DAS Lenny Kravitz Album
29.03.2004
Pro:
ein kreativer Schmelztiegel aus Blues, Rock, Soul und Funk
Kontra:
nichts, denn so gut war er nie wieder
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 logan
Über sich:
ROSE KEMP 'Flawless', TORI AMOS 'Raining Blood', LED ZEPPELIN 'Dazed And Confused', MOTÖRHEAD 'Back ...
Mitglied seit:21.02.2000
Erfahrungsberichte:805
Vertrauende:116
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 71 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Früher habe ich dieses Album fast täglich gehört. Es begleitete mich quasi durch die Pubertät. Ich legte mir ein Lenny Kravitz Album nach dem anderen zu. Danach traten andere Künstler in mein Leben, und ich hörte das Album immer seltener, bis ich es im Zivildienst wieder hervorkramte. Irgendwann habe ich es dann einmal übertrieben und konnte Kravitz für lange Zeit gar nicht mehr hören. Nicht, dass diese Platte jemals langweilig werden könnte; es wurde mir nur einfach zu viel.
Mit dem Alben-Kaufen hatte ich schon früher aufgehört, nämlich als mich "5" (von wenigen Songs abgesehen) eher enttäuschte; zu poppig, zu wenig griffig waren mir die neueren Kompositionen. Danach machte er sowieso nur noch Rock, zumindest vermittelten mir die Single 'American Woman' und das Cover der nächsten Platte diesen Eindruck. Kravitz war für mich so gut wie tot. Doch heute kramte ich das Album endlich wieder hervor, welches meine erste große Liebe zu diesem Multitalent in Musik festhielt. Und schon hatte mich der Meister wieder ganz in seinen Bann gezogen...
Und hier ist, warum: Eine urige, dunkel groovende und sehr erdige Mischung aus Rock, Funk, Soul und Blues hat LENNY KRAVITZ mit seinem unübertroffenen Debütalbum "LET LOVE RULE" abgeliefert. Sehr percussionlastig, naturverbunden und tiefschürfend tönen die oftmals grob verzerrten Stücke aus den Boxen. Doch die Schönheit der warm röhrenden elektroorgelgetränkten Melodien und der eindringliche Gesang schaffen es noch bei jedem Stück, die raue Schale der Arrangements zu durchbrechen. Den Songs kommt zu Gute, dass sie das enge Korsett aus Strophe und Refrain weitestgehend lockern, und mit zahlreichen Variationen aufwarten, die schon fast wieder nach Improvisationen klingen. Das ganze Album groovet wie Hölle, ohne dadurch simpel zu wirken. Karl Densons unterschwellige Saxofoneinlagen gehören zum Besten, was ich in dieser Art gehört habe.
'SITTIN' ON TOP OF THE WORLD' beginnt ganz zart mit milden Gitarrenklängen und steigert sich dann immer mehr in eine unvergleichliche Leidenschaft hinein, wie sie nur LENNY persönlich in seine Stimme legen kann. Der supergroovige Soul-Rocker 'LET LOVE RULE' kommt mit fettig schwofenden Bläsern zu einem urig-bluesigen Rhythmus stark angefunkt und sehr energisch daher, ...
...um schließlich nahtlos in das harte und äußerst druckvolle Rhythmusmonster 'FREEDOM TRAIN' zu münden. 'MY PRECIOUS LOVE' basiert auf einem langsamen Engtanzblues. Auf schummrigen Orgelflächen und einem müde fallenden Rhythmus gleitet und kratzt KRAVITZ' soulig dargebotener Gesang mit herber Rockstimme sehr romantisch dahin. Sanftes, rhythmisch perlendes Klavierspiel greift diese Grundmelodie auf und variiert sie auf wunderbare Weise. Orgel, Gitarren und Klavier spielen eng verschlungen, und das Stück klingt gediegen aus.
'I BUILD THIS GARDEN FOR US' ist ebenfalls eher romantisch gelagert, seine weichen Streicher und versonnenen Orgellinien bauen jedoch auf einen kräftigen Rhythmus und ein röhrendes Gitarrenfundament auf. Der Gesang zieht sich langsam und melodisch gebunden durch das Stück, welches trotz seines geradlinigen, funkrockgeprägten Rhythmus' wieder sehr soulig ist. 'FEAR' dünstet basslastig und orgelumspielt, nächtlich dunkel, unterschwellig bedrohlich, und geradezu beißend und einen zähen, souligen Groove aus. Die Stimme steht hier ganz im Vordergrund, begleitet nur von einigen spärlichen, ausgiebig verstärkergeprägten Gitarrentönen und der für dieses Album typischen, dichtgewebten Percussion-Schlagzueg-Kombination.
'DOES ANYBODY OUT THERE EVEN CARE' ist da im Gesamtklang wieder viel melodischer; eindringlicher Gesang, weich im Lead und kratzig im Background; schmoove Orgelklänge, und eine herrlich bluesige Gitarrenführung spielen ein harmonisches Soundgefüge zusammen. 'MR. CAB DRIVER' ist ein rockbasiertes Midtempostück mit puckerndem Bass, lässig treibenden Gitarren, dynamischem Rhythmus und dem wie üblich tighten doch smoothen Percussionvorhang. Sehr erdiger, rhythmisch geprägter Gesang und ein schlichtweg genial eingefügtes Gitarrensolo machen seinen dunklen Sound vollkommen. Eines der markantesten Stücke auf dem Album, wenn auch nicht unbedingt das Beste.
Das getragene 'ROSEMARY' hat wieder diesen typisch kravitzschen Groove zwischen 'kraftvoll beseelt' und 'schummrig müde'. Filigrane Gitarrenarbeit auf der Akustischen und einige elektrisch verstärkte Einwürfe werden von gleitenden Orgelklängen mit der rotgoldenen Stimme des Meisters verschmolzen. Einfach grandios. Das barbluesnahe, leidende 'BE' zieht seine unglaubliche Spannung aus dem Zusammenspiel von ruhigen Bass- und Klavierakkorden, traurigen Streichertönen und sehr eindringlichem, drahtigem Gesang. Und trotz der offenkundigen Melancholie scheint auch hier wieder Hoffnung durch.
Noch schwermütiger wird es mit dem niedergedrückt groovenden 'BLUES FOR SISTER SOMEONE', dem wohl eindringlichsten Stück der Platte. Tief runterziehendes Bassspiel, trötende Saxofontöne, trauriges Orgelspiel und einmal mehr Lennys leidender, ausdrucksstarker Gesang sind hier zu hören. Zu zurückhaltenden, pastellenen Orgelklängen, einem folkigen Gitarrenrhythmus, bluesigem Mundharmonikaspiel und einem auf unbeschreibliche Weise erwartungsvoll gestimmten Percussionrhythmus erheben sich nun die verheißungsvollen, leicht hippieesk angehauchten Gesangslinien von 'EMPTY HANDS', welches die Stimmung des Albums doch erheblich aufhellt, ohne dessen melancholische Grundstimmung zu verleugnen.
Mit dem erdig und munter groovenden 'FLOWER CHILD' jedoch reißt die Wolkendecke endgültig auf, und Rock, Blues, Funk und Soul geben sich ein flirrendes, klavierbegleitetes Stelldichein auf dem Tanzboden. Ohhhh, YeeaaaaaaaaAhhhhhhh... FAZIT:
Perfekte Songentwicklungen, perfekte Arrangements, perfektes Spiel und perfekter Gesang ergeben in perfekter Abfolge ein perfekt fließendes, rundum vollkommenes Album.
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Let Love Rule - Lenny Kravitz
Als Lenny Kravitz sein Debütalbum herausbrachte, war er in entsprechenden ...
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Release: 28.08.1989, Format: CD Album, Neuware, Inhalt: 1, Label/ Hersteller: ...
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29.06.2004 14:48
ein klasse bericht sh.matthias
16.04.2004 03:22
Gegen diese Scheibe wirkt sein "Fly Away" von vor ein paar Jahren wie ein ganz böser Absturz. Vielleicht sollte man ihm ein bißchen weniger Selbstverliebtheit und statt dessen etwas mehr aktuelle Kreativität nahelegen. Grüße aus Paderborn, Marcus
02.04.2004 15:54
"Cab Driver" ist schon ein Hammer, "Are you gonna go my way" ist aber mein fav. "5" fand ich gar net übel.