Marillion versuchts mit "Mainstream"
18.09.2005
Pro:
Eine schöne Ballade, abwechslungsreich
Kontra:
zu sehr ein Mainstream - Versuch, verlassen zu sehr ihre gewohnte Linie
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 Love-to-sing
Über sich:
Mitglied seit:18.04.2002
Erfahrungsberichte:104
Vertrauende:72
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 92 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
In den Weiten meiner CD-Sammlung finden sich so einige Musikrichtungen. Über Klassik, Rock und Pop auch einige Scheiben der Progressive-Rock Band Marillion. Und über eines ihrer Werke, Holidays in Eden, möchte ich euch heute berichten - und zwar über die Originalausgabe aus dem Jahr 1991. Mittlerweile gibt es eine digital überarbeitete Doppel-CD, über deren Inhalt ich aber nichts sagen kann. Die CD +++++
Ciao stellt leider kein Bild dieser Aufnahme zur Verfügung, also habe ich ein Foto gemacht und es an den Bericht angehängt. Leider wird man außer "blau mit weißen Flecken" wohl nicht viel erkennen können. Bei diesen weißen Flecken handelt es sich um Tiere (Vögel, Pferde, Rinder), die sich alle in Richtung eines in der Mitte befindlichen Baumes bewegen. Auf dem Cover findet man ansonsten noch den Titel der CD und über das Bild gelegt den Namen der Band. Das Booklet an sich ist schlicht gehalten. Hier findet man die Songtexte, ein Foto der Band und die sonstigen Angaben wie Danksagungen, Producer, Songschreiber, Kontaktadressen und ähnliches. Die Scheibe ist bei EMI Records erschienen und ist die wohl kommerziell angehauchteste, die Marillion jemals produziert hat, zumal die Plattenfirma sich vernünftige Verkaufszahlen gewünscht hat. Aber ohne Erfolg, die Scheibe war verkaufstechnisch ein Reinfall.
Der Preis lag im Jahr 1991 um die 30,00 DM.
Die Band und der Wandel der Mitglieder +++++++++++++++++++++++++++++ Marillion wurde 1979 von Steve Rothery, Doug Irvine, Brian Jeriman und Mick Pointer unter dem Namen "Silmarillion" gegründet - angelehnt an das gleichnamige Buch Tolkiens, das 1978 erschien. 1980 stieß Derek William Dick (Fish) zur Band und aus "Silmarillion" wurde "Marillion". Noch ein Jahr später ersetzten Mark Kelly am Keyboard und Pete Trewavas am Bass ihre Vorgänger. 1983 ersetzte Ian Mosley den vorherigen Drummer, nachdem er zunächst nur ein paar Mal ausgeholfen hatte. 1988 kündigte Fish seinen Ausstieg an, veröffentlichte aber vorher noch zwei Alben mit seiner alten Band: "B-Sides Themselves" und "The Thieving Magpie". Was viele nicht für möglich gehalten hatten, trat bereits 1989 ein: Ein Nachfolger für Fish war mit Steve Hogarth gefunden.
Discografie ++++++++ 1983: Script for a Jesters Tear * 1984: Anfang des Jahres "Fugazi" und im November "Real to Real" ein Live-Album 1985: Misplaced Childhood (mit dem wohl bekanntesten Marillion-Hit "Kayleigh") * 1987: Clutching at Straws * 1988: B-Sides-Themselves und The Thieving Magpie * 1989: Seasons End 1991: Holidays in Eden * 1994: Brave * 1995: Afraid
Bilder von Holidays in Eden - Marillion
of Sunlight * (Das letzte Album bei EMI) 1997: This Strange Engine * 1998: Radiation 1999: marillion.com 2000: ANORAKNOPHOBIA 2002: ANORAK in the UK-Live (im Handel als Einzel-CD über die Homepage als Doppel-CD zu bekommen) 2004: Marbles
* CD befindet sich in meinem Besitz
Bemerkenswertes +++++++++++++ - 1998 kamen durch eine Internet-Spendenaktion der Fans 60.000 Dollar zusammen, damit die Band eine Tour durch Amerika machen konnte. - Auf den Covers des Albums "marillion.com sind 732 Passfotos von Fans zu sehen, die diese über die Homepage an die Band geschickt hatten. - Das Album "ARAKNOPHOBIA" konnte nur produziert werden, weil Marillion, die zu diesem Zeitpunkt keinen Plattenvertrag hatten, ihre Fans dazu aufrief, für eine Sonderausgabe eine Vorbestellung abzugeben und diese auch schon zu bezahlen. Innerhalb weniger Wochen kamen 12.000 Bestellungen zustande. - Im Jahr 2003 wurde bei der zweiten "Worldwide Web Convention" die Live-Aufführung des Albums "Afraid of Sunlight" am Freitag aufgenommen, noch in der Nacht geschnitten und anschließend zum Pressen gegeben, so dass die Fans bereits am Sonntag darauf die fertige DVD mit nach Hause nehmen konnten.
(Alle Angaben über die Band, Discografie und Bemerkenswertes sind der Seite marillion.de entnommen.)
Tracklist der CD ++++++++++++ 1. Cover my eyes 3:56 2. No one can take you away from me now 4:39 3. Splintering heart 6:51 4. The Party 5:36 5. A Collection 2:58 6. Holidays in Eden 5:58 7. How can it hurt 4:09 8. Dry Land 4:42 9. Waiting to happen 4:55 10. This Town 3:18 11. The Rakes Progress 3:18 12. 100 Nights 6:42
Einzelkritik der Titel +++++++++++++++ 1. Cover my eyes: Ein solider Rocksong, der alles bietet, was man erwartet: Gitarrensoli, einen härteren Beat. Aber nicht unbedingt das, was man als Fan und Kenner der Band von Marillion kennt. Insgesamt nicht zwar nicht schlecht, aber mehr als eine 3 bekommt dieser Titel von mir nicht.
2. No one can take you away from me now: Für mich der beste Song auf dieser CD. Ein ruhiges Liebeslied. Vom Text her zwar vielleicht etwas schnulzig, aber die eingehende, ruhigere Melodie macht das Lied für mich so hörenswert und bekommt auch die Bestwertung. Note 1 3. Splintering Heart: Der Songtext beschreibt die Gefühle einer unerwiderten Liebe und die Auswirkungen auf das gebrochene Herz. Die Musik besticht am Anfang durch eine monotone Drumline und die ausdruckstarke Stimme von Steve Hogarth. Erst nach über einem Drittel des Liedes kommt richtig Bewegung in die Sache und die Monotonie weicht dem Kummer. Dieses Lied ist auf der ganzen Scheibe wohl das Lied, das dem am nächsten kommt, was Marillion ansonsten ausmacht, das Spiel mit wechselnden Tempi und Stimmungen, was sich auch in der Länge des Liedes wieder spiegelt. Note 1
4. The Party: Ein sehr nachdenkliches Lied, das den Weg eines jungen, minderjährigen Mädchens zu und auf seiner ersten Party beschreibt: Alkohol, Drogen und Freunde auf die man sich nicht verlassen kann. Musikalisch bietet sich einem das Bild aus dem vorherigen Lied, nur dass hier die Gitarre dominiert. Der Song insgesamt regt zum Nachdenken an, allerdings wird die Musik zum Ende hin in meinen Augen etwas zu aufgewühlt und aggressiv (auch wenn die Gefühle des Mädchens vielleicht gut dargestellt werden), so dass ich dafür eine Note abziehe. Note 2 5. A Collection: In diesem Lied wird die Bildersammlung eines Menschen beschrieben, die er sich von einem anderen Menschen gemacht hat, die allerdings nur in seinem Kopf existiert. Musikalisch gesehen ein sehr ruhiges Lied, in dem lediglich eine Gitarre den leichten Gesang begleitet. Ein Lied das man so nebenbei fast überhört. Note 2
6. Holidays in Eden: Der Titelsong dieses Albums handelt davon, einfach einmal eine zeitlang auszusteigen. In ein Flugzeug steigen, über nichts mehr nachzudenken und etwas machen, was viele sich nicht trauen würden: Einfach mal verschwinden für eine Zeit. Dementsprechend beginnt das Lied auch mit dem Geräusch eines startenden Flugzeugs. Anschließen folgt wiederum solide Rockmusik - aber halt nichts Besonderes. Irgendwie merkt man diesem Titel an, dass er aus kommerziellen Gründen geschrieben wurde. Und daher reicht es insgesamt nur für Note 3. 7. How can it hurt: Wenn ich den Text richtig interpretiere geht es hierbei um eine zerbrochene Liebesbeziehung, die daran zu Grunde ging, dass er sich nicht richtig ausdrücken konnte. Aber so ganz sicher bin ich mir da nicht. Diese Verwirrtheit, die ich im Text feststelle, wird zwar in der Musik versucht darzustellen, aber damit kann ich in diesem Fall nichts anfangen. Zu einfallslos die Drums und auch die Gitarrensoli wirken nicht. Note 5
8. Dry Land: Hier wird über eine Person berichtet, die gerne mehr Kontakt zu jemand anderen hätte, aber diesen nicht bekommt, weil er/sie zum einen zu schüchtern ist (anscheinend) und zum anderen bewusst abgeblockt wird. Der Gesang ist solide, spiegelt den Text gut wieder, aber von den Instrumenten kommt irgendwie nicht mehr als Einheitskost. Insgesamt reicht es gerade noch für die Note 3. 9. Waiting to happen: Auf sehr malerische Weise wird hier beschrieben, wie verzweifelt jemand auf die große Liebe seines Lebens gewartet hat und sie jetzt genießt. Musikalisch wird der Text sehr gut umgesetzt. Die Beschreibungen des Ist-Zustandes und des Kennen lernens werden von ruhiger Musik, mit nur leichten Drums und ruhiger Gitarre begleitet, während der Zustand des Wartens durch einen rockigeren Beat und aufgewühltere Instrumente sehr gut dargestellt wird. Note 2
10. This Town: In diesem Lied wird beschrieben, was eine Großstadt mit all seinen Geräuschen und Situationen aus einem Menschen machen kann. Musikalisch wird diese Aufgewühltheit und Ungehaltenheit durch einen schnellen und unruhigen Gesang dargestellt und auch die Instrumente tun ihr übriges, um das schnelle Leben einer Großstadt zu simulieren. So ähneln z.B. bestimmte Gitarrenpassagen an das Sirenengeheul von Rettungs- und Polizeifahrzeugen. Für die Bildmalerei gebe ich dem Lied eine 2, da für mich das Ganze aber zu aufgewühlt ist, insgesamt nur eine 3. 11. The Rakes progress: Dieses Lied geht übergangslos aus "This Town" hervor und stellt quasi den ruhigen Part dar. Dafür keine gesonderte Bewertung, auch auf Grund der Kürze.
12. 100 Nights: Auch dieses Lied schließt sich ohne musikalische Unterbrechung nahtlos an das vorhergehende an. Auch hier herrschen die ruhigeren, nachdenklichen Töne vor, aber immer wieder unterbrochen von aufwühlenden Gitarrensoli und härten Beats der Drums. Der Text dieses Liedes beschreibt die Verführungen, der man in einer Großstadt ausgesetzt ist und dass die Geschäftsleute allesamt versuchen, einem diese Verführung schmackhaft zu machen. Note 2 Meine Meinung/Fazit ++++++++++++++++
Wie ich bereits geschrieben habe, wurde seitens EMI eine Scheibe von Marillion erwartet, die gute bis sehr gute Verkaufszahlen verspricht und damit wohl eher in die Richtung "Mainstream" zielen sollte. Wenn Marillion mit dieser Scheibe einen ernsten Versuch in diese Richtung unternehmen wollte, ist dieser was diesen Punkt betrifft nicht gerade als gelungen zu bezeichnen. Zwar blinkt in einigen Liedern der Mainstream-Gedanke durch, aber um gute Verkaufszahlen zu erreichen, reicht das nicht. Leider sind die Songschreiber aber bei den Bemühungen EMI zu gefallen, doch etwas weiter von ihrer gewohnten Linie abgewichen, so dass diese Scheibe selbst bei den eingefleischten Marillione-Fans nicht sonderlich ankam, da sie für diese schon wieder zu sehr "Mainstream" war. Ich allerdings sehe diese Scheibe als gelungen an, wenn auch nicht in allen Teilen, auch wenn der Band selber diese Scheibe mittlerweile wohl so peinlich ist, dass die Lieder angeblich auf keinem Konzert mehr gespielt werden. Wo meine Favoriten liegen, könnt ihr ja an den Schulnoten erkennen. Ich höre mir diese Scheibe immer mal wieder gerne an, da sie sich (wenn man einmal von "How can it hurt absieht") gut anhören lässt, auch wenn sie nicht den Progressiven Rock bietet, den ich von den älteren Alben her gewohnt war und bin. Außerdem bietet sie mit den letzten drei Stücken auch etwas, was Marillion ansonsten ausmacht: Durchgehende Musik, wo man zwischen den einzelnen Stücken keine Pause hört, da sie auch textmässig zusammen gehören. Dieses findet man ansonsten gar nicht auf der Scheibe. Mit einer Kaufempfehlung tue ich mich schwer, auch wenn ich diese Scheibe gerne höre, da die Musik doch sehr speziell ist. Für Marillion-Einsteiger ist sie auf gar keinen Fall etwas, da die anderen Scheiben von der Art her vielleicht ähnlich sind, aber immer noch nicht vergleichbar. Und wer Progressiven Rock mag, sollte in meinen Augen um diese Scheibe auch einen Bogen machen. Also dann eher eine Kaufempfehlung für die Neugierigen und Experementirfreudigen unter euch. Bei der Gesamtbewertung ziehe ich das eine Lied auf jeden Fall ab und komme daher noch auf insgesamt vier Sterne.
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20.11.2011 14:13
Du hat eine echt ausgeprägte Sammlung :)
05.04.2006 00:35
Die CD hab ich auch, finde sie mittelmäßig...Exzellenter Erfahrungsbericht, mit allen Infos die man sich nur wünschen kann, super... deshalb b.h. Lieben Gruß Sezzarin.. Schau mal bei mir rein :-)
21.09.2005 12:02
Ein schöner Bericht über eine legendäre Gruppe. LG Carsten