Erfahrungsbericht über

Home - Simply Red

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Wehe, wenn der Rotschopf heimkehrt

4  18.09.2003

Pro:
back to the roots, Simply Red von früher, Soul und Blues in white, Ende der Dancefloor - Ära bei den Jungs, Stimme von Mick ganz die alte, in der Tradition der frühen Platten

Kontra:
ein Song fehl platziert im bisherigen Dancefloor Style

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:3

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 157 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

„Come to my aid“ hallte es 1985 aus den Lautsprechern, 18 Jahre ist das nun her. Ein musikalischer Hilferuf von Mick Hucknall (Jahrgang 1960) und seinen Mannen, genannt Simply Red. Damals von vielen als Eintagsfliege abgetan, kann mich noch gut an solche Kommentare auf SWF3 (heute SWR) erinnern. Doch es folgten weitere Kracher, noch heute Ohrwürmer. Beispielhaft seien hier genannt „Money´s to tight to mention“ (1985), „Holding back the years“ (1986), „The right thing“ (1987), „If you don´t know me by now“ (1989) – sollte den Jüngeren unter uns sicher von div. Kuschelrock-CDs ein Begriff sein -, „It´s only love“ (1989) oder „Something got me started“ (1991). Die Aufzählung ließe sich beliebig weiter führen, Hit an Hit, konstant und regelmäßig. Jedoch experimentierten Mick Hucknall und seine Jungs gerne, war doch Simply Red ursprünglich als Projekt gedacht. Der ursprüngliche und unter die Haut gehende „weiße Soul und Blues“ in Verbindung mit der sanften und warmen Stimme des Rotschopfs Hucknall (durch den Rotschopf auch der Bandname) wird in den Hintergrund verdrängt. Für mich, der bis dahin jede Platte nur so verschlungen hat und auch heute noch immer wieder auflegt, eine Enttäuschung. Simply Red war ab da nur noch gelegentliches Reinhören in Bezug auf die neuen Platten. Kauf? Himmel hilf, Dancefloor-Tracks gab es zur Genüge, die eh schon einer wie der andere klangen.

12 Jahre später dringen zwar recht poppige, aber dennoch wohlvertraute Klänge an mein Ohr. Sollte es wahr geworden sein? Eine neue „alte“ Simply Red Scheibe? Noch dazu mit dem bezeichnenden Titel „Home“. Mick, die Heimkehr ist Dir und Deinen Mannen gelungen. Was ihr da abgeliefert habt, oder ich sollte besser sagen, was Du da abgeliefert hast, denn ohne Dich geht bei Simply Red nichts, das ist wahrer weißer Soul – modern und verspielt, klassisch und ernst, alles in einem. Deine Stimme, deren Timbre, wie zu den besten Zeiten. Elan, Schwung, Freude (über die Heimkehr?), aber auch Reife und Erfahrung. Doch nun im Detail:

Simply Red – Home


1. Home (3:17) ****

Etwas langsam und melancholisch leitet kurz ein Piano ein und nach wenigen Sekunden gesellt sich die Stimme Mick Hucknalls dazu. Ein leichter Beat, sanft und aufdringlich, wird der Song durch den Gesang und die damit gebildete Melodie vorangetrieben. Instrumente wie Streicher und ein dezent eingesetzte Schlagzeug begleiten, verschwimmen aber hinter dieser Stimme. Heimkehr. „Fake cool image should be over cause I long for a feeling of home“ – Mick, wie recht Du hast. Zuhause. Schluß mit dem coolen Dancefloorbeat, das wart nicht ihr. Und wie kann man dies schöner rüberbringen, dieses friedliche und sanfte Gefühl, teilweise überwältigend, zuhause. Zu Recht der Titelsong dieser Platte.


2. Fake (3:58) ***

Jetzt wird es etwas fetziger, aber dennoch der Soul-Linie treu bleibend, es gibt ja schließlich was zu Feiern. Bläser und Klavier die hauptsächlichen Instrumente, der Refrain mit mehrstimmiger Unterstützung beim Gesang. Bedauerlicherweise ist hier die LP-Version auf die Scheibe gepreßt worden. Im Radio (und auch in der Hitparade) ist die Radio-Version zu hören. Diese hat etwas mehr Groove und repräsentiert erst richtig das Gefühl der Freude und des Feierns nach erfolgreicher Heimkehr. Der Zuhörer wird durch den Song getrieben, ohne sich ebenso zu fühlen. Der Tempowechsel nach „Home“ macht aber durchaus Sinn, kommt doch nun


3. Sunrise (3:19) ****

Sicher jedem aus dem Radio bekannt, der Hit aus den Charts vor „Fake“ und auch die erste Auskopplung aus dieser Platte. Groove und Soul perfekt kombiniert, wenn auch in Teilen für mich etwas zu poppig. Aber der Balance-Akt gelingt, u.a. dadurch daß die dominante Baßlinie des Schlagzeugs bei der Aussteuerung nicht übertrieben angehoben wurde. Selbst mit Loudness und full Baß am Verstärker bleibt der Song mit diesem Rhythmus dezent, dennoch tanzbar ohne Ende. Genau das richtige für die Heimkehr-Fete. Let’s dance. Verspielt, aber hörenswert.


4. You make me feel brandnew (5:05) *****

Was eine herrliche Ballade, auch wenn der Wechsel von „Sunrise“ hierher ziemlich heftig ausfällt. Aber paßt es nicht in die Stimmung – Heimkehr, Freude, Feier und nun Besinnung. Musikalisch perfekt ausgedrückt, alle Instrumente dezent, fast unscheinbar, unaufdringlich gespielt, etwas Klavier und Schlagzeug, neben der Stimme Mick Hucknalls kaum wahrzunehmen. Und Mick spielt auf diesem bereiteten Feld perfekt – „Good bless you, you make me feel brandnew“. Eine Liebeserklärung, wie Sie schöner kaum gesungen werden kann. Ein Highlight auf dieser Scheibe – nicht weil es ein Schmachtfetzen ist, sondern weil Stimme und Text einfach überzeugen.


5. Home loan blues (5:00) ***

Und wieder durch das Piano, nun wieder schneller eingeleitet, entsteht eigentlich kein reiner Blues, sondern eine Mischung aus Soul und einem schnelleren Blues. Gesanglich und instrumental keine Schwächen, aber durch die Länge von 5 Minuten fragt man sich zwischendurch schon, ob da noch was kommt. Die mehrstimmigen Gesangseinlagen wirken etwas deplaziert, was u.a. daran liegt, daß die stimmliche Harmonie von Mick dadurch jäh unterbrochen wird. Nicht jedermanns Geschmack, aber hörbar.


6. Positively 4th street (4:33) ****

Ich wette, nach „Fake“ die nächste Auskopplung und sicher auch in den Charts zu finden, wie bereits „Sunrise“ und „Fake“ zuvor. Der Streicherbeginn läßt erst Melancholie vermuten, doch mit Einsetzen des Gesangs ist dieser Gedanke wie weggewischt. Ganz im Stil langsamen Blues-Rocks entspinnt Mick mit seiner Stimme eine sehr eingängige Melodie, die immer mehr durch die Instrumente aufgegriffen wird.


7. Lost weekend (4:05) ****

Nun wieder zurück zu Soul und dessen Vorzügen, Bläser und Chor als gestalterisches Element nutzend, im Tempo bedächtig, aber nicht langsam. Der Song „groovt“, im Tempo jedoch zu langsam, um abtanzen zu können. Dafür mehr was für den bedächtigen, aber nicht einschläfernden Moment – z.B. mit einem schönen Glas Whisky in der Hand alleine oder in der Gruppe einen Blick am Abend über die Skyline einer beleuchteten Stadt zu werfen. Barmusik vom Feinsten.


8. Money in my pocket (3:38) *

Ein Song, dessen Weglassen, der Platte gut getan hätte. Wie eine Huldigung an die Dancefloor-Versuche von Simply Red stört dieser Song mit Art, Instrumentierung und Tempo den bisher harmonischen und nachvollziehbaren Ablauf der Platte. Wem die letzten 3-10 Jahre von Simply Red gefallen haben, wird sich über diesen Song freuen. Alle anderen werden stutzen wie ich. Der Beat geht seinen Stiefel durch, Mick versucht, teilweise erfolglos seinen Gesang darüber zu legen. An einigen Stellen meint man, Gesang und Instrumente spielen von unterschiedlichen Notenblättern ab. Schwach.


9. Something for you (5:59) ****

Immer noch etwas dissonant, aber dafür wieder ganz im Stil von weißem Soul und Blues kommt dieser Song etwas langsamer daher. Liegt es am Song zuvor, ich will jedenfalls keinen richtigen Gefallen an der etwas eigenwilligen Instrumentalisierung und dem passagenweise flachen Gesang von Mick finden. Erst mit zeitlichem Abstand zu Song 8 in einer Einzelsession entpuppt sich der wahre Gehalt dieses Barsongs, wirklich hörbar und ansprechend, manchmal das E-Piano etwas zu betont.


10. It’s you (3:15) ****

Abschließend eine weitere Ballade, ausschließlich getragen durch Micks Stimme und das dezente Schlagzeug, den Rhythmus vorgebend. Eine Ode an die Liebe. Gefühlvoll, teilweise vibrierend (gerade im Chor), durchaus mit Gänsehautfaktor. Wenn es auch nicht ganz so anrührt wie Song 4, so zeigt Mick hier jedoch sein wahres Können. Und erneut erkennt man, daß Simply Red eben eigentlich doch nur Mick Hucknall mit Begleitmusikern ist.


11. Home (Reprise) (0:53)

Ein kurzes Aufgreifen des Themas aus dem Opener „Home“ als Abschluß. Wenn es nach mir ginge, hätte hier ruhig noch mal der ganze Song aufgespielt werden dürfen.


Ach ja, wer die Systematik von meinen früheren Berichten als „orschler“ nicht kennt – die Sterne von 1-5 geben meine persönliche Bewertung der Songs untereinander wieder.

Zurück zu den Wurzeln, von manchen belächelt, hier der absolut richtige Weg. Reifer und älter zeigen Mick und seine Jungs, daß sie noch voll da sind, nichts verlernt haben und wieder zu Hause sind. Und diese Platte ist ein Gefühlsgemenge, das mitreißt. Freude, Melancholie, Feier, Liebe, Verehrung, Wärme. Nach Jahren der Abstinenz zähle ich mich mit dieser Scheibe wieder zu den bekennenden Simply Red Fans, direkt nach dem Anhören von „Home“ die alten Scheiben auspackend und ebenfalls wieder hörend.

Erworben habe ich die Platte/CD für 12,99 bei Media Markt. Die Scheibe ist recht einfach zu erkennen. Rot/lila, Micks Profil mit einem Licht in Halshöhe von hinten angestrahlt. Achja, Mick nun wieder ohne Bart, jünger wirkend. Was ein Stilwechsel musikalisch so alles ausmacht.

In der Abmischung leistet sich die CD keine Schwächen. Klar gezeichnete Tiefen (keine übertriebenen Bässe durch künstliche Anhebung) und glasklare Höhen, die selbst bei hoher Lautstärke nicht verzerren – wenn doch, dann empfehle ich andere Lautsprecher samt Verstärker.


Als Fazit kann ich nur sagen: Willkommen zu Hause. Dennoch nicht komplett überzeugend und der Ausrutscher mit Song 8 gibt einen Stern Abzug. Daher nur 4 Sterne in der Gesamtwertung.


Übrigens fand ich den Titel der CD für meinen "ersten" Bericht recht passend. "Home", ich bin auch wieder da. Zwar nicht mehr als orschler, die Zeit ist rum, aber immer noch zu den seben Späßen aufgelegt und mit den gleichen Vorlieben wie früher. Gruß an alle, die mich noch kennen und die mich kennen lernen wollen :-)

Ciao
Sascha


PS: wer Rechtschreibfehler findet, darf diese sammeln und sich seinen eigenen Dancefloorbeat daraus komponieren. Aber bitte ohne mich anhören.

PPS: wer diesen Bericht ohne mein Wissen kopiert oder weiter verwertet, wird mit den Dancefloorversuchen von Simply Red nicht unter 24 Stunden und 75 dB konfrontiert. Ich würde es mir also überlegen.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Binkie

Binkie

18.11.2003 17:10

Na, hier kenne ich doch wesentlich mehr:)! Ich hab doch tatsächlich alle drei Werke noch nicht gelesen *schäm* ... hiermit aber nachgeholt:)! Liebe Grüße Bianca

Brettermeier

Brettermeier

07.11.2003 14:58

Tja - dem gibt's wie üblich nix draufzusetzen! "Orschler-Standard" eben!! ................................................................................................ musikalische Grüße vom Simple-Brett ;-)

DigicamClub

DigicamClub

03.11.2003 15:42

Den Typen kann ich absolut nicht leiden, sorry.

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