Pop? Rock? Progressive? Disco? ---> I ROBOT !
16.05.2005
Pro:
die Instrumentalstücke
Kontra:
nichts Wesentliches
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 logan
Über sich:
ROSE KEMP 'Flawless', TORI AMOS 'Raining Blood', LED ZEPPELIN 'Dazed And Confused', MOTÖRHEAD 'Back ...
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 65 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
"I Robot" ist ein vom Werk des Schriftstellers Isaac Asimov inspiriertes Konzeptalbum des ALAN PARSONS PROJECT. Ich möchte mich - da Hintergrundinformationen sowohl zu Asimov als auch zu den an "I Robot" beteiligten Musikern und der Diskographie des A.P.P. hier bereits von einem berufeneren Menschen zusammengetragen wurden, als ich es bin [siehe Link #1] - gar nicht lange mit theoretischem Vorgeplänkel und ermüdendem Namedropping aufhalten, sondern einfach nur meine Eindrücke vom Hören der im Jahre 1977 bei Arista erschienenen Schallplatte wiedergeben.
Dies wird allerdings Stück für Stück geschehen, da ich das Werk eher als lose vom Produktionssound her zusammengehaltene Songsammlung, denn als einheitliches Gesamtkunstwerk empfinde. Wer lieber eine hilfreiche Kurzbeschreibung lesen möchte, sei daher zuvor noch auf Link #2 hingewiesen. Genug der Vorrede, widmen wir uns nun ganz der Musik...
Das Album wird vom Instrumentalstück 'I Robot' eröffnet, einem wirklich genial produzierten, tief hypnotischem Werk aus spacigem Synthesizergewaber, maschinenfunkigem Kopfnickerbeat, mystischem Choralgesang, trippigen Gitarrenflächen, und später noch einer klanglich irgendwo zwischen mit Elfenstaub gepuderter, vereister Harfe und geklöppelter Wasserglasorgel liegenden Kantele, wobei sämtliche Elemente so vielschichtig ineinander verwoben sind und die Stereotechnik so hervorragend genutzt, dass man sich beim Hören wirklich in eine andere Welt versetzt fühlt. Alan Parsons war u.a. Tontechniker beim "Abbey Road" Album der BEATLES und PINK FLOYDs "Dark Side Of The Moon"[Link #3], und die dort bewiesenen Fähigkeiten kommen auch diesem nur minimal immer wieder variierten Stück zu Gute. Es erhält von mir dann auch gleich mal 5 Sterne. Ich könnte mir übrigens gut vorstellen, dass dieses Werk auch Leute ansprechen wird, die sonst eher chillige House oder Trance Musik hören. 'I wouldn't want to be like you' findet einen guten Anschluss an das vorausgegangene Stück, wechselt dann aber schon recht bald seinen Charakter. Hervor schlüpft dann ein Stück, welches gewöhnungsbedürftigerweise gleichermaßen vom Disco-Funk wie auch vom progressiven Rock Marke PINK FLOYD ("The Wall") beeinflusst zu sein scheint. Mithin ist dies ein recht poppiges und eingängiges Werk, das sich aber über die Jahrzehnte hinweg erstaunlich gut gehalten hat und keineswegs kitschig klingt. Der Rhythmus hat wieder etwas mitnehmendes, ohne allzu aufdringlich zu sein. In meinen Ohren klingt das dennoch allenfalls durchschnittlich, aber das ist wohl Geschmackssache. Von mir gibt es jedenfalls 3 Sterne für dieses handwerklich durchaus gelungene Experiment.
'Some other time' wartet dagegen mit sinfonischem Rock auf, wobei man jetzt bitte nicht an käsigen Bombastrock mit ein paar willkürlich aufgepfropften, nachträglich angeheuerten Klassik-Streichern denken mag; vielmehr ist das Songwriting selbst seinem Wesen nach homogen und eben sowohl vom klassischen Rock wie auch von sinfonischen Elementen geprägt. In dieser eher getragenen Komposition haben wiederum auch elektronische Instrumente und Nachbearbeitungen ihren Eingang gefunden, welche das Stück zusätzlich harmonisieren und in den Gesamtklang des Albums einbinden. Versatzstücke sinfonischer Prägung sind übrigens weithin über das Gesamtwerk "I Robot" verstreut. Auch der Gesang fügt sich ungemein gut in den Song ein, und so komme ich hier auf volle 4 Sterne. Bei 'Breakdown' erscheinen mir die Vocals allerdings etwas übersteuert (oder liegt das etwa an meiner doch recht alten, gebraucht gekauften Erstpressung?). Das Stück zählt aber ohnehin nicht zu meinen Favoriten: Zu angestrengt und pathetisch, zu unausgewogen und auf banale Weise fordernd klingt mir das. Auch die Glamrockanleihen passen nicht wirklich hinein. Da mögen mal 2 Sterne genügen...
'Don't Let It Show' dagegen vermag mich mit progressiver Popmusik und einer glasklaren Produktion wieder vollends zu überzeugen. Der Gesang erinnert mich hier phasenweise an einen ätherisierten CAT STEVENS, und das Stück selbst an PINK FLOYD oder die ganz frühen GENESIS. Auch SUPERTRAMPs melancholisch langatmig rockender Übersong 'School' ist da klanglich nicht weit von entfernt. Auch die gelungenen Breaks und Bridges mit dem elektrisch großflächig übermalten, groovenden Pianopart sind ganz großes Ohrenkino. (Das macht auf der A-Seite noch einmal 5 luxuriöse Sterne!) Leider hängt ausgerechnet bei diesem Stück kurz meine Nadel, und im Finale ist die Oberfläche der LP noch vom Vornutzer etwas abgeschliffen. Aber immerhin komme ich ohne störende Kratzer über die Runden. Was die Klangqualität angeht, so bin ich - wo mich die Hardware nicht im Stich lässt - von "I Robot" restlos begeistert. Unter Link #4 hat sich übrigens ein begeisterter Hörer über eine angeblich vortrefflich restaurierte Neuauflage des Albums auf Audio-DVD ausgelassen; leider scheint das dort erwähnte Label [Link #5] die Scheibe nicht mehr Programm zu haben, dafür aber zahlreiche andere Klassiker aus diversen Stilrichtungen und Genres der Musikgeschichte.
Ist Seite Eins zwar von einem Instrumentalstück eröffnet, sonst aber durchweg songorientiert gestaltet, so verhält es sich mit Seite Zwei beinahe umgekehrt: 'The Voice' ist noch verhältnismäßig bieder gestaltet, beginnt als relativ harmloser, im Stile von STING / THE POLICE anfangs noch ziemlich desolat gehaltener Song, der aber immer weiter ausgestaltet wird und schließlich sogar in einen geradezu psychedelisch anmutenden, trancigen Reggae / Orchester / jazzige Filmmusik - Part übergeht. Das liest sich jetzt vermutlich schräger, als es sich tatsächlich anhört. Einmal mehr ist es dem ALAN PARSON PROJECT gelungen, scheinbar widersprüchliche Elemente vortrefflich unter dem der nahezu allumfassenden Kuppel des elektronisch variierten Rock mit absolut gleitenden Übergängen zu vereinen. Wo hier die Streicher beginnen bzw. die Elektronik aufhört, vermag ich wirklich nicht zu sagen; da spielt mir die vorgebliche Gewissheit meines Geistes ein ums andere Mal Streiche... Vier Sterne sind da auf jeden Fall drin.
So. Und nun zu etwas völlig anderem: Da glaubt man also, mittlerweile so ziemlich alles gehört zu haben, was soundtechnisch überhaupt an Kniffen, Tricks, und Firlefanz möglich ist. Und dann kommt 'Nucleus' daher, und nichts ist mehr wie vorher. Wohlgemerkt nicht mal quadrophonisch! Von Dolby Surround konnte Anno 1977 noch keine Rede sein. Selbst die Boxen meiner ca. zwischen 1980 und 1985 fabrizierten Kompaktanlage habe ich völlig planlos aufgestellt. Und dennoch strömen diese homogenen Flirrschwärme nun wie ein Lufthauch geradewegs auf mich zu, müssten mich schon längst umschließen und - hui! - noch immer scheinen sie näher zu kommen. Begleitet ausschließlich von langsamen monotonen Tribaldrums. Absolut faszinierend. Berauschend. Unheimlich. Betörend. Die Sinne verwirrend. Clearing. Wunderschön. Beängstigend. Einfach nicht von dieser Welt. ***** Unglaublich! Tja, und dann wäre da noch 'Day After Day (The Show Must Go On)', ein äußerst getragenes Stück, entrückt, melancholisch auch im Unterton, distanziert im Klang und doch keineswegs steril; mehr wie ein klassischer Tanz schon fast, aber eben getragen vom angenehm lauwarmen Synthesizer und Vocoder Einsatz, mit ganz ruhiger und gemessener Stimme versehen, die wunderbar hell dazu erklingt und einen Anflug von Wehmut aufkommen lässt, jedoch ohne darin zu versinken, mehr wie ein in die Stille horchen. Dieser entrückte Gleichmut, das hat schon fast etwas von meinem liebsten A.P.P.-Song, dem tragischen 'The Cask of Amontillado' vomgrandiosen "Tales of mystery and imagination" Album. Da achte sogar selbst ich einmal auf den Text: >>Think of a boy with the stars in his eye / Longing to reach them but frightened to try<< - 5 Sterne von mir für den traurigen Jungen im Glashaus.
'Total Eclipse' fährt wimmernde Choräle und höchst seltsame, wie gegeneinander geriebene Glasscheiben klingendeSynthesizer auf; falls jemand den Film "2001 - A Space Odyssey" kennt: Das hier klingt genauso unheimlich wie die immer bedrohlichere Musik in der Sequenz mit der Makroaufnahme von der Pupille des auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigten Astronauten kurz bevor die Zeit gefriert (oder was auch immer das darstellen sollte). ,+' -\- '+, -/- Ich las, dass der Autor des Stücks Andrew Powell sich hier angeblich von seinem Studienkollegen, dem Textur-Musik-Komponisten (was auch immer das sein mag) György Ligeti beeinflussen ließ.[Link #6] Vielleicht gibt es ja tatsächlich Leute da draußen, denen diese Information etwas sagt.(?) 'Genesis Ch.1 V.32.' lässt wieder flächige E-Gitarrentöne in den altbekannten Synthiesound einfließen. Was lediglich demütig und schicksalsergeben beginnt, entwickelt sich hier unter stetigem Basseinfluss schließlich zu einem immer morbideren Strömen. Dennoch ergibt das ein angemessenes Stück, um den Hörer wieder in diese Welt zu entlassen. {3 Sterne}
FAZIT:
Progressive Musik gilt vielen ja als kopflastig, überladen, unhörbar. Dass dem nicht so sein muss hat das ALAN PARSONS PROJEKT mit seiner gewagten doch nahezu durchweg gelungenen Mischung aus Pop, Rock, Synthesizer und Ambient Klängen eindrucksvoll bewiesen.
LINKS: #1 http://musik.ciao.de/I_Robot_Alan_Project_Parsons__Test_2533538
#2 http://musik.ciao.de/I_Robot_Alan_Project_Parsons__Test_523755 #3 http://www.scaruffi.com/vol3/aparsons.html
#4 http://www.progressiveworld.net/parsons3.html #5 http://www.classicrecs.com
#6 http://herlin.org/ratings/parsons.htm#IRobot
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18.05.2005 02:08
...ach ja, beim Durchlesen der anderen Kommentare hier kommen mir dann doch mal wieder Zweifel... Klar, ich höre auch voll gern das Lied da aus der Neunten von Mozart. Und auch das Lied da von Vivaldi, wie heißt das noch, ich glaube, "Ave Maria", oder war das von dem Wagner? Der hat ja auch tolle Lieder gemacht. Ganz besonders, wenn der blinde Bariton da das singt, der Botticelli - oder war das jetzt so'n Formel1-Fahrer?
18.05.2005 02:00
Hm, erinnere mich noch an das Poe-Album und an "Pyramid". Die habe ich damals sogar gekauft. "I Robot" ist irgendwie durchgerutscht, wahrscheinlich weil ich mit Parsons dann doch nicht so viel anfangen konnte. Immerhin, das Cover mit dem CDG-Terminal, das geht schon mal in Ordnung. Vielleicht, wenn ich mal ernsthaft mit dem Ausgraben der weißen 70er anfangen sollte...
16.05.2005 14:02
Liebe grüsse und noch einen angenehmen Pfingstmonatg, Saskia