80er reloaded - The Power Of Jennifer Rush
05.11.2005
Pro:
wunderbare Stimme, tolle Songs und Arrangements
Kontra:
Einige Lieder sind in meinen Ohren nicht ganz stimmig .
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 kneuber
Über sich:
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Erfahrungsberichte:57
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Vorgeplänkel ~~~~~~~~~~ So möchte ich nun heute dem Aufruf von bojorix artig folgen und - nach immerhin mehr als 5 Monaten!!! - einen neuen Erfahrungsbericht einstellen, zum Thema "80er reloaded".
Ich habe lange überlegt, ob ich in den 80er Jahren eigentlich nicht noch mit dem Hören und Singen von Pionierliedern beschäftigt war, aber Hinweisen aus der Bevölkerung und neuesten Berechnungen zufolge müsste es sich doch eher um FDJ-Lieder gehandelt haben… So habe ich meine grauen Gehirnzellen bemüht und gleichzeitig in meinem Archiv gekramt - und wurde tatsächlich fündig! Damals, 1986, 8. Klasse - was lief da in meinem KR 650 vom VEB Stern Radio wohl - aufgenommen bei DT 64 - rauf und runter? Natürlich: Jennifer Rush!!! Wie konnte ich das nur vergessen?
Die entsprechende Single "Jennifer Rush" mit Songs wie "The Power of Love", "25 Lovers" und "Madonnas Eyes" hatte ich (ob ich deshalb zum ESP-Unterricht zu spät erschien, weiß ich heute nicht mehr genau) im ortsansässigen Schallplattenladen für EVP 6,50 M regelrecht "erstanden". Und das alles nur wegen Matthias, der zu "The Power of Love" im HDV (Haus des Volkes) mit mir so schön in der Schmuserunde getanzt… aber das gehört wahrscheinlich nicht hierhin. Das Lied hatte mich trotz allem verzaubert; das änderte sich auch nicht, als Matthias sich nach einer anderen Tanzpartnerin umsah. Nicht ohne Grund befand es sich wochenlang in den deutschen, britischen und sogar amerikanischen Charts. Die Stimme von Jennifer Rush - einfach zauberhaft, voller Kraft und Energie! Und mit den uns zur Verfügung stehenden Englischkenntnissen zu dieser Zeit sangen wir natürlich laut - und möglicherweise auch falsch - mit.
Fortan sammelte ich Informationen über diese Frau, und wer in den 80ern in der DDR aufgewachsen ist, weiß, wovon ich rede und wie schwer sich so etwas gestalten konnte. Das "n.l." (Neues Leben) brachte einmal einen Steckbrief mit einem Bild in A 5 auf der Rückseite heraus; den Rest musste ich mir teuer "erkaufen", und ich möchte heute lieber nicht mehr darüber nachdenken, welche Gegenleistungen ich für Bravo-Berichte oder Inverwiev-Mitschnitte erbrachte. Und mein inniger Bettelbrief um ein Autogramm an die bei der "Schaubude" genannte Adresse blieb leider unbeantwortet. Doch meine intensiven Bemühungen zahlten sich aus: Ich konnte ein kariertes Heftchen (EVP 0,42 M) mit zumeist handschriftlichen (!!!) Informationen und ausgeschnittenen Songtexten füllen. Und so möchte ich euch heute die Künstlerin vorstellen, von der ich seit einigen Jahren leider gar nichts Aktuelles mehr gehört habe.
Die Künstlerin ~~~~~~~~~~~ Geboren wurde Jennifer Rush (bürgerlicher Name: Heidi Stern) am 29.09.1960 in einem sehr musikalischen Elternhaus in New York City. Der Vater Maurice ist Tenor an der New York City Opera, die Mutter Barbara (starb 1984 an Krebs) Pianistin und Gesangspädagogin; dies führte frühzeitig zu einer umfassenden musikalischen Ausbildung. Bis zu ihrem 9. Lebensjahr spielte sie 1. Geige in einem Begabtenorchester und schaffte sogar den Sprung an die bekannte "Juillard School of Music". Jennifer studierte Gesang, Klavier und Geige an der New Yorker Musikakademie und nahm Ballett- und Jazz-Dance-Unterricht. Seit 1979 versuchte sie sich zunächst in Restaurants, Clubs und Diskotheken als Sängerin. 1983 ging sie mit ihren Eltern (mit zwei Worten auf Deutsch: "Sehr erfreut") ins deutsche Flensburg, und in Deutschland fanden sich später zwei komponierende Produzenten (Gunther Mende und Candy de Rouge), die mit ihr die erste LP erarbeiteten. Die Auskopplung "25 Lovers" schaffte den Sprung in die Charts, und mit Titeln wie "Ring of Ice" und "The Power of Love" konnte Jennifer - zumindest in Europa - ihren Erfolg festigen.
Entscheidend für ihren künstlerischen Durchbruch war mit Sicherheit ihre sehr persönliche, eher körperlich vitale als klassisch ausgewogene Stimme in Verbindung mit ihrem - für damalige Zeiten - modisch-attraktiven Äußeren. Dazu kamen brillant arrangierte und produzierte Musikstücke, die studiotechnisch keine Schwachstellen erkennen ließen, aber dennoch live produzierbar blieben. Auch die zweite LP "Movin´" entstand nach diesem Erfolgsrezept und zahlte sich aus. Für "Heart over Mind" sicherte sich Jennifer Rush gleich mehrere Erfolgsproduzenten: Herold Faltermeier, Desmond Child, Andy Goldmare und Bruce Roberts, die sowohl komponierend als auch musizierend Hand anlegten.
Zitate aus Interviews und Zeitungsartikeln: ---------------------------------------------------- (Wem das hier zu umfangreich erscheint, der möge bitte zur nächsten Überschrift runterscrollen! Ich dachte nur, dass ich einige Informationen, die ich damals erwerben konnte, an dieser Stelle an den Mann bringen kann.)
"Die Stimme" (Quelle unbekannt) zum Konzert in Würzburg "… Mit lauten Zugaberufen holen die Fans Jenny zum Finale auf die Bühne zurück. Die ersten Akkorde von "The Power of Love" gehen noch in lautstarkem Jubel unter, doch dann wird´s ganz leise. Die Bühne verwandelt sich in einen leuchtenden Sternenhimmel: glitzernde Punkte auf einem dunkelblauen Lichtermeer - eine traumhafte Kulisse. Jennifer im Wunderland. Während sie diese Liebes-Hymne mit ihrer eindrucksvollen Power-Stimme singt, hängen die Zuschauer gebannt an ihren Lippen: Gänsehaut-Feeling total! Nach diesem Finale bedankt sich Jennifer Rush beim Publikum mit einer tiefen Verbeugung. Sichtlich gerührt schüttelt sie minutenlang Hände und nimmt Blumen entgegen. Noch bis Weihnachten tourt Jennifer Rush durch Deutschland. Die insgesamt 37 Konzerte in 20 Städten sind restlos ausverkauft. In Hamburg sind wegen der starken Nachfrage sogar vier Konzerte angesetzt." Interview aus "Bitte umblättern" R: "Wo liegt eigentlich die Begeisterung? Liegt die hundertprozentig auf der Seite der Musik, oder ist es die Bühne, dass man sich präsentiert, ist es die Show, die man abliefert?" J. R. "Ich glaube, das alles gehört zusammen. Ich liebe Musik. Ich bin mit Musik aufgewachsen. Ich glaube, für mich persönlich ist es das Ganze, das mich reizt. Aber was mich wirklich reizt, ist, einfach Ideen zu haben und Titel zum Schreiben oder Titel von anderen Leuten zu singen, wie ich sie singen will. Und dann, wenn die Platte zuende ist, und es hört sich schön an, das finde ich toll." R: "Sie schreiben ja nun für die meisten ihrer Lieder - wenn nicht für alle - die Texte?" J. R. "Ja." R: "Wie hat man diese Begabung in sich gespürt?" J. R. "Ich habe immer sehr gern, äh, poetry, wie heißt das…? R: "Äh, Dichtung…" J. R. "… Dichtung gemacht, und ich habe Bücher voller Dichtung. Und da habe ich es einfach immer sehr gern gehabt. Ich glaube, das ist einfach etwas, was dir angeboren ist. Jeder Mensch hat was, und das ist meins."
Interview aus der "Bravo" Bravo: "Erinnerst du dich noch manchmal an die Jobs, mit denen du dich früher in New York über Wasser gehalten hast?" J. R. "Oh ja. Ich habe viele Sachen gemacht, weil ich schon mit 16 mit der High School fertig war. Ich war sehr früh selbstständig und kann jetzt sagen, dass ich seit meinem 17. Lebensjahr von meinem Vater keinen Pfennig Geld genommen habe. Darauf bin ich ganz stolz. Aber es geht auch einfacher drüben in Amerika. Weißt du, hier musst du Fachschule machen und Lehrling und Ausbildung. Drüben gehst du einfach hin zum Supermarkt, wenn du einen Job willst, stellst dich vor, und es ist ganz normal, dass dort Kinder arbeiten. Jedes Kind hat nach der Schule eine Arbeit, um Taschengeld zu verdienen. Für die Besitzer sind das billige Arbeitskräfte, und es funktioniert prima. Ich habe in einer Hamburger-Bude gearbeitet, am Grill. Immer zwölf Fleischstücke nebeneinander legen, wenden, auf den Burger legen. Und Kassiererin war ich mit 16. An der Kasse hab ich gelernt, Wechselgeld zu machen. Das erste Mal musste ich einen 5-Dollar-Schein wechseln, und ich dachte: ´Oh shit´. Klar, wenn du einkaufst, bekommst du irgendwas zurück und kannst es nachzählen. Aber selbst schnell und korrekt Geld wechseln, ist doch schwierig am Anfang." Bravo: "Du hast auch mal in einer Bäckerei gearbeitet, wo morgens die Penner ein- und ausgingen, nicht wahr?" J. R. "Ja, das war im Hafenviertel. Meinem Vater hatte ich nur von dem Job erzählt, aber er wusste nicht, was da wirklich los war. Ich musste jeden Morgen die Tür um 5:30 Uhr, spätestens um 6.00 Uhr aufmachen. Außer mir war nur noch der Bäcker da. Ich habe an der Theke bedient und dann eben gesehen, was da alles rein kam. Aber ich muss sagen, ich habe mich nicht allzu unwohl gefühlt in dem Laden, vielleicht aus Naivität. Nur die Geldscheine waren scheußlich." Bravo: "Dein Vater Maurice ist Opernsänger, und du bist in dem Milieu aufgewachsen. Hast du schon mal daran gedacht, deine ausgeprägte Stimme in dieser Richtung auszubauen?" J. R. "Nein. Das kann ich nicht. Ich mache musikalisch viel Power, aber meine Rock-Sachen kann man gar nicht mit dem Opern-Genre vergleichen. Das ist eine ganz andere einstudierte Geschichte. Das könnte ich nicht, so wie ich meine Stimme jetzt verbrauche. Ich hätte auch keine Lust dazu. Mein Vater singt noch als Tenor in New York. Er hat vor ein paar Jahren wieder geheiratet, Molly, die Frau, mit der er schon lange zusammen ist."
Bravo: "Vor zwei Jahren hast du gesagt, du wolltest nie wieder umziehen. Warum bist du nun nach Amerika gegangen?" J. R. "Bin ich ja gar nicht. Mein Zuhause in Deutschland bleibt nach wie vor. Die Wohnung in München gehört mir, denn ich bin oft hier. Mit Amerika genau das gleiche. Ich war schon immer oft in Amerika, aber jetzt habe ich mir in New York eine kleine Wohnung gekauft und brauche nicht mehr bei meinen Brüdern auf dem Sofa schlafen. Und in L.A., wo schönes Wetter ist, habe ich ein Zuhause, allerdings nur ein gemietetes. Am Anfang hat es mir Riesenspaß gemacht, immer im Hotel, wo man nur den Knopf zu drücken braucht, und alles wird serviert. Aber nach einer Weile möchte man morgens aufstehen und selber Kaffee kochen. Das hört sich blöd an, aber ich habe mehr Lust, selber im Supermarkt einkaufen zu gehen." "Trommel" "Als sie im November/Dezember ´85 zum ersten Mal auf Tournee ging, war sie ganz schön aufgeregt. Bisher hatte sie nur im Studio gearbeitet - und jetzt 18 Konzerte, in denen sie zeigen musste, was sie wirklich kann, auch ohne raffinierte Studiotechnik. Jennifer hat die Probe bestanden; alle Konzerte waren ausverkauft, enttäuschte Gesichter waren weit und breit nicht zu sehen. Immerhin gab´s ja eine Menge Leute, die ihr die Daumen drückten: Vater Maurice, die Brüder Bobby und Steve, ebenfalls Musiker (Saxophon und Gitarre) und ihr Verlobter Steve Engebretson, Bassist in der Jochen-Brauer-Band. Eine musikalische Familie also. Eigentlich wollte Jennifer Rush Rechtsanwältin werden, aber irgendwann war wohl die Liebe zur Musik doch stärker. Ihr großes Vorbild ist die stimmgewaltige Aretha Franklin.."
"n.l." "Mein Instrument ist die Stimme", sagte Jennifer Rush einmal in einem Interview. Und wahrlich: Ihr Stimmumfang, ihre Stimmfärbung, ihre Art zu singen, ihr Vermögen zu interpretieren, zu gestalten, sind wohltuend anders als das, was man oft an musikalischer Fließbandarbeit hört. Ihre Laufbahn als Sängerin begann 1979. Es war kein Senkrechtstart; sie musste sich den Erfolg hart erkämpfen, arbeite tagsüber in McDonalds-Restaurants und trat nachts in Clubs und Discotheken auf. 1984 hatte sie es geschafft. Sie war gefragt in Fernsehshows in den USA, in Spanien und England, veröffentlichte ihr Debut-Album "Jennifer Rush" mit so bekannten Titeln wie "The Power of Love", "Ring of Ice" und "25 Lovers" u. a. Nach einer Single "Destiny" folgte im Herbst 1985 ihr zweites Album "Movin´". Und sie arbeitete live, im Tourneebetrieb, da wird sie durch eine Band von ausgezeichneten Studiomusikern begleitet. Live - ohne schützende Studiowände, ohne Möglichkeit, einen Titel neu aufzunehmen, wenn´s nicht so geworden ist. Auf der Bühne zeigen sich die Qualitäten einer Sängerin. Die von Jennifer Rush sind unbestritten." "Melodie und Rhythmus" "An dem Erfolg der Jennifer Rush gibt es nichts zu drehen und zu deuten. Ihre erste LP verkaufte sich seit 1984 über eine Million Mal, und schon räkelte sich die nächste Scheibe auf den Bestsellerauslagen. Das Cover in dezenten schwarzen und grauen Tönen. Allerdings, so die Künstlerin selbst: "Aussagen möchte ich damit nichts. Schwarz macht schlank und sieht geil aus!". Aussagen mutmaßen und erträumen sich nur jene, die den Pop-Star doch lieber mit Abitur und Hochschulabschluss, also lupenrein mittelständisch haben möchten. Sich aus dem Dreck hochzuarbeiten, ist zwar ehrenwert, aber ganz los wird man in diesem Fall den Geruch nach körperlicher Arbeit oder echter Not dann doch nicht mehr. Davon kann bei Jennifer Rush nun keine Rede sein. Und das erklärt wahrscheinlich nicht zum geringsten Teil die Verzückung, die ihre Lieder und ihr supersauberes Image bei intellektualisierenden Spezialisten ausgelöst haben. Und in einem so hohen Grade, dass man außer der berührenden Stimme nichts anderes mehr an diesem - besonders für ältere Semester richtig anheimelnden - Bilderbuchaufstieg zu bemerken schien oder nach Details zu befragen für wichtig erachtete. Entweder schwarz oder weiß. Nuancen machen nur Arbeit und sind auch meist nicht den Konzern-Lifelines zu entnehmen…
… So wagt man auch nicht recht zu sagen, was Jennifer Rush zur Pop-Musik brachte. Neigung, der Zug der Zeit, die Aussicht auf eine atemberaubende Karriere, ihre sehr persönliche, eher körperlich-vitale als klassisch ausgewogene Stimme in Verbindung mit einem exquisiten, attraktiven, kultivierten Äußeren? Auf jeden Fall entspricht ihre Erscheinung so sehr dem derzeit von den Massenmedien empfohlenen weiblichen Glanz, dass Jennifer Rush jeden Versuch wert gewesen wäre. Und er wurde dann auch bereits 1979 mit einer Art Platte unternommen, die man in Amerika "local relaise" nennt. Was zweierlei bedeuten kann: Eine für einen begrenzten Bereich produzierte Platte, mit der man die Chancen eines Künstlers testet, ohne schon die für eine nationale Karriere nötigen Dollars (man hört von bis zu 250.000) zu investieren, oder eine Platte, die es noch nicht schafft, landesweit verkauft zu werden. Über das Ergebnis wurde nichts bekannt, doch musste sich Jennifer Rush nun nicht dem eisigen Wind von Tourneebetrieb oder Nachtclubtingelei aussetzen, sondern ging 1983 mit den Eltern nach München. In München aber wirkt CBS Germany, das bundesrepublikanische Tochterlabel des ältesten der amerikanischen Plattengiganten. Zwei Produzenten fanden sich: Gunther Mende und Candy de Rouge, keineswegs Stars ihrer Zunft, und eine Debüt-LP wurde erarbeitet. Die Auskopplung "25 Lovers" schaffte 1984 umgehend den Durchbruch in die Charts. Es war ein eingängiger, weder allzu aufgeputzter noch allzu platter Titel, mit Import-Touch durch die englische Sprache; eine unverwechselbare Stimme hakte sich sogleich in den Ohren fest, und Jennifer Rush machte insgesamt einen hochkarätigen Eindruck, der ihr einen schnellen Vorsprung verschaffte. Zwei weitere Auskopplungen, "Ring of Ice" und "The Power of Love", hielten das Tempo. Bei nüchterner Betrachtung dürfen 3 Dinge allerdings nicht unterschlagen werden. 1. produziert CBS Germany nicht für den amerikanischen Markt. Lange Zeit suchte man in den dortigen Charts nach einer in New York geborenen Jennifer Rush; nur einige europäische Länder klinkten sich inzwischen ein. Vor allem England, wo "The Power of Love" ganz vorn rangierte. 2. Wesentlich interessanter und keineswegs unbedenklich ist der Umstand, dass das künstlerische Konzept sowohl der ersten Platte als auch der zweiten, "Movin´" genannt, darin besteht, hauseigenes, also amerikanisches Liedmaterial des konzerneigenen CBS Songs Musikverlages an den transatlantischen Käufer zu bringen. Das Splitting der Autorenrechte - auch die Sängerin bekommt dadurch ihren Anteil an den Tantiemen - verschleiert dies geschickt. 3. Ist es somit logisch, dass es sich bei Jennifer Rush´s Songs musikalisch um ein, völlig dem internationalen Durchschnittsgeschmack angepasstes, nicht unbedingt sterilisiertes, aber geglättetes Studioprodukt handelt. Musiker gibt es da nicht mehr…
… Auch wenn es sich nicht mehr um ursprüngliches Musizieren handelt, kann es sich durchaus um intelligente, abwechslungsreiche und auch musikalische Lieder und Liedarrangements handeln. Im Falle dieser Platte ist nicht zu überhören: Perfektion, selbstverständlich aber auch Lebendigkeit, eine gewisse Sattheit, zweifelsohne aber von Jennifer Rush mit vollem Einsatz und ausgefuchsten Phrasierungskünsten durchgestandene Melodiebögen, dazu Fraulichkeit und hinreichend Sentimentalität, aber eingebettet in eine außerordentlich dramatische Begabung, die auch dem Skeptiker zu gefallen vermag." Die erste mit dem einfallslosen Namen "Jennifer Rush" ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Die mir vorliegende Kassette, bei DT 64 in zwei Teilen aufgenommen, habe ich später in ein Original getauscht - und erst viel später schließlich in eine CD (Amazon, 14,99 DM). Erschienen ist diese 1984 bei CBS Schallplatten GmbH, Germany. Das Cover besteht aus einem einfachen Faltblatt, auf der Vorderseite vor bräunlichem Hintergrund schlicht der Kopf von Jennifer Rush, mit knallroten Lippen und offenem, lockigem braunem Haar. Die Rückseite sowohl des Covers als auch der CD-Hülle ziert eine liegende Jennifer Rush mit blauer Jeansjacke und schwarzem Leder-Rock.
Im Inneren finde ich lediglich die Titelfolge sowie die Spielzeit und Angaben zu den Produzenten - also nicht wirklich viele Informationen und schon gar keine Songtexte. Aber: Ich kann Hinweisen in mehreren Sprachen entnehmen, wie eine CD zu behandeln und zu reinigen ist. Immerhin…
Die Songs ~~~~~~~~ 1. MADONNA´S EYES - 3:30
Der Titel hatte es mir nach erstmaligem Hören sofort angetan. Er gehört vielleicht nicht unbedingt zu den bekanntesten der Künstlerin, aber Fans wissen, wovon ich rede. Es handelt sich um einen schwungvollen Pop-Song, der sofort - damals wie auch heute - zum Mittanzen und -singen anregt.
Leider kommt hier Jennifer Rush´s atemberaubende Stimme und insbesondere der gewaltige Stimmumfang nur begrenzt zur Geltung, was ich persönlich sehr schade finde. Aber dafür ist es ihr Debüt, und sie hat später, auf ihren folgenden Platten, genügend Gelegenheiten erfolgreich genutzt, ihre Stimme ins Rampenlicht zu setzen. Am Ende kann ich 9 von 10 Punkten vergeben. 2. 25 LOVERS - 3:37
"25 Lovers" fand ich früher, nachdem ich andere Lieder von Jennifer Rush gehört hatte, nicht wirklich toll, und ich verstand schon gar nicht, aus welchem Grund ausgerechnet dieser Titel den Durchbruch gebracht haben soll. Aber für die damalige Zeit muss es wohl ein außergewöhnliches Lied gewesen sein, das sich sogar in den USA platzierte. Heute nehme ich es ganz anders wahr, und es gefällt mir immer wieder aufs Neue: Allerfeinste Pop-Musik, stimmgewaltig vorgetragen und perfekt mit vielen Spielereien für´s Ohr arrangiert, die ich erst viel später wahrgenommen habe - 10 verdiente Punkte!
3. "COME GIVE ME YOUR HAND" - 3:49 Eine Ballade, und was für eine! Dass sie nicht den Sprung in die Charts geschafft hat, ist vielleicht einfach nur dem Musikgeschmack der damaligen Zeit anzuhängen, und dass dieser langsamere Song dementsprechend in den Discos nicht gespielt wurde, fand ich persönlich sehr traurig. Wie schön hätte man dazu zusammen tanzen und dabei träumen können!
Auch heute noch entzückt mich dieses einfache, aber dennoch kraftvoll gesungene Lied. Ein wunderbarer Song - und unter 10 Punkten geht da bei mir nix! 4. NOBODY MOVE - 3:32
Mit diesem Lied konnte ich mich eine Zeitlang überhaupt nicht arrangieren, und auch heute komme ich nicht so ganz da ran. Mein erster Eindruck war, dass ihm die Melodie völlig abhanden gekommen sein muss - so wirr kam er mir immer rüber. Sicher, tanzbar ist er auf jeden Fall, und Jennifers Stimme kommt zwar kraftvoll zur Geltung, und aus diesem Grund verzeihe ihr diesen "Fehltritt" gern. Die technischen Spielereien helfen aber auch nicht drüber hinweg, dass mir dieses Lied einfach nicht so recht gefallen mag, und mehr als 6 Punkte kann ich leider nicht vergeben.
5. NEVER GONNA TURN BACK AGAIN - 3:28 Ein anfänglich langsameres Stück, fast eine Ballade, die zwischenzeitlich poppig und schneller wird und schon wieder richtig gut gefallen mag.
Vielleicht sind Geschwindigkeit von Strophe und Refrain in meinen Ohren auch wieder nicht ganz stimmig und das Stimmvolumen von Jennifer Rush womöglich nicht ganz ausgeschöpft, aber: Der Song hat was! 8 Punkte von mir dafür. 6. RING OF ICE - 3:50
"Ring of Ice" bezaubert mich nicht zuletzt durch die Umrahmung des Liedes. Es ist eingebettet in eine Art Rahmen aus verschiedenen Instrumenten und dem Background-Chor, was den Song stimmig macht - und der Geschwindigkeit der 80er ganz und gar angepasst ist. Jennifer kann sicher mehr; das möchte ich gar nicht abstreiten. Aber hier höre ich eine Jennifer Rush, wie ich sie mag, und das bringt ganze 10 Punkte.
7. INTO MY DREAMS - 4:00 Dieses Lied kommt recht schnell daher und macht auch wieder im ersten Moment den Eindruck, dass Geschwindigkeit und Melodie von Strophe und Refrain nicht ganz stimmig sind. Aber sie zeigt hier ihr wahres Können in den tieferen Tönen - und im Refrain das ganze Repertoire.
Der Song ist dennoch hörbar, und vielleicht ist es nur das Interesse daran, wie es nach dem Trommelspecial weitergeht - ich mag ihn irgendwo, aber ich kann schlecht erklären, aus welchem Grund. Deshalb vergebe ich 7 Punkte. 8. I SEE A SHADOW (NOT A FANTASY) - 4:20
Dieses Lied ist etwas schneller, vielleicht sogar völlig untypisch für Jennifer Rush, und gefällt mir immer noch bzw. immer wieder sehr gut. Er ist relativ simpel gestaltet und gar nicht großartig mit Schnickschnack ausgeschmückt, aber dennoch gefällig, und die Melodie mag sofort zum Mitschwingen oder -tanzen veranlassen. Schwungvoll, kraftvoll, energiegeladen - so kommen Musik und Stimme daher und bleiben gern auch länger im Ohr. Zum Ohrwurm reicht es dennoch nicht, aber 8 Punkte sind meines Erachtens angemessen.
9. SURRENDER - 3:15 "Surrender" ist auch ein recht schneller, poppiger Song, der aber derart energisch rüberkommt, dass man ihn einfach mögen muss. Vielleicht ist er für meine Begriffe nicht mit der vollen Punktzahl gesegnet, weil auch beim Drumherum gespart wurde und er schlichtweg simpel ist; dennoch mag ich ihn gern hören.
Jennifer könnte auch hier mehr von ihrer Stimme zeigen, aber bei diesem Lied reicht ihr Engagement irgendwie aus, um - damals wie heute - kraftvoll zu überzeugen. Die gängige Melodie macht nichts Besonderes her, aber das Lied passt meiner Meinung nach zu den übrigen Titeln, und so will ich dafür 8 Punkte vergeben. 10. THE POWER OF LOVE - 6:00
Ja, dieses Lied hatte es mir angetan! Und wer kennt es nicht oder kann es nicht mitsingen? Diese wunderbare Ballade ist einfach traumhaft schön und hat mich dazu veranlasst, alle Tonträger - welcher Art auch immer - von Jennifer Rush zu besorgen oder zu kaufen, obwohl ein vergleichbarer Song von ihr nie wieder auftauchte. Mit diesem Lied sind bei mir so einige Erinnerungen an meine Jugend verbunden, die allein jedoch bei weitem nicht ausreichten, mich für Jennifer Rush zu interessieren. Diese Stimme war einfach so einzigartig schön, und das Lied dazu war wundervoll. Es passte damals einfach, und auch heute noch schmelze ich regelrecht dahin, wenn ich "The Power of Love" höre.
Es verursacht bei mir eine Gänsehaut, und ich wage zu behaupten, dass ich das Lied bis heute mindestens zigtausendmal gehört habe, weil es einfach eine Hymne an die Liebe ist, so romantisch und liebevoll, so betörend, so klangvoll, so toll! Keine Sängerin, die dieses Lied nachgesungen hat, schaffte es je, mir mehr als ein verächtliches Augenverdrehen abzuringen. Diese Ballade bekommt von mir 10 Punkte ohne auch nur einen einzigen Abstrich!
Weitere Veröffentlichungen ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ 1984 "Jennifer Rush" 1985 "Movin´" 1987 "Heart over Mind" 1989 "Wings of Desire" 1991 "Passion" 1992 kein Titel 1995 "Out of my Hands" 1997 "Credo" 1998 "Classics" Jennifer Rush hat 1995 auch ein Lied in deutscher Sprache aufgenommen, und zwar "Das Farbenspiel des Winds" aus dem Original-Film-Soundtrack von Walt Disney Pictures "Pocahontas"
Fazit ~~~~ Die CD befindet sich in meinem Besitz, weil ich vor vielen Jahren eine Vorliebe für Jennifer Rush entwickelt hatte, die zweifelsohne noch immer anhält. Vielleicht kann ich nicht unbedingt behaupten, dass diese erste Platte von Jennifer Rush mich derart begeistert hat, all die anderen auch "aufzunehmen" bzw. später nachzukaufen, aber diese Stimme ist einfach einzigartig, und immerhin die meisten ihrer Songs gefielen mir so gut, dass ich meine Sammlung unbedingt komplettieren musste. Was ich bis heute nicht bereut habe.
Jennifer Rush habe ich lange Zeit in meinem CD-Regal verkümmern lassen, bis ich sie vor kurzem wieder als Hintergrundmusik an einem wunderbaren Abend sowie zu einem schönen Spieleabend herauskramte. Vielleicht hatte ich ganz vergessen, dass ihre Lieder alles andere als nicht mehr zeitgemäß sind; vielleicht hatte ich auch nur Angst, ich könnte für diese - komplette - Sammlung ausgelacht werden. Aber kürzlich habe ich die alten CDs wieder in meinen Wechsler im Auto gelegt und dieses fantastische Gefühl verspürt, was ihre Lieder in mir verursachen, die ich allesamt mitsingen kann. Nur reicht mein stimmliches Potenzial leider nicht dazu aus, denn das von Jennifer Rush ist einzigartig. Und wundervoll. Und darum danke ich bojorix an dieser Stelle, dass er diesen Aufruf startete und mich für diesen Bericht während des Schreibens wieder einmal den Zauber, der von Jennifer Rush´s Stimme ausgeht, ganz intensiv erleben ließ.
Das Album mit dem einfallslosen Namen "Jennifer Rush" ist in jedem Fall einen Kauf wert, auch wenn es scheinbar "nur" 3 Hits enthält. Man mag es einfach, und wenn sich die Songs im Gedächtnis eingeprägt haben und zum Mitsingen und -tanzen anregen, verfällt man diesem einzigartigen Zauber dieser Frau, von der ich so gern neuere Stücke hören - und kaufen - würde. Schlussbemerkung ~~~~~~~~~~~~~~~~
Die Aktion "80er reloaded" 2005 hat bojorix ins Leben gerufen, und jeder ist aufrufen, seinen Beitrag dazu zu leisten. Bitte meldet euch bei ihm, wenn ihr einen Bericht zu diesem Thema eingestellt habt! Eure Kathrin Neuber
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30.08.2008 11:19
guter bericht, lg
14.11.2006 23:42
Kenn ich gar nicht... lg Kati
12.09.2006 17:13
Dafür sollte man schon mal ein BH vergeben! LG Ronald.