Ich hatte den Arsch voller Glück und das Maul voller Beschwerden
27.06.2012
Pro:
Wunderbar melancholische Gitarrenmusik mit traumhaften Texten
Kontra:
Vieles klingt ähnlich
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 Schlucke
Über sich:
With forgiveness as our torch and imagination our sword - We'll untie the ropes of hate and slash op...
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Wer auf den wunderschönen Namen Gisbert Wilhelm Enno Freiherr zu Innhausen und Knyphausen hört, muss irgendwie ein Künstler werden. Den sperrigen Namen verkürzt man auf das immer noch sehr auffällige Gisbert von Knyphausen, dann schnappt man sich eine Gitarre, ein paar musizierende Herren und macht seine eigene Musik, fernab von all dem Pomp und glitzerndem Schein der Popwelt. So muss das. Gisbert zu Knyphausen braucht nicht viel, um jeden Zuhörer zu berühren; niemand wird behaupten, dass er die schönste Singstimme der Welt habe, sein Gesang ähnelt zudem sehr häufig dem Sprechgesang. Doch GzK setzt sich einfach mit seiner eingerissenen Gitarre, auf der ein "Musik ist scheiße"-Aufkleber prangt, auf einen Barhocker und beginnt zu spielen - und man ist gefangen. Weil der Kerl einfach unglaublich sympathisch und authentisch wirkt. Und weil seine Text so entwaffnend ehrlich, emotional und melancholisch sind, dass man sich gerne darin suhlen mag. Halt! Bevor jetzt jemand denkt, dass der gute GzK nur bedeutungsschwangere, trübsinnige Texte in die Welt heult, der irrt. An jedem Ende eines jeden Tunnels wartet Licht und dieses Licht findet sich auch immer wieder in den Zeilen, die zu Knyphausen singt. Und dennoch hängt über allem die Melancholie - mal als zarter Dunst, mal als schwere, graue Wolken. Dabei zeigt GzK sogar ein überraschend großes Maß an Selbstreflektion, wenn er in Melancholie feststellt: Was hast du der Menschheit jemals Gutes gebracht, außer Musik und Kunst und billigen Gedichten? Hast du darüber schonmal nachgedacht? Ach fick dich ins Knie Melancholie - du kriegst mich nie klein.
Musikalisch gibt sich GzK mit seiner Band durchaus abwechslungsreich. Die Gitarre ist stets präsent, doch da mal die akustische, mal die elektrische Klampfe das Ruder übernimmt, entsteht eine geiwsse Abwechslung. Dazu gehören auch überraschende Breaks (wie im Eröffnungstitel Hey), Ausflüge in andere Genres (wie zum Beispiel in Ich bin Freund von Klischees und funkelnden Sternen, das so beschwingt daherkommt wie eine gute Jazz-Nummer, auch wenn praktisch die gleichen Instrumente verwendet werden wie in anderen Stücken oder der Blues, der da in Nichts als Gespenster um die Ecke winkt) oder neue Instrumente (Trompete in Dreh dich nicht um) - allesamt kleine Ideen, die für mehr Abwechslung sorgen, obgleich das Album beim ersten Hören sicherlich als recht gleichförmig abgetan werden kann. Doch selbst wenn man sich daran stört, dass sich viele Stücke ähnlich anhören, so muss man neidlos anerkennen, dass hier eine großartige Atmosphäre heraufbesungen wird, der man sich kaum entziehen kann und sich auch nicht entziehen will. Lagerfeuermusik der völlig unpeinlichen Art. Das Meisterstück in Sachen Atmosphäre versteckt sich hinter dem unauffälligen Titel Kräne. Eine Ode an die Sehnsucht, die Herz, Körper und Geist erfüllen kann und hier mit den monströsen Kränen im Hamburger Hafen umschrieben wird. GzK beschreibt das Leben, wie es ist: Mal schön, mal unschön. Mal beschwingt, mal traurig. Klar, in seiner Grundausrichtung bleibt das Album melancholisch; gute Laune-Musik klingt anders; dennoch findet jeder in diesen Texten seine eigene kleine Nische: Oh, unergründliches Leben, was wissen wir denn schon von Dir? Wir wurden geboren und wir sterben und danach weht der Wind wie immer beschreibt die Winzigkeit der eigenen Existenz, während eine Zeile wie Ich liebe es, wie die Erde sich dreht und der Mond dann auf einmal hell und einsam über mir steht. das Ganze eher ins Gegenteil umkehrt. Immer wieder erscheinen Strahlen der Hoffnung, wenn die Traurigkeit und Melancholie die Überhand übernehmen wollen. Bestes Beispiel: Grau, grau, grau - der Titel scheint Programm, vor allem wenn solche Zeilen wie Und ich dreh mich im Kreis und sing über das ewige Licht die Blitze ins Nichts und die ewige Frage: wie solls jetzt weitergehn? Das weiß ich doch auch nicht bevor dann die E-Gitarre das musikalische Kommando übernimmt und GzK treffend feststellt: Wir brauchen einen neuen Anfang. Möglich, dass es schon verschiedene Künstler gab, die Ähnliches gesungen haben. Aber gerade, weil ich selbst eine sehr schwere Zeit durchgemacht habe und nun versuche, diesen neuen Anfang zu starten, berühren mich Zeilen dieser Art direkt im Herzen.
Der Worte sind nun eigentlich genug verloren. GzK gehört meiner bescheidenen Meinung nach zu den begnadetsten deutschen Songschreibern, ja, sogar der eher eingestaubt wirkende Begriff des Liedermachers fühlt sich hier nicht falsch an. Musikalisch bietet das Album eine eher ruhige Reise durch den Indierock mit kleinen Ausflügen in den Jazz, den Blues oder den Rock. Ja, sogar der Pop scheint oftmals durch (z.B. im Titelsong, der durchaus als "Hit" bezeichnet werden kann). GzKs Begleitband füllt diesen Begriff perfekt aus und lässt dem Künstler stets den perfekten Raum. Nie drängt sie sich in den Vordergrund, aber nie wird sie unwichtig. Textlich gelingt es dem Künstler, das Leben in all seinen Facetten abzubilden; so ehrlich, treffend und entwaffnend hat schon lange niemand mehr vom Leben gesungen. Um es kurz zu machen: Hurra, Hurra! Genau so!
Gisbert zu Knyphausen - Hurra! Hurra! So nicht. 1. Hey 2. Seltsames Licht 3. Grau, Grau, Grau 4. Es ist still auf dem Rastplatz Krachgarten 5. Ich bin Freund von Klischees und funkelnden Sternen 6. Kräne 7. Morsches Holz 8. Melancholie 9. Hurra! Hurra! So nicht 10. Dreh dich nicht um 11. Nichts als Gespenster Hörproben: http://www.youtube.com/watch?v=sESdsEQPMFM (Melancholie) http://www.youtube.com/watch?v=HUHCplJij4U (Kräne)
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09.07.2012 13:24
kenne ich nicht. liegt wohl einfach daran das es nicht meine richtung ist! :)
28.06.2012 12:37
Muss ich unbedingt mal reinhören, ich mag solche Sachen ja gerne. :)
28.06.2012 00:00
Von dem hab ich bisher auch noch nichts gehört, werd ich mal reinhören. Super Bericht! Liebe Grüße