High Anxiety - Therapy?

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High Anxiety - Therapy?

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Punk Roll Metal

4 12. Mai 2003

Pro:
Therapy?

Kontra:
-

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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logan

Über sich: Angesichts der jüngsten Kriegsverbrechen in unser aller Namen und ihrer propagandistischen wie publi...

Mitglied seit:21.02.2000

Erfahrungsberichte:775

Vertrauende:139

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 48 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

"Therapy?" haben ein neues Album draußen. Grund genug für logan, zu frohlocken. Was werden die Noiserocker vom Dienst wohl diesmal ausgeheckt haben?

Nun, nachdem ihr letztes Album "Shameless" so druckvoll, schlicht und breiig im Sound daherkam, dass der Vergleich mit einem zusammengeprügelten, räudigen Straßenköter mit dicken Eiern nicht ganz unpassend gewesen wäre, stand ja bei mir die Frage im Raum, wie die Entwicklung der Band weitergehen würde, ohne in eine qualitative Sackgasse zu rennen.

Therapy haben im letzten Moment noch einen Haken geschlagen, sind über die Schallmauer gesprungen und haben die sägenden Gitarren wieder ausgepackt. Die seltsamen Rhythmen von "Shameless" kleben ihen jedoch noch immer wie Grind im (Trommel-)Fell.
Die harten Bass-Riffs aus der "Troublegum"-Ära klingen wieder stärker durch, ebenso die fiesen Feedback-Gitarren - auch wenn die drahtigen Gniedeleien nach wie vor vermisse, damit schein es endgültig vorbei zu sein. Dafür kommt neben wüstem Geschreie und Gegurgel endlich stellenweise wieder klarer, aufpeitschend dahinjagender Ohrwurmgesang zum Einsatz und es wird gebangt und gepogt, dass es eine wahre Freude ist.

Vom Klang her insgesamt also eine recht gelungene Fusion aus "Troublegum" und "Shameless". Man nehme den Ohrwurmcharakter der einen und den fetten Sound der zweiten Platte, füge als Bindeglied ein wenig straighten Punk Rock hinzu - und erhält ein Album, das man als Pop-Metal bezeichnen könnte, wäre diese Sparte nicht schon durch die Lollipopgoths von H.I.M belegt. [So klingen Therapy natürlich NICHT!]
Also, noch mal zum Mitschreiben: "Pop" wie die Beach Boys, "Metal" wie Rock'N'Fuckin'BastardRoll, Motörhead meinetwegen... [Ja, Ihr habt's erfasst - die Ramones lassen grüßen.]


So, noch mal ganz kurz:

Schlagzeug - seltsam schnelles Bongo-Tickern + laute Durchlagkraft + ein paar Rhythmuswechsel.
Gitarren - Krach, Feedbacks und einfache Licks.
Bass - fett + krachend, Stakkato oder unüberwindbare Mauer.
Gesang - alles was melodisch jodelt, besoffen grölt oder sonstwie Krach macht.

Ein perfektes Bauchalbum zum Rumspringen.

Kommen wir zu den Songs:


HEY SATAN - YOU ROCK:
++++++++++++++++++++++

Naja, Schwanzrock eben!
Kurzes, drahtiges Troublegumintro, dann die volle Groovepackung:
Prasselnde Drums durchweg.
Preschende, schwingende Gitarrenlicks und aufschäumende Bassattacken im Refrain.
Zähe Soli und jiggy Moshdrums in den Bridges.
Hart schlingernde Bassloops und gurgelnder Gesang in den Strophen.
Vibriert wie Kalaschnikov, wackelt, scheppert, läuft heiß und hält doch.
"Wanna storm through gates of heaven - backstage pass in hand."
Brett!

****(*)


WHO KNOWS:
+++++++++++

Hohl röhrender Bass Groove zieht voran. Schlagzeug peitscht auf. Full Throttle. - Full Stop. Zäher Mühlsteinrhythmus zerreibt die Bass-Saiten. Angepisster Gesang. Harte Gitarrenattacken jammen dazwischen. Repeat Shit. Gesang geht ab - wütender Refrain. Wildes Moschen. Melodisches Gitarrensolo, bisschen kurz. Punx not dead. Metal still rules okay.
"This is no time to say maybe, this is the time to get heavy."
Geht in Ordnung.

****


STAND IN LINE:
+++++++++++++++

Spacig vernebelter Gesang legt sich zusammen mit nachschwingenden Hallgitarren durch den Verzerrer gefiltert mehltauartig über einen treibenden Bassgroove.
Strophen und Refrain.
Blechernes Schlagzeuginterlude tritt Popo.
Nochmal Refrain.
Stop-Go-Gitarren sorgen für Eingängigkeit.
Refrain und melodische Power-Bridge springen in den Nacken und reißen tüchtig Fleisch raus.
"Passing through, passing by..."
Naja, man hat schon abwechslungsreicheres gehört, kommt live aber bestimmt sehr geil.

***(*)


NOBODY HERE BUT US:
++++++++++++++++++++

Dreckige, laut schellende Ohrwurmhymne. Ein Rhythmus, der stetig anzieht und mitreißt, quirliger Gitarrenlärm, drahtige Soli und nette Ruhepausen, bevor die nächste Stromschnelle kommt. Ähnlich simpel wie 'Stand in Line', kommt aber irgendwie besser. Könnte an der Mitgrölmelodie liegen...
Wer schreibt heute noch guten Stadionrock?
"Nobody here but us anymore."
Stimmt.

****


WATCH YOU GO:
++++++++++++++

Da sind sie wieder: Die GEILEN, STEILEN, FEURIGEN Therapy?-Soli aus den hehren Troublegum-Zeiten!
Kurze, hochenergische Nummer:
Pulsierender Motorbass, sich geradezu überschlagendes (Über-)Schlagzeug (daher der Name), mitreißender Gesang, fette Bridges aus moshenden Grooves, pendelnden Gitarren und wogend verzerrten Gitarrensoli. Mitgrölrefrain.
Druckvolle Premium Qualität, und dabei mindestens so eingängig wie your average Blink182.
"From a place that no one knows
populated by everyday Joes
I just wanna let you know
everyday I feel like one of those"
Asskickin' Summer Hit of the Year 2003!

****(*)


IF IT KILLS ME:
++++++++++++++++

Gitarren: berstend,
Schlagzeug: locker flockig knallhart rockig.
Schnarrender Bass und melodisch rufender Gesang.
Genialer Widerstreit aus langgezogener Melodie und einschneidendem Rhythmus.
Ein Song, der zur totalen Verausgabung anspornt.
"If I do just one thing with my life
I'll get the truth for you tonight."
Ein aufgepeitschter, wogender, nicht unterzukriegender Urstrom.

*****


NOT IN ANY NAME:
+++++++++++++++++

Marschierender Ryhtmus und bluesige Saiten im Intro.
Dann setzt der Gesang ein, und alles scheint in einen furchtbar tiefen Abgrund zu stürzen.
Finsterer Gesang kriecht wieder empor. Niedergeknüppelt, angespien, ausgestoßen. Erneuter Absturz...
Schleppender Bassgroove. "You let me down again! Down again! Down Again! Here we gooo! You're coming in! Not in my name! Not in our name! Not in any name! Not in Any Name." Zerhacktes Finale.
Bedrückend aggressiv.
"Who's there to talk you down?"

*****


MY VOODOO DOLL:
++++++++++++++++

Straighter Punk N'Roll.
Gniedelnde Gitarren, pushender Knüppelrhythmus und schneller Gesang.
Geht ab wie Schmidts Katze.
"I tried everything at least once,
and if I liked it I did it a bunch."
Pogo 'til ya drop!

****


LIMBO:
+++++++

Intro, Bridges und Strophen erinnern an Monster Magnet. Im Refrain wird fett gemosht.
"Thunder and lightning are ready to drop."
Rhythmisch abwechslungsreiches Stück Groove-Metal, blown into space.

*****


LAST BLAST:
++++++++++++

Dreschende Drums, Moschende Bässe, Pendelnde Gitarren und treibender Gesang.
Therapy? packen nach langer Pause die treibenden Motorensounds wieder raus und zelebrieren den Need For Speed - ihre Fans wissen, wovon ich rede...
"You knew this wouldn't last forever."
Es scheppert, poltert, schwingt und rockt wieder einmal ausgesprochen melodisch.

****(*)


RUST:
++++++

Polterndes Schlagzeug leitet diesen derben Moscher mit seinen treibend rotierenden Bässen, den röhrenden Gitarren und der gurgelnden Stimme ein.
"I don't know what I want,
but I want it now!"
Ziemlich monoton, aber umso eindringlicher.
Wird das aufreibende Psychostück am Ende des Albums zur Tradition?

***

Fazit:

Dieser Kauf hat sich mal wieder gelohnt.
Aber das war bei Therapy? ja auch nicht anders zu erwarten.
"High Anxiety" ist zwar nicht so gut wie "Troublegum", aber das war ja auch ein Jahrhundertalbum.


 
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Jimmy_adkins

Jimmy_adkins

11.09.2003 15:32

Kann dir nur zustimmen,hätte es nicht besser sagen/schreiben können

zoobremia

zoobremia

23.07.2003 19:20

"If it kills me" ? Mich jedenfalls tötet es nicht, geile Mucke ... Gruß, Sven (Zoobremia)

youngtimer-portal.de

youngtimer-portal.de

13.05.2003 20:41

Frohlocken ist ja leider ein wenig aus der Mode gekommen....

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