...
So unverbindlich "Gracious Living" auch beginnen mag, das Album zieht einen immer tiefer in sich hinein.
Die Produktion hat den ungeschliffenen Charme eines Debüts, doch das Songwriting ist >>accomplished<<: QUEEN, SUEDE, ... - is glamour still alive?
Falls ja, so hat er sich gut ... Bericht lesen
* Alle Preise inkl. gesetzlicher MwSt und ggf. zzgl. Versandkosten. Preise, Verfügbarkeit und Versandkosten können im jeweiligen Shop zwischenzeitlich geändert worden sein, da eine Echtzeit-Aktualisierung technisch nicht möglich ist. Maßgeblich sind immer die Preise und Angaben auf der Händlerseite. Alle Angaben ohne Gewähr.
Erfahrungsbericht von logan über Gracious Living - Gruesome Galore 27.02.2005
Produktbewertung des Autors:
Cover-Design:
gut
Klangqualität:
gut
Langzeithörspaß:
wird nie langweilig
Pro:
s . u .
Kontra:
???
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
SUEDE war mein erster Gedanke, als zum ersten Mal die ersten Takte von 'In The Music' aus meiner Box ertönten: Diese traurige Gemessenheit der Gitarren, diese klaren und einfach schönen Akkorde, die Leichtigkeit der Musik. Als dann der Gesang einsetzte, verflüchtigte sich dieser Gedanke jedoch genauso schnell, wie er gekommen war; Adam Mackintosh hat eine andere Stimme. Auch sie klingt zwar hell und nach Britpop, doch ist sie nicht durch und durch in samtenes Pathos getränkt. Aber wer braucht hier noch Vergleiche?
>>Everything you'll need to know is written in the music<<.
So unverbindlich "Gracious Living" auch beginnen mag, das Album zieht einen immer tiefer in sich hinein. Die Produktion hat den ungeschliffenen Charme eines Debüts, doch das Songwriting ist >>accomplished<<: QUEEN, SUEDE, ... - is glamour still alive?
Falls ja, so hat er sich gut getarnt; ist rockiger geworden und getragener, reifer auch, aber noch lange nicht gesetzt. Wer THE VINES nur mag, wird GRUESOME GALORE lieben: James Beaton hat dezente Orgelklänge unter Joe Sanders' moderat weiche obschon volltönende Drums gezaubert, Addison Elliots Bass hat diese gewisse Behäbigkeit, die von einlullender Wärme in hinabziehende Schwermut umschlagen kann, und Mackintoshs Gitarre deckt zu all dem ein unglaublich breites Spektrum von Pop über Rock bis hin zu drahtigem Hardrock mühelos und fließend ab.
GRUESOME GALORE sind damit wie geschaffen, um melancholische Songs voller Schönheit und Abwechslung und gelebter Sehnsucht zu kreieren; Songs, die sowohl radiotauglich (besonders für Samstagnachmittage) als auch richtiggehend progressiv ausfallen können - und gar nicht selten beides zugleich. Art Rock und Gospel vereint, wie Macintosh es in Interviews ausgedrückt hat.
"Gracious Living", das ist Musik, die sowohl den Zauber des Moments als auch zeitlose Größe in sich trägt. Seelenerhebende Melodien, herrliche Crescendi, herzzerreißende Soli, fluffige Rhythmik, und dieses innere Glühen - was braucht Mensch mehr zum glücklich sein? Es gibt ihn also noch, den guten alten Indierock!
'Charming' webt einen reichen Klangteppich aus seiner fließenden Melodie, geschickt eingesetzten Hintergrundchören, einer dichten Kombination von elektrischen und akustischen Gitarren, sowie dynamischem Drumming.
'It's a crime' ist ebenfalls von Hintergrundgesängen durchzogen, getragener doch kraftvolle, stärker basserfüllt und melodisch noch ausgefeilter. Gitarren und menschliche Stimme scheinen gegeneinander anzusingen und wie sturmbewegte Wellen zu wogen, bis die E-Gitarre dann in ein finales Solo strudelt, bevor das Stück ebenso harmonisch verebbt, wie es begonnen hat.
'Black Star Sapphire' rückt den Gesang und das Schlagzeug etwas stärker in den Vordergrund, während die Electroorgel eine nächtliche Stimmung an den tiefblauen Himmel malt;
'The music' könnte als besinnliche Hymne kaum tröstender ausfallen, sinkt dann jedoch jäh in das
gefühlsmäßig stark bewegte, von schwellenden Bässen umflutete
'Father Sun' hinab, einem leicht psychedelisch angehauchten Gebräu aus zähem E-Gitarren-Rock und ätherischen Blueseinflüssen.
'All Alone' lässt heimelige Akkorde funkeln und wartet mit ganz und gar zauberhaftem Gesang auf; diesen Song würde ich gerne Mal auf einer dunklen Kleinkunstclubbühne als Akustikversion zu hören bekommen. Auf CD oder Vinyl kann er durch das ausgefeilte Arrangement mit dem dezenten Hintergrundgesang und den pastellen sich im ganzen Raum verströmenden E-Gitarrenlinien freilich nur gewinnen.
'Overdosed' setzt das akustische Sternenstaubfunkeln mit Klavierbegleitung und theatralisch zärtelndem Rockgesang voller Beschwörung und glamouröser Nostalgie fort. In diesen Gitarrentönen kann man förmlich baden. Schon mal mit den Engeln der Hingabe im Mondlicht getanzt?
'Mystified' ist in der (auf der hier gefeatureten amerikanischen Albumversion leider nicht erhältlichen) Liveversion einfach nur göttlich, kommt aber auch als Studioaufnahme wirklich leidenschaftlich daher; kein Wunder beschwört Mackintosh doch auch in Interviews seine Freude an der Magie des Moments auf Konzerten.
Betrachtet man das für den europäischen Markt entworfene Coverartwork von "Gracious Living", so scheint es einzig und allein fürs Vinyl gemacht mit seiner verspäteten Achtzigerjahregrafik: Stilvoll und schlicht, aber mit Liebe zum Detail.
Genauso wie die Musik: Der BEATLES würdige Melodien, Arrangements so frisch und rauh wie die des TEENAGE FANCLUB und eine Präsentation so beseelt wie von JEFF BUCKLEY oder den DOORS. Man könnte glatt meinen, die pöbelnden Rüpel von OASIS hätte es nie gegeben und der moderne Britrock würde gerade erst erfunden (- dabei stammt die Band doch Portland, Oregon!).
'Music' zieht schließlich das Fazit des Albums, fasst seine Essenz in einer vollendeten Verbindung von Worten und Musik zusammen:
>>So if you're out there child / and I know you are / pull out the vinyl / and lay the needle down / I know you are hungry / in this bleak and empty world / but hey! / It's written in the music.<<