Isn´t it Ironic?
26. Sep 2004
Pro:
einfache Texte, tolle Stimme mit viel Power, geniale Musik
Kontra:
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 hr.biernot
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Es war so im Sommer 1995, als ich zum ersten Male auf Alanis Morissette und ihre Musik aufmerksam wurde. Ich hatte seinerzeit das Glück, das mein damaliger „Hausradiosender“ SWF3 die 21jährige Kanadierin für die zweite Auflage ihres „New Pop Festival“ verpflichtet hatte. So rutschte der Song „You oughta know“ auf die „Rotationlist“ und wurde alsbald tagtäglich im Radio gespielt. Gleichzeitig lief das dazugehörige Video immer öfters im Fernsehen und da mir auch dies sehr gut gefiel, dauerte es nicht mehr lange, bis sich das komplette Album in meiner Sammlung befand. Am 01.Juni 1974 in der kanadischen Hauptstadt Ottawa geboren, entwickelte Alanis schon früh ein Gespür für die Musik. Zuerst waren dies aber noch eher seichte Pop Klänge, die aber nicht unbedingt der Renner waren. Den entscheidenden positiven Knick bekam ihre „Karriere“, als sie eine Zusammenarbeit mit Madonnas Label „Maverick“ einging. In der Zeit des besagten „New Pop Festivals“ schaffte sie dann den endgültigen Durchbruch – während sie hier in Deutschland auf der Bühne stand, belegte ihr Album „Jagged Little Pill“ Platz 1 der US Charts…
Dies war allerdings nur der Beginn eines steilen Aufstieges – schon 1996 erhielt sie vier Grammys für das beste Album, das beste Rock Album, den besten Rocksong und für die beste weiblichen Rock Performance. Heute zählt Alanis zu der Kategorie „absoluter Superstar“ – im Gegensatz zu vielen anderen sogenannten „Stars“ habe ich bei ihr nach wie vor das Gefühl, das sie normal und natürlich geblieben ist. Gleichzeitig war ihr Aufenthalt in Baden-Baden ein Stück Vergangenheitsauffrischung für Alanis. Als Kind lebte sie für knapp drei Jahre im knapp 50 Kilometer entfernten Lahr… Das Cover:
Cover sollten meiner Meinung nach so einfach wie möglich sein – es gibt genügend Beispiele, die halbe Kunstwerke sind. Da ziehe ich diese Version eindeutig vor. Mittlerweile „kenne“ ich Alanis schon eine Weile und kann mir somit ein Urteil für mich/ über sie erlauben. Auf dem Booklet sind zweimal die Gesichtszüge der Künstlerin zu sehen. Sie spiegeln die Nachdenklichkeit und die Hoffnung wieder, die uns immer wieder in den Songs von Alanis Morissette begegnen. Der eine Blick ist Richtung Himmel gerichtet, der andere Blick ist eher verträumt und in sich gekehrt. Im Booklet selber sind die Texte der einzelnen Lieder zu finden. Diese sind ganz einfach in schwarzer Schrift aus weißem Grund gehalten. Ich weiß nicht mehr genau, was mich diese Cd seinerzeit gekostet hat – rund 20,-- DM dürften aber durchaus realistisch gewesen sein. Dafür bekomme ich cirka 60 Minuten Musik vom Allerfeinsten geboten. Die Songs:
All I really want: Schon beim ersten Lied geht es so richtig in die Vollen. Mundharmonika, härtere Gitarrenriffs und dazu immer wieder treibende Schlagzeugeinsätze beherrschen das Bild. Wie speziell dafür geschaffen, paßt die Stimme von Alanis hier hervorragend dazu. An manchen Stellen klingt sie so schrill, das sie sich geradezu überschlägt. Das geht so weit, das man nicht einmal mehr den Text versteht, aber den kann ich ja immer noch im Booklet nachlesen. Im Song selber äußert Alanis ihre Wünsche an den Partner, ans Leben oder an die gesamte Menschheit. Ob sie denn auch alle in Erfüllung gehen? „all I really want is some peace man, a place to find a common ground and all I really want is a wavelength.” Gleichzeitig soll es die Menschen aufrütteln, um etwas gegen die immer mehr um sich greifende Teilnahmslosigkeit unter den Menschen zu tun. „I like to reel it in and then spit it out, I´m frustrated by your apathy and I´m frightened by the corrupted ways of this land. “
You Oughta know: Ruhig und bescheiden entwickelt sich dieser Song, bei dem ich zum ersten Male auf Alanis aufmerksam wurde. Am Anfang und auch zwischendurch klingt ihre Stimme eher zittrig und ängstlich – gleichzeitig schafft sie es aber immer wieder, sich von ihren Ängsten frei zu machen und dann so richtig auf den Putz zu hauen. Dabei werden wiederum Schlagzeug und Gitarren zu den dominierenden Instrumenten. Dieses Lied ist eine Abrechnung mit dem Exfreund. Sie versucht ihm dabei einzureden, das er im Grunde immer noch sie liebt und die neue „Freundin“ nur eine etwas andere „Ausgabe“ ihrer selbst ist. „An older Version of me? Is she perverted like me? Would she go down on you in a theatre?” Fast jeder von Euch kennt wohl die Stelle, aus dem der Song seine besondere Brisanz zieht. „It was a slap in the face how quickly I was replaced, are you thinking of me when you f… her?“ Der Vorteil der CD besteht darin, das an dieser bewußten Stelle nicht “gepiept” wird.
Perfect: Vorsichtiges Gitarrenspiel und leichter Keyboardeinsatz kennzeichnen diese Ballade am Anfang. Gegen Ende hin nimmt der Einsatz der beiden Instrumente dann erheblich zu – zusätzlich übernimmt das Schlagzeug die Führung. Hier kann Alanis wieder einmal ihre stimmlichen Vorzüge voll ausspielen. Ihre Stimme neigt zwar auch hier manchmal dazu zu überschlagen – in diesem Falle wirkt dies aber gar nicht negativ, sondern wird zu einer fast perfekten Kombination. Der Mensch kann niemals perfekt sein, denn er ist keine Maschine. Andererseits gibt es die Bestrebung, alles so gut wie irgendwie möglich zu machen. „Sometimes is never quite enough, if you´re flawless, then you´ll win my love. Don´t forget to win first place, don´t forget to keep that smile on your face.” Aber es geht gleichzeitig auch um das Eltern – Kinder Verhältnis. Der Nachwuchs soll es besser haben, als wir früher. Das dabei manchmal die Relation zur Wirklichkeit komplett verloren geht, steht auf einem anderen Blatt. „Be a good boy, try a little harder, you`ve got to messure up and made me prouder.”
Hand in my pocket: Zu Beginn ist leichter Schlagzeug und vorsichtiger Gitarreneinsatz zu hören, der sich im weiteren Verlauf spürbar steigert. Dazu gibt es noch diverse Passagen, die von der Mundharmonika dominiert werden. Wieder einmal steht die sich immer wieder überschlagende Stimme von Alanis im Mittelgrund. Das Leben ist kein Wunschkonzert – um dieses Motto geht es in diesem Song. Einerseits geht es mir im Moment nicht so toll, aber es könnte doch noch viel, viel schlimmer sein. „I`m broke but I`m happy, I´m poor but I´kind, I´m short but I´m healthy, yeah.” Auf den ersten Blick wirkt dieses Lied eher heiter und fidel – aber dies scheint nur so, die Wirklichkeit sieht anders aus.
Right through you: Wieder einmal ein ruhiger Beginn, danach wechseln sich schnellere und härtere mit langsameren Passagen in Sekundenschnelle ab. Dominiert wird das Ganze aber von Alanis Stimme – ohne größere Probleme rockt sie los oder haucht den Text in das Mikro. ER benutzt SIE – so etwas soll ja immer wieder vorkommen. „You took me for a joke, you took me for a child, you took a long hard look at my ass and then played golf for a while“. Diesmal hat sich da jemand offensichtlich ganz schön verrechnet – zum Schluß heißt es nämlich „Now that I´m miss thing, now that I´m a zillionaire, you scan the credits for your name and wonder why it`s not there.”
Forgiven: Nach verhaltenem Anfang mit ruhigem Singsang und leichtem Spiel auf der Akustikgitarre, setzen nach rund 45 Sekunden wesentlich härtere Riffs und Gesang ein. Dieser Wechsel zieht sich danach wie ein roter Faden durch den kompletten Song. Auch hier überwiegt und bestimmt wieder einmal die Stimme von Alanis, wo es langgeht. Vor allem jungen Menschen kann die Kirche viel Kraft geben. „I sang alleluia in the choir, I confessed my darkest deeds to an envious man.“ Gleichzeitig heißt dies aber nicht, das dies für immer und ewig so bleiben wird. „What I learned I rejected but I believe again, I will suffer the consequence of this inquisition if I jump in this fountain, will I be forgiven.“
You learn: Dies ist eigentlich mittelschneller ja schon fast poppiger Song. Zwischendurch gewinnt er durch ein paar härtere Riffs und Schlagzeugeinlagen ein wenig mehr an Intensität. Dadurch kommt auch wieder einmal die Stimme Alanis besser zur Geltung. Aus allem was man selber tut – egal ob positiv oder negativ – kann man etwas lernen. Diese Erkenntnis ziehe ich aus folgenden Refrain: „you live – you learn, you love – you learn, you cry – you learn, you lose - you learn, you bleed – you learn, you scream – you learn.“ Andererseits weiß ich nicht genau, was Alanis mit folgender Zeile meint: “swallow it down (what a jagged little pill)” Es könnte eventuell auf Drogen oder ähnliches hinauslaufen.
Head over feet: Zu Beginn klingt dieses Lied eher nach einer Ballade. Aber auch hier gibt es zwischendurch schnellere Wechsel. Harte Gitarrenriffs gepaart mit Mundharmonika – eine solche Kombination ist doch eher selten. Es ist eine Liebeserklärung von Alanis an einen scheinbar ganz besonderen Menschen. „ You `re the best listener that I `ve ever met, you `re my best fried, best fried with benefits, what took me so long?” Solche Schmeicheleien, können einem Mann sehr wohl gut gefallen. ;-)
Mary Jane: Der Beginn ist sehr ruhig, lediglich Alanis Stimme ist zu hören. So nach und nach setzen Gitarre, Keyboard mit etwas Schlagzeugunterstützung ein. Schnellere und langsamere Passagen wechseln sich ab und bringen die Stimme der Sängerin deutlich zur Geltung. Fragen werden gestellt – Antworten bleibt Mary Jane uns aber schuldig. „Please be honest Mary Jane, are you happy? Please don`t censor your tears” klingt sehr nachdenklich. Andererseits ist eine gewisse Liebe bzw. Verehrung da. „You´re the sweet crusader, and you´re on your way, you´re the last great innocent and that´s why I love you. “
Ironic: Hierbei handelt es sich wohl um das bekannteste Lied von Frau Morissette, zumindest von diesem Album. Ruhiger Beginn, allein von einer Akustikgitarre begleitet ist Alanis Stimme zu hören. Nach knapp 40 Sekunden erwacht der Song zum Leben – aber auch hier gibt es zwischendurch immer wieder langsamere, ja fast ruhige Passagen. Anschließend folgt eine kurze Steigerung und erneut ist das Feuer da. „An old man turned ninety – eight, he won the lottery and died the next day. It´s a black fly in your Chardonnay, it`s a death row pardon two minutes too late, isn`t it ironic --- don`t you think?” In diesen Zeilen steht eigentlich schon alles drin, um was es in diesem Song geht. Es sind die besonderen „Zufälle“ des Lebens, die genau dann eintreten, wenn man sie am allerwenigsten gebrauchen kann. „A traffic jam, when you´re already late, a no – smoking sign on your cigarette break, it´s like ten thousand spoons, when all you need is a knife, it´s meeting the man of my dreams and then meeting his beautiful wife.” Situationen die uns allen aus unserem täglichen Leben nur allzu bekannt sind.
Not the doctor: Über weite Strecken ist dies ein eher ruhiger Song. Aber Alanis wäre nicht Alanis, wenn sie nicht auch hier ein paar Tempowechsel eingebaut hätte. Diese halten aber nur für jeweils etwa 20 Sekunden an, danach wird es wieder ruhiger. So sind die meiste Zeit akustische Gitarren und ein wenig Keyboard zu hören, zwischendurch gibt es Unterstützung von der elektrischen Gitarre. Wieder einmal steht eine Beziehung im Mittelpunkt eines Songs. Die scheint jedoch von sehr spezieller Art zu sein – eher ein Typ, der einen Babysitter braucht. Genau darüber „beschwert“ sich Alanis. „ I don´t want to be your glass of Single Malt Whisky (ich hab extra die schottische Variante gewählt *fg*) hidden in the bottom drawer, i don´t want to be a bandage, if the wound is not mine lend me some fresh air. “
Wake up: Der Beginn ist wieder eher ruhig und verhalten, ja fast ein wenig düster. Unterstützt von Schlagzeug, Gitarre und Keyboard entwickelt sich daraus dann doch ein eher mittelschneller Song. Dieses Tempo ist ideal für Alanis Stimme – hier kann sie alle Facetten ihrer Sangeskunst rüberbringen. Lediglich das Ende hört sich meiner Meinung nach etwas seltsam an. Menschen, die nie mit etwas zufrieden sind und immer etwas an irgendwas oder irgendwem auszusetzen haben, die kennt wohl ein jeder von uns. Es soll Leute geben, die sich zu so etwas gar „berufen“ fühlen. „You like snow but only if it´s warm, you like rain but only if it´s dry.” Für Alanis ist dies eine Warnung – sie fordert, das wir endlich aufwachen und was dagegen tun sollen.
You Oughta know (alternate): Hier gibt es einen Remix des ersten großen Hits von Alanis Morissette zu hören. Natürlich gibt es ein paar Abweichungen zum Original – sie sind aber nicht so gravierend, das man sie hier erwähnen müßte.
Statt dessen solltet Ihr Euer Augenmerk auf den Hiddentrack lenken, der diesem Song angeschlossen ist. Nach dem Ende dauert es einige Sekunden, bis es dann mit einem sehr einfühlsamen Lied weitergeht. Ich kann nur jedem raten, hier die Augen zu schließen und den Gesang von Alanis zu genießen. Es handelt sich hierbei um ein a capella Stück, bei dem glasklar, ja fast inbrünstig die Stimme der Sängerin zu hören ist. Noch einmal kann der Zuhörer alle Facetten ihrer Sangeskunst bewundern. Fazit:
Auch wenn Alanis Morissette in jungen Jahren schon zwei Pop Alben produziert und veröffentlicht hat, ist dies für mich das „wahre“ Debütalbum. Sie wird zwar immer wieder wegen ihrer sich manchmal überschlagenden Stimme kritisiert, meiner Meinung trägt genau dieses „Manko“ – was nicht wirklich eines ist - zum Erfolg ihres Erstlingswerkes bei. Sehr eigenwillige und vor allem ausdrucksstarke Texte, gepaart mit gängigen Rhythmen trugen so zum großen Erfolg bei. Die meist sehr einfache und wirkungsvolle, aber gerade dadurch wieder faszinierende Lyrik stammt komplett aus der Feder von Alanis – die Melodien dazu komponierte sie gemeinsam mit Glen Ballard. Mit über 30 Millionen weltweit verkauft Alben stieg Alanis Morissette gleich in die Kategorie der absoluten Superstars auf. Trotzdem macht sie nach wie vor auf mich den „Eindruck“, als wäre sie ein Mensch geblieben. Vor knapp fünf Jahren hatte ich einmal die Möglichkeit, sie live auf der Bühne zu sehen. Es war keine Super Laser und keine Ahnung was für eine Show – statt dessen stand Alanis mit der Gitarre in der Hand auf der Bühne und wurde lediglich von ihrer Begleitband unterstützt. Sie wirkte auf mich, als wäre sie dabei in einer anderen Welt – so tanzte und wirbelte sie auf der Bühne herum. Zwei oder dreimal fiel sie dabei sogar auf die Nase, so sehr hatte sie sich in Trance getanzt. Falls ich irgendwann noch einmal die Möglichkeit haben werde, ein Konzert von ihr anzuschauen, werde ich dies auf jeden Fall tun….
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01.10.2008 12:21
ein ziemlich geiles Album. Vor allem das mit voller Wut und Inbrust gesungene "You ought to know" ist beispiellos. Ich hab sie auch mal live gesehen, obwohl sie nicht tanzen kann, hat ihre Stimme die Halle einfach nur gerockt
25.06.2008 11:03
Eine faszinierende Frau. Selbstbewusst, natürlich, ausdrucksstark und aus der Welt der Musik nicht wegzudenken....
14.12.2004 20:01
Super Bericht, super (Musik)Frau :-)