, fordernden finalen Teil des Titels ein. "We have got to take cover, brother." Alle Instrumente im vollen Einsatz und ein dem Ende zustrebendes Orgelsolo.
Sie werden bald schon feststellen, dass dies die Grundphilosophie unseres Hauses ist. Aber lassen sie uns den Rundgang fortsetzen. Es gibt noch einiges zu entdecken. Zum Beispiel hier, eine V.I.P.-Suite vom Feinsten, liebevoll vom Personal STEVEN SMITH genannt.

(2) Bestechend und vordergründig zu vernehmen ist die Orgel von Jenny Smyth als Begründer und Veränderer des Leitmotivs, begleitend in Erscheinung tritt mit einigen variierenden Klängen die Gitarre von Debora Cohen. Was den Song allerdings perfekt macht, ist die nach Erinnerung und Wehmut klingende Stimme von Katie, dermaßen präsent, mitteilend und erzählend. Als Zuhörer wird man zwangsläufig für die viel zu kurze Zeit von 2 Minuten gefangen genommen... "and then there will be silence"... Stille! Aber viel zu schnell. Das Lied ist eigentlich zu schön, um so abrupt zu Ende zu gehen.

Nun gut, alles geht irgendwann seinem Ende entgegen. Nichts bleibt für die Ewigkeit, meist auch eines der schönsten Dinge dieser Erde nicht. Die Liebe. Und für die einsamen Momente der Trauer haben wir im Hotel THE ORGAN das passende Zimmer. Schauen sie selbst.

(3) Das beeindruckendste, faszinierendste und bewegendste an LOVE, LOVE, LOVE ist wieder einmal (und glauben sie mir sogar noch öfter) der Gesang von Katie Sketch. Sie erzählt eine Geschichte von Liebe: "Oh love, we cry so very much about it. Oh love, obsessing in the night about it." Es fühlt sich schmerzvoll an, so wie sie es interpretiert. Verlassen, einsam und allein. Dabei vermittelt die Gitarre mit ihren lockeren Melodieläufen eigentlich positive Gedanken und auch die per definitionem Melancholie erzeugende Orgel versucht gegen den schmerzvollen Gesang anzuspielen. Mit teilweisem Erfolg. Und doch, das Finale und die lyrische Erkenntnis erschüttern unsere Hoffnung: "That's why I'm cold and alone again. That's why I'm all on my own again. That's why I'm throwing things around my home again." ... Bis zum endgültigen Höhepunkt: "That's why I'm looking for love!"

Aber wie sie sehen, werte Gäste, ist diese Suite schon belegt. Wie immer eigentlich.
Lassen sie uns nun in die zweite Etage fahren. Wir nehmen den Lift. Das geht schneller und außerdem haben wir nach den traurigen Sätzen von eben etwas Aufmunterung verdient. Immerhin soll ihnen der Aufenthalt hier im Hotel ja so angenehm wie nur möglich gemacht werden. Auf geht's.

(4) Das Grundgerüst haben die Damen des Service mit hinüber gerettet. Der Rhythmus und der Einsatz der Instrumente orientiert sich am vorherigen Song. Und doch ist die Grundstimmung komplett anders. Locker leicht aufspielende Gitarre, präsentes Schlagzeug und melodische Orgeleinsätze. Das Zusammenspiel ist besonders gelungen. So macht der BASEMENT BAND SONG richtig Laune. Nicht zuletzt auch, weil der Gesang so heiter, mit einem imaginären Lächeln auf den Lippen, vorgetragen wird. Und weil der Bass (als oft markantem musikalischen Faktor) zu einem finalen Solo mit summender Untermalung kommt.
Aus diesem Grund lieben es die Gäste mit unserem Lift zu fahren. Deshalb und weil der Weg sonst so weit wäre. Da sind wir dann also. Wie sie ja mittlerweile erkannt haben, ist der grundsätzliche Aufbau der Zimmer meist ähnlich, allein die Atmosphäre darin wechselt ständig. Das wird ihnen in unserer SINKING HEARTS- Suite sofort wieder bewusst, glauben sie mir.

(5) "Remember when I left you I couldn't say your name or other crucial things like I love you. Oh, that's a shame." So beginnt Katie laut ins Mikro zu brüllen. Bei diesem Lied ist die Gitarre als das zuerst stark unterstützende Instrument Ton und Takt angebend. Das bedeutet: schnelle, intensive und den Song tragende Melodie. Verstärkt wird das Ganze durch die hinzu kommende Orgel als zusätzlicher Antrieb. Diese Kombination und der Wechsel zwischen Zusammenspiel und Gegensteuern verleiht dem Lied den unbändigen atemlosen Charakter. In 2 Minuten macht Katie dem Lover klar: "I can see the hearts sinking." Direkt, unverblümt und hart. Genauso ist auch der Titel.

(6) Das direkt anschließende Stück ist nicht weniger laut und aggressiv. Wieder überzeugt die harmonisch die Tonleiter bearbeitende Gitarre, das Schlagzeug prescht vorwärts. Allein die Lyrics lassen wieder einige Zweifel aufkommen: "I died A SUDDEN DEATH. I made an awful mess." Katie erkennt, dass sie einen Fehler gemacht hat. Denn "now that you are gone I just know that everything is wrong." Dieser Gegensatz von schnellen Rhythmen und dramatischen, im Grundtenor eher traurigen Lyrics gehört anscheinend ebenfalls zum Standard vom Hotel THE ORGAN. Das kann begeistern, vor allem bei dieser markanten Stimme von Katie, die immer noch kräftig von allen Instrumenten unterstützt wird und somit einsieht: "Don't leave me alone now."

Aber leider müssen wir gehen, werte Gäste. Ich möchte ihnen nämlich noch unser am Ende des Ganges befindliches Unterhaltungszimmer präsentieren.

(7) Man hört es schon. Durch die geschlossene Tür kristallisiert sich tief brummend der Bass heraus. Gut, gehen wir hinein... Schnell gesellt sich zum Bass die Orgel hinzu und bezaubert mit einer langsamen Melodie. Und da ist auch gleich wieder die wunderbar helle Gitarre erkennbar. Alles zusammen malt eine melancholisch nachdenkliche Atmosphäre auf, die, man ahnt es sicher schon, durch den Gesang nur noch intensiviert wird. Zweieinhalb Minuten vor sich hinträumen, den Gedanken freien Lauf lassen. "And THERE IS NOTHING I CAN DO, but cut and think about you."

Gut, Schnitt! Lassen sie uns wieder hinunter fahren. Ich möchte ihnen, werte Gäste, noch die Hotelbar zeigen. Achtung, die Liftmusik übernimmt das Regiment...

(8) Diesmal beginnt die Orgel von Jenny Smyth den Reigen, bevor das Instrumentengewitter wieder mit voller Wucht über uns hereinbricht. Mittlerweile ist das System jedoch durchschaut. I AM NOT SURPRISED. Ich kenne die Servicekräfte des Hotels nun doch schon besser. Auf tiefe Täler wie im vorigen Song folgen hohe Berge. Wie in diesem Song. "And on it goes, Someway, somehow. I'm going out now. It's all about myself and I'm on to someone else." Lebbe geht weider. Es geht voran. Kopf hoch, Brust raus und weiter marschiert. Den Blick nach vorn gerichtet... "And on it goes"

So, da sind wir also wieder am Ausgangspunkt unseres Rundgangs durch unser exquisites Hotel mitten in der Stadt. Jetzt zeige ich ihnen nur noch schnell unsere Hotelbar und dann können sie sich gemütlich auf Stadtbummel begeben, während wir die Formalitäten des Eincheckens übernehmen. Folgen sie mir bitte.

(9) Sehr angenehm ruhig. Harmonisch verspielte Gitarrenklänge, sporadisch einsetzende Orgel-Elemente, dezentes Bass und Schlagzeug. Relaxter Gesang. Abschied ankündigender Text: "It really shook you when I said, NO ONE HAS EVER LOOKED SO DEAD. Well, it's over and I can't go there anymore." Katie mal wieder in depressiver, melancholischer, schmerzender Stimmungslage. Katie mal wieder mit beeindruckender Stimme voller Magie, die gefangen nimmt, mitleiden lässt, Hilfe rufen wollend und doch hilflos dastehend zuhören lässt. It's great, it's loveable. Es lässt einen manchmal sprachlos zurück. Dieser Song hier auf jeden Fall.

Sie sagen ja gar nichts mehr. Ich sehe schon, sie sind geschafft. Dann will ich sie mal nicht aufhalten. Die Stadt hat einiges zu bieten, glauben sie mir. Selbst unsere musikalischen Servicekräfte waren so fasziniert, dass sie spontan eine Ode auf die Stadt schrieben.

(10) "I walk through the streets and MEMORIZE THE CITY. I count every light until I reach the shore. Sometimes I close my eyes and you're not very pretty, sometimes I can't believe I've had those thoughts before." So dröhnt uns die Hymne an die Stadt entgegen. Zum letzten Mal und im Hinaustreten auf die Straße vor dem Hotel sind die einzelnen Instrumente in all ihrer Qualität zu erleben. In Eintracht und Harmonie geben sie dem Song einen verdammt schnellen Grundrhythmus mit Freude versprühender Atmosphäre. Ein würdiger Abschluss des Rundgangs im Hotel THE ORGAN.

Wir wenden unseren Blick nach rechts, die Straße hinunter, Richtung Uferpromenade. Leise ist noch hinter uns der Sound, der dem Hotel den Namen gab, zu hören. Nach wenigen Sekunden wird es still. Wir tauchen ein in den Lärm der Stadt, wissen aber, da ist ein Ort, wo wir einkehren können. Wir haben ja alles dabei. Schwarz auf weiß...


THE ORGAN - INFOS

Spiellänge: ca. 30 min.
Label: Too Pure Records
Erschienen: 2006

Booklet: Mit Texten zum Mitsingen und Fotos der 5 Kanadierinnen. Alles in Brauntönen gehalten.

Akustisches und visuelles Appetithäppchen: http://www.toopure.com/theorgan/video.html

Songs: (1) Brother ... (2) Steven Smith ... (3) Love, love, love ... (4) Basement Band Song ... (5) Sinking hearts ... (6) A sudden death ... (7) There is nothing I can do ... (8) I am not surprised ... (9) No one has ever looked so dead ... (10) Memorize the city ... (11) Hidden Track - Unnamed

Und im Hotelcasino:
Russisch Roulette an Tisch 3! GRAB THAT GUN! ;-)
*****************************
FAZIT
======

Laut.de nennt den Sound der Band eine "perfekte Melange aus morrisseyschem Gesang, marrschen Gitarren und hookschen Bassläufen". Und nach eben jene 80er Ikonen The Smiths und Joy Division inklusive einem Schuss frühe The Cure klingen The Organ auch. Das ist unüberhörbar.
Der einzige Unterschied: der Einsatz der Orgel als musikalisches i-Tüpfelchen. Das alles in Kombination ergibt ein brodelndes Musikgemisch. Das alles kann aber stellenweise auch monoton wirken, da der instrumentale Grundtenor auf immer selben Strukturen aufgebaut ist.
Doch auf der Haben-Seite lässt sich da ja noch die angenehme Stimme der Frontfrau Katie Sketch anführen. Sie gibt den Songs das gewisse Etwas. Meist etwas depressiv, selten gequetscht jaulend mäandernd, aber irgendwie immer eine Art weiblichen Morrissey zelebrierend, bestimmt sie den lyrischen Part der Titel.
Mir bleibt keine andere Wahl als 4 wohlverdiente, hart erarbeitete Sterne zu vergeben. Punktabzug in der B-Note für das eindeutig zu kurz geratene Gesamtwerk und die zeitweiligen musikalischen Wiederholungen.
Aber ein bisschen Ansporn muss ja auch noch bleiben. :-)




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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
dingbaat

dingbaat

12.11.2010 14:46

mhhh...sollte ich mal reinhören!!!! lg ;)

PrimusMaster

PrimusMaster

12.12.2006 15:32

ein klasse Bericht verdient die entsprechende Würdigung. es grüßt der Primus

Milsch

Milsch

28.11.2006 20:53

Si Senor - so geht CD-Bericht. Hammergut, phänomenal, ein Supertreffer!

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