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Le Nozze Di Figaro (Qs) - Various

Gesamtbewertung (2): Gesamtbewertung Le Nozze Di Figaro (Qs) - Various

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Piep - zensiert

5  29.08.2002

Pro:
Die Musik

Kontra:
nix

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beutelratte67

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Eine der bekanntesten Opern von Wolfgang Amadeus Mozart ist wohl 'Die Hochzeit des Figaro' oder, wie es im Original heißt, 'Le Nozze di Figaro'. Da ich sie hier in Hamburg schon mehrfach gehört habe, möchte ich sie Euch jetzt vorstellen.

Zunächst wie immer zu den wichtigsten handelnden Personen:
=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-
- Figaro, Friseur im Hause des Grafen Almaviva (Bariton)
- Susanna, seine Verlobte (Sopran)
- Graf Almaviva (Bass)
- Rosina, Gräfin Almaviva, seine Frau (Sopran)
- Cherubino, Page des Grafen (Mezzosopran)
- Dr. Bartolo (Bass)
- Marcellina (Sopran)

Die harten Fakten:
=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-
Die Oper 'Le Nozze di Figaro' basiert auf einem Bühnenstück von Pierre Beaumarchais 'La folle journee, ou le mariage de figaro', das Libretto (Textbuch) schrieb Lorenzo da Ponte. Sie wurde am 1. Mai 1786 in Wien uraufgeführt. Sie besteht aus vier Akten, die Aufführung dauert ca. 3,5 Stunden (mit Pausen). Ort der Handlung ist Sevilla, im Jahre 1778.

Der Inhalt:
=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-
1. Akt: An ihrem Hochzeitstag erklärt Susanna dem nichts ahnendem Figaro, dass auch der Graf Almaviva ein Auge auf sie geworfen hat. Er nimmt die 'Herausforderung' an und will sich wehren. Figaro schuldet Marcellina Geld und hat ihr versprochen, sie zu heiraten, wenn er nicht in der Lage sei, das Geld zurückzuzahlen. Bartolo sieht die Stunde der Rache an Figaro gekommen, hatte dieser doch die Hochzeit von Rosina und dem Grafen eingeleitet, obwohl Bartolo Rosina heiraten wollte (diese 'Vorgeschichte' wird im 'Barbier von Sevilla', unter anderem von Gioacchino Rossini vertont, erzählt).
Cherubino erzählt, dass der Graf ihn am Vortage mit Barbarina, der Tochter des Gärtners, erwischt habe und ihn fortschicken wolle. Er ist aber auch in die Gräfin sowie alle anderen Frauen am Hofe verliebt und bittet Susanna, ein von ihm geschriebenes Lied der Gräfin zu geben.
Der Graf platzt herein, Cherubino kann sich verstecken und hört dabei, wie der Graf Susanna umgarnt. Da kommt der Musiklehrer Don Basilio auch noch dazu, der Graf kann sich auch noch verstecken. Basilio erzählt von den Gerüchten zwischen Cherubino und der Gräfin, woraufhin der Graf sich entrüstet zu erkennen gibt, dabei entdeckt er auch Cherubino. Dieser wird zum Militär versetzt, er muss sich sofort dahin begeben.
Figaro kommt mit einigen Bürgern, die dem Grafen eine Lobpreisung singen, und er bittet den Grafen, Susanna den Brautschleier zu überreichen, doch er lehnt ab.

2. Akt: Die Gräfin bedauert, dass Ihr Gatte sie nicht mehr liebt. Susanna und Figaro erscheinen, und erzählen vom Grafens Nachstellungen gegen Susanna. Sie schmieden einen Plan, in dem der Gräfin eine Affäre nachgesagt wird. In dieser Verwirrung sollen die beiden schnell heiraten. Gleichzeitig wird Cherubino als Susanna verkleidet und ein Rendezvous mit dem Grafen haben. Als Cherubino erscheint, soll er die Verkleidung ausprobieren.
Schüchtern singt er der Gräfin sein Lied vor. Der Graf erscheint, Cherubino versteckt sich im Umkleideraum. Der Graf, durch eine Notiz zur angeblichen Untreue Rosinas gewarnt, will die Tür aufbrechen, denn er glaubt nicht, dass sich Susanna dort versteckt, wie die Gräfin versichert. Als er Werkzeug holt, tauschen Cherubino und Susanna die Plätze, Cherubino springt aus dem Fenster und läuft weg.
Der Graf bittet die Gräfin, die ja anscheinend unschuldig ist, um Entschuldigung. Da kommt der Gärtner herein und beschwert sich, dass jemand aus dem Fenster gesprungen sei und die Pflanzen zerstört habe. Susanna und die Gräfin wollen das auf die Trunkenheit des Gärtners schieben, doch Figaro nimmt die Schuld auf sich. Auch Cherubinos Papiere, die er beim Sprung aus dem Fenster verlor und denen ein Siegel fehlt, kann er erklären.
Schließlich erscheinen Marcellina, Dr. Bartolo und Basilio, die eine Hochzeit zwischen Marcellina und Figaro fordern.

3. Akt: Susanna stellt dem Grafen ein Treffen in Aussicht, wenn er ihr die versprochene Aussteuer bezahlen würde. Mit dieser könnte sie Marcellina bezahlen und Figaro heiraten. Der Richter Curzio entscheidet, dass Figaro Marcellina heiraten müsse, doch Figaro behauptet, dazu die Einwilligung seiner Eltern zu benötigen. Es stellt sich heraus, dass Marcellina und Dr. Bartolo seine vermissten Eltern sind. Nun wird entschieden, dass es eine Doppelhochzeit geben wird: Figaro heiratet Susanna und Marcellina Dr. Bartolo.
Susanna und die Gräfin schreiben dem Grafen einen Brief, in dem Susanna ein Stelldichein im Piniengarten verspricht. Antonio entdeckt, dass es Cherubino war, der aus dem Fenster gesprungen war, der Graf will ihn bestrafen, doch Barbarina erreicht, dass sie und Cherubino heiraten dürfen.
Während der Hochzeitszeremonie überreicht Susanna dem Grafen heimlich den Brief.

4. Akt: Figaro findet heraus, dass Susanna dem Grafen einen Liebesbrief geschrieben haben soll und plant Vergeltung. Barbarina will sich im Garten mit Cherubino treffen und versteckt sich. Figaro kommt mit Basilio und Dr. Bartolo als Zeugen zurück, die sich auch verstecken. Susanna und die Gräfin haben ihre Kleider getauscht. Der Graf macht der vermeintlichen Susanna den Hof. Währenddessen behauptet die vermeintliche Gräfin, in Wahrheit Susanna, gegenüber Figaro, dass seine Susanna gerade beim Grafen sei, dabei vergisst sie aber, ihre Stimme zu verstellen, Figaro erkennt die wahren Zusammenhänge. Sie spielen das Spiel 'Figaro und Gräfin' weiter, bis der Graf sie erwischt. Alle versteckten Personen werden vom Grafen als Zeuge der Untreue der Gräfin hinzugezogen, sie bitte alle um Gnade, doch der Graf plädiert auf Härte. Als auch die wahre Gräfin, immer noch als Susanna verkleidet, sich zu erkennen gibt und um Entschuldigung bittet, erkennt der Graf, dass er der Schuldige ist und bittet die Gräfin, auf die Knie fallend, um Verzeihung. Sie gewährt ihm diese und alle feiern zusammen diesen 'tollen Tag'.


Ein paar Erläuterungen:
=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-
Eine sehr komplexe Geschichte, zweifellos. Doch ist die Handlung sicher nicht der Grund für den Erfolg dieser Oper. Mozart hat es verstanden, trotz der vielen Handlungsstränge auch immer wieder 'Ruhepausen' in Form von wunderbaren Arien und Duetten einzubauen. In der damals üblichen italienischen Opernform wurde die Handlung stets in den Rezitativen, die meistens nur durch das Cembalo begleitet wurden, voranzutreiben, während in den 'eigentlichen' Gesangsstücken die Handlung meist zum Stehen kommt. Ganz anders als etwa bei Verdi, Strauss oder Wagner, bei denen der Begriff 'Musiktheater' viel eher anwendbar ist. Mozart hat in dieser Oper einige 'Evergreens' untergebracht, so zum Beispiel die furiose Ouvertüre, Cherubinos Lied, das Briefduett, oder auch die beiden Arien der Gräfin.

In Beaumarchais' Bühnenstück kommen einige politische Ungeheuerlichkeiten vor, die ihm (und auch Mozart) einige Probleme mit der Zensur brachten. Im 18. Jahrhundert galt es natürlich als Unding, einen Herrn zu zeigen, der nichts anderes im Sinn hat, als Frauenröcken hinterher zu rennen und dabei von seinem Diener bloß gestellt wird. Figaros Kampfansage (se vuol ballare) gegenüber dem Grafen ist zu der Zeit nicht wirklich denkbar. Eine Dienerin, die gemeinsame Sache mit der Gräfin macht, um dem untreuen Grafen eins auszuwischen? Skandal! Der Graf sieht sich selbst ja sogar noch als sehr liberal an, hat er doch die damalige (oder vormalige) Sitte des Rechts der ersten Nacht abgeschafft, die besagt, dass bei einer Hochzeit unter der Dienerschaft der Herr das Recht besitzt, die Hochzeitsnacht mit der Braut zu verbringen! Das muss man sich mal vorstellen! Erst nach einigen Konzessionen und zahlreichen Diskussionen mit der Zensur wurde die Oper schließlich auf die Bühne gebracht.

Es geht in der Oper im Wesentlichen um Liebe. Und zwar in vielerlei Spielarten. Da ist die schmachtende Liebe eines erwachsen werdenden Jünglings Cherubino, der die Gräfin anhimmelt, nur weil sie eine Frau ist. Da ist die rein körperliche Liebe des Grafen zu Susanna. Da ist die berechnende Liebe Marcellinas zu Figaro, die in mütterliche Liebe umschwenkt. Da ist die verlorene Liebe der Gräfin zu ihrem Mann. Und nicht zuletzt ist da die wohl ehrliche Liebe zwischen Mann und Frau, zwischen Figaro und Susanna, die sich ein glückliches Leben zu zweit erhoffen, die für dieses Glück viel erdulden und wagen müssen. Diese Liebe ist die Motivation, die auch Mozart und da Ponte antreiben, eines der größten Bühnenstücke zu kreieren. Das ist es, womit da Ponte den Kampf gegen den Kaiser Joseph II. und die Zensur gewinnt und die Aufführung zum Erfolg werden lässt. Mit dieser Oper, freilich erst in Prag kurz nach der Uraufführung, erringt Mozart einen seiner eher wenigen ganz großen Triumphe zu Lebzeiten und macht ihn dort zum - heute würden wir sagen - Star.

Es gibt auch Meinungen, dass es sich hier um einen Geschlechterkampf im Sinne der Emanzipation der Frau vom Mann handelt, werden doch die Frauen hier als die handelnden Personen dargestellt, während die Männer, auch Figaro, vom Trieb geführt werden, um nicht zu sagen, an der Nase herum. Dieses Thema will ich aber nicht weiter vertiefen, das war, so meine Meinung, nicht Mozarts Ding, mögen auch viele Regisseure die Oper in diese Richtung inszenieren.

Für weitere musikdramatische, musikalische, sozialkritische, psychologische und politische Analysen verweise ich hier auf die zahlreich vorhandene Sekundärliteratur im Internet und in Papierform.

Für mich bleibt 'Le Nozze di Figaro' eine der interessantesten und schönsten Opern überhaupt.

Liebe Grüße, Beutelratte67

PS: Da ich wieder mal nur die Oper als solche und nicht die CD beschreibe, achtet nicht auf die Bewertung unten.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Lambertus

Lambertus

05.09.2002 18:07

Eine wunderschöne, ausführliche Beschreibung der Oper! - Aber eine Produktbeschreibung sollte auch einige Hinweise auf das eigentliche Produkt, nämlich die CD, enthalten... Liebe Grüße, Kurt

CHRISTOPH_BROERMANN

CHRISTOPH_BROERMANN

05.09.2002 16:31

Deine Informationen sind nach wie vor hoch interessant und richtig. Allerdings ist es sehr schade, dass du gar nicht auf die aufnahme eingegangen bist, denn die ist wirklich gut! Gruß, Christoph

NaidooS

NaidooS

04.09.2002 09:37

Schön, endlich mal einer, der sich auch im E-Musikbereich auskennt. Der Bericht hat mir sehr gut gefallen!

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