Helja, det kleene Wunder
16.07.2007
Pro:
Texte und Musik
Kontra:
Leider ist Helga Hahnemann verstorben
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 strubbelmiez_1975
Über sich:
man werfe eine fliege in den löwenkäfig und zack springen sie ...klasse hier ;-)
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 92 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hallo, liebe Hörer der ostdeutschen „Top(p)musike und liebe neugierige Leser, „det wird ma Zeit, dass ick über ne große Berliner Größe schreibe(n) (tu).“ So würde Helga Hahnmann ihre Berichte wohl schreiben. Ich steig jetzt besser wieder auf einigermaßen Hochdeutsch ein.
Helga Hahnmann war eine der bekanntesten ostdeutschen Künstler. Mit ihrer Berliner Kodderschnauze konnte sie die Mehrheit für sich gewinnen. Schon als Kinder trällerten wir mit dem Radio zu „Jetzt kommt die Süße...“ mit. Ich habe sie oft auf Festen parodiert. Die Frau ist für mich noch immer der Hammer, daher ist der Bericht Pflicht. Sie singt Lieder über Gesellschaft, Beziehung und auch viel Spott, der ja sehr versteckt werden musste. Wikipedia hat zu Helga eine Beschreibung, wie man es nicht besser machen kann. Hier geht es um das Album:
Nun komme ich zu den Titeln der CD 1. Wo is mein Jeld... -> Das fragen wir uns alle, wie schnell doch das Geld ausgegeben ist
2. Jetzt kommt Dein Süßer -> Lied über geplagte Frauen, wenn der Mann blau nach Hause kommt ;-) 3. 100x Berlin -> eine der vielen Loblieder auf Berlin auf lustig bissige Art
4. Clärchens Ballhaus -> Ein lustiger Dialog zwischen Tanzpartnern. Zum Dialog werden auch ihre „Gedanken“ eingespielt. Als ich das Lied das erste Mal hörte, musste ich schrecklich lachen, weil ich mich dort wiedererkenne. 5. Een kleenet Menschenkind -> Hier beschreibt sie ihre kleinen Macken mit einem Schmunzeln
6. Ne Frau zu sein -> Lied über die „Ungerechtigkeiten“ zwischen den Geschlechtern, mit Schmunzeln aber irgendwie wahr... 7. Life ist schwer -> ein lustiges Klagelied übers Leben
8. Happy Ende -> Ein sehr süßes, rühriges Liebeslied, hier ist nur in einer Textstelle „Schmalz“ vorhanden 9. Glück -> Ein Lied darüber, wie man das kleine Glück doch zu schätzen wissen sollte, natürlich wieder mit Witz 10. Man kann im Leben -> „sich drehen, wenden, winden, der Hintern bleibt uff alle Fälle hinten“. Man kann vieles halt nicht ändern ;-)
11. Dicke da -> Lied über die Vorzüge von „Dicken“, mit Humor beschrieben, wie man sich einfach zu nehmen hat, wie man ist 12. U-Bahn-Beat -> Lied über den Stress beim U-Bahnfahren, was sie hier lustig beschreibt, ist noch heute Realität
13. Berlin, meine Liebe .-> Hier beschreibt sie, dass man immer wieder nach Hause zurückkehrt, Liebeslied an Berlin oder „Heimwehsong“ also 14. Frech wie Rotz -> hier wird Berlins große Klappe und auch die damals gemeisterten Tiefschläge beschrieben
15. Berlin -> Das ist das Lied, wo sie über´s Einwickeln von „Wurscht und Käse“, die ins „Zentralorjan“ eingewickelt wird, singt. 16. ´n´ Sechser im Lotto -> Natürlich ein Lied über das gewünschte Lottoglück
17. Rockerrente -> Hier wird das Lied von den Puhdys etwas umgetextet, auf Hahnemann´sche Art halt 18. Cry to me -> Hier singt sie ein Duett mit Precious Wilson und nimmt die englischen Wörter mit Humor genau
19. I got Rhythm -> Hier singt sie mit Inka (bekannt besonders durch „Spielverderber“) ein kurzes Ständchen 20. 100 x Berlin (Mauerfall-Mix) -> hier wird das Lied extra für den Mauerfall umgetextet gesungen und mit Humor neue Möglichkeiten geschildert
21. Geburtstagslied für Helga -> Hier singen „ihre Leute“ ein Ständchen auf ihren Geburtstag, ich finde es etwas überzogen gesungen, aber der gute Wille zählt ja Die Titel und die vorersten Kurzbeschreibungen klingen vorerst einfach nur amüsant, oder? Fanden wir als Kinder damals auch. Besonders eben die Texte. Wer aber die DDR kennt, weiß, wie sehr man Kritik am System verpacken musste. So auch Helga. Und das auf eine Art, die erfrischender kaum sein kann.
Wie interpretiert man beispielsweise diese Textstellen aus dem Titel „Man kann im Leben“? „Als Kind hab ick schon immer rumjesponnen und rejelmäßich Dresche für bekommen. Ick hatte nischt im Kopp wie nur Rosinen, als Star wollt´ ick viel Lorbeer´n ma verdienen. Mein Papa konnt´s sich dumm und dämlich quasseln, doch Hollywood ließ ick ma nich vermasseln. Nach Hause kam ick mit kaputte Haxen, ick dachte Kalofornien liegt in Sachsen…“ Oder: „Die Schauspielschule holte mich zur Prüfung, natürlich looft da allet nur mit Schiebung. Denn wie ick mir den Todesstoß versetze, da fällt die Jury lachend von de Plätze…“ (selber Titel) Hat sie sich lt. der Textstelle etwa zu komisch dramatisch dargestellt? Mag AUCH sein, kann ich mir bildlich gut vorstellen. Allerdings ging es hier um etwas anderes. Die „Jury“ dürfte wohl die sehr bürgernahe Partei unter hin und wieder wechselndem Namen sein, gelle? Warum wird (im Titel „Berlin“) „Wurscht, Stinkerkäse und ar…frische Eier“ ins „Zentralorjan“ (Zeitung) eingewickelt? Weil sie die Ware frischer hält? *feix*. Zu sehen ist beispielsweise in diesem Video, wie sich „unser Erich“ im Friedrichstadtpalast Berlin lachend auf die Schenkel klopfte, obwohl es ihr eigentlich verboten war, wenn ich richtig informiert bin. Dass die Masse vor lachen tobte, war eines. Unser „Honny“…nunja.
„Ne Frau zu sein, ist Wahnsinn, weeß ja jeder…“ Autsch, ebenso zeitlos. Noch heute haben Frauen nicht die gleiche Stellung in der Gesellschaft, was man besonders im beruflichen Bereich sieht. „Nich Köpfchen, neeheehe…den Busen musste zeijen, ooch Hintern hat schon manchen Jeist besiegt. In gesellschaftlicher Hinsicht: „Und wehe, wenn Dir´n jüng´rer Mann bejegnet, da heißt et gleich, die Alte hat wohl´n Stich?“ Es war nicht schicklich, etwas anderes zu leben als die Masse, so meine Deutung und so sieht es auch heute noch aus. Fast oder gar jedes Lied, klingt wie ein Liebes- oder Partylied, hat immer eben sehr wohl so ihre Spitzchen. Ohne sie ging es einfach nicht. Noch heute sind so etliche Verpackungen nötig. Oder was versteht man unter „bürgernah“, wenn man die Vergangenheit kennt?
Mein Fazit werde ich mal im Berliner Dialekt beschreiben, hier ein Versuch: Liebe Kodderschnauzen und sonsije Bürjer, nu frachter Eusch, wat will die jungsche Schnepfe mit soner Musike?! Jans einfach: die „Henne“ verfolgte mich schon von kleen uff und so blieb et auch. Die Texte sind eb´n zeitlos und deswegen schmeiß ick immer wieda gerne nen Riemen uff de Orjel, um mal wieder wat für´t Jemüt zu ham. In Hochdeutsch: Liebe Leute, die ebenfalls reden wie der Schnabel gewachsen ist und die „anderen“, Ihr fragt Euch sicher, was mich „junges Küken“ an dieser Musik reizt. Helgas Musik verfolgte mich schon seit der Kindheit und noch heute, da es noch immer Leute gibt, die der DDR nachweinen, auch wenn es keine Meinungsfreiheit gab und sich kritisch äußernde Leute dementsprechend „behandelt“ wurden (von Misshandlungen im Stasi-Knast bis zur Hinrichtung). Die Texte sind zeitlos, unabhängig, ob sie nur als lustige Lieder gedeutet werden oder der Hintergrund bekannt ist. Daher höre ich sie mir immer wieder an, singe den Bass mit und grinse über so manche Textstelle, die spitzer kaum sein kann.
In dies´m Sinne, viel Spaß beim Hör´n und Jenieß´n.
Bilder von Helga´s Topmusike
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
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09.08.2007 13:53
Hey. natürlich ein s.h.! vlg Hanser
29.07.2007 17:41
Sers strubbelmiez_1975, guter Bericht, byebye Jo :)
22.07.2007 23:15
super !!!! Liebe Grüße Edith und Claus