Heute möchte ich Euch eines meiner (selbst gewünschten) Geburtstagsgeschenke vorstellen. Es handelt sich um die Winter Edition 2010 des Albums „Große Freiheit“ von Unheilig, welches aus 2 CDs besteht. Die erste CD entspricht dabei inhaltlich der normalen „Große Freiheit“ CD. Auf der 2. CD hingegen ist der Song „Winterland“ in mehreren Varianten sowie je eine Sonderversion von „Geboren um zu leben“ und „Unter deiner Flagge“ enthalten. Mit einer Märchenlesung von „Dornröscen“ auf die unnachahmliche Art und Weise des „Grafen“ schließt diese CD 2 ab. Wie gesagt, bekam ich dieses Doppelalbum geschenkt. Neu ist sie laut Amazon für 19,99 € zu erwerben, über den Marketplace und gebraucht natürlich ggf. günstiger.
Verpackung und Booklet
Um die standardmäßig recht stabile CD-Hülle ist noch einmal eine Papphülle mit der silbergrauen Variante des Coverbildes, welches ein nachts im Schein eines riesengroßen Mondes übers Meer schipperndes Schiff mit einem flaggenschwenkenden Mann vorne am Bug zeigt. Daraus lässt sich die eigentliche CD-Hülle seitlich entnehmen. Als ein kleines Manko bei der CD-Hülle hat sich herausgestellt, dass das Innenteil, in dem sich die beiden CDs befinden, nicht besonders fest darin sitzt, sondern recht lose darin ist. Im Idealfall sollte sich das Ganze allerdings aufklappen lassen, ohne dass man das komplette Innenteil in der Hand hält. Da die Hülle selbst sehr stabil ist, sind die CDs dennoch ziemlich gut darin geschützt.
Das Booklet beinhaltet sämtliche Songtexte mit nur wenigen, zu vernachlässigenden Schreibfehlern darin, die obligatorischen Danksagungen sowie weitere Fakten zu den Mitwirkenden usw. Einige Schwarzweißbilder mit Landschaften und dem Sänger darauf runden das Booklet sehr schön ab. Wie auch die Hauptsache, nämlich die Songs selbst, ist auch das Booklet nach meinem Eindruck insgesamt sehr stilvoll gestaltet.
Infos zu den CDs
CD 1:
Produziert und komponiert von Henning Verlage und Der Graf.
Aufgenommen und gemischt von demselben Verlag für Darkstarmusic.com.
„Geboren um zu leben“ und „Für immer“ wurden produziert von Kiko Maßbaum in den Tinseltown Studios Köln, in Begleitung des Kölner Jugendchores St. Stephan und des Kinderchores Lucky Kids.
Fotografie (damit sind wohl die Bilder im Booklet gemeint): Erik Weiss.
Gestaltung: Büro Rudolph.
CD 2:
Musik auch hier by Der Graf und Henning Verlage.
Gemastert von Sascha Bühren @ TrueBusynessMastering, Bad Oeynhausen.
Veröffentlicht durch Fansation Musikverlag / Universal Music Publ. GmbH.
Track 5 (Gregorian Choraufnahmen): Aufgenommen im Angel Studio London, Dirigent: Chris Foster.
Ich habe mich hier auf das Wesentliche beschränkt, zumal sich viele Namen etc. in den Angaben des Booklets wiederholen. Die vollständigen Informationen sind dem Booklet zu entnehmen.
Beschreibung und Kommentare zu den einzelnen Songs
CD 1
01. Das Meer
Dies ist das Intro des Albums. Nach einer instrumentalen Passage hört man zunächst ein Geräusch, welches einem dumpfen Schiffstuten ähnelt. Dann steigert sich der Sound etwas, wird langsam kraftvoller und melodischer, auch die Drums setzen nun ein. Schließlich beginnt der Gesang mit der gewohnten Bassstimme des Grafen.
„Komm geh mit mir zum Meer
um auf ein Schiff zu gehen.
Komm geh mit mir zum Meer
um in die Welt zu sehen
Komm geh mit mir zum Meer
um in den Sturm zu sehen
Komm geh mit mir zum Meer
um
Bilder von Grosse Freiheit (Winter Edition) - Unheilig
mit auf Kurs zu gehen
Komm geh mit mir zum Meer
um neues Land zu sehen
Komm geh mit mir zum Meer
um Freiheit zu verstehen
Komm geh mit mir zum Meer
auch wenn wir untergehen
Ferne Welt ich komme...“
Praktisch eine Zusammenfassung der Reise, auf die dieses Werk den Zuhörer unter Berücksichtigung verschiedener Facetten (wie im Leben eben auch) mitnehmen wird. Ein vergleichsweise ruhigerer Song und gutes Intro, aber natürlich als solches noch kein Highlight. Die besten Songs kommen erst noch!
02. Seenot
Dieser Song beginnt rasant und sehr rammsteinlastig. Nach der ersten Strophe folgt der ausdrucksvolle Refrain:
„Auf Ziel voraus zum hellen Schein
Durch den Sturm zum Himmelreich
Ich such die Sterne und den Mond
und das Licht am Horizont.“
Die Dramatik und die Schwierigkeiten werden ebenso vor dem inneren Auge sichtbar wie die Zielstrebigkeit und die Botschaft, dass auch angesichts dieser Schwierigkeiten die Hoffnung nicht verloren wird. Das lässt sich natürlich auf verschiedene Lebensbereiche übertragen.
Eines der Dinge, die mich an Unheilig – neben dem tollen und vielschichtigen Sound – immer wieder fasziniert, ist nicht zuletzt die Tatsache, dass man die Lieder immer wieder je nach Lebenslage oder was auch immer gerade gedanklich beschäftigt, anders gehört werden können. Inspiration ist damit immer wieder neu gegeben.
03. Für immer
Es fängt mit harmonischen Klavierklängen an, bevor der mittelschnelle Rhythmus einsetzt. Auch dies ein sehr tiefsinniger Song, der zum Nachdenken anregt und dazu, das Jetzt zu genießen sowie einem nahestehenden Menschen beizustehen, sofern dieser dies gerade braucht.
„Nichts ist für immer
und für die Ewigkeit
Nichts ist für immer
Nur der Moment zählt ganz allein.“
Das Lied endet mit einer positiven Aussage:
„Brauchst du mich bei deinem letzten Schritt?
Ich halte dich.“
04. Geboren um zu leben
Was soll ich dazu noch groß erzählen? Das Lied kennt mittlerweile sicherlich jeder. Wobei die gesamte Dimension dieses Songs offenbar erst mit der Zeit „durchsackt“. Passend zum Thema (Verlust oder Tod eines geliebten Menschen und der Prozess, darüber hinwegzukommen und den Sinn / die Bedeutung dieser Person besser zu verstehen) ist er sehr melancholisch gesungen, was durch den Sound und die Klaviermusik entsprechend untermalt wird. Später steigert sich der Song mehr ins Hoffnungsvolle – symbolisch für die erfolgreiche Vollendung dieses Verarbeitungsprozesses. Das Leben geht weiter. Zum Schluss wird es (andächtig) ruhig.
05. Abwärts
Hier wird die Dramatik des seelischen „Abwärts“-Gangs, der auch die lyrische Beschreibung einer Depression (oder zumindest einer depressiven Phase) sein könnte, durch eine zumeist rasante, wieder an Rammstein erinnernde Musik unterstrichen.
„Keine Wege die mich führen
Tief
Kein Kreuz wird meines sein
Tief
Keine Sonne wird sich zeigen
Tief
Kein Licht das mir erscheint
So tief (...)
Abwärts bis zum letzten Mann“
06. Halt mich
Ein gemächlicherer, sich sanft wiegender Song, in dem man sich einfach aufgehoben fühlt.
Das „Halt mich“ in dem ansonsten langsam gesungenen Text wird dabei geflüstert.
„Komm lass mich nicht mehr los
Auch wenn die Welt stillsteht
Komm halt mich weiter fest
Bevor du wieder gehst“
07. Unter Feuer
Wiederum ein tempo- und actionreicher Song. Es geht vorwärts, mit großer Energie, aber auch unter enormem Kraftaufwand. Wer kennt solche Situationen nicht, unter denen man förmlich wie „unter Feuer“ steht – egal, wohin das letztendlich führt, man möchte weiterkämpfen?
„Unter Feuer, unter Feuer
Aus der Lunge brennt die Luft
Unter Feuer, unter Feuer
Kalter Schweiß schlägt auf die Brust
Unter Feuer, unter Feuer
Will ich auf das Ende sehen
Unter Feuer, unter Feuer
In Blitz und Donner untergehen“
Mal wieder drängen sich Assoziationen mit der Titanic auf, die hier freilich sinnbildlich zu verstehen sind. Im Gegensatz etwa zu „Abwärts“ dominiert hier die energetische Variante. Da geht noch was! Bloß nicht aufgeben!
08. Große Freiheit
Ein sehr gefühlvoller Song, der schon bei den ersten melodischen Takten unter die Haut geht. Unter anderem wird er musikalisch von einer Gitarre und passend eingesetzten Bässen begleitet.
Die Musik weckt starke Assoziationen zum Meer und insbesondere der Weite des Meeres, die hier symbolisch für die individuelle Freiheit steht. Diese Weite kommt hier sehr gut zum Ausdruck.
„Oohooh, große Freiheit
Ich hab mich nach dir gesehnt
Du hast dich in mein Herz geträumt
Es ist schön dich wiederzusehen“
Da möchte man am liebsten gleich mitschwingen oder gar mitschunkeln (falls das Wort Schunkeln keine falschen Vorstellungen vom Musikstil weckt – na, Ihr versteht schon, wie ich das meine)!
09. Ich gehöre mir
Wieder ein sehr rasanter, hardrockiger, diesmal mit rauer und hasserfüllter Stimme gesungener Song. Auch hier geht es um eine Art Befreiung, allerdings (nach meiner Interpretation) von einer Beziehung, wo jemand nicht so angenommen wird, wie er ist, also etwas, was auf Dauer nicht funktionieren kann. Und von einem entsprechend abrupten Abschied.
„Glaub mir ich achte mich
und werde mein Leben weiter leben
und nicht Träume wegen dir übersehen“
Man sollte niemals eines anderen Menschen wegen sich selbst zurückstecken.
10. Heimatstern
Beginnt ruhig mit Klavierklängen und einer langsamen Melodie, die sich harmonisch durch das Lied zieht und im weiteren Verlauf von einem weiteren Saiteninstrument (ein Zupfinstrument?) begleitet wird. Eine Kombination aus Nachdenklichkeit und teilweise Melancholie kommt darin zum Ausdruck.
11. Sternbild
Mit etwas heroischen Klängen noch etwas einfacher beginnend, nimmt dieser Song bald an Tempo und Vielschichtigkeit zu und wird sehr rhythmisch-melodisch. Der Text ist hier wieder sehr bildreich formuliert, was die Emotionalität noch einmal erhöht.
„Ich sehe so oft in den Himmel
suche in Wolken dein Gesicht
Vielleicht ist Abschied eine Reise
die ein Wiedersehen verspricht
Ich höre so oft deine Stimme
auch wenn ich weiß, du bist es nicht
Vielleicht ist Liebe wie ein Sternbild
das mir sagt, ich führe dich“
Dazu muss glaube ich nichts mehr ergänzt werden.
12. Unter deiner Flagge
Ein ruhigerer, aber auch emotionaler und ausdrucksstarker, melodischer Song. Eine Hommage. Der Graf hat es nach eigener Aussage im Booklet seiner Mutter gewidmet, und das ist auch einleuchtend. Ein sehr schönes Lied.
13. Fernweh
(Ferne Welt ich komme)
Ein schöner und passender Abschluss, hoffnungsvoll ausgelegt und wieder hell klingend melodisch.
„Ferne Welt ich komme
Ich kann deine Lichter sehen
Ich hab so oft davon geträumt
dich aus der Ferne zu sehen
Ferne Welt ich komme
Ich kann deine Himmel sehen
Ich hab so oft davon geträumt
an deinen Ufern zu stehen“
14. Neuland
Das Outro, das wieder an den Anfang anschließt und Assoziationen dazu weckt, wie ein Schiff erneut in See sticht. Nach einem melodischeren Anfang (mit Klaviertönen dazwischen) kommen die Bässe dazu, und es wird etwas schneller und energetischer, jedoch immer noch in gemächlichem Tempo. Zwischendurch hört man Geräusche, wie, als wenn jemand unter Wasser atmet, oder von einem U-Boot (nur eben die technische Version davon). Es ist rein instrumental, ohne Gesangstext.
CD 2
01. Winterland
Ein sehr idyllisches und ruhiges Lied, auch melodisch, beginnend mit einem langgezogenen gesungenen „Aaaaaaaaah“ einer hellen weiblichen Stimme, die später in der Begleitung zum besinnlichen (mal warmherzigen, dann aber auch mal mit einer nachdenklichen Komponente) Songtext noch dreidimensionaler wird. Sehr stimmungsvoll und passend zum Winter, weckt Assoziationen zu einer verschneiten Winterlandschaft und zugleich Wärme hinter den Fensterscheiben.
„Streift die Stille durch die Wälder
Im Traum aus Eis und Licht
Liegt der Schnee auf Baum und Tälern
Streicheln Flocken mein Gesicht
Sehnt mein Herz sich nach der Heimat
nach Zuhause
Schutz und Halt
Rückt das Leben näher zusammen
Spiegeln Träume sich im Winterland
Schneit der Himmel weiße Sterne
Werden Wünsche wieder wahr
Liegt die Welt im Silberschnee
Fängt die Zeit zum Träumen an
Die Bäume stehen in tiefer Stille
Der Wind das Astwerk hebt
Die Kinder lachen
Auf Seen und Bächen
Der Frost Schneeblumen an die Fenster weht
Schenken Fremde sich ein Lächeln
Reichen Menschen sich die Hand
Kommt die Welt sich etwas näher
Spiegeln Träume sich im Winterland“
Aber auch die andere Seite wird hier wieder thematisiert:
„Funkeln Lichter in den Fenstern
und ein Feuer wärmt die Nacht
Denke ich oft an jene die fehlen
und schau hinaus ins Winterland“
02. Geboren um zu leben
(Piano Version - live bei Radio NRW)
Eine recht pure Version, in welchem die Klaviermelodie im Vordergrund steht.
Anfangs gefällt es mir noch gut, danach wird mir der (verglichen mit dem Original schnellere) Rhythmus zu fremdartig / verfremdend. Dadurch kommt die Stimmung nicht mehr so gut herüber. Die Stimme des Grafen ist aber kraftvoll, teils „leidend“ herübergebracht und somit ist immerhin die stimmliche Komponente gelungen. Auffallend ist zudem, dass diese Version viel kürzer ist.
03. Unter Deiner Flagge
(Piano Version - live bei Radio NRW)
Ähnlich wie bei der soeben geschilderten Version von „Geboren um zu leben“ vorgetragen, nur eben entsprechend dem Thema positiver. Auch hier ist es klavierlastig und in einem ungewöhnlichen Tempo vorgetragen. Diese Version gefällt mir insgesamt besser als die alternative Version zu „Geboren um zu leben“. Hier kommen die ruhigeren Passagen immer noch gut zur Geltung.
04. Winterland – Single Version
Ist ein bisschen rhythmischer, aber auch etwas synthetischer als die erstere Variante davon. Nach meinem Eindruck kommt hier längst nicht so viel Stimmung herüber wie bei ersterer Version davon. Es wirkt eher poppig und irgendwie (abgesehen zu einer Passage zum Ende hin, wo sich das Ganze noch einmal anhebt) ein bisschen flacher.
05. Winterland – Gregorian Version
Nun ja, so richtig „Gregorian“ wirkt es anfangs noch nicht. Der Chorgesang, mit dem es beginnt, klingt zu Beginn noch recht studioaufnahmenlastig. Dann allerdings steigert sich das Ganze. Leider gibt es zwischendurch immer wieder Passagen, wo der Gregorian-Chor doch sehr im Hintergrund steht und phasenweise sogar ganz abbricht. Später wird es aber immer klang- und stimmungsvoller. Nach einer ruhigeren Stelle und ein paar klingenden Klaviertakten singt der Chor teilweise auch den Text mit, was wirklich sehr gut aufeinander abgestimmt ist und dem Ganzen dann auch endlich die volle Tiefe verleiht. Aber dann ist das Lied auch schon bald zuende.
06. Der Graf liest „Dornröschen“
Zum Märchen selbst muss ich wohl kaum noch etwas erklären. ;-) Untermalt wird die Erzählung von leisen, vor Allem Klavierklängen. Die Hintergrundmelodie, die das Ganze begleitet, ohne sich je vorzudrängen oder gar von der Erzählung abzulenken, hat etwas gemächlich-hoheitlich Mittelaltermäßiges. Teilweise hört man einen atmosphärisch hellen Frauenchor dazwischen. Der Graf liest dieses Märchen sehr charakteristisch, ausdrucksvoll und wohl akzentuiert. Ein Erlebnis!
Das Stück dauert knapp über 10 Minuten, also nicht zu lang. Es ist richtig entspannend, aber auch stimmungsvoll, dieser Erzählung des bekannten Märchens zu lauschen. Durch die interessante, teils leicht düstere Erzählweise hat man das Gefühl, als würde man die Geschichte auf eine ganz andere, neue Art und Weise hören. Langeweile kommt da keine auf.
Fazit
Auch diese Variante des Albums lohnt sich auf jeden Fall! CD 1 hat natürlich die gewohnte Qualität und hat aus meiner Sicht die vollen fünf Sterne verdient.
Zu CD 2: Von den Winterland-Versionen gefällt mir die ursprüngliche Variante noch am besten. Die Gregorian-Version davon steigert sich erst nach und nach und weiß damit insgesamt noch zu überzeugen (eingefleischte Gregorian-Fans könnten davon aber auch ein klein bisschen enttäuscht sein, da man einen langen Atem braucht, bis es mehr oder weniger richtig „Gregorian“ wird). Hingegen ist mir die Single-Variante von Winterland persönlich etwas zu poppig und leicht oberflächlich, da die Stimmung des Songs darin nicht so gut rüberkommt. Das Märchen ist wiederum einmalig erzählt.
Müsste ich die CD 2 separat bewerten, würde sie von mir insgesamt 4,7 Sterne bekommen.
Alles in allem ergibt das immer noch 5 Sterne.
21.05.2011 02:04
prima vorgetellt in wort und bild. lg.petra
28.03.2011 12:10
hervorragender Bericht
26.01.2011 22:13
Ein schöner, informativer Bericht! :o) Gruß Fossi