Who the feck is Jeff Buckley?
20.10.2003 (21.10.2003)
Pro:
Eine einmalige Talent .
Kontra:
Andy Wallaces unhomogener Produktion .
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 Punchbear
Über sich:
An Irishman in Munich. Do you wanna fight?
Mitglied seit:16.10.2003
Erfahrungsberichte:3
Vertrauende:3
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 32 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Das habe ich mich auch Frühling 1997 gefragt. Da lag ich im Bett einer damaligen Freundin und wachte um 6 Uhr in der früh auf und habe sie tierisch vermisst. Sie war schon 8 Stunden weg, verreist und ich könnte nicht mehr schlafen. Da war ein Loch wie ein Walmaul in meiner Seele. Ich drehte mich im Bett um, kuckte dieses Schlachtfeld von Kassetten am Boden an und griff die der Hand am nächsten liegende und schmiss sie rein. Die Sonne streckte langsame, verdünstete, geometrische Anmeldungsküsschen dem Dach entlang und die ersten einsamen, verzweifelte Atmengeräusche krochen aus dem Kassettenspieler. Dann eine einsame Gitarre. Vier einfache Noten die meine Einsamkeit enkapsulierten. Und so fing "Hallelujah" an (ein Leonard Cohen Cover), eine Interpretation die Maßstäbe für nachkommende Musiker setzt: wenn Du Verletzung und Tiefe und seelische Verzweifelung mit Deiner Musik ausdrücken willst dann muss es diese Palette von Höhepunkten und Niedergängen wahrheitsgetreu umsetzen können.
Für die nächsten 45 Minuten (circa) lag ich wie gefangen im Bett, hypnotisiert von einer unglaublich gefühlvollen Stimme und Lieder die sehr viel über die männliche Kondition zu sagen hat: "Too young to hold on, too old to just break free and run". Mich sprachen die Lieder direkt an und ich war für immer verändert. Die Freundin hatte damals schon einen Freund und ich wusste dass sie ihn nie verlassen würde, dass was wir hatten war was besonderes aber von vorne an verdammt. Alle diese Bemerkungen und Gefühle waren krystallinisch wiedergespiegelt in dieser Musik. Aber nachdem habe ich Grace langsam an Freunde gedrückt, teilweise als Experiment, teilweise weil ich vermutete die könnten auch die gleiche Schnittstellen finden wie ich. Und irgendwie seitdem ist "Grace" die Maßstabe, die Lackmus-Test für neue Freunde geworden.
Aber genug von meiner subjektive Erfahrung. Die Platte ist ein Must-have eine essentielle Erweiterung deiner Plattensammlung. Hast Du jetzt Geld von dem Du nicht weißt was Du damit machen sollst? Ich habe selbst 9,99 falscher investiert.
Der Cover ist nicht besonderes auffällig, wirkt eher, fast 10 Jahre später, etwas kitschig. Eine bildliche Elvis Persiflage (ironisch..aber Jeff ertank in Memphis..), ein Bild das die Musik nicht rechtfertigen kann. Sprich: nur eine Marketing-Entität. Aber dreht man sie um, macht man sich mit dem Scherzkeks Buckley bekannt: eine springende Gestalt, infektiöses Grinsen. Dazu kann ich auch seine Biographie empfehlen, "Dream Brother" von David Browne. Sie erweiterte meinen Bericht ohne Ende. Die CD öffnet mit "Mojo Pin", eine untertriebene Hommage ans Leben seines Vaters, der tragische Troubadour Tim Buckley, der Zeitgenosse von Janice Joplin, Jim Morrison, Bob Dylan, et al war. Sein Vater war Heroinsüchtiger, starb an einer schlechten Mischung (gestrittener Punkt) aber hinterlassen wurde eine Erbe von Klassikern wie "Song for the Siren" und "Starsailor". Mit einer bedrückenden Dynamik ist das Lied mehr ein Showcase für seine Stimme und auch ein verträgliches Guthaben, so zu sagen, von seiner Kollaborationen mit dem Gitarrist von Captain Beefheart, Gary Lucas.
Aber, Gangschalt mit zweites Lied und unentdeckter Klassiker "Grace". Das Titellied öffnet mit einem raffinierten Arpeggio und zeigt eine ganz andere Dynamik als die patentierte Pixies-Dynamik, die sich der "Mojo Pin" annähert. Nein, das Lied zeigt wie schön man eine dynamische und hungrige Gruppe mit einer beispiellosen Stimme auf den Punkt bringen kann. Ein Rocksong, ohne das Gefühl ein richtiges Rocklied zu sein hat. Man schwimmt mit dem Lied aber achtet immer auf seine Stimme. "Last Goodbye" ist genau das was es sagt. Ein Abschiedsbrief wurde noch nie so schön gesungen und in einer Melodie umgesetzt. Aber auch noch mit dieser Bassline, ein Ohrwurm für alle Zeiten.
Und das erstes Coverlied: "Lilac Wine". Ok gut, die Kassette die ich damals zum erstenmal hörte...ja ich habe Seite A sozusagen als B erlebt, daher war "Hallelujah" als erstes dran, und Lilac Wine verlor seine Dramtalurgie dagegen. "So Real" ist eine willige Exkursion in die Atonalität, aber vielleicht steht es nur hier um die Wirkung von "Hallelujah" zu stärken. Running orders ey?
Hallelujah. Was kann ich dazu sagen? Hier hat Andy Wallaces Produktion rein technisch gesehen am besten funktioniert. Platz genug für alle Instrumente, Freiraum für eine Stimme die das 20. Jahrhundert nur in Flammen setzen wollte und gleichzeitig sich erlösen musste. Schwierige Aufgabe. Aber hört erst mal das Lied an ... wenn Dein Herz nicht zerbricht dann ruf den Notarzt an. Und dann kommt "Lover you should have come over".
Ein fast traditionell gerahmter Schrei nach Versöhnung, nach Selbständerung, nach ungeäußerten Wünsche, nach Verständnis, nach Befreiung von der Qual der Liebe. Ein musikalischer Zenith der Dich rumpelndäugig mit Überlegungen da sitzen lässt. "Corpus Christi Carol" ist eine Benjamin Britten Interpretation. Und zeigt seine damalige 27-Jahre alte Stimme im bester Form.
Aber dann wird gerockt. "Eternal Life" war für die Gruppe immer eine richtige Gelegenheit live voll abzugehen, Vollgas zu geben, wie Musiker auf der Bühen zu hüpfen und ausrocken sollten. Für Jeff war das Lied ein riesen Fuck You, ein Weg gegen seinen Status als Columbia Qualitätsmusiker zu rebellieren, leicht versteckt zu sagen: "Ich bin was besonderes aber nicht zu vermarkten - und hier sind meine Gedanken dazu."
"Dream Brother" does exactly what it says on the tin. Als Outro-Lied passt es genau, ein Tschüss mit süß-saurem Ausdruck, es ist irgendwie anders beladen als seine Vorgänger. Fast zynisch. Was eigentlich die Essenz von Jeff Buckley war, perfekt in dieser Eindruck (ich sehe Grace nie als richtige Platte seitdem ich seine Biographie gelesen habe), ist seine Gabe seine einmalige Stimme mit clever arrangierten Liedern und komplizierten musikantseins eine Symbiose zu schaffen. Ohne seine Stimme wären seine Lieder höchstens mittelmäßig aber seine Präsenz und Input haben sie eleviert, hoch in eine Klassiker-Schublade, die nur wenig ausgenommene Künstler erreichen. Für jetzige Fortsetzer seiner Legacy siehe Damien Rice. Oder Damien Rice. Oder vielleicht Damien Rice.
Und dann ging die Sonne auf und ich konnte atmen mit dem Wissen dass es auch andere gab, die sich fühlten wie ich.....und einer davon hat die Stimme eines Gottes. Wie immer, stehe ich für grammatische Fehler usw ganz offen. Meine Schreibweise ist nur eine direkte Übersetzung von Englisch ins Deutsch, was in meinem Kopf passiert, nicht in einer maschinelle Vertreter.
*edit* Tausend herzlichen Dank an Alice18 für die Korrigierungen - es gibt doch grammatische Schutzengel!
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Buckley, Jeff - Grace () CD Album
Release: 16.08.1994, Format: CD Album, Neuware, Inhalt: 1, Label/ Hersteller:
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24.01.2004 16:08
yeah! hat eine weile gedauert, bis der typ bei mir gezündet hat. er hatte es drauf. sehr guter bericht, übrigens.
05.01.2004 17:57
Du kennst Damien Rice. Hurra! Den hätte ich dir jetzt sonst auch empfohlen... "O" ist das einzige Album 2003, dem ich zutraue, dass unsere Kinder es in, sagen wir, 25 Jahren auf irgendwelchen Grabbeltischen finden und uns später fragen werden "Sag mal, Papa, warum hört das eigentlich nicht jeder?". Ganz, ganz toll. MfG I...Loaded_Raft
01.11.2003 16:25
Sehr guter Bericht. Der Künstler sagt mir zwar nichts, aber ich halt die Ohren mal offen...