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I Am the West - Ice Cube

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Im Westen nichts Neues

3  28.11.2010

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 168 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Neues Album, alte Struktur, bekanntes Problem. Es scheint als würden Ice Cube allmählich die Ideen ausgehen, anders ist es eigentlich nicht zu erklären das er, der in den 1990er Jahren die HipHop Szene maßgeblich mitgeprägt hat, mit „I Am The West“, seinem aktuellen Album, das gleiche Programm abspielt, wie schon bei seiner letzten Platte „Raw Footage“, welches keine zwei Jahre zurück liegt. Keine Lust, mangelnde Inspiration oder doch der nagende Zahn der Zeit? Denn immerhin gehört Ice Cube mit seinen 41 Jahren im jugend-süchtigen HipHop schon fast zum alten Eisen, einem Alter in denen Künstler in anderen Genre oftmals ihre beste Arbeiten abliefern.

Nein, aufs Alter des seit über zwanzig Jahren (mit zwischenzeitlichen Pausen fürs Filmgeschäft) aktiven Rapper kann man die etwas lustlos wirkende Stimmung von „I Am The West“ nicht schieben, vielmehr liegt das Problem in Cubes mangelndem Verständnis verwurzelt, das es geradezu unmöglich für einen Rapper ist, sofern er nicht zu der „conscious“ Bewegung gehört, über einen solch langen Zeitraum die immer gleiche Musik mit den immer gleichen Themen zu machen, gerade wenn man wie Ice Cube noch immer unter seinem Namen den mit unzähligen Klischees behafteten Titel des „Gangster-Rappers“ trägt. Das Problem ist das Cube diesen Umstand nicht ändern müsste. Im Extremfall mündet diese verschwommene Sicht auf die Tücken der Zeit schließlich in einer solch peinlichen Nummer, das man sich schon alleine fürs anhören schämt, leider geschehen mit „She Couldn't Make It On Her Own“ versammelt Ice Cube hier doch seine mäßig talentierten Söhne Doughboy und OMG und meint mit diesen zusammen als Pimp-Trio aufzutrumpfen, inklusive entsprechender Textzeilen. Mit den eigenen Söhnen über Bitches rappen? Ich könnte mir bessere Aktivitäten für ein Vater/Sohn Trio vorstellen.

Das Cube, auch wenn seine Technik altersbedingt ein wenig eingerostet ist, aber noch immer einiges kann beweist er auf seinem neunten Longplayer trotzdem und bestätigt jeden Hörer der ihn noch immer als einen der besten seiner Zunft bezeichnet. Wenn Cube etwa über die schwere Welle von Dre'schen Piano-Loops auf „No Country For Young Men“ hinwegfegt und mit spitzfindigen Reimen die junge Rap-Generation für deren mangelnden Respekt den Pionieren des Genres gegenüber rüffelt, dann hört man einen Ice Cube in Höchstform und mit deutlich Spaß an der Sache. Weitere positive Belege für gut durchdachte Songs finden sich in der hervorragenden Single „I Rep That West“, welche, dominiert von hämmernden Snare-Drums und grooveden Synthesizern wie zu besten G-Funk Zeiten, nicht nur sehr catchty ist, sondern gleichzeitig demonstriert wie eine Hymne auf das sonnige Kalifornien zu klingen hat. Sowieso ist es das Anliegen von „I Am The West“ eine Liebeserklärung für den leichtflüssigen Rap der amerikanischen Westküste zu sein, und gleichzeitig zu beweisen, das er 15 Jahre nach seiner Hochzeit noch immer existiert.

Da stellt sich nur die Frage warum Ice Cube erneut auf eine Instrumentalisierung gesetzt hat, die weniger die Westküste, als vielmehr den „Dirty South“ widerspiegelt. Das die im Vorfeld versprochene Beat-Beteiligung von Dr. Dre und Dj Quik nicht zu Stande gekommen ist war abzusehen, allerdings muss man sich doch enttäuscht zeigen, dass das Album nicht so klingt, wie der eindeutige Titel suggeriert. Schlimmer noch klingt das Album Soundtechnisch doch kaum nach mehr als einer Abfallverwertung übrig gebliebener Beats des Vorgänger-Albums. Egal ob das mit nervig dröhnenden Synthies zusammengeschusterte „Drink The Kool-Aid“, das einem ungeliebten Bastard aus Euro-Techno und schmierigen Bubblegum-Pop ähnelndem „Urbanian“ oder „Fat Cat“, welches mit seinen bereits seit mindestens über sechs Jahren ausgelutschten Clap- und Snare-Arrangements, so wie den ewig gleichen Synthesizer-Tunes so klingt als wäre es mit einer 9,99 $ Musik-Software aus dem Angebot im örtlichen Wal-Mart abgefertigt worden. Oh je, oh-je...

Damit wir uns jetzt nicht falsch verstehen: auch wenn Ice Cube für viele ein im Rap-Geschäft fast schon greises Alter erreicht hat, so besitzt er nach wie vor eine Berechtigung weiter Musik zu machen. Allerdings ist nun endgültig der Punkt erreicht, an dem die alte Gangster/Pimp Schiene nur noch lächerlich wirkt und man nicht selten aus Fremdscham die Ohren verdreht. Ice Cube kann definitiv noch einiges, sollte es aber dabei bleiben das er seinen Kurs nicht ändert, so kann der einzige gute Rat an ihn lauten, das Mikrofon endgültig an den Nagel zu hängen. Wie der gute Herr noch einmal die Kurve bekommen kann, das zeigt er sich mit „Hood Robbin´“ jedoch selbst. Da präsentiert sich plötzlich ein nachdenklich, aber auch wütend gestimmter Ice Cube der in Begleitung eines minimalistischen, alles sagenden Piano-Beats den amerikanischen Traum zu Grabe trägt und einem mit seinen Abgesang auf den menschenfeindlichen Kapitalismus schlagartig jenen Rapper in Erinnerung holt, der in seiner frühen Phase schon einmal für bitter-böse Gesellschaftskommentare bekannt war. Die Zeit für den alten Ice Cube ist zumindest, so zeigen diese eindrucksvollen vier Minuten, noch nicht ganz vorbei.

Tracklist:
01. A Boy Was Conceived
02. Soul On Ice
03. Life In California (feat. Jayo & WC)
04. She Couldnt Make It On Her Own (feat. OMG & Doughboy)
05. Urbanian
06. Y’all Know How I Am (feat. OMG, WC, Doughboy & Maylay)
07. Too West Coast (feat. WC & Maylay)
08. I Rep That West
09. Drink The Kool-Aid
10. No Country For Young Men
11. It Is What It Is
12. Hood Robbin
13. Your Money Or Your Life
14. Nothin’ Like L.A.
15. All Day, Everyday
16. Fat Cat

Anspieltipps:
I Rep That West
Hood Robbin´
No Country For Young Men
Nothin’ Like L.A.

5/10
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I Am the West - Ice Cube Ice Cube
Ice Cube


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Pfizze

Pfizze

16.12.2010 17:56

Hatte mich zuerst auf das Album gefreut, "I Rep That West" fand ich recht cool. Habe einige weitere Tracks gehört, die mir allesamt nicht so sehr gefallen haben (Wirklich in Erinnerung geblieben ist mir dabei nur "She Couldn't Make It On Her Own", leider nicht im positiven Sinne), sodass die Vorfreude stark eingedämmt wurde und ich somit immer noch nicht dazu gekommen bin, mir die Scheibe zuzulegen. Scheint ja auch nicht allzu schlimm zu sein. Lg

Natascha1408

Natascha1408

06.12.2010 06:54

für ab und an mal ganz okay- aber keine dauerhafte musik für mich :), lg

Volker111

Volker111

03.12.2010 10:46

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