Mike Oldfields einziger Filmsoundtrack
27.01.2006
Pro:
Ein anspruchsvolles, abwechslungsreiches Album . . .
Kontra:
. . . das man nie hört . Und das sehr kurz ist .
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 Pengoblin
Über sich:
"Dies sind meine Überzeugungen und Grundsätze. Wenn Sie Ihnen nicht gefallen - ich hab' auch no...
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Nachdem der Sommer 1984 mit einem gelungenen, aber doch eher unoriginellen Mike Oldfield-Album (Discovery - vgl. meinen Vorbericht) verstrichen war, erschien im November des gleichen Jahres ein weiteres Album. Obwohl die Eignung einiger von Mike Oldfields Werken als ideale Filmhintergrundmusik längst erkannt worden war, hatte Oldfield doch nie zuvor gezielt eine musikalische Ergänzung zu einem Film komponiert. Mit dem Kambodscha-Drama THE KILLING FIELDS - SCHREIENDES LAND änderte sich das (und blieb, aufgrund von Oldfields Erfahrungen damit, ein einmaliges Projekt). Nun kann man den Soundtrack eines bereits anderweitig arrivierten Künstlers auf zweierlei Arten hören - als Bestandteil des Films (auch später, dann in Erinnerung an die Filmeindrücke oder im Vergleich zu Soundtracks ähnlicher Filme) oder aber eben als eigenständiges Werk des Künstlers, die damit verbundene Komponente des Films weitgehend ignorierend. Da ich den seinerzeit hochgelobten und prämierten Film nie gesehen habe, bleibt mir die zweite Variante. Was ist THE KILLING FIELDS für ein Mike Oldfield-Album?
Der Soundtrack bietet trotz insgesamt 17 Tracks nur ca. 38 Minuten Musik und ist damit für eine CD natürlich ausgesprochen kurz: 1. Pran's Theme 0:47 2. Requiem For A City 2:10 3. Evacuation 5:12 4. Pran's Theme 2 1:40 5. Capture 2:23 6. Execution 4:47 7. Bad News 1:11 8. Pran's Departure 2:04 9. Worksite 1:16 10. The Year Zero 0:27 11. Blood Sucking 1:18 12. The Year Zero 2 0:37 13. Pran's Escape/The Killing Fields 3:17 14. The Trek 2:00 15. The Boy's Burial/Pran Sees The Red Cross 2:43 16. Good News 1:44 17. Etude 4:38 Teilweise gehen die Stücke nahtlos ineinander über, und wenn man wollte, könnte man unterstellen, die Aufteilung sei vorgenommen worden, um aus dem Material zumindest optisch etwas mehr zu machen; ich will aber mal annehmen, daß das eher im Entstehungskontext begründet liegt.
THE KILLING FIELDS stellt im Grunde eine Kombination zweier sehr verschiedener Musikstile dar: Zum einen sind das sehr sanfte und harmonische orchestrale Passagen (Tracks 1, 2, 4, 8, 13, 14, 15, zus. ca. 16min), die vor allem vom musikalischen Leitmotiv des Soundtracks - PRAN'S THEME - leben, das in Variationen und neuen atmosphärischen Facetten wiederholt und verarbeitet wird. Die Umsetzung für großes Orchester und gelegentlichen Knabenchor ist ausgesprochen gelungen, was vielleicht auch an der kompetenten Mitarbeit des frühen Weggefährten Oldfields David Bedford liegt. Diese Passagen - so kurz und 'schnipselartig' sie auch sind - gehen mir als Liebhaber auch romantischer Klassik wunderbar ins Ohr, und ich gebe diesem Teil des Albums zusammenfassend 5 Sterne.
Zum zweiten hat Mike Oldfield einige beeindruckende elektronische Klangcollagen geschaffen (Tracks 3, 5-7, 9-12, zus. ca. 18min) und aus Synthesizerklängen, Geräuschen und Perkussion atmosphärische Impressionen geschaffen. Diese sind ein ziemlicher Kontrast zu den harmonieverliebten Orchesterpassagen, tendieren zu Dramatik und nervöser Spannung, leben meist eher von der Wirkung eines Klangeindrucks als von einer erkennbaren Melodie. Normalerweise sind solche Passagen genau das, was ich an Soundtracks hasse, denn nur selten gelingt es einem Komponisten, solche Klänge so zu erschaffen, daß sie ihre Wirkung auch außerhalb eines Filmkontextes entfalten und nicht nur wie motivierte Studiotüfteleien ohne Idee wirken. Mike Oldfield hat hier jedoch den eher kurzen Stücken eine fast beunruhigende Intensität mitzugeben gewusst (eine Intensität, die seinen verspielten Langwerken neuerdings eher abgeht). Die Titel - EVACUATION, CAPTURE, EXECUTION - machen deutlich, für was für Filmmomente diese Stücke geschaffen worden sind, und man muß den Film gar nicht gesehen haben, um hier aus den Klängen die Geräusche von Schüssen und die angstvolle Spannung von Fliehenden und Verzweifelten herausspüren zu können. Ab und an verknüpft Orchestereinsatz diese Klangcollagen mit den reinen Orchesterpassagen, aber im Wesentlichen setzt Oldfield auf die Wirkung eines bewußt gesetzten Kontrastes (und folgt damit vermutlich der klassischen Abfolge von Spannung, Entspannung, Spannung, Entspannung…). Lediglich ein Stück - GOOD NEWS - ist heiterer und tänzerischer und in seiner fast etwas naiv wirkenden Machart der eigentlich oldfield-typischste der 17 Tracks. Gitarre hört man übrigens auf KILLING FIELDS überraschend selten oder so verarbeitet, daß man sie kaum als solche erkennt.
Etwas isoliert steht das Schlußstück Étude (4min), die Synthesizer-, Gitarren- und Perkussionsversion eines Stückes des Gitarrenklassikers Tarrega. Es wurde für den Filmabspann verwendet. Ursprünglich hatte es mit KILLING FIELDS gar nichts zu tun, sondern entstand in Zusammenarbeit mit Percussionist Morris Pert gewissermaßen als Nebenprodukt. Da jedoch teilweise die gleichen Soundeinstellungen verwendet wurden wie für die KILLING FIELDS-Stücke, bekam ÉTUDE zuletzt einen exotischen, fernöstlichen Klang, der es als passende Schlußmusik geeignet scheinen ließ. Ich mag es nicht besonders, weil es mir zu nichtssagend ist, aber ein völliger Aussetzer ist es andererseits auch nicht. Zusammenfassend gebe ich diesen elektronischen Passagen vier Sterne für Qualität, trotz Étude. Eine Hälfte des Albums vier, die andere fünf Sterne - warum gebe ich dem Album zusammenfassend doch nur drei? Die Begründung steckt in der Überlegung, wann man ein solches Album hört, und die traurige Antwort darauf lautet: irgendwie fast nie. Die kontrastreiche Abfolge so verschiedener Stile und Lautstärken läßt KILLING FIELDS als Hintergrundmusik (ohne Film) ungeeignet werden (Hörgelegenheit: selten - gibt's aber nicht), und zum bewußten Zuhören sind manche Passagen auch wieder nicht geeignet. Zwar ist man Kontraste bei Oldfield durchaus gewohnt (mein Lieblingsalbum ist z.B. Five Miles Out, das man auch nicht gerade einheitlich nennen kann), aber hier fehlt ein Großteil der verbindenden Elemente, die selbst Oldfields experimentellere Ergüsse sonst zusammenhalten: sein Gitarrenspiel mit hohem Wiedererkennungswert, seine melodische Verträumtheit, die verspielt-gemächlichen Übergänge, die genußvolle Losgelöstheit von jeder Popform und -norm, an der andere häufig so verkrampft festkleben, und die er mit solcher Beiläufigkeit abwechselnd außer Kraft setzt und in Perfektion anwendet. Man merkt irgendwie deutlich, daß KILLING FIELDS ein bemühtes Album ist - und die Entstehungsgeschichte scheint das nur zu bestätigen: Oldfield mußte wegen Änderungen und Wünschen des Regisseurs die Musik wieder und wieder überarbeiten und hatte offenbar zuletzt die eigene Identifikation mit dem Erzeugten weitgehend verloren (was erklärt, dass es sein einziger Soundtrack geblieben ist): und DAS ist vielleicht das hauptsächlich fehlende Element. Mike Oldfield hat im Laufe der letzten 34 Jahre Geniales und Triviales mit gleicher Selbstverständlichkeit produziert und zum Teil sogar das Kunststück fertiggebracht, beides funktionierend miteinander zu kombinieren. Aber selbst auf den für mich ganz persönlich schlechtesten Alben (als da sind - soweit mir bekannt - Heaven's Open und Hergest Ridge) war er doch stets spürbar er selbst. THE KILLING FIELDS ist das Oldfield-Album, auf dem Oldfield am wenigsten er selbst ist, und das läßt es mich trotz Gelungenheit, ehrlich gesagt, seltener auflegen als seine qualitativ eigentlich schlechteren Alben, weil diese sich einfach 'echter' anfühlen.
Empfehlenswert? Klares Jain.
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03.03.2006 16:11
Hallo, ich bin einerseits verwundert, andererseits gebe ich Dir, wenn ich Deinen Text und meine Eindrücke der 2 mir eben bekannten Stücke sehe, dann wird das besonders klar, wenn ich auch hoffe, "Heaven's Open" nie wieder hören zu müssen, ich finde es grausam ... "Etude" fand ich schön, "Evacuation" jedoch paßt dazu irgendwie nicht, so weiß ich nicht, ob ich nicht dennoch 4 Sterne vergeben hätte und auch nicht genau, ob ich mir das Album dann nicht für die eher privaten Momente kaufen sollte bzw. in 2 Teile auf Mini-Disc überspielen sollte, Teil 1 als zum Nebenbeihören und Teil 2 zum intensiven Hören ... Sowas mache ich teilweise ja auch mit meinen anderen Alben, so schneide ich aus dem Album "Seasons End" von Marillion immer "Hooks In You" raus bzw. höre die Mini-Disc, die dafür dann eben die "Mushroom Farm Demos" oder B-Seiten und alternative Songs enthalten anstatt des völlig zu lauten und unpassenden Songs ... Egal, bh und gut, Gruß, Sven
11.02.2006 15:43
Wertung jain, :)))gutes Fazit. LG Matthias
01.02.2006 15:46
Sehr schön beschrieben und absolut nachvollziehbar bis hin zum "entschiedenen Jain". Gruss, BB.