~~~CAPRI, MANTA, SCIROCCO und ROCK!~~~
22.03.2004
Pro:
einfacher, galtter und guter Rock
Kontra:
die Alben "4" und "Agent Provocatuer"
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 billigautos.de
Über sich:
Mensch - war ich lange weg....
Mitglied seit:22.03.2001
Erfahrungsberichte:212
Vertrauende:39
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 54 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Kurz nach der Wende saß ich mit ein paar guten Kumpels zusammen und philosophierte über die Zukunft von Rockmusik in den kommenden 10 Jahren. Ein ganz zentrales Thema dabei: welche Bands werden auch 1999 noch erfolgreich im Geschäft sein – ROCKbands wohlgemerkt. Zur Erinnerung und für Kids: Rock war damals auf dem Absteigenden Ast und sägte noch daran.
Abstruser techno/house/Acis/younameit war auf allen Vormärschen – zumindest immer dann, wenn nicht gerade Lambada lief – musikalisch eine ganz schlimme Zeit für alle Leute, die E-Gitarren mögen. [aber okay – ich fuhr damals auch einen Scirocco….] Eine der Bands, die für mich damals in jedem Falle ganz oben auf der Liste waren, waren Foreigner – ein paar Jungs, die den glatten, melodischen Rock ohne posigen GlitterGlamour in den 80ern ganz hoch gehalten hatten und dabei ganz oben geschwommen waren, ohne ausschließlich auf die Balladen-Schiene zusetzen [obwohl sie diese sehr wohl drauf hatten, was sich spätestens seit WAITING FOR A GIRL LIKE YOU rumgesprochen hatte.]
Doch die 90er brachten nur zwei müde beleidigende Platten von Foreigner, die man kaum glauben kann, wenn man die anderen Platten kennt. Das Ende dieser Ära einer richtig guten Rockband ohne Allüren markiert die INSIDE INFORMATION. Ein Platte, wie ich sie mag, wie sie in den 90ern Mangelware geworden ist – eine Platte nämlich, die nicht nur aus zwei bis drei hitparadentauglichen Songs besteht und den Rest einfach als Beiwerk dazwischen streut, sondern ein ganz klassisches Gesamtkunstwerk, ohne den Anspruch an ein Konzeptalbum zu haben [das wird der eine oder andere unter euch doch noch kenne, oder? Djrene….?] Den Opener macht HEART TURNS TO STONE Ein sehr geiler Song aus einer sehr klassischen Rock-Themen-Ecke [Typ wird verlassen und fragt sich “was habe ich nur falsch gemacht….?”]. Aber die ihn verlassende verändert sich, will nichts mehr von ihm wissen und „her heart turns to stone“. Der Song ist einfach, glatt, schnörkellos und dennoch rockig, ohne hart zu sein – so was kennt man heute nicht mehr. Heutige Bands versuchen sicht stets klarer einer Stilrichtung zuzuordnen, während Foreigner eine Art statistischen Mainstream markierten – statistisch deshalb, weil es eine ganze Menge Bands rechts und links von Ihnen gab, die in der Mitte vielleicht wie Foreigner klangen – faktisch jedoch waren nur wenige Bands in dieser Mitte. RUSH vielleicht ein wenig oder JOHN COUGAR MELLENCAMP. Die SCORPIONS trieben sich auch irgendwo dort rum, bevor sie nur noch Balladen schrieben.
Track 2 CANT WAINT Beginnt zunächst ruhig, wird dann aber laut und ist entschieden weniger als der erste Track. Inhaltlich haben wir es hier auch mit einem typischen Männerthema zu tun [einsamer Kerl mit einer Bestimmung….]. Kein klassisches Singel-Highlight aber in jedem Falle ein angenehmer Kontrast zu Track 1 – ohne die Spur der Platte gleich zu verlassen. SAY YOU WILL Der letzte große Single-Hit der Band aus dem Winter 87/88. Ein Song, den man heute in keiner Hitparade mehr finden würde, der damals aber mächtig abgeräumt hat. Eingängiger Refrain, einfaches Thema […i can’t get you out of my mind, no matter how hard i try…]. Es geht hier um klare Bekenntnisse in… na…? RICHTIG! Beziehungen! Dennoch hat der Song Charme, nicht zuletzt, weil der Foreigner-Frontmann LOU GRAMM zwar eine beschissene Frisur, aber einfach eine Stimme hat, die eine ziemlich weite Spannbreite hat [ja, auch das stirbt aus in Zeiten von Küblkastingshows… - nichts gegen Max…]
Track 4, DON’T WANNA LIVE WITHOUT YOU Spielt mit den Motiven der vergangenen Foreigner Balladen wie I WANNA KNOW WHAT LOVE IS und ein bisserl LOVE IN VAIN von der Platte davor. Der Song ist jedoch weicher, aufgeräumter, entspannter und kommt ohne RockBallad-Themen aus, verwöhnt sogar mit geschickt und unauffällig eingesetzten Synths, dass es eine Wonne der besonderen Art ist – eine Art warme akustische Kräuterbadewanne…. Track 5, COUNTING EVERY MINUTE, Klingt ein bisserl mehr wie mit de Ford Capri Samstags Abends auf dem Parkplatz herumcruisen, bevor es Downtown geht – fetzig, gepresst, getrieben – durchtränkt von bösen Gitarren und der Stimme von LOU GRAMM in den höheren Oktaven – ja, hier kommen auch die Fans von KISS ein wenig auf ihre Kosten… Ein fetter, fetziger Song, der gitarrenseitig beinahe etwas grungiges hat.
INSIDE INFORMATION, Track 6 War damals das erste Lied auf der zweiten Seite und klingt musikalisch ein wenig wie die frühen Werke von BON JOVI, die ich ehrlichgesagt nicht besonders schätze. Hier werden Synthesizer-Klänge unmelodisch mit Gitarrenriffs verknüpft, wie man das damals eben so machte, wenn man sich auch die Haare toupierte… Der Song ist leider ein bisserl flach und auch zu flach abgemischt – die Stimme GRAMMS kommt hier nicht eben zum Zuge, weil es eher eine Stimme ist, die eine Melodie u tragen imstande ist. THE BEAT OF MY HEART Ist ein ganz klassischer, fetziger Rock-Song mit Melodien, relativ betrachtet wenig Text und stattdessen einer menge Gitarren und einer noch größeren Menge Stellen, an denen man bei Konzerten mitgröhlen kann. Auch sonst ist der Song ideal für Live-Auftritte, da er nach eine 3-Ebene-Aufbau funktioniert, also eine Strophe hat, dann einen Teil, der sich langsam zum Refrain aufschwingt, höher, getriebener, bis schließlich tatsächlich der Refrain kommt. [und natürlich gibt es einen Rockigen Tempowechsel… ;->]
FACE TO FACE, der 8. Song der Platte, klingt ein wenig wie ASIA, falls sich jemand an die erinnern sollte. Ein aalglatter Song, dessen Highlight jenseits seiner 80er-Rockigkeit fraglos die Stimme LOU GRAMMS ist, die jederzeit ernsthaft und glaubhaft wirkt und über die Einfachheit des Songs hinwegzutäuschen in der Lage ist, obwohl der Song so auch durchaus von einer flacheren Band sein könnte, an die sich heute keiner mehr erinnert. OUT OF THE BLUE, vorletzter Song, ist ein echter Foreigner-Song. Romantisch, straight, melodisch, mit einer Menge Herz, der witziger Weise einen Dreiklang aus der Titelmelodie von MAGNUM PI verwendet [auf der Platte wird das erwähnt, auf der CD nicht]. Der Song hat die klassischen 80er-Elemente und klingt nach hochgekrempelten Jackett-Ärmeln und Haarspray – wäre da nicht eben die romantik, die der Song in sich trägt, Herz und Glaubhaftigkeit auf einem poetischen Strang feinsilbig zu vereinen. Auf seine Weise ein schöner Song ohne zu viel Pathos und mit sehr diskret eingesetzten Chor-Effekten, die Foreigner durch eine Redundanz ihrer eigenen Stimmen erzeugt haben, ganz so, wie Queen bei BOHEMIAN RHAPSODY. Schön.
Den Closer der Scheibe gibt A NIGHT TO REMEMBER, der etwa 10 Jahre älter klingt, als er wirklich ist und gut neben DOUBLE VISION oder HEAD GAMES passen würde. Gehetzt, ausser Atem, unter Strom – und natürlich sehr männlich und rockig kommt der Song daher. Und es falle wichtige Wörter wie LOVE MACHINE…. Wenn man die Platte heute hört, ist einem schon klar, dass es auch lustig gewesen sein muss, 1960 geboren zu sein und noch ein echtes Macho-Leben mit einem verwundbaren Herz geführt zu haben. :-> Für mich ist die INSIDE INFORMATION die drittbeste Platte der Band nach der „4“ und der AGENT PROVOCATEUR – und eben leider die letzte gute Platte einer Band, die eigentlich mehr konnte, als sie auf den beiden noch folgenden Alben schließlich zeigen sollte. Schade drum – ich hatte eine verhältnismäßig hohe Summe gewettet, dass Foreigner es in die 90er hinein schaffen würden…. :-(
Bilder von Inside Information - Foreigner
Preisvergleich
sortiert nach Preis
* Alle Preise inkl. gesetzlicher MwSt und ggf. zzgl. Versandkosten. Preise, Verfügbarkeit und Versandkosten können im jeweiligen Shop zwischenzeitlich geändert worden sein, da eine Echtzeit-Aktualisierung technisch nicht möglich ist. Maßgeblich sind immer die Preise und Angaben auf der Händlerseite. Alle Angaben ohne Gewähr.
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
Das könnte Sie interessieren
|
|
06.04.2004 13:15
Sei gegrüßt. Musikalisch ist die Band natürlich Musikgeschichte... aber sie trafen mit den meisten Songs nicht meinen Geschmack. Mein Rock ist bluesiger... *lächelt* Steve Ray Vaughn oder Springsteen... das war auch in den Siebzigern und Achtzigern. In diesem Sinne - Pessoa
28.03.2004 23:19
*smile* Was bin ich froh, Baujahr 66 zu sein und die Phase mit "richtiger" Musik erlebt zu haben... ;) Aber das wird jeweils 20 Jahre später jede kommende Generation auch sagen... ;) I want to know what love is, Willy Bogner Filme, furchtbare Farben und Petting im Kino.. ;) Nett wars... ;) *greetz* Marc A.
25.03.2004 12:03
LOU GRAAAAAAAAAAM ! Übrugens haben Foreigner nicht nur 2 Alben in den 90ern herausgebracht. Da wären noch: Mr. Moonlight und Unusual Heat. Dake übrigens für die namentliche Erwähnung unter den Wissenden *g* Man nennt mich jetzt auch Dr. Rock *lol*