Joseph - Musicals

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Go, go, go Joseph... geh mit Gott, aber flott

3  08.08.2002

Pro:
ein, zwei nette Songs .  Jason Donovan .

Kontra:
jede Menge Gequietsche .  Die Erzählerin .

Empfehlenswert: Nein  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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Liamara

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Vertrauende:71

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 102 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Ich sammle Musical-CD's. Von meinen Lieblingsmusicals habe ich, soweit möglich, so viele Aufnahmen wie ich eben bekommen konnte. Aber manchmal kaufe ich mir auch von Musicals, die ich nicht so toll fand mehrere Aufnahmen, nur um vergleichen zu können. Dazu muss man sagen, dass ich all diese Musical-CD's tatsächlich nur nach ihrem musikalischen Gesangspunkt beurteile - ich habe nämlich leider noch keins davon live gesehen. Mir geht es also, wenn ich mir eine CD kaufe, nicht um die Geschichte, nicht um das Drumherum, nicht darum, wie schön das eventuell auf der Bühne wirkt: mich interessiert dann nur die musikalische Qualität, der Gesang und wie mir das Ganze in den Ohren klingt.

Eine dieser Musical-CD's, die ich in zweifacher Ausführung besitze und die mir tatsächlich weniger gut gefallen, ist "Joseph and the amazing Technicolor Dreamcoat". Um das Musical nicht völlig zu zerreissen, werde ich hier nicht über die deutsche Fassung berichten, die möglicherweise live ganz nett war und dann von der Stimmung her wieder anders beurteilt werden kann, als die CD wenn man sie für sich allein hört. Aber ich persönlich finde die deutsche CD von "Joseph" ziemlich grausam. Ein wenig besser ist da schon die Londoner Originalaufnahme mit Jason Donovan als Joseph, um die es hier gehen soll. (Für alle, die nur auf das Produktbild schielen: doch doch, es ist die richtige Kategorie).

Obwohl auch bei der CD-Aufnahme die Story eines Musicals eine grosse Rolle spielt, denn die Stücke sollten schon irgendwie einem grösseren Zusammenhang folgen, möchte ich nur kurz erklären: worum geht's in dieser biblischen Geschichte von "Joseph..."?
Joseph ist der Lieblingssohn von Jakob, der ausser ihm noch 11 andere Söhne hat. Diese finden Josephs Sonderrolle in Jakobs Gunst natürlich nicht so toll, zudem Joseph vom Vater auch noch mit einem wunderbaren Mantel beschenkt wird. Ausserdem hat Joseph die Gabe, Träume zu deuten. Als er eines Tages seinen Brüdern naiverweise einen Traum erzählt, der ihm eine grossartige Zukunft voraussagt (und in dem sie eine ziemlich untergeordnete Rolle spielen, im wahrsten Sinne des Wortes), haben die Brüder genug. Sie verkaufen Joseph kurzerhand als Sklaven.

Er wird von einem Mann namens Potiphar gekauft, dessen Frau sich an Joseph heranmacht. Joseph weist sie ab, woraufhin sie ihn ins Gefängnis werfen lässt. Dort deutet Joseph die Träume seiner Mithäftlinge. Davon hört schliesslich auch der Pharao, der Joseph zu sich rufen lässt, denn er wird schon seit einiger Zeit von Träumen geplagt. Joseph kann diese Träume ebenfalls deuten und dem Pharao solch gute Ratschläge geben, dass dieser ihn sogleich zum zweiten Mann im Staate macht. Joseph geht es nun hervorragend. Als eines Tages die Brüder in bittstellerischer Absicht vorstellig werden, erkennen sie Joseph nicht. Er stellt sie auf die Probe, indem er einen von ihnen als Dieb beschuldigt. Da die anderen Brüder Benjamin jedoch verteidigen, ist Joseph zufrieden, gibt sich zu erkennen, und alle können zusammen ein glückliches Leben führen...

"Joseph" ist ein Frühwerk von Andrew Lloyd Webber, eine Tatsache, die man dem Musical ziemlich deutlich anmerkt. Ursprünglich war das nur eine Geschichte für eine Schulaufführung, entsprechend kurz war sie und entsprechend aufgeplustert musste das Ganze für eine spätere Aufführung auf grossen Bühnen dann werden. Die ursprüngliche Fassung von "Joseph" stammt bereits aus dem Jahre 1968 und ist wohl eines der ersten Beispiele für die erfolgreiche Zusammenarbeit von Webber und Tim Rice, der sich auch hier für die Texte verantwortlich zeigt.

Eine Besonderheit bei diesem Musical ist die Rolle der Erzählerin (Linzi Hateley). Halb singend, halb sprechend führt sie durch die Geschichte und erklärt einige Zwischenschritte, manchmal aber auch die Gedanken und Gefühle der Hauptpersonen. Diese Erzählerin ist auch gleich mein erster Kritikpunkt an "Joseph", denn ich finde sie ganz schön nervig. Nicht, dass sie so schlecht singen würde (zumindest in der Original-Fassung ist sie, bis auf die hohen Töne, ganz okay). Aber ihre Einlagen stören mich einfach, denn in anderen Musicals braucht man ja auch keine Erklärungen zwischendurch. Meist sind es ja auch keine ganzen Lieder, die diese Erzählerin vorträgt, sondern einfach nur kurze Einwürfe, was jetzt gerade passiert.

Überhaupt sind die Sänger bei dieser Aufnahme nicht gerade überragend. Eine Überraschung ist allerdings Jason Donovan, der singende australische Schauspieler (oder war das umgekehrt?). Einige kennen ihn vielleicht noch von seinem Charterfolg "Sealed with a kiss". Er ist hier die Hauptfigur Joseph, und er ist erstaunlich gut - er hat eine aussagekräftige Stimme, die leider nur in ein, zwei Songs wirklich gefordert wird. Besonders gut ist Donovan in "Close every door", das besser wohl nur noch von Super-Schmalzstimme Paul Nicholas gesungen wird. Die anderen Sänger können auch darum nicht besonders überzeugen, weil sie eigentlich nie wirklich herausstechen. Ausser Joseph und der Erzählerin haben die anderen kaum nennenswerte Songs bzw. Gesangseinlagen.

Die Musik ist meiner Meinung nach ziemlich gewöhnungsbedürftig. An einigen Stellen hört man zwar schon das typische Webber-Feeling heraus, aber insgesamt sind die Lieder doch ziemlich seltsam. Man kann ja über Webber sagen, was er will; und gewiss sind meine Lieblingsmusicals NICHT von ihm, aber für gewöhnlich schafft er in jeder Produktion einige Ohrwürmer. Davon findet man auf "Joseph" kaum etwas. Mir gefallen "Go, go, go Joseph" - ein schmissiges Stück, allerdings leider erst etwa ab der Hälfte; "Pharaoh Story", "Grovel, Grovel" - sehr melodisch und pfiffig gemacht, und ausserdem erlebt man Donovans Stimme hier in mehreren Facetten. Ausserdem ist "Benjamin Calypso" ein ganz witziges Lied, aber damit hat es sich dann auch schon im Grossen und Ganzen. "Close every door" ist mein Lieblingslied aus dieser Produktion, übrigens auch in der deutschen Fassung. Es ist wunderbar getragen und melancholisch, mancher wird es sicher für pathetisch halten. Doch im Allgemeinen ist die Musik von "Joseph" einfach oft zu schrill, der Gesang kommt mit den Höhen der Melodien oft nicht ganz mit. Einige Lieder sind ein einziges Gequietsche und Geschnarre. Finde ich persönlich nicht so spannend...

Zur CD selbst ist noch zu sagen, dass die von mir hier besprochene Aufnahme 22 Lieder enthält und bei Amazon zur Zeit 17,99 EURO kostet. Dort könnt ihr übrigens auch mal reinhören, ich empfehle die oben genannten Titel als Anspieltipps. Wer sich für "Joseph" interessiert, dem würde ich eher diese CD denn die deutsche Fassung empfehlen, allerdings kann ich die CD insgesamt nur für Sammler und absolute Fans empfehlen, weswegen meine Wertung auch nur drei Durchschnittssterne sind und sich insgesamt für die breite Masse KEINE Empfehlugn ergibt. Ein grosser Pluspunkt ist auf jeden Fall Jason Donovan, vielleicht der einzige Grund warum meine Wertung nicht auf zwei miese Sterne rutscht... Allerdings muss ich ja schon einen Unterschied zur deutschen Fassung machen, die von mir sicher nur einen bis zwei Sterne erhalten würde.

"Joseph" ist einfach eine Sache für sich. Man merkt einfach, dass dieses Musical schon viele Jahre auf dem Buckel hat und dass es ganz schön aufgeblasen werden musste, um schliesslich überhaupt auf einer richtigen Bühne zu landen. Webber hat einiges gemacht, das besser ist als "Joseph". Für Nostalgiker, für Sammler und für Fans aber trotzdem eine CD, die man haben kann - ob man sie haben MUSS, das hängt wohl vom Grad des Nostalgie/Sammler/Fan-Seins ab!

-- Titelliste: Prologue |Any Dream will do | Jacob & Sons/Joseph's Coat | Joseph's Dreams | Poor, Poor Joseph | One more Angel in Heaven | Potiphar | Close every Door | Go, Go, Go Joseph | Pharaoh Story | Poor, Poor Pharao | Song of the King | Pharao's Dreams explained | Stone the Crows | Those Canaan Days | The Brothers come to Egypt/Grovel, Grovel | Who's the Thief? | Benjamin Calypso | Joseph all the time | Jacob in Egypt | Finale: Any Dream will do/Give me my coloured Coat | Joseph Megamix --


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
hamse

hamse

03.06.2003 14:26

Ich sag dir warum die Erzählerin da rumhüpft: die Kinder die man als trällern hört, sollen Schulkinder sein, und die Erzählerin ist ihre Lehrerin. Gruß hamse

Eutis

Eutis

29.08.2002 09:50

Das Musical lief bei uns in Essen.. habe es aber nie besucht... Warum eignetlich ?

Frosch

Frosch

12.08.2002 14:45

klingt ja nicht so berauschen - kennst Du die Musik von König der Löwen ? Die gefiel mir während des Stückes auch nicht so gut - aber zu Hause dann immer besser.

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