Erfahrungsbericht über

Lee Konitz With Warne Marsh - Lee Konitz

Gesamtbewertung (1): Gesamtbewertung Lee Konitz With Warne Marsh - Lee Konitz

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Die Schönheit des Tones

5  28.06.2006

Pro:
Wichtige Aufnahmen des Cooljazz

Kontra:
nur für "Hörer"

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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roadster135

Über sich: Britische Roadster und gute Musik;was wäre das für ein Leben ohne diese "Nebensächlichkeiten&qu...

Mitglied seit:20.01.2006

Erfahrungsberichte:25

Vertrauende:15

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 54 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Ein wesentliches Charakteristikum eines jeden großen Jazzmusikers ist die Individualität seines Tones,egal welches Instrument er spielt. Die wirklich "Großen" erkennt man bereits nach wenigen Takten am unverwechselbaren Klang ihres Instrumentes.
Dies trifft besonders auf Lee Konitz zu, der in einer Zeit als jeder Altist versuchte Charlie Parker zu kopieren, einen ganz persönlichen Klang entwickelte.
Der 1927 geborene Lee Konitz begann unter dem Einfluss Benny Goodmans zuerst Klarinette,später Tenorsaxophon zu lernen,stieg aber bald danach auf das Altinstrument um,weil in seiner damaligen Band genug Tenoristen,jedoch kein Altist vorhanden war.

Ab 1942 begann er bei Lennie Tristano,einem blinden Pianisten aus Chicago, Unterricht zu nehmen,dessen Lehrmethoden sich grundlegend von allen damaligen unterschied. Tristanos Auffassung von Musik orientierte sich vor allem an klassisch europäischen Traditionen,der technisch meisterhaften Beherrschung des Instrumentes und an der Musik Lester Youngs,der später zum Guru vieler Cooljazzsaxophonisten werden sollte, So musste der junge Lee vorerst einmal alle Lester Young Soli auswendig lernen,was viel zum Entstehen seines eigenen ,von langen,komplizierten Melodielinien geprägten Stils, beitrug.
Die Aufnahme in das Orchester von Claude Thornhill bestätigte das große Talent des jungen Musikers.
Seine "Adelung" unter den Jazzmusikern erlangte Lee Konitz mit der Aufnahme in Miles Davis "Birth of the Cool"-Orchester.
Das war insofern bemerkenswert als es um 1950 eine große Menge schwarzer Altisten gab und sich Miles für einen jungen weißen Musiker entschied,was ihm unter schwarzen Musikern heftige Kritik einbrachte. Er konterte mit dem Argument:"Gebt mir einen schwarzen Altisten,der wie Lee Konitz spielt und ich engagiere ihn auf der Stelle".

Diese gänzliche Abkehr vom damaligen von Charlie Parker geprägten Stil faszinierte sichtlich auch Miles Davis.
An die Stelle von "Hitze", ungezügelter Gefühlsausbrüche und stampfender Rhythmen traten bei Lee Konitz lange,verschlungene Melodielinien und ein vibatoloser,dünner(manche sagen gläserner) Ton,der komplett anders als alles bisher Gehörte klang.
Das trug Konitz von vielen Seiten die Kritik ein kalt und emotionlos zu spielen und kein "feeling" zu haben. Er konterte einmal als man ihm einen besonders "heißen" Altisten vorspielte mit den Worten: "Too much emotion,no feeling".
Dieses Statement trifft,so glaube ich,sehr gut die musikalischen Vorstellungen von Konitz. Vordergründige Emotionalität um des Effektes Willen war nie seine Sache.

Seine Spielweise wurde zum Vorbild vieler West Coast Jazzer wie Jimmy Giuffre, Chet Baker oder Shorty Rogers,die sich jedoch ähnlicher Kritik vor allem von traditionellen Jazzfans ausgesetzt sahen.

Nach einer Zwischestation im Orchester Stan Kentons verlegte sich Konitz immer mehr auf kleinere Besetzungen,was 1955 zur Enstehung der Lp " Lee Konitz with Warne Marsh" führte.
Marsh war ein langjähriger Weggefährte von Konitz,der ebenfalls aus der Schule Lennie Tristanos stammte und der mit ihm Platten wie die legendäre "Crosscurrents" einspielte.
Mit diesem kongenialen Partner gelang eine der beeindruckendsten Platteneinspielungen der 50er Jahre.
Zum Musikerteam gehörten neben Warne Marsh noch die Allzeitgrößen Kenny Clarke (Schlagzeug),Oscar Pettiford(Bass),Sal Mosca (Piano) und mit Billy Bauer an der Gitarre ein weiterer Tristanoschüler.

Das Programm besteht zum Teil aus Standards wie "Topsy" oder "I can't get started",sowie aus Kompositionen von Konitz und Charlie Parkers "Donna Lee". Dieser Cut ist insofern bemerkenswert als er eine völlige Neuinterpretation dieses Bopstandards darstellt und es Konitz vermeidet auch nur irgendwie nach Parker zu klingen.

Die verschlungenen Melodielinien der beiden Saxophonisten machen es dem Hörer oft nicht leicht Marsh von Konitz zu unterscheiden,was jedoch auch den Reiz dieser Aufnahmen ausmacht und die musikalische Übereinstimmung der beiden Saxophonisten deutlich zeigt. Billy Bauer und Sal Mosca liefern kontrapunktische Melodien zu den"lines" von Konitz und Marsh. Es entstehen dabei "Jazzfugen" von höchster musikalischer Qulität. Bei aller formalen Strenge bleibt durch die Phrasierung der beteiligten Musiker jedoch ein deutlicher Jazzbezug.(Eine Bachfuge wird von einem klassisch ausgebildeten Musiker wahrscheinlich nie "swingen")Eine Besprechung jedes einzelnen Titels erübrigt sich,da verschiedene Themen nur dazu dienen,die musikalische Welt der mitspielenden Musiker zu verdeutlichen.

Die glücklicherweise wieder auf Cd erschienene Lp bietet einen wunderbaren Einstieg in die Welt des Cooljazz ,der hier überhaupt nicht "kühl"(im negativen Sinn) herüberkommt und zeigt deutlich,dass vordergründig "heißes" Spiel nicht unbedingt notwendig ist um Zuhörer und Kritiker gleichermaßen zu faszinieren,setzt jedoch "Hörer" voraus und ist nicht als "easy listening" für "Zwischendurch" zu empfehlen.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
manuelmama

manuelmama

12.07.2008 21:39

Habs mir grad angehört bei amazon. Nicht schlecht. Kommt auf die Weihnachts-Wunschliste. LG Sabine

Empoyerment

Empoyerment

14.11.2007 21:16

Da ich gerade beginne meine Liebe zu Ray Charles zu entdecken, passt dieser Musikttipp super zu meiner neuen musikalischen Liebe

spheres

spheres

13.07.2007 17:32

Kompetenter Bericht, der zwar nur eine Minderheit anspricht, aber tatsächlich Interesse am beschriebenen Objekt weckt.

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