LeFay Midas

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Le Fay Naaron - nie gehört!

5  12.06.2001

Pro:
einzigartige Qualität

Kontra:
nicht für empfindliche Rücken

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

PaddyGreed

Über sich: Nachdem es wohl doch Mitglieder gibt, die mir vertrauen und nicht nur darauf aus sind Faker zu suche...

Mitglied seit:12.06.2001

Erfahrungsberichte:6

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 11 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Nachdem ich nun schon einige Berichte verfasst habe, möchte ich mich auch mal mit meiner größten Passion beschäftigen: dem E-Bass.
Es bleibt nicht aus, dass ich da mal ein paar Worte über meinen Traumbass verlieren will, auch wenn der geschätzte Leser wohl nie in den Genuss dieses Basses kommen werden. Sorry for that!

Ihr werdet Euch wahrscheinlich schon über den Namen gewundert haben, Le Fay Naaron??? ...nie gehört. Nun, eben das ist der Grund, warum nur zwei Leute (außer mir *g*) diesen Bass besitzen können, denn es ist kein Serienmodell wie der Midas, der Pangton oder der Remington. Mein Schätzchen wurde seinerzeit für Horst Stachelhaus gebaut (Birth Controll...RIP) gebaut und über etliche Umwege bin ich an ihn rangekommen.

Nun aber genug der einleitenden Worte, denn Ihr wollt ja sicher wissen, was für ein aussergewöhnliches Modell das ist, richtig?
Nun, er sieht aus wie jeder normale Le Fay Pangton (Ihr wisst schon, das singende Kotelett *g*), hat allerdings eine Kopfplatte, wie es einst der Le Fay Capone hatte, welcher leider nicht mehr hergestellt wird. Ich werde zwar im folgenden noch genau beschreiben, was diesen Bass ausmacht, aber hier schonmal die wichtigsten Unterschiede:
1. spezielle Elektronik (Glockenklang Kabeltreiber mit extra XLR-Ausgangsbuchse)
2. das Griffbrett ist nicht aus Ebenholz, sondern aus Padouk
3. er hat eine Hochglanzlackierung, was es damals normalerweise nicht gab.
4. 24 Bünde ohne Nullbund statt 23 Bünde mit Nullbund
5. Pickups mit Ebenholzkappen.

Aber fangen wir doch mal am Anfang an:
Die Bässe von Reiner Dobbratz aus Kiebitzreihe in der Nähe von Hamburg sind schon allein vom Design das aussergewöhnlichste, was ich je gesehen habe. Es gibt Leute, die es lieben (so wie ich *g*) und Leute, die es hassen, dazwischen gibt es eigentlich niemanden.
Im Laufe der Jahre wurde das Shaping (ich schicke übrigens jedem, der nicht weiß, wie der beschriebene Bass aussieht, gerne ein Foto) ständig verbessert bis es zum heutigen Tag, so Reiner selbst, perfekt ist.
Die Holzzusammenstellung ist ebenfalls sehr ungewöhnlich, und spontan fällt mir kein Hersteller ein, der seine Bässe in dieser Zusammenstellung baut:
Die Bodys sind ausschließlich aus wunderschön gemasertem Wenge Holz, welches freilich optisch nicht viel hermacht. Reiner hat da ein Beizverfahren entwickelt, welches die helleren Maserungen des Holzes fast weiß werden lässt, die dunklen Maserungen allerdings fast nicht verändert. So lassen sich eine Menge Farben realisieren indem der Body nach der oben beschriebenen Prozedur erneut farbig gebeizt wird. Das Ergebnis ist unglaublich (bei mir ist es ein traumhaftes grün).
Der Hals wird aus Padouk gefertigt, wobei er erst in fünf Streifen aufgesägt wird und dann wieder so perfekt zusammengeleimt (wegen der Stabilität) wird, dass man es mit bloßen Auge nicht erkennen kann.
Serienmäßig wird der Hals mit Ebenholz gebaut, was für mich eines der besten Griffbretthölzer darstellt (Palisander mag ich aus verschiedenen Gründen einfach nicht). Wie bereits erwähnt, ist das Griffbrett bei meinem Bass aus Padouk gefertigt, was zum einen optisch Sinn macht (ein dunkelgrüner Bass mit rotbraunem Griffbrett sieht einfach klasse aus *g*), zum anderen nimmt das verwendete Griffbrettholz natürlich auch Einfluss auf den Sound, aber dazu später mehr.
Alles in allem ist die Holzkonstruktion perfekt durchdacht und sagenhaft gut verarbeitet. Reiner formt übrigens jeden Bassbody von Hand, und wer einmal einen Le Fay in der Hand hatte, der weiß was das für eine Arbeit sein muss.
Die verwendete Hardware (Steg etc.) stammt von ABM. Besonders der Headless-Steg, der auch auf meinem Bass zu finden ist, obwohl er ja noch Mechaniken auf der Kopfplatte hat, macht einen äußerst massiven Eindruck. Er ist massiv aus einem Stück Messing gefräst und ist selbst nach einigen Jahren noch in einem Topzustand, das spricht für die Qualität.
Security-Locks sind in dieser Preisklasse Pflicht, denn jeder Bassist, dem bei einem Gig schonmal der Bass von den Schultern gerutscht ist, wird früher oder später darauf zurückgreifen.
Eine besonderheit meines Bass hatte ich bereits erwähnt: die doppelte Ausstattung mit Stimmechaniken.
Eigentlich ist es völlig sinnlos am Steg zu stimmen und nochmal die normalen Stimmechaniken auf der Kopfplatte zu haben, aber ich verwende die Stegstimmer einfach zum feinstimmen und die anderen lediglich beim Saitenwechsel. Standartmäßig sind übrigens Schaller-Mechaniken montiert. Diese habe ich allerdings bei meinem Bass gegen Gotohs ausgetauscht, weil Gotohs zum einen eine feinere Übersetzung haben (1:20 statt 1:14 bei den Schaller) und zum anderen wesentlich billiger und leichter sind. Ich kann diesen Schritt nur jedem Bassisten für jeden Bass empfehlen, denn es behauptet zwar jeder, dass Mechaniken von Schaller die besten sind, was ich aus oben genannten Gründen allerdings nicht teilen kann. Besonders Bassisten, die bei Ihrem Schmuckstück mit Kopflastigkeit zu kämpfen haben, seien die Gotohs ans Herz gelegt, denn sie sind doch um einiges leichter als die Schaller.

Die Pickups sind eine Eigenkonstruktion von Le Fay. Dass es sich um absolut hochwertige Modelle handelt beweist, dass auch einige andere Hersteller (z.B. Christoph Kost - ehem. Esh) die PU's in ihren Bässen verwenden. Selten habe ich einen so guten Puckup gespielt. Verglichen mit den Alternativen (Basstec oder Bartolini), bieten sie in meinen Augen die beste Übertragungseigenschaften. Anders als bei MusicMan kann man diese Pickups auch einzeln (ohne Bass *g*) kaufen, was besonders für Bassisten interessant sein dürfte, die mit den PU's in ihrem Bass nicht zufrieden sind. Und sie sind nicht einmal teuer! Es werden alle Typen angeboten, wobei ich besonders die "normalen" Soapbars empfehlen kann, die bei meinem Bass mit Ebenholzkappen versehen sind - sieht echt edel aus!

Blickt man einmal ins Elektronikfach entdeckt man einen weiteren Beweis für das Können und Drang zum perfekter Qualität: alles wurde mit Silberlitze verkabelt und die Massekabel sind fast so dick, wie manches Instrumentenkabel - klasse!
Freilich hat der "normale" Pangton (das beliebteste Modell) nur eine Klinkenausgangsbuchse, welche elegant in der Zarge versenkt wurde. Das sieht bei normalen Klinkensteckern besser aus, verwendet man allerdings Winkelstecker, so muss man sich was einfallen lassen, denn die bekommt man in diese Buchse nicht hinein. Der bei mir eingebaute Glockenklang Kabeltreiber macht natürlich nur dann Sinn, wenn man auch den entsorechenden Amp besitzt. Der wird dann mit einem speziellen 4-poligen XLR-Kabel angesteuert und verspricht eine absolut verlustfreie Übertragung - naja, so riesig ist der Unterschied auch nicht, und da ich mit Sender spiele ist das für mich eher uninteressant.
Noch ein Wort zur Elektronik: .....Elektronik? Klangregelung? ....brauch ich nicht! Mein Bass besitzt keine Klangregelung, lediglich zwei Volumenpotis für die beiden Pickups zieren die Decke meines Basses. Dieser Bass braucht einfach keine Klangregelung, der Sound ist so gut ausbalanciert, dass ein Bass- oder ein Höhenregler nur überflüssig wären.
Mittlerweile bekommt man einen Le Fay, so man ihn ordert, denn im Geschäft gibts den nicht zu kaufen, serienmäßig ohne Klangregelung. Von Panoramepotis hält Reiner genauso wenig wie ich. Reiner baut in seine Bässe einen 6-fach Wahlschalter ein, der verschiedene Pickupverschaltungen anwählt, so kann man zum einen jeden der drei (ja, in den neuen Modellen sind drei schmale Humbucker eingebaut, zwei bekommt man nur optional) einzeln oder in Kombination mit anderen spielen. Weiterhin gibt es die Möglichkeit entweder parallele Einstellungen (weniger Mitten) oder serielle Einstellungen (mehr Mitten) anzuwählen, was eine riesige Auswahl an direkt "wiederfindbaren" Sound bietet.

Zum Schluss möchte ich noch ein Wort über das Klangverhalten meines Basses verlieren (über die neuen Le Fay's mit den drei PU's kann ich noch nicht viel sagen, da ich NOCH keinen besitze).
Wie bereits erwähnt braucht er keine Klangregelung und dennoch stehen mir drei verschiedene Sounds zur Verfügung:
1. Hals PU
2. Steg PU
3. beide zusammen.
Die Qualität ist der helle Wahnsinn, spiele ich den Hals PU, so habe ich einen rotzigen Precision-ähnlichen Sound. Mit beiden zusammen klingt er wie ein modernen cleaner Funkbass mit fetten Bässen und strahlenden Höhen. Der Stegpickup (übrigens auch die Einstellung in der ich am meisten spiele) gibt mir einen mittenreichen leicht knarzigen Nasalton, der sich unglaublich gut durchsetzt, was braucht man mehr? Ich denke: nix!
Die Holzkonstruktion scheint also aufzugehen, der schwere Body lässt den Ton fett im Raum stehen mit einem Sustain bis übermorgen und der schlanke Padouk-Hals ist in Stabilität und Bespielbarkeit wohl schwer zu überbieten. Das Griffbrett gibt hierbei noch ein wenig mehr an Nasalmitten her als ein Ebenholzgriffbrett und sieht obendrein klasse aus! Der wirklich einzige Nachteil dieses Basses ist das Gewicht. Mit 4,5 Kilo ist er doch recht schwer für einen 4-Saiter, aber dafür wird man auch mit einem wirklich edlen Ton belohnt.
Seine Mitmusiker (oder auch Tontechniker) kann man mit diesem Bass übrigens recht schnell in den Wahnsinn treiben, denn (wie ich es demletzt im Studio erlebt habe) selbst wenn der Bass nur den halben Pegel (verglichen mit den anderen Instrumenten) hat, ist er trotzdem mit jedem gespielten Ton zu hören. Ich habe wohl nie einen Bass gehört, der sich so gut durchsetzt und andere Musiker zur Verzweiflung treibt (mal ehrlich, wollen nicht alle Bassisten mal die anderen ärgern? *fg*).
Ich verwende übrigens die Elixir-Saiten von Gore auf diesem Bass, die den edlen Ton angemessen übertragen und unglaublich lang halten (wer mehr wissen will, der möge meinen Bericht über diese Saiten lesen!).

Fazit:
Wer einen edlen Bass mit hervorragendem Handling und sagenhafter Bespielbarkeit sucht liegt hier genau richtig. Die Preise sind zwar gesalzen (ab 5000DM), aber in jedem Fall gerechtfertigt!
Weitere Infos gibts übrigens unter www.lefay.de
Unbedingt mal reinschauen is irre witzig!
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