Das war dufte, Rosa!
24.01.2006
Pro:
Weckt Erinnerungen bei denen, die dabei waren .
Kontra:
Weckt Erinnerungen, bei denen, die gern dabei gewesen wären .
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 diva68
Über sich:
Soll ich? Oder soll ich nicht?
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Die Band spielte "Midnight special", obwohl es erst mittags um eins war. Allerdings war dies hier auch kein verräucherter Club, sondern Halle B des Ohlsdorfer Krematoriums. Ulf Krüger, Uli Salm, Django Seelenmeyer, Gottfried Böttger und Jerry Bahrs spielten nicht gemeinsam mit Lorenz Westphal, sondern zu seinem Abschied. Es war die Trauerfeier für den als "Lonzo, der Teufelsgeiger aus Eppendorf" bekannt gewordenen Musiker, der Mitte November 2004 plötzlich und unerwartet an den Folgen eines Herzinfarkts verstarb. Anschließend ging es zusammen mit Udo Lindenberg, Otto Waalkes, Bill Ramsey, Volker Lechtenbrink, Achim Reichel, Werner Böhm, Hans Scheibner, Henning Venske, Olli Dietrich und vielen anderen in Lonzos zweites Wohnzimmer, das "Zwick", und da liefen sie dann, die Titel von damals, Hamburg `75... "Hamburg `75" entstand Mitte der 70er Jahre und begründete die "Hamburger Szene", zu deren bekanntesten Mitstreiter Udo Lindenberg, die Rentnerband, der Ragtime-Pianist Gottfried Böttger, Lonzo, Willem und andere Musiker gehörten. Gesungen von Gottfried und Lonzo, war der Song damals ein veritabler Hit.
Dieser und viele weitere "Klassiker" aus dem norddeutschen Raum, die Mitte/Ende der 70er Jahre entstanden, finden sich auf einem Sampler namens "Hamburg `75" wieder, den es bei amazon derzeit für 9,99 EUR zu erstehen gibt. 1975, das war die Zeit, als die Hansestadt im Zentrum des musikalischen Interesses stand. Da wurde ge"jatzt", da wurden kurzlebige Bands geboren, nur um sich später in neuen Varianten wieder zusammenzuschließen. Man nahm alles etwas lockerer, auch die Musik.
In Titeln wie "Alles klar auf der Andrea Doria" von Udo Lindenberg setzte man auf witzige Texte, Hans Scheibner bediente sich in "Das macht doch nichts, das merkt doch keiner" der Ironie und Torfrock setzten auf Party, wenn sie "Volle Granate, Renate" eher schrieen als sangen. Ebenso leicht und launig die Musik. Allen voran, forderte Carla Lodders zum "Danz op de Deel" auf. Die meisten unter Ihnen (auch diejenigen, die südlich der Elbe leben) kennen bestimmt den einen oder anderen Titel. Ich erinnere mich an keine (Erwachsenen-)Party in den späten 70ern/frühen 80ern ohne "Herbert" von Gottlieb Wendehals. Dass ich bei "Die Frau mit dem Gurt" von Truck Stop immer ganz fasziniert dem Radio lauschte, sei hier nur am Rande erwähnt.
Aber mein absoluter Lieblingstrack, seit Kindertagen, der Hauptgrund, mir überhaupt diesen Sampler zuzulegen, das war und ist ein anderer Titel. Ein Song, der in mir seit jeher den unbändigen Wunsch hervorruft, dabei gewesen zu sein, im legendären "Onkel Pö"*, als sie alle am jammen waren, Otto Waalkes mit seiner Gitarre zu erleben, als noch kein Mensch wusste, dass er eines Tages der Altvater der deutschen Stand-Up-Comedy sein würde, einfach etwas eher geboren worden zu sein, mich heute dann halt "diva48" zu nennen. Es ist "Hamburger Deern" von der Rentnerband. Peter Petrell, damaliger Sänger der Rentnerband, beschreibt (im ¾-Takt…) einen Abend im Onkel Pö, an dem er sich in eine junge Frau verliebt. Er nimmt sie mit zu sich nach Hause, und am nächsten Morgen lässt sie einen Zettel für ihn da mit folgenden Worten: "Lieber Peter, ich musste sehr früh zur Arbeit gehen, aber du kannst dich ruhig ausschlafen! Gestern Abend war's unheimlich dufte mit uns, nä? Doch du weißt sicher gar nicht mehr, was überhaupt los war! Wir seh'n uns heute Abend im Pö. Bis dann, deine Rosa!"
Kreisch!!! Auch 30 Jahre später krieg ich mich wegen "Rosa" und "dufte" nicht ein. Dass es auch anderen so geht wie mir, dafür sind die Musicboxes auf dem Kiez sicher auch ein Indiz. Dort findet sich der Sampler in jedem zweiten Gerät.
Also, liebe Hamburg-Fans und 70er-Jahre-Sehnsüchtige: Kreuz und quer, von Disco-Polka bis Ragtime, von amerikanischen Blues-Standards bis hin zur augenzwinkernden Neuinterpretation von Shanties: Wer sich ein (zumindest grobes) Bild vom musikalischen Hamburg Mitte bis Ende der 70er Jahre machen will, sollte bei "Hamburg `75" zugreifen. Trackliste:
[01] HELGA FEDDERSEN: Vorspruch [02] UDO LINDENBERG: Alles klar auf der Andrea Doria [03] DADDYS GROUP: Lass die Morgensonne (endlich untergehn) [04] LEINEMANN: In Hamburg sind die Nächte lang [05] ACHIM REICHEL: Wir lieben die Stürme [06] BAUER, GARN & DYKE: Laubfrosch Blues [07] RUDOLF ROCK: Halbstark [08] TRUCK STOP: Die Frau mit dem Gurt [09] RENTNERBAND: Hamburger Deern [10] GOTTFRIED & LONZO: Hamburg `75 [11] OTTO: Es wird Nacht, Senorita [12] HANS SCHEIBNER: Das macht doch nichts, das merkt doch keiner [13] TORFROCK: Volle Granate, Renate [14] RAGGIE RAGTIME: Der Clou [15] MEYERS DAMPFKAPELLE: Ich möcht so gern am Fließband stehn [16] OKKO, LONZO, BERRY, CHRIS, TIMPE: Die Story unsrer kleinen Family [17] RONNY & THE HOT POTATOES: Oh, Ilse [18] BOCK ROCK: La Paloma, Oh Nee [19] WILLEM: Grüß mir den Herbert [20] PETER PETREL: Ich bin kein Mann für eine Nacht [21] CARLA LODDERS: Dans op de Deel [22] LONZO: Die Dinosaurier [23] GOTTLIEB WENDEHALS: Herbert [24] JAN WILLEM: Botterblaumen-Boogie [25] HANS-HERBERT (DER VON BANANAS) : Stri, Stra, Streuselkuchen * Onkel Pö war der Kurzname für ein Jazzlokal, dass zunächst am Mittelweg im Hamburger Viertel Pöseldorf gegründet und in Referenz an einen weltbekannten Veranstaltungsort in New York "Onkel Pös Carnegie Hall" genannt wurde. Es kam dort nicht selten zu interessanten Sessions von lokalen Musikern, aber auch weltbekannten Größen aus Pop, Rock, Blues und Jazz (u.a. Pat Metheny, Jan Garbarek. Al Jarreau und Helen Schneider starteten hier ihre Weltkarrieren.)
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29.08.2006 18:07
Feines Album! Ich bin tatsächlich einer der unten erwähnten Süddeutschen, aber die Musik gefällt mir. Otto war überflüssig, aber der Rest ist Deutschrock vom Feinsten. Habe durch dieses Album auch Bauer Garn & Dyke mit "Himmel Arsch & Zwirn" (1982) entdeckt, deren Song "Lonly Harz" mir voll aus der Seele spricht. Mit Jan Willem gibt es sogar einen Song auf Plattdeutsch, was in der Musikwelt nun höchst selten ist. Kaufen!
06.04.2006 14:36
Eine schöne Hommage an eine tolle Zeit! Muss ich gleich mal bei Amazon bestellen. Önkel Pö, der eigentlich Peter Marxen heisst, ist übrigens immer noch mit dem Hessenstein bei Lütjenburg aktiv.
04.03.2006 17:45
*schunkel* nu sach bloß nich jedem, daß wirn Liebespaa wärn....neuer Ohrwurm für heute