Gut ist nicht sehr gut.
29.01.2005
Pro:
Homogen, stilistisch vielfältig, durchdacht arrangiert und getextes
Kontra:
irgendwas fehlt da
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:
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 derDosch
Über sich:
gone
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Bei „Gute Musik“ vom zurzeit viel besprochenen Clueso will man sich fast zwingen, alles davon gut und genial zu finden. Das tut ja auch jeder und zweifelsohne ist „Gute Musik“ auch wirklich gute und durchdachte Musik. Soviel ist also schon mal klar. Es ist auf jeden Fall Musik ohne Zeitgefühl. Zeit scheint für den 24 Jährigen mit kleinem -Jungen -Gesicht eh nicht zu wichtig zu sein. Nach seinem Debüt „Text und Ton“ 2001 lässt er nichts mehr von sich hören. Als „Gute Musik“ schließlich vor einem Halben Jahr erscheint, nimmt auch nur die Kritik davon Kenntnis. Der Ruhm kommt eben ein halbes Jahr später, dank Stefan Raab und seinem Bundesvisions Contest sowie einer Deutschlandtour mit den Fantastischen Vier.
Waren die ersten musikalischen Stücke des Thüringers noch stark vom Hip Hop geprägt, wird gleich beim Einstieg in das Album, „Nacht unterwegs“, klar, dass man sich zum Songwritertum hinentwickelt hat. Ein melancholischer Gitarrenüberzug lässt Clueso von der nächtlichen Kälte der Großstadt erzählen. Deutlich melodischer und mit ein bisschen Funk im Gepäck geht’s bei „Das Level“ weiter. Mit seiner etwas rauchigen Stimme singt man über die Leistungsorientierte Gesellschaft, die ständig neue Anpassung fordert. Etwas Hip Hop ist bei „Uh Girl“ übrig geblieben. Der erste Song, bei dem die Melodie hängen bleibt, glänzt mit treibenden Drums, melodischen Gitarren und einem leidenschaftlich singend-rappenden Clueso. Da kommt eine Menge Energie durch, unterstützt wird das Ganze von dem ein oder anderen Tempowechsel und peppigen Bläsern.
Ganz ruhig wird es bei dem Titelsong. Über einen jazzig plätschernden Beat verbreitet Clueso positives Flair indem er von Freundschaft und guter Musik singt. Die Liebe zum Reggae wird im Dancehall Song „Love the Peaople“ demonstriert. Hier gibt es in Zusammenarbeit mit Steer-M wieder etwas Sprechgesang. Ein charmanter Song übers Chillen und zur Ruhe kommen ist „Vier kleine Wände“. Warmer Soulgesang wird von einer kleinen Rapeinlage unterbrochen, der Beat wirkt dank schnöder Bassline, etwas Klavier und Gitarre schön zurückgenommen und etwas melancholisch. Von sich stapelnden „Pizzaschachteln“ in der staubigen Wohnung singt man im darauffolgenden Stilmix aus Reggae, Bluesrock und Pop. In „Wart mal“ singt und rappt man wieder von der Schnelllebigkeit der Gesellschaft und davon, dass der ganze Stress doch schnell dazu verleitet, alles sausen zu lassen. Eine flott gezupfte Akustikgitarre und plastikhafter Bassline unterstützen das Textwerk bestens. Ein Highlight der LP ist sicherlich „Vergessen ist so leicht“. Der Song wirkt fast wie ein Gegenstück zu „Wart mal“. Gesungen wird von entspannender Kifferei über Gitarrenlick und schwummrigen Percussions. Ein wohliges „irgendwer-regelt-das-schon“ Gefühl breitet sich schnell beim Hörer aus.
Wenn man Bienen surren hört, kann man sicher sein, dass ein Liebeslied bevor steht. So ist es auch dann auch bei „Fanpost“, einem Lied das (glücklicherweise) nicht an etwas Kitsch spart. Der Beat wirkt angemessener Weise luftig-leicht und versprüht ein gewisses Gefühl von Frühling. So gar nicht richtig ins Soundgewand will der zusammen mit Blumentopf eingespielte Partytrack „Egal wo“ passen, da er deutlich nach Blumentopf und nichts mit dem organischen Anstrich der anderen Songs gemein hat. Trotzdem bietet er auch zu den trüben Midtemposongs willkommene Abwechslung. Das Highlight ist „Kein Bock zu geh’n“. Schön eingespielte Streicher die das erforderliche Maß an Theatralik (nicht negativ!) versprühen, paaren sich mit spröder und hölzern wirkender Drum sowie mit bluesiger Gitarre. Damit wäre der Text, bei dem es um eine Beziehung die sich nur aus Bequemlichkeit hält, wunderbar untermalt. Dank Bläsern oder mal lauter werdenden Streichern sowie der leidenschaftlich gesungenen Bridge hat man immer wieder Spannungspunke gesetzt, die für ein langes Hörvergnügen verantwortlich sind.
Sympathische Alltagspoetik im Songwiriter-Soul-Pop Gewand liefert Clueso hier fast schon routiniert ab. Alles klingt sehr durchdacht und gereift, ohne aber jugendlichen Charme zu vermissen. Trotzdem läuft das 70 Minuten Album seltsam Spannungslos durch. Zu selten zwingt der Sound oder Inhalt das Gehör, mal genau hinzuhören. Geschichten von unaufgeräumten Zimmern und dem Wunsch, mal alles etwas langsamer angehen zu lassen, reißen nicht jeden vom Hocker. Trotzdem hat man es geschafft, auch die banalen Themen anspruchsvoll zu verpacken. Wobei die auch in der Unterzahl sind, zumeist glänzt Clueso mit nachdenklichem Textgut allerhöchster Güte. Ebenfalls Glänzend ist die Homogenität des Albums, die mit „Egal wo“ nur eine Ausnahme macht. Definitiv gute Musik. 1.Nacht unterwegs 2.Das Level 3.Uh Girl 4.Gute Musik 5.Dein Raum 6.Es wird heiß 7.Love The People 8.Kalter Kaffee 9.Bescheid 10.Vier kleine Wände 11.City-Pizza-Express 12.Pizzaschachteln 13.Wie heißt´n Du? 14.Wart mal 15.Vergessen ist so leicht 16.Fanpost 17.Egal wo 18.Ich geh heim 19.Herz Boom Boom 20.Vorspiel 21.Kein Bock zu gehen
Danke für Lesung/ Bewertung/ Kommentar. Dosch.
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15.02.2005 21:03
Kannst Du mir vielleicht sagen, ob sich "Text und Ton" ebenso lohnt?
03.02.2005 00:06
Hundert Lesungen! Na, zumindest aus der allgemeinen Leserschaft hat das ja schon mal geklappt. Und zu den hundert Mitgliederlesungen ist es auch nicht mehr so weit. Aber tröste dich, ich habe auch nur eine einzige Meinung mit mehr als hundert Mitgliederlesungen - zu einem Handy, na klar...
30.01.2005 18:59
Habe mir das Album damals gleich am ersten Tag zugelegt und höre es auch heute noch oft und gerne. War für mich eines der besten Alben überhaupt im Jahr 2004! Gut geschrieben und flüssig zum Lesen wie immer, Grüße, Patrick