Ich bin nicht dein Heiland... leider nein
11.03.2004
Pro:
Nicht im til der Vorgänger gefangen und somit sehr eigenständig, gute Texte
Kontra:
Etwas zu zahnlos, qualitativer Hänger auf halber Strecke
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 LifeInSin
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TRANSFORMERS waren der Hammer!!!
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BANDS, DIE MAN NIE VERGESSEN SOLLTE (Part 1): SCHWEISSER Heute: „Heiland“ -- Hintergrund --
Die Mission geht weiter... im zweiten Abschnitt meiner „Schweisser“-Tribut-Reihe geht es heute um ihre letzte eigentliche Metal-Platte, die 1997er Veröffentlichung „Heiland“. Als Nachfolger der absolut genialen „Eisenkopf“ und „Willkommen im Club“ hatten es „Schweisser“ erneut schwer, da die Fangemeinde mittlerweile hohe Ansprüche stellte. Mit „Heiland“ konnte die Band diese noch erfüllen, doch das letzte Album „Bitte warten“, das völlig mit dem rauhen Stil der Band brach, brach ihnen schließlich das Genick. Seit 2001 existieren „Schweisser“ nun schon nicht mehr. Und ich finde es mehr als schade, wie wenig von ihrem Vermächtnis der gemeinen Hardmetall-Welt noch im Gedächtnis ist. Deshalb versuche ich weiterhin, alle Liebhaber harter deutscher Musik wachzurütteln und sich mit „Schweisser“ auseinanderzusetzen. Viele wissen nämlich nicht, was sie verpassen...
-- 1997: Heiland -- Wie bereits erwähnt war es für die „Heiland“ eigentlich schon unmöglich, die Qualität der beiden Vorgänger-Scheiben zu toppen. Vielleicht ist das der Grund, warum „Schweisser“ nicht versuchten den Härtegrad noch weiter künstlich aufzublasen, sondern statt dessen melodiöser und vielseitiger zu arbeiten als zuvor. Bereits das Cover geht neue Wege, da es nämlich nur das rostrote Relief des bekannten „Schweisser“-Schädels zeigt, ohne irgendwelche Hinweise auf Band- oder Albumname. Und auch akustisch wird man erst einmal überrascht sein.
Den Einstieg macht dieses Mal nicht ein sägendes Gitarrenriff, sondern das altbekannte „Schweisser’sche“ Saxophon. Der Opener und Titeltrack „Heiland“ ist wesentlich rockiger als alles, was „Schweisser“ bis dato produziert haben. Selbst Sänger Tommi Böck hält sich stimmlich etwas zurück und singt lieber, anstatt in seine kranken Stimmverrenkungen aus „Willkommen im Club“-Zeiten zurück zu fallen. Trotzdem ist der Song unverkennbar „Schweisser“. Von softer Musik kann hier wirklich keine Rede sein. Und auch der Text beweist, das Böck die Themen wirklich nicht ausgegangen sind. Die hier bereits angefangene Gesellschaftskritik entfaltet sich dann vollständig im nächsten Track „Friss Scheisse“. „Schweisser“ wettern hier in einem wieder wesentlich aggressiveren Soundkostüm gegen die Willenlosigkeit der Konsumgesellschaft. Zu dem Song gibt es auch ein Musikvideo, allerdings hab ich es selbst noch nicht gesehen (wer weiß wo ich es finde, meldet euch!!!). Zum nächsten Song, der den Titel „Es hört nie auf“ trägt, habe ich einen ziemlich persönlichen Bezug, weshalb es schwierig ist, objektiv an die Sache heranzugehen. Der Track ist etwas schleppend, aber dieses schwerfällige und ruhige hat auch seinen Reiz. Der liegt hier aber hauptsächlich beim Text des Liedes („Nicht schon wieder/Warum kommt das alles immer wieder hoch/und es quält mich/Nicht schon wieder/warum hört es niemals auf“). „Meine Liebe ist ein Monster“ ist ähnlich langsam unterwegs, bringt aber eine nette Besonderheit mit. Die bassigen Celli, die den Song unterlegen, werden von niemand anderem gespielt als von den finnischen Göttern „Apocalyptica“! Für mich war diese Kooperation auf jeden Fall eine faustdicke Überraschung, und noch erstaunlicher ist eigentlich das sehr gute Ergebnis. Die Riffs der verstromten Saiteninstrumente verschmelzen wunderbar mit denen der akustischen Holzmonster. Und Böck traut sich endlich mal wieder in etwas extremere Stimmgefilde (egal ob geflüstert, gepresst oder geschreit, alles ist drin).
„Nachrechnen“ hätte eigentlich auch den Titel „Nachdenken“ tragen können. Gekleidet in ein sehr melodisches und grooviges Soundkostüm singt Böck hier einen Text, der beim ersten mal äußerst rätselhaft rüberkommt. Doch irgendwann macht man die fast schon erschreckende Festsellung, dass sich dieser Song mit HIV beschäftigt. Und das auf ziemlich bittere aber leider wahre Weise („Ich hatte mal ne Frau/ich erinner mich kaum dran/doch ich war wohl recht besoffen/und ich bin auch nur ein Mann“). Mit diesem Hintergrundwissen hinterlässt der Song ein recht flaues Gefühl in der Magengegend, zeigt aber gleichzeitig auch, wie weitblickend und variabel „Schweisser“ thematisch sein können. Hinter den genauen Sinn von „Größtenteils harmlos“ bin ich bis heute nicht gestiegen. Rein von der Melodie ist der Song äußerst fröhlich (die Schlümpfe?), textlich ist er das genaue Gegenteil. Allerdings kommt der Text manchmal etwas halbherzig geschrieben rüber, was natürlich gerade bei deutschen Songs tödlich sein kann. Positiv ist hier, dass man endlich mal wieder ein paar Solo-Parts vom Bass hört, die auf den beiden Vorgänger-Alben soundbestimmend waren, auf der „Heiland“ bisher aber ausgeblieben waren. „Indien“ ist dann mehr ein instrumentales Interlude als ein wirklicher Song... und wie beinahe alle Tracks dieser Sorte ziemlich überflüssig.
Mit „Körper“ ziehen „Schweisser“ endlich wieder das Tempo an. Textlich ein aufbauender Durchhalte-Song, geht es hier nach „Friss Scheiße“ erst das zweite Mal richtig rauh zur Sache (und wir sind schon bei Track 8!). Ob man das gut oder schlecht finden soll? Schwierige Frage... einerseits muss man „Schweisser“ zugute halten, dass sie ihren Stil stets weiterentwickelt und ausgeschärft haben, sich bisher mit der „Heiland“ jedoch recht drucklos geben. Daran ändert auch die Anti-Drogen-Ballade „Erlösung“ nichts, auch wenn man hier die Langsamkeits-Schiene vollständig durchgezogen und einen sehr atmosphärischen Song mit gutem Gesang geschaffen hat. Die Rechnung scheint also teilweise zumindest aufzugehen. „Ich sehe deine Wunde“ marschiert wieder im bereits bekannten getragenen Tempo vorwärts und hat dabei den in meinen Augen besten Text des Albums in petto. Der Song kommt auch wesentlich wuchtiger daher als alles andere auf dieser Platte und ist der vielleicht beste Vertreter der „Heiland“. Selbiges gilt für „Verbrannte Erde“, das man zwar auch nicht hart ist, aber durch seine schnellen Passagen und den lethargisch verhallenden Refrain sehr viel Atmosphäre mitbringt. Und mit dem dynamischen und wieder aggressiveren „Immer noch da“ steigt man äußerst gelungen aus dem Album aus.
-- Fazit -- Die „Heiland“ ist vielleicht das am schwierigsten zu bewertende „Schweisser“-Album überhaupt. Für sich gesehen haben die Bayern hier eine eigentlich ziemlich gute Platte am Start, mit starken Songs zu Beginn und Ende und einem kleinen Durchhänger in der Mitte. Kompliziert wird es, wenn man „Schweisser“ von den beiden Hassbolzen „Eisenkopf“ und „Willkommen im Club“ gewohnt ist. Denn den Härtegrad, der dort gefahren wird, erreicht man auf der „Heiland“ mit keiner einzigen Note. „Schweisser“ gehen viel gemäßigter zu Werke, wissen dabei aber genau was sie tun. Trotzdem ist es der letzte Biss, der dieser Platte fehlt um sie als Top-Album hinzustellen.
HINWEIS: Dieser Bericht ist auch auf meiner Homepage http://www.lifeinsin.tk/ zu lesen!
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04.08.2004 16:14
die hatte ich ja schon völlig vergessen... - muss gleich 'mal wieder "Willkommen im Club" hören :-)
16.05.2004 14:07
Die waren mir bislang völlig unbekannt ... LG, Claudia
12.03.2004 16:42
fein:-)