MORTALITY HURTS
04.08.2005 (21.10.2005)
Pro:
Atemberaubend, schaurig - schön, düster, musikalisch ein Meisterwerk
Kontra:
Nicht jedermanns Musikstil
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 Glejo
Über sich:
http://h3idiswelt.blogspot.com
Mitglied seit:14.01.2003
Erfahrungsberichte:62
Vertrauende:35
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 58 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Heute möchte ich von dem atemberaubendsten, schönsten, traurigsten, glücklichsten, fatalsten und morbidesten Album schreiben, das ich bis dato gehört habe. Es geht um das Album Immortal? der Band ARENA. Die Band ****************************************
Arena ist gar nicht mal so alt, wurde die Band doch erst 1995 von Ex-Marillion (Kayleigh) Schlagzeuger Mick Pointer und Clive Nolan (Keyboards) gegründet. Seit der Gründung gab es einigen Besatzungswechsel. Die Band besteht heute in folgender Formation: * Rob Sowden (Gesang) * Clive Nolan (Keyboards) * John Mitchell (Gitarre) * Ian Salmon (Bass) * Mick Pointer (Drums & Percussion)
Die englische Band erinnert an Marillion, auch wenn sie streckenweise vor allem in jüngerer Zeit etwas härter rüber kommt. In Punkto Musikstil ist Arena dem Progressive Rock (auch Prog oder Prog-Rock genannt) einzuordnen. Wer nun denkt, er habe es hier mit langhaarigen, rumbrüllenden, lederbehosten, tätowierten und headbangenden Bombenlegern zu tun, der irrt. Arena sehen natürlich nicht wie aus dem Ei gepellte Milchbubis aus, sind jedoch nicht nur in Bezug auf ihre Optik gesellschaftstauglich. Ihre Musik beinhaltet Gesang, kein Gebrüll und ist ideal für den anspruchsvollen Rockfan, welcher nicht auf musikalische Virtuosität und Highlights verzichten möchte, sondern mehr als geile Gitarrenriffs erwartet.
Der Musikstil **************************************** Der Progressive Rock fand um 1960 seinen Ursprung in Großbritannien und entwickelte sich von da an in unterschiedliche Richtungen, u. a. auch Progressive Metal, der der den Prog-Rock mit Heavy Metal verbindet, äußerst schnell, virtuos, komplex und instrumentenlastig ist und durch ausgeprägte Keyboards auffällt. Die bekanntesten Vertreter dieses Musikstils sind Dream Theater, Queensryche, Fates Warning und Symphony X.
Seit den 60er Jahren durchlebte der Prog-Rock einige "Reformationen", ebbte ab, lebte wieder auf und kam als Neo-Prog in den 80er Jahren wieder zurück. Bekannteste Vertreter hiervon waren eindeutig Marillion, welche zu Begin als Kopie von Genesis galten, sich im Laufe der Zeit jedoch immer eigenständiger entwickelten. Typisch sind auch weiterhin ausgeprägte Melodien und Keyboards, welche nun allerdings auf Grund neuer Technologien ausgebaut wurden. In den 90er Jahren gliederten sich dann auch Arena in diesen Musikstil ein und vertreten ihn bis heute. Hervorstechende Merkmale des Prog-Rock sind neben den Keyboards
Bilder von Immortal ? - Arena
auch liedhafte Musikstücke, welche vor allem durch Ideenreichtum und Abwechslung glänzen. Die Stücke können als melodisch bezeichnet werden und fallen oft durch ihre außergewöhnliche Länge auf (4 Minuten Lieder gibt's da nicht. Unter 5-6 Minuten lohnt der Einstieg erst gar nicht. Oftmals sind die Stücke noch länger). Stellenweise vermag man Einflüsse des Jazz' und der klassischen Musik hören. Taktwechsel, ungewohnte Tonarten (man hat das Gefühl, dass es falsch klingt bzw. Moll ist), Rhythmuswechsel und vor allem viele gesanglose Parts sind außerdem typische Merkmale des Prog-Rocks. Der Melodienreichtum steht dabei stets im Vordergrund.
Immortal? **************************************** Immortal? (Release: 2000) ist das fünfte Studioalbum von Arena und wird von Kritikern und Fans (neben dem Vorgängeralbum "The Visitor") gerne als das beste Album der Band betrachtet - um genau zu sein, streiten sich die Geister, die einen sagen, dass an "The Visitor" nichts ran kann und die anderen sind von "Immortal?" hellauf begeistert. Man war ungewiss, ob dieses Album ein Erfolg sein würde, weil nach dem Vorgängeralbum Sänger Paul Wrightson die Band verließ. Wechsel beim Gesang verlaufen häufig zur Unzufriedenheit der Fans und werden sehr kritisch betrachtet, oftmals auch zu Recht, weil sich der Erfolg der Band nur schwer wieder einstellen kann und die Akzeptanz des neuen Bandmitglieds meistens mangelhaft ausfällt. Rob Sowden schaffte es jedoch, die Fangemeinde zu überzeugen. Arena eroberte mit Immortal? die Hörerschaft wie im Flug, was auch dem charismatischen Gesang des neuen Bandmitglieds zu verdanken ist, welcher zweifelsohne nicht nur frischen Wind, sondern einen ganzen Sturm, brachte.
Tracklist ****************************************
1. Chosen 2. Waiting for the flood 3. The butterfly man 4. Ghost in the firewall 5. Climbing the net 6. Moviedrome 7. Friday's dream
CHOSEN "Take a leap of faith if you want to find out! We live amongst you In the guise of the mortal men You'll never see us in the crowd We only look towards What purpose we've been sent And wait until the time is now"
Schon der fast 7 minütige Opener Chosen haut volle Kanone rein. Er ist impulsiv, hart, melodisch und progressiv. Ein Song der einen mitreißt und sich kurioserweise als Ohrwurm sehr gut eignet. WAITING FOR THE FLOOD
"Many times this world has been my playground An endless field of images, not too profound I let you read between the lines, if you think you can Part of someone's grand design of Sainthood, childhood....Slipping through our fingers..." Waiting for the Flood ist eine Ballade, welche alles andere als kitschig ist. E-Gitarre fällt hier weg und wird durch die akustische ersetzt. Im Vordergrund stehen der Text und die Entspannung. Das Lied ist die Ruhe vor dem Sturm.
THE BUTTERFLY MAN "He waits in the dark for lives, misguided and wrecked The catcher of innocent souls He's proud of his human collection Of losers who give up the chase Of winners who fail to look round He creeps up behind the fallen and blind They're gone! With hardly a sound 'Save me - somebody reach out a hand Save me from eternity caught in the grip of The Butterfly Man"
The bufferfly Man, mit seinen fast 9 Minuten Länge, gehört mitunter zu den stärksten Stücken des Albums. Es ist herrlich düster, schwerfällig und schrecklich traurig. Es weckt Emotionen, von deren Existenz man bis dato noch nicht einmal was gewusst hat und raubt durch die schönen Gitarrensoli den Atem. GHOST IN THE FIREWALL
"Look for me here It's blacker than the night Look for me here But don't throw me in the light Keep me on the inside A part of the team Keep me on the inside I don't care what that means" Der verhältnismäßig kurze Lied Ghost in the firewal, ist das zweite Meisterstück dieses Albums. Hier werden die Industrial-Einflüsse recht deutlich. Es klingt wirklich bombastisch und es hat den Anschein, als ob hier die erste Erlösung stattfinden würde, weil es anschließend etwas freundlicher zugeht.
CLIMBING IN THE NET "I can see the other side Keeping my head bowed down I can see them all around Dead staring eyes"
Climbing the Net ist zwar noch immer typisch Arena, klingt jedoch leicht poppig und wesentlich frischer und fröhlicher. Es kann fast als eine Ruhepause gewertet werten, bevor Arena mit Moviedrome den Zuhörer ein weiteres Mal überrollt. MOVIEDROME
"Stay down! Like a shadow in a hallway Watching all the blues and greens As I hide from the glare of the monitor screen Run fast! Like a shadow in a subway Try to remain unseen As I hide from the glare of the T.V. screen We're all sucked in Part of the core collective We're all dragged in Blind to the cause we've been selected for...." Moviedrome ist ein 20 Minuten langes Stück, was wohl alle Elemente verbindet, die Arena auf Lager hat. Streckenweise wirkt es etwas langatmig, ist jedoch nicht langweilig, sondern weiterhin abwechslungsreich. Es beginnt recht düster, vereint balladenhafte mit typisch progressiven Passagen und fesselt somit immer wieder aufs Neue. Des Weiteren glänzt es durch traumhafte, epische Gitarrensoli und verbreitet darkwave-Endzeitstimmung der Extraklasse. Besonders schön sind die Choreinlagen zu Beginn des Stücks. Der rote Faden wird trotz der zahlreichen Variationen von Anfang bis Ende beibehalten. Das Stück ist zweifelsohne Progressive, wie er im Bilderbuch steht.
FRIDAYS DREAM "What I dream tonight may rest with me Till morning comes again From the truth comes light We're vulnerable, as we shelter from the rain"
Abgerundet wird das Album durch Fridays Dream, welches wieder recht romantisch und fast schon sanft klingt. Es bringt die endgültige Erlösung und führt den Zuhörer zum Ende seiner Reise. Cover ****************************************
Das Cover (siehe Bild) ist meiner Meinung nach typisch für Arena, auch wenn es nicht wie sonst verträumt und etwas abstrakt wird. Es bildet ein Leben ab, welches keiner von uns derart leben möchte. Es erzählt von Monotonie, in welcher der Mensch vor sich hinvegetiert und jämmerliches Dasein fristet, einsam vor dem Fernseher, als ob es keine weiteren Lebensinhalte gäbe. Wenn man sich das Cover anguckt und anschließend die Scheibe anhört, hat es den Anschein, als würde Immortal? zum Ausbruch aus der Maschinerie verleiten und einen Appell an den menschlichen Geist und den Sinn des Lebens starten. Und um Letzteres geht es meiner Meinung nach zweifelsohne in dem Album. Persönliche Meinung und Fazit ****************************************
Das Album erzählt eine wunderbare Geschichte über Sterblichkeit und Unsterblichkeit, gepaart mit religiösen Ansätzen. Es klingt durch die Industrialklänge streckenweise recht düster und schwermütig und könnte szenetechnisch irgendwo in London um die Jahrhundertwende spielen. Auf seltsame Weise klingt es prüde und steif, typisch englisch, aber auf der anderen Seite kommt das Album wie ein großes Märchen rüber und bleibt dabei durch und durch menschlich. Die Spannung steigt kontinuierlich, ebbt zwischendrin ein paar Mal ab, jedoch nur um dem Zuhörer die Möglichkeit des Durchatmens zu gewähren, bevor sie zum nächsten dramatischen Schlag ausholt, der einen wie eine riesige Welle unter sich begräbt. Die epischen und hymnenhaften Melodien von Gitarre und Keyboard tun das Ihre dabei. Immortal? regt zweifelsohne zum Nachdenken an und sollte vielleicht bei depressiver Stimmung gemieden werden. Nicht weil es selbst depressiv klingt, sondern weil die wundervollen Klänge das letzte Bisschen Selbstbeherrschung stehlen könnten und sich der unwiderstehliche Drang nach Heulen einstellen könnte. Ich habe selten ein Album erlebt, was dermaßen unter die Haut geht und fesselt. Man kann sich nur schwer von den herzzerreißenden, aber musikalisch hochwertigen, Klängen befreien. Man kann das Album nicht einmal nebenher hören (dafür ist es zweifelsohne zu schade), weil es irrsinnigerweise die volle Aufmerksamkeit für sich beansprucht und fast schon besitzergreifend ist. Es zieht einen wie magisch in seinen Bann und erobert im Nu.
Es eignet sich meiner Meinung nach hervorragend für die Abendstunden und kommt besonders gut, wenn man es über Kopfhörer hört. Selbst für eine romantische Zweierkulisse ist es passend, auch wenn es nun wirklich keine Kuschelrock-Tendenzen aufweisen kann. Alles in allem ist Arena mit dem Album Immortal? ein wahres Meisterwerk gelungen. Für Fans von Progressive Rock ist die Scheibe ein Muss. Quereinsteiger sollten vielleicht erstmal reinhören, um zu überprüfen, ob sie mit dem Musikstil etwas anfangen können. Doch auch anspruchsvolle Rock-Liebhaber und Leute, die keine Lust auf Mainstream haben, sondern musikalische Höchstleistung wollen, werden mit Immortal? in eine schaurig-schöne und atmosphärische Welt eintauchen können, welche in dieser Form (außer bei "The Visitor") kaum ein zweites Mal anzutreffen ist.
Sonstiges **************************************** http://www.verglas.com/arenaworld/ - Offizielle Homepage von Arena
Lyrics und Fotos © Arena Immortal? - 55:20 - Verglass, 2000. Preis ca. 15-16 €
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Immortal ? - Arena
Clive Nolan ist für die englische Progressiverock-Szene das, was man einen ...
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24.10.2005 22:58
viel gelernt
21.10.2005 23:50
Da ich ja sonst nur Roland Kaiser höre, muss ich da doch wohl man reinhören, könnte sein, das es meinen Musikgeschmack trifft. LG vom Sandwarrior
21.10.2005 22:40
Für ein bh sind mir die einzelnen Lieder doch etwas dürftig beschrieben. Bevor du mich jetzt mit irgendwelchen Gegenständen bewirfst lass dir gesagt sein, dass das nicht böse gemeint ist, ich aber bei Musikberichten doch etwas pingelig bin. *duck und weg*