Grass Roots - Pothead

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Grass Roots - Pothead

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Hanf Dampf in allen Gassen!!!

5  24.01.2002 (27.01.2002)

Pro:
Sänger, Groove, Melodien, Arrangements

Kontra:
17 Songs hättens auch getan; - )

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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Lemmy

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:78

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 124 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Ich bin wieder verliebt! Wahnsinn, und das gleich in doppelter Hinsicht. Während die eine Angelegenheit nicht hierhin gehört;-), möchte ich mich hier über die andere auslassen!

Ich habe eine neue musikalische Liebe gefunden! Namentlich war mir dieses aus 3 Mannen bestehende deutsch-amerikanische Grunge-Jointventure (Sorry, das Wort war Absicht) zwar schon seit einiger Zeit bekannt. Leider kannte ich von POTHEAD vorher nur einen Song, der auf einem Compiler enthalten war. Der Titel hieß ?Henry and Mabel? und war ein durchaus gefälliger Rocksong, den ich damals aber eher als langweilig und austauschbar befand.
Nun bescherte mir der Vater des Christkinds (Insider) das neueste Album der drei Haschköpfe!
Um etwas zu erklären: ich höre viele unterschiedliche Musikrichtungen, mein Hauptstandbein ist jedoch die härtere Rockgangart. Doch dieses Album, ?Grass Roots? hat sich in mein Herz gespielt! Herrlich simpel strukturierte Rocksongs mit Gefühl für Groove und Melodie erwarten eine breite Hörerschaft zu erschließen. Dabei ist jeder Song wohltuend anders, es wird mit vielen Stilen experimentiert, so dass man Pothead nicht einfach in irgendeine musikalische Schublade verfrachten kann. So kann der Listener poppige Töne vernehmen, die von klassischen Rockriffs mit dem nötigen Pep abgelöst bzw. umspielt werden. Man taucht förmlich in eine eigene, wohlarrangierte, simple wie komplexe Soundwelt ein und kann sich einfach vom ersten bis zum 19.(!) rockmusikalischen Meisterwerk treiben lassen. Spätestens nach dem ersten Anhören wird einem klar, warum die Band und die Platte so heißen wie sie heißen!
Das ist Drogenmusik! Dabei spielt es keine Rolle, ob man sich dabei nen Joint genehmigt oder ob man sich nur der Musik als Droge bedient! Der komplette Wahnsinn!

Dabei sind, wie schon beschrieben, sehr viele verschiedene Einflüsse zu bemerken: mal vermeint der Hörer Sounds von Led Zeppelin zu vernehmen, im nächsten Moment brüllt ein erstklassiges Rockriff a la Black Sabbath los, um dann auch in balladeske, psychedelische (Drogen-)visionäre Klangwelten zu entführen. Doch damit nicht genug. Selbst Bluesklänge und BluesHarp werden erstklassig verarbeitet. Mir kommt das Album leicht schizophren (im positiven Sinne) vor, da eigentlich jeder Song einfach nur passt und seinen eigenen Reiz versprüht, obwohl mir schon öfters insgeheim die Frage aufkam, ob das immer noch die gleiche Band ist.

Sehr positiv zu erwähnen ist noch die Tatsache, dass Pothead wohl keinen richtigen Plattendeal haben, sondern ihre Musik (mittlerweile schon das 8. Studioalbum) selbst und ausschließlich über das Internet vertreiben.
Auf der gut und übersichtlich gestalteten Internetpräsenz www.pothead.de befindet sich alles für den Interessierten. Pothead weigern sich scheinbar, zu Kollaborateuren der Musikindustrie zu werden. Tatsächlich nimmt jene Industrie beide Gruppen aus wie eine Weihnachtsgans, Künstler wie Käufer. Die Erkenntnis, dass man seine Musik auch selbst an den Mann oder die Frau bringen kann, ohne extrem überteuert zu sein und von der Musikbranche verheizt und verbogen zu werden, setzten Pothead in die Tat um. Hut ab! Allein diese Haltung gibt der Combo in meinen Augen das Prädikat ?Extraklasse? und einen enormen Sympathiebonus! Dabei braucht sich ihre Musik nicht hinter Bands zu verstecken, die einen Majordeal haben, im Gegenteil. Ich denke, einige große Musikmogule werden sich in den Arsch beißen, dass sie dieses Rockspektakel nicht unter Vertrag haben. ToiToiToi für die Zukunft!!!

Nun zu den wichtigsten Songs:

1. Let´s complete

Ist ein sehr straighter Rocksong, der sofort ins Blut geht. Treibende, minimalistische Gitarren erzeugen den typischen Rockgroove der 70er, der sofort ins Blut geht. Man vermeint Hendrix, Black Sabbath herauszuhören, wobei sich hier nix kopiert anhört. Das ist allein Pothead. Der Song verfügt nicht nur über schöne, freche Strophen, sondern auch über einen sehr markanten Chorus, den man mitsummen wird *überzeugtnick*. ?Oh yeah, I got you babe and you got me, so let´s complete, baby?just complete?yeah?. Dabei wirkt die Stimme sehr grungig und absolute dominierend. Wer jetzt nicht weiterhört, hat kein Herz für Musik! Sehr schöner Opener!

2. Tiagiato

Und es geht fluffig weiter. Schönes Gitarrengebrabbel, sehr straightes Riffing, das aber so entspannt rüberkommt, dass mindestens die Füße mitwippen. Im Hintergrund hört man so ein Geräusch wie bei alten Computerspielen. Der Sänger setzt hier mir einer sehr schönen Stimme und Melodie ein. Bis hierhin lebt der Song nur von dem simplen Gitarrenriff und der herausragenden Stimme des Sängers. Sehr schöne Übergänge, wie auch jetzt: Übergang zu einem Rockriff a la Joan Jett um dann wieder, von Synthieumspielungen in das Hauptriff überzugehen. Das Chorusriffing erinnert auch etwas an AC/DC. Absolut eingängiger Song, der absolut Massentauglich ist, ohne die nötige Klasse vermissen zu lassen.

3. Rock the Border
?ist ein dreckiger Rocksong im Stil von AC/DC, Black Sabbath, nicht ohne die gewisse Grungenote vermissen zu lassen. Stimmlich lehnt sich der Sänger nahe an Ozzy Osbourne oder den Sänger der Stone Temple Pilots. Sehr kurzer, aber guter Rocksong!

4. New Chapter
beginnt wie das legendäre ?Henry and Mabel? mit Akustikgitarren. Der Sänger steigt vom ersten Schlag an ein. Sehr schönes Akustikriffing, hier ist keine E-gitarre zu hören. Trotzdem fehlt dem Song nix an Groove. Sehr gefällig auch die Gesangsline. Nach dem 2. Pre-Chorus erklingt dann das erste Mal eine elektrisch verstärkte Gitarre und verstärkt den einfach(en) genialen Chorus. Ein sehr gefälliger Song, den ich als Autofahrmusik bezeichnen würde!

5. Satisfied
Hört sich punkig an, könnte am Anfang auch Ärzte oder die Toten Hosen sein, was sich aber spätestens mit dem Einstieg des Sängers ändert. Einerseits etwas poppig, auf der anderen punkig-rockig. Doch die Stimme lässt keinen Zweifel daran, dass Punk hier nicht angesagt ist. Wunderschöne Melodiebögen spannen sich auf, lassen den Hörer darüber spazieren. Trotz der scheinbaren Trivialität der Riffs kommt dieser Song, übrigens einer der Highlights des Albums, herzergreifend schön rüber.
?Oh cause I´ll never satisfy?.ohhoahoahoa?. Wer hier nicht mitsingt und mitschwingt, dem ist nicht mehr zu helfen. Allein wegen diesem Song habe ich mich in die Platte und die Band verliebt. In diesem Stück steckt ein großes Stück Herzblut, man spürt förmlich die Emotionalität, mit der der Song aufgenommen wurde! Extraklasse!

6. Wild Weed

Startet mit einem knackigen Riff, das auch von Ozzy sein könnte. Doch als der Sänger in das Riff einsteigt, hört sich das eher an wie Type o´Negative auch Creed vermeint man zu hören. Doch der Chorus schlägt alles: ein AC/DC Riff allererster Güte (könnte auch noch ´was Led Zeppelin
Drin sein). Doch die Stimme könnte im Chorus tatsächlich Ozzy Osbourne sein! Absoluter Rock-Knaller!!! Und wieder lässt sich Pothead aber nicht auf eben genannten Vergleiche reduzieren! Dat groovt!

7. Deliverence
Fängt sphärisch mit minimalistischen Gitarren an, eine Sologitarre heult auf während sich der Song zu einem langsamen dahintreiben entwickelt. Hat was von Creed. Sehr langsamer Song (nur ganze Noten im 4/4 Takt). Wirkt zäh wie Gummi, ohne aber zu missfallen. Könnte auch was für Gothicjünger sein.

8. Damnation
Häh? Moonspell? So hört sich die Stimme zumindest an! Kein Gegröhle, no so was machen Pothead nicht, es ist eher diese tiefe, wohlklingende Bassstimme, die zu dem disharmonischen Gitarrengeplänkel eine gute Alternative bildet. Alles in allem etwas langweilig. Sonntagnachmittagundregenmusik würde ich sagen.

9. Rose Garden
Hört sich vom Namen genauso schmalzig an, wie die Musik. Alles in Akustikgitarren gepackt. Hier nervt mich dann doch schnell diese zähe Melodie, die ereignislos vor sich hindümpelt. Als Einzelsong nicht zu ertragen, im Gesamtwerk jedoch machbar

10. Dope says Nope
Richtig fetziger Rocksong im Stil der Stone Temple Pilots, und ich vermeine jetzt auch einen Gesamtvergleich mit KingsX wagen zu dürfen. Sehr knackig, geht von Beginn an rein. Dat groovt, dat Teil! Einer der schnellsten Songs des Albums (wobei hier schnell natürlich relativ ist)

11. Diamond
Wieder ein akustischer Sonntagnachmittagsong zum kuscheln und schmusen, aber nicht um Aktion zu machen. Hier drängt sich mir der Vergleich zu Radiohead auf.

12. Rut
Akutstikgitarren, begleitet von einer Bluesharp bilden das Intro. Könnte auch von einem Südstaatenrocker sein. Doch nach diesem fast 2-minütigen Intro geht?s im langsamen Rocktempo weiter. Und dann setzt die charismatische Stimme des Sängers ein. Hier drängen sich mir gleich zwei Vergleiche auf: Dire Straits und das Bluessoloalbum von Zakk Whylde. Sehr gefälliger Song, der hauptsächlich von der Stimme des Sängers und der minimalistischen Instrumentalisierung lebt. Stark!

13. 2nd fret
Der Song heißt wahrscheinlich so, weil der Song sich hauptsächlich auf demselben abspielt (Übersetzung: 2. Bund  Gitarre). Erinnert mich an die guten alten Jefferson Airplane . Leider fällt mir kein besserer Vergleich dazu ein. Schöner Chorus, den man mitsingen muß. ?I Can´t explain, how I feel???

14. 4-3 Eight-Two

Sehr gefälliger Akustikbeat. Schöner MidTempoSong.

15. Put it inside

Jawoll! Hier groovt es wieder! Bester Grunge a la S.T.P. und Creed. Geht absolute gut rein. Sehr schöne schwere Riffs, so ähnlich auch auf der neuesten Ozzy Osbourne zu bestaunen. ?Oh Baby you can use me like I ever wanna use you?.Oh Baby I just want you?to put it inside?there´s one time for someone fuckin´ with your mind oh babe I just want you to put it inside?? Geniale Rakete! Super Song!

16. Victim
ist ein vom Bass betonter Song, der noch von leisen Akustikgitarren umschmeichelt wird. Dann setzt der Sänger mit einer wohltuend tiefen, vollen Stimme (Moonspell) ein. Diese wird durch melodische Mehrfachgesänge unterbrochen. Schöner, langsamer und stimmungsvoller Song, den man wieder zum träumen oder schmusen verwenden kann. Ist keine Stimmungskanone!

17. I thought you would
Langweiler

18. Someday
Wieder Sonntag?stil

19. Festung
Und zum würdigen Schlusssong, der mit einem Bassteppich anfängt, gelegentlich unterbrochen von dem Kreischen der Sologitarre. Ist wieder sehr Stimmungsdicht, aber keine Stimmungskanone, eher schon etwas doomig angehaucht.


Meine Meinung:

Ich hoffe, ich konnte halbwegs klarmachen, warum ich diese Platte lieben gelernt habe. Dieses Album ist für ein breites Publikum geschrieben, also Mainstream im gröberen Sinne, so dass für jeden was dabei ist. Umso erstaunlicher ist der Sound, denn das Album wurde angeblich in einem alten Kreuzberger Warenhaus aufgenommen. Alle Achtung, Hut ab vor dieser Band! Ich spreche hiermit meine absolute Empfehlung für alle interdisziplinären Musikliebhaber aus!
Alle fünfe!!!

©´2002 by Blubber666/Lemmy



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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Jonnycheck

Jonnycheck

10.11.2002 14:33

Heut abend geh' ich auf's Konzert! Juhuu! :-)

Crazy666

Crazy666

11.02.2002 20:27

Akkustikgitarren....*Weihwassersprüh* *Kreuzeichenmach* GUCK MAL WER WIEDER DAAAAA IST!!!

toyfelchen

toyfelchen

11.02.2002 18:32

hallo, ich habe selten solch einen detaillierten, interessanten Bericht gelesen ! Gruß, toyfelchen

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