Erfahrungsbericht über

Let's Get Free - Dead Prez

Gesamtbewertung (7): Gesamtbewertung Let's Get Free - Dead Prez

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It's bigger than Hip Hop

5  08.09.2010

Pro:
Beats, Flow, Lyrics

Kontra:
evtl .  teilweise zu harte Texte

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

Häufigkeit der Nutzung

Dieser Tonträger ist:

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Pfizze

Über sich: Kein CIS-, sondern Gegen- und "neue Erfahrungsberichte"-Leser

Mitglied seit:27.04.2010

Erfahrungsberichte:10

Vertrauende:3

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 122 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Auch wenn es aufgrund der aktuellen Lage des Mainstreams in Vergessenheit geraten ist, ist ein wichtiger Bestandteil der Inhalte im Hip Hop die Rebellion. Rebellion gegen das System, Rebellion gegen die Unterdrücker, Rebellion gegen die Regierung. Dieser Aspekt im Rap ist von Künstler zu Künstler mehr oder weniger ausgeprägt. Weniger im Mainstream, mehr bei beispielsweise Dead Prez, ein Duo aus New York (M1), bzw. Florida (stic.man), die mit ihrem Debütalbum „Let’s Get Free“ einen Klassiker der Neuzeit liefern, der Seinesgleichen sucht, auch wenn einige sich nach Ende des Albums von den harschen Lyrics ein wenig überrollt fühlen werden.
Aber fangen wir ganz von vorne an.

Nach einem Intro, welches deutlich macht, dass das folgende Album wohl kaum gute Laune versprühen wird, geht es los mit dumpfen Bässen und einem hektischen Drum, die den Opener „I’m A African“ voranpeitschen. Die düstere Stimmung wird von einem unheimlich ruhigen Synthie bekräftigt, welches sich aber sehr zurückhält, während die beiden Protagonisten ihr zweifellos vorhandenes Talent eindrucksvoll zur Schau stellen, ihre afrikanischen Wurzeln aufzeigen und sich von dem amerikanischen System distanzieren. Ein wenig melancholischer geht es bei „“They“ Schools“ zu. Der Titel lässt erahnen, dass hier das Schulsystem kritisiert wird, während stic und M1 ihre grandios flüssigen Verse über ein hartes, mittelschnelles Drum und ein zurückhaltendes, schlichtes Piano spucken, um einen weiteren Top-Track zu erschaffen.

Die darauf folgende Nummer, „Hip Hop“, sollte den meisten Liebhabern des Genres bekannt sein, ist der Titel mit der dominant dröhnenden Bassline doch zweifellos ein Klassiker. In den gewohnt makellosen Strophen bekommt diesmal der Mainstream sein Fett weg, während die Hook mit dem eingängigen Grölen von „Hip Hop“ gut ins Ohr geht und den Wahnsinnssong damit ideal komplettiert. Anschließend geht es mit „Police State“ wieder gegen die Regierung, erneut mit einem düsteren Beat, unterlegt mit einer bedrohlich klingenden, langgezogenen Trompete im Hintergrund, dominiert von harten, abgehackten Snares und Kicks. Die erste Strophe wird mit den Worten „I throw a Molotov Cocktail at the precinct“ eröffnet und macht deutlich, wie Dead Prez zur Polizei steht. Harte Worte gibt es für die Gesetzeshüter, ändert aber nichts daran, dass der Titel grandios ist.
Noch düsterer, noch bedrückender ist die Atmosphäre bei „Behind Enemy Lines“. Hektische Drums und eine melancholisch angelegte Flöte im Hintergrund bilden das instrumentale Gerüst, während stic und M1 erneut überragende Arbeit hinterm Mikrofon leisten.

Die Lyrics von „Assassination“ überschreiten für den ein oder anderen die Grenzen des guten Geschmacks, denn man bekommt hier auf dem harten und zugleich traurigen Beat Zeilen wie „You can put this on the government’s grave // somebody [will be] payin‘ for the way we have to suffer and slave“ zu hören, bevor die Nummer mit dem Wort „Assassination“ und einigen Waffenschüssen beendet wird.
Nach all den harten Songs gönnt uns Dead Prez mit „Mind Sex“ eine verdiente Pause. Auf einem überaus entspannenden, langsam vorantreibenden Beat servieren uns die Protagonisten ebenso lockere Strophen, die flüssiger kaum sein könnten. Inhaltlich beweisen die beiden, dass im Hip Hop Frauen keineswegs nur auf ihre Geschlechtsteile reduziert werden, im Gegenteil, hier werden die Frauen ganz und gar nicht als Sexobjekte gesehen, was (offensichtlich ehrlich gemeinte) Zeilen wie „Before we make love, let’s have a good conversation“ belegen.

So überraschend diese „Verschnaufspause“ kam, so schnell wird sie auch durch den allessagenden Titel „We Want Freedom“ beendet. Das Schema ist bekannt, ein düster-melancholischer Beat bietet die Grundlage für stic und M1, die es sich nicht entgehen lassen überragende Strophen zu liefern und die Regierung erneut verbal zu attackieren.
Anschließend gibt es auf „Be Healthy“ einen einwandfrei gerappten, etwa zweieinhalb Minuten langen Vortrag zum Thema gesunde Ernährung, während die Begleitung ein wunderschöner Gitarrenbeat übernimmt.
Das kurze „Discipline“, welches nur Gesang beinhaltet, ist die Ruhe vor dem Sturm, welcher mit „Psychology“ eingeläutet wird. Denn hier wird vor Manipulation unserer Gedanken gewarnt. Als Grundlage dient hier erneut ein düsteres Gerüst mit harten Drums, welche gegen Ende mit einer aggressiven elektronischen Gitarre wahrlich aufblüht. Ein bisschen aus der allgemein drückenden Stimmung fällt „Happiness“, wobei man auch hier nicht wirklich von einem Song sprechen kann, der gute Laune versprüht, der dafür aber einen durchaus exotischen Beat mit einem trockenen Drum und einer Flötenmelodie bietet. Inhaltlich erzählen die beiden Protagonisten von den Tagen an denen eben die „Happiness“ dominiert, auch wenn das nicht allzu viele sind.

Inhaltlich wirklich interessant ist das anschließende „Animal in Man“. Über einen düsteren, nahezu angsteinflößenden Beat bekommt man die gerappte Version von George Orwells 1945 erschienenem Buch „Animal Farm“ serviert. Das Buch, und somit auch der Song, erzählt die Geschichte einer englischen Farm, auf der sich die Tiere gegen ihren bösen menschlichen Herrscher auflehnen, was auch gelingt. Nach einiger Zeit aber übernehmen die Schweine die Macht und führen eine grausame Gewaltherrschaft ein. Die Geschichte lässt sich als Parabel zu der Geschichte der Sowjetunion sehen.

Bevor es zu den letzten drei Nummern geht, wird mit „You’ll Find A Way“ noch ein kurzer Halt gemacht. Hier bekommt man nämlich lediglich ein Instrumental zu hören, welches, von Trompeten dominiert, in seiner Melancholie wirklich ein wunderschönes Zwischenspiel ist. „It’s Bigger Than Hip Hop“ lässt sich als eine Art Fortsetzung von „Hip Hop“ sehen, die beiden Nummern ähneln sich inhaltlich und auch der Refrain schlägt in die selbe Kerbe wie sein Vorgänger. Diese Nummer hier ist allerdings eine Spur besser gelaunt und meiner Meinung nach auch insgesamt ein Stückchen besser.
Den womöglich besten Track gibt es kurz vor Schluss in Form von „Propaganda“ serviert. Der Titel lässt den Inhalt erahnen, dementsprechend wurde auch die Atmosphäre gestaltet, melancholischer Gesang, begleitet von seichten Gitarrentönen, bringen den Hörer in die richtige Stimmung, bevor die wirklich nah an der Perfektion befindlichen Strophen einsetzen. Die Scheibe ist bereits hier als Klassiker abgestempelt, trotzdem legen Dead Prez noch eine Nummer nach, die den Titel „The Pistol“ trägt. Mit einer unheimlich wirkenden instrumentalen Unterlegung, bestehend aus Piano und Streichern, ist der Track eine ganz nette Zugabe, hätte aber nicht wirklich sein müssen. Die Verse gehen nämlich etwas träge voran und wollen nicht wirklich gefallen.

„Let’s Get Free“ gehört zweifelsohne zu den besten Scheiben die man im Bereich des Hip Hops erwerben kann. M1 und stic.man haben ganz offensichtlich die Fähigkeit eine deutliche Message in Liedern zu positionieren, ohne dass die Qualität auch nur ein bisschen darunter leidet.

Im Gegenteil.

Die Strophen sind ohne Frage einfach makellos, flüssiger könnten sie nicht sein. Bevor man jetzt aber losrennt um das Album in Besitz zu bringen, sollte man sich klar machen, was genau „Let’s Get Free“ eigentlich bietet.
Tanzbare Gute-Laune-Musik? Lustige Punchlines? Eine breite Palette an Atmosphären?
Nein.
Düstere, krachende Beats? Sinnvolle, aber ebenso harsche Lyrics?
Oh ja.

Fazit:
„Let’s Get Free“ bietet durchaus eine Menge Unterhaltung für das Hip Hop-Herz, ist aber mehr dazu da wirklich hinzuhören.
Trotzdem ist das Album definitiv als Klassiker zu bezeichnen und sollte sich im Regal jedes Menschen befinden, der behauptet etwa mit dem Genre anfangen zu können.

**********
Einzelbewertungen:

01. Wolves --- Keine Bewertung
02. I’m A African --- 9 / 10
03. „They“ Schools --- 9 / 10
04. Hip-Hop --- 10 / 10
05. Police State --- 9 / 10
06. Behind Enemy Lines --- 10 / 10
07. Assassination --- 9 / 10
08. Mind Sex --- 10 / 10
09. We Want Freedom --- 10 / 10
10. Be Healthy --- 10 / 10
11. Discipline --- Keine Bewertung
12. Psychology --- 10 / 10
13. Happiness --- 10 / 10
14. Animal In Man --- 9 / 10
15. You’ll Find A Way --- Keine Bewertung
16. It’s Bigger Than Hip-Hop --- 10 / 10
17. Propaganda --- 10 / 10
18. The Pistol --- 7 / 10

Gesamteindruck: 10 / 10
**********
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
calimero1111

calimero1111

09.04.2011 18:37

sh

Isabella128

Isabella128

02.11.2010 23:37

Das Album ist echt klasse, habs vor einigen Tagen erst wieder gehört ;-) LG Isa

Volker111

Volker111

10.10.2010 15:33

Muss ich mal reinhören ;-)

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Bewertungen
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"besonders hilfreich" von (3%):
  1. Isabella128
  2. fredbaer
  3. Chigiz
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  1. PidaMD
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