Erfahrungsbericht über

It Had to Be You...the Great American Song Book - Rod Stewart

Gesamtbewertung (2): Gesamtbewertung It Had to Be You...the Great American Song Book - Rod Stewart

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It had to be you...

4  27.11.2002

Pro:
Eine unvergleichliche Kombination :  diese Musik und Rod Stewart .  .  .

Kontra:
.  .  . aber auf Dauer ein klein wenig eintönig, wenn man nicht sehr genau hinhört und sich doch am Ende selbst wiederfindet darin .  .  .

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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dahmane

Über sich: "Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu errichten!"

Mitglied seit:07.03.2000

Erfahrungsberichte:682

Vertrauende:147

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 81 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

1.

An welche Augenblicke erinnern wir uns besonders gerne?
Während wir uns erinnern, erscheinen sie uns sonderbar unspektakulär, und das liegt vielleicht auch daran, daß es Augenblicke gewesen sind, in denen wir uns in einem glücklichen Gleichgewicht befanden und eben darum ganz gegenwärtig waren: ein Kuß, der sich zu Minuten und Viertelstunden ausdehnte, weil sich die Schmetterlinge in unserem Bauch schneller bildeten, als sie fortfliegen konnten; ein Moment in unserem Leben, im Bett, am Tisch, wo auch immer, in dem wir das Gesicht unserer Liebsten, unseres Liebsten so gesehen haben wie noch nie vorher; die Stunden an einer Bar, in der wir unseren ersten Whisky Sour getrunken haben und in der die gemächlich vorüberrinnende Musik ganz eigenartig klang und so präsent, als hätten wir das alles nur geträumt.
Jeder hat seine eigenen Erinnerungen und Assoziationen. Manche davon können wir in Musik fassen wie in flüssigen Bernstein: sie sind eingefangen, aber sie verändern sich, während wir sie wahrnehmen, und so bleiben sie ein Teil unseres Lebens: das ist unglaublich schön. Es ist schön, weil wir nicht immer die Vergangenheit hinter uns lassen wie Stufen, auf denen weit weitersteigen. Es gibt Erfahrungen – und damit will ich es gut sein lassen für heute abend –, die uns so sehr verändert haben, daß sie zu unserem eigenen Wesen gehören, zusammen mit den Menschen, mit dem wir sie teilen.

Ein kleiner, zitternder Aufschwung der Streicher (in Wirklichkeit von Will Hollis‘ Sythesizer erzeugt), eine Brise von Vanille, und dann sanft gezupfte Gitarren und ein gemächlicher Beat des Schlagzeugs, in das sich übergangslos die unverkennbare Stimme von Rod Stewart hineinschleicht:

The way your wear your hat,
The way you sip your tea,
The memory of all that,
No, no! They can’t take that away from me!

The way your smile just beams,
The way you sing off–key,
The way you haunt my dreams,
No, no! They cant’t take that away from me!

We may never, never, meet again
On the bumpy road to love
Still, I’ll always, always, keep the memory of...

Und dann jault irgendwann, ganz gegen die ruhige Zuversicht dieses Liedes, das Saxophon auf, während darunter die Streicher weiterrollen wie die sanfte Dünung über den flachen Strand, denn alle Heiterkeit der Zuversicht und aller Frieden einer glücklichen Erinnerung löscht dann eben doch nicht den schneidenden Schmerz aus, daß wir uns von der mählich zerfallenden Erinnerung nähren müssen, aber in einem anderen Leben weiterleben sollen:

The way you hold your knife,
The way we danced ‘till three,
The way you changed my life,
No, no! They can’t take that away from me!
No! They can’t take that away from me!

Vielleicht ist es nicht einmal ein sonderlich spektakuläres Lied, das George und Ira Gershwin da zusammengeschrieben haben, und möglicherweise hat es auch schon berufenere Interpreten gegeben (ich kenne keine, aber ich weiß auch nicht viel davon...), aber das auf luxuriöse Weise heisere Organ von Rod Stewart verlieht diesem simplen Song eines Aura von zeitlosem Schmerz, der längst jenseits von Aufbegehren und Nicht–Begreifen–Können existiert und sich doch nicht selbst zelebriert.

2.

Direkt danach, als Track 3, das vertrackte „The way you look tonight“. Eine versponnene, aber pointierte Einleitung auf dem Klavier, und dann wieder nur das Schlagzeug, das durch unsere Gefühle und Gedanken spaziert wie Gott durch den Garten, und darüber, ganz sicher und doch ein wenig distanziert, seine Stimme_

Someday when I’m awfully low
When the world is cold
O will feel a glow just thinking of you
And the way you look tonight

Woher weiß er das? Woher weiß er, daß wir gerade in dem Augenblick, in dem wir glücklich sind, schon versuchen, eine Erinnerung zu schaffen, die diesen Augenblick überdauert, für welche Zukunft auch immer. Weshalb auch alle Liebenden, die das nicht tun, so viel verlieren.
Es geht nicht um Symbole, um Ringe und Briefe und Steine, denn die können nur festhalten, woran wir uns ohnehin erinnern würden. Woran wir uns aber erinnern, ist dieser Augenblick:

...And that laugh that wrinkels your nose
Touches my foolish heart...

Es ist nicht schlimm, daß in diesem Moment das Glockenspiel des Synth Vibe einfällt, um einen Zauber zu beschwören, der solchen Erinnerungen ohnehin inne– und beiwohnt... Es ist nicht lächerlich, es ist ein wenig „foolish“ vielleicht, so wie unser verzaubertes, törischtes, verräterisches Herz.
Und so wird es alle die folgenden Lieder hindurch gehen. Es ist eine Musik wie unter Wasser, in der selbst die großartige Geste für einen kleinen Moment einfriert, wenn vielleicht eine helle Trompete bläst in dem flüchtigen „Moonglow“, und er singt, an eine warme Nacht im Mai sich erinnernd, auf einem Weg im Wald, als sie fast nackt dastand:

And now when there’s moonglow way up in the blue
I’ll always remember that moonglow gave me you...

Oder das zaubehaft absurde „The very thought of you“, das eben nicht die Wirklichkeit beschreibt und auch nicht unsere Erinnerungen, sondern die kindischen Augenblicke von Tagträumerei und Von–Sich–Hinweg–Träumen, in denen manchmal Kinder leben, aber nicht wir, weil wir keine Kinder sind, sondern schon groß und erwachsen, und weil wir wissen, daß Liebe eben nicht zum Träumen verleitet, sondern dazu, den Moment doppelt intensiv zu fühlen und, wie Egmont in seiner letzten Ansprache angesichts des Schafotts sagen wird, „das mutige Leben doppelt rasch zu führen“, und doch schmelzen wir dahin, wenn er singt,

The very thought of you and I forget to do
The little ordinary things that everyone ought to do
I’m living in a kind of daydream
I’m happy as a king
And foolish though it may seem
To me that’s everything

The mere idea of you, the longing here for you
You’ll never know how slow the moments go ‘till
I’m near to you
I see your face in every flower
Your eyes in the stars above
It’s just the thougt of you
The very thought of you, my love...

Die Streicher tun derweil so, als wäre eben dies das allergewöhnlichste Gefühl der Welt, und wir versuchen uns zu erinnern, ob wir uns wirklich jemals eben genau so gefühlt haben und wünschen, wir hätten’s: welche Unschuld des Gefühlsüberschwangs, die wir – vom Leben, das heißt, von unseren eigenen Fehlern und Versäumnissen gezeichnet und auch von unseren genialen Momenten – längst verloren glaubten.
Es ist das Wunder solcher und dieser Musik, daß sie ein wenig von dieser Unschuld zurückbringen kann.
Wie das?
Ich glaube, es liegt einfach daran, daß sie uns wirklich für eine kleine Zeit von den alltäglichen Sorgen und Kümmernissen befreien und zugleich eben die Erinnerungen in uns erwecken kann, deren unwillkürliches Aufblühen gleich eine ganze Welt entstehen lassen, deren Farbenpracht und Tiefe wir längst vergessen hatten.

3.

Da tut es nichts – nicht wirklich –, daß Rod Stewart im Grunde nur eine Tonlage kennt, die des gepflegten Parlando. Damit meine ich folgendes. Es ist natürlich etwas mehr als der rituelle Sprechgesang des Jazzsängers. Es ist ein Schlendern, ein gesangliches Schlendern, mit einer ungeheuren Ruhe und genießerischen Sorgfalt, wie ich es aus keiner anderen Musik kenne. Es ist einmal ein Gesang, der keine starken Gefühle ausdrücken und keine Botschaft in die welt hinausschreien muß: dazu ist der Augenblick viel zu intim.
Zur Intimität freilich gehört nicht nur Vertrauen, sondern auch Scham und Scheu.
Im Lauf der Zeit, in der wir zusammen sind, wird jede Geste, jeder Blick aufgeladen mit der ungeheuerlichen Geschichte unserer Liebe, und jeder dieser Augenblicke wird immer unerklärlicher, immer unbegreiflicher für alle, die ihn von außen miterleben. Natürlich – sonst wäre es wohl unerträglich – gibt es eine Ebene, auf der wir unser Leben mit unseren Freunden und Bekannten teilen, und dahinter gibt es vielleicht auch noch einen Teil unseres Lebens, den einige Auserwählte kennen, weil wir platzen würden vor Glück (oder Unglück), wenn wir nicht auch davon reden könnten, aber die reichere, die unendlich komplexere und rätselhaftere Welt ist – wenn eine Beziehung wirklich gesund ist – die Welt, die niemand kennt oder kennen kann außer uns beiden. Zu dieser Intimität gehört das Bewußtsein, daß man sie auch mit niemand sonst teilen kann als mit der Liebsten, mit dem Geliebten.
Etwas davon vermitteln, so sonderbar das auch erscheint, diese ruhigen Lieder. Es gibt (natürlich) sehr viel Botschaft an der Oberfläche, die sich jeder von uns aneignen oder in der sich jeder von uns spiegeln kann, wenn er mag; und zugleich können wir uns in den Worten und der Musik, in der sie schwimmen wie der Mond in den Wolken, verlieren – um uns wiederzufinden an Orten, wo wir uns selbst nie erwartet hätten.

No tears, no fears
Remember, there’s alway tomorrow
So what if we have to part
We’ll together again

Your kiss, your smile
Are memories I’ll treasure forever
So try thinking with your heart
We’ll together again

Times when I know you’ll be lonesome
Times when I know you’ll be sad
Don’t let temptation surround you
Don’t let the bkues make you bad

Some day, some way
We’ll both have a lifetime before us
For parting is not goodbye
We’ll be together again


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
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28.12.2002 16:02

Ich mag rod.(wenn auch nicht alle stücke)diese abhandlung nenne ich mal genial. fg peter

pantherhh

pantherhh

27.12.2002 08:49

ich mag deine poesie !

Apicula

Apicula

06.12.2002 11:23

Wird mir verziehen, wenn ich auch diesen Deinen "Bericht" als zu sehr geschwurbelt empfinde? ;-) In jedem Fall war ich neugierig und hab' ein wenig (nicht alles, weil ich diese übertrieben langen Texte zu Musik nicht mehr leiden mag. Vielleicht weil mir selbt nie so viel dazu einfällt?) reingeschnüffelt. Es gibt berufenere Interpreten für diese Art Musik, das ist meine Meinung dazu. Rod Stewart erhebt für mich sowieso nicht den Anspruch ein "genialer" Interpret zu sein. Dazu müsste man ihn als Person im allgemeinen respektierne können. ;-)

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