Erfahrungsbericht über

Life, Love and the Pursuit of... - Justin Sane

Gesamtbewertung (1): Gesamtbewertung Life, Love and the Pursuit of... - Justin Sane

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If It's Good For The Economy ...

4  05.07.2009

Pro:
musikalisch leicht zugänglich, zeitlos

Kontra:
textlich nicht jemanns Sache

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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presscorpse

Über sich: Mein Freund und ich sparen gerade auf unsere erste eigene Wohnung. Wer mag helfen? *** Ich bin 21 Ja...

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 116 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Nach einigen Make Up-Berichten wird's bei mir heute mal wieder musikalisch – ich stelle euch das Album "Life, Love and the Pursuit of Justice" von Justin Sane aus dem Jahre 2002 vor.


Informationen zum Künstler:

Der 36-jährige Justin Sane aus Pittsburg (USA) ist hauptberuflich Kopf der Polit-Punk-Gruppe Anti-Flag (an der Stelle kann ich euch auch mal erzählen, woher mein Nick stammt: "The Presscorpse" ist nämlich ein Lied der besagten Punkformation ;)). Umso überraschender ist es, dass Justin Sane auf seinem Soloalbum "Life, Love and the Pursuit of Justice" ruhigere Töne anschlägt und mehr in die Richtung Folk-Rock abdriftet.
Justin Sane verarbeitet nicht nur in seiner Musik politische und sozialkritische Themen, sondern engagiert sich auch politisch, z.B. nimmt er mit seinen Bandkollegen an Antikriegsdemonstrationen teil. Das Statement seines Bandkollegens Chris #2 zur Präsidentschaft Obamas: "Wir sind sehr happy mit Obama, auch wenn wir alles daransetzen werden, ihn bei der nächsten Wahl aus dem Amt zu werfen, um einem noch progressiveren Präsidenten Platz zu machen!". Auch engagiert sich Justin Sane, der seit Jahren überzeugter Veganer ist, für Tierrecht und unterstützt den Verein PETA (People for the Ethical Treatment of Animals).


Covergestaltung:

Auf dem Cover ist Justin Sane als Straßenmusiker mit seiner Akustikgitarre zu sehen. Drei Leute stehen vor ihm und eine Frau beugt sich hinunter, um ihm ein wenig Geld in seinen Gitarrenkoffer zu legen. Im Hintergrund sieht man eine Skyline – vermutlich die Skyline von Pittsburgh, Pennsylvania, Justins Heimatstadt. Oben über dem eigentlichen Coverfoto prangt ein weißer Banner, auf dem in roten Lettern "Justin Sane" steht. Darunter, noch auf dem Coverfoto, steht in weißen Buchstaben "Life, Love and the Pursuit of Justice", der Titel der CD, geschrieben.
Wenn man das Cover anschaut, kann man schon erahnen, was einen erwartet: ein schlichtes Arrangement, eine männliche Stimme und den Klang einer Akustikgitarre. Ob weniger manchmal mehr ist – das wird sich dann noch herausstellen. Das Cover gefällt mir jedenfalls recht gut. Ein interessantes Coverfoto fällt im CD-Regal immer auf und macht Lust auf mehr!


Die Tracks:

Im folgenden Abschnitt möchte ich euch jeweils kurz die 13 Tracks des Albums vorstellen. Es handelt es sich ausschließlich um Stücke, die mit der Akustikgitarre aufgenommen wurden.

1. "For Pat" (5/5):

You see I'm thinking of a world,
where people stop and think for themselves
And I'm thinking of a world, where people wouldn't F you for money
And I know, it's just a dream,
but it's one I wont let go 'cause I'm so tired of getting fucked
[…]

"For Pat" ist ein sozialkritischer Song. Der von mir ausgewählte Textauszug bringt auf den Punkt, von welcher Art von Welt die Person, deren Perspektive Justin in diesem Lied einnimmt, träumt – eine Welt, in der die Menschen beginnen, für sich selbst zu denken und weniger Wert auf materielle Dinge zu legen. Er hat es satt, weniger begünstigt zu sein. Auch fühlt er sich missverstanden, denn nur wenige Menschen teilen seine Ansichten ("they could never understand / all the foreign concepts in my mind"). Ein etwas schnellerer Opener, der direkt ins Ohr geht und textlich zu überzeugen weiß!


2. "On The Streets Tonight" (5/5):

There are nights when these sidewalks feel like home
and the bright street light is a crystal chandelier
[…]

Zugegebenermaßen fällt es mir schwer, bei diesem Lied eine einigermaßen objektive Bewertung zu verfassen, denn wenn ich mir meine Top 25-Tracks in iTunes mal genauer betrachte, dann gehört dieses Lied wohl zu meinen absoluten Lieblingsliedern überhaupt. Textlich bleibt man überraschend unpolitisch, denn es geht in dem Lied lediglich darum, wie man sich die Zeit am besten um die Ohren schlägt – mit Musik und endlosen Diskussionen über Gott und die Welt und dass natürlich am besten um 5 Uhr nachts, wenn die ganze Stadt schläft und "at peace" ist. Das Lied wurde meiner Meinung nach für alle Schlaflosen geschrieben und für alle die, die in lauen Sommernächten gerne draußen sitzen, in die Ferne schauen, einfach mal die "Stille" genießen oder die Zeit komplett vergessen, wenn sie mit ihren Freunden und schöner Musik irgendwo rumsitzen. Top!


3. "If It's Good For The Economy, I'm For It!" (3/5):

If genocide is good for the economy, then I'm for it!
If genocide is bad for the economy, then I'm against it!

Mit Zeilen wie den oben zitierten macht Justin Sane sich in dem Lied "If It's Good For The Economy, I'm For It!" sich über seine uninformierten und ignoranten Mitbürger lustig. Textlich durchaus ansprechend, aber leider etwas monoton und daher nicht ganz so stark wie die beiden Vorgänger.


4. "61C Days Turned To Nights" (5/5):

The streets of this town are still cold
and still windy but the 61C doesn't feel the same.

"61C Days Turned To Nights" ist die Sorte Lied, bei dem wohl die meisten Männer ganz schnell den "Skip"-Button drücken – zumindest dann, wenn andere Leute dabei sind ;). Dieses Lied ist ein Liebeslied der kitschigsten Sorte, was durch die intime Atmosphäre, die durch Akustikgitarre und Justins Stimme erzeugt wird, um ein Vielfaches verstärkt wird. Justin Sane schreibt aus der Perspektive eines Liebenden, der seine geliebte Person am Flughafen verabschieden muss, um sie vermutlich nie wieder zu sehen. Was bleibt, ist die Erinnerung. Wunderschön!


5. "The Youth Of The Modern World" (4/5):

They say, they say: "The youth are angry!"
they say, they say: "The youth are mad!",
but they don't know about you or me
[…]

Glücklicherweise ist nicht jeder Punker ein destruktiver Randalierer, der "No Future" schreit und seinen Missmut bloß durch einen Irokesen mit einem Radius von mindestens 50 cm auszudrücken weiß – man löse sich bitte von den herumgeisternden Stereotypen, vor allem da Irokesen und Schnürstiefel wohl mehr Mode als Punk sind. Justin Sane wehrt sich ganz bewusst dagegen, dass den Jugendliche sämtliche Hoffnung genommen wird und zeigt sich progressiv und optimistisch, was die Zukunft betrifft ("you're the youth of the modern world / the future starts now and it belongs to you!"). Er denkt, dass die Probleme der modernen Jugendlichen auf die Gesellschaft, in der sie leben, zurückzuführen sind ("a society that lives to work, / and a government that spends more money on bombs than schools / no wonder the kids are always looking for something new"). Textlich gefällt mir dieser Song außerordentlich gut, ist jedoch musikalisch nicht so stark wie z.B. "61C Days Turned To Nights" oder "For Pat".


6. "The Worst Case Scenario Survivor Handbook" (2/5):

The worst case scenario survival handbook
indespensible, indestructible
guide for surviving lifes sudden turns for the worst
Caution, book will explode if scanned!
Luckily I bet the next edition will tell how to survive when the book explodes!

Was will er uns denn bitte mit diesem Song sagen? Ich weiß es nicht! Fakt ist, dass das " Worst Case Scenario Survivor Handbook" tatsächlich existiert. In diesem Buch wird beschrieben, wie man sich aus den kuriosesten, lebensbedrohlichen Situationen erfolgreich rettet – oder zumindest dem Tod entkommt. Wer wollte nicht schon immer mal wissen, wie man sich aus dem Maul eines Aligators befreit? Man weiß ja nie, was für Überraschungen das Leben für einen parat hält …
Da ich mir textlich keinen Reim auf dieses Lied machen kann (Warum macht ein Kapitalismusgegner wie Justin Sane schamlose Produktwerbung?) und es musikalisch sehr monoton ist, beschränke ich mich hier auf 2 Sterne - wirklich mies ist das Lied nämlich auch nicht, nur kommt es bei mir eben nicht so ganz an.


7. "The Critical Writing Assignment" (3/5):

Don't forget to doubt
and think for yourself
or else one day when you look round
you'll find no free press left in your town.

Interessant! Die eigentliche Botschaft des Songs, die oben zitierten Zeilen, ist erst am Ende des Liedes ersichtlich. Ähnlich wie schon bei "The Worst Case Scenario Survivor Handbook" kann ich mir auf den Anfang des Liedes überhaupt keinen Reim machen. Ob es Justin Sanes Absicht war, nach einigen leicht zugänglichen Titeln zwei Lieder einzuflechten, mit denen der Hörer textlich zunächst überhaupt nichts anfangen kann? Der Schluss ist aber einfach nur genial – sehr süßlich und melodiös baut er die eingangs zitierte Warnung vor dem dahinschwinden unabhängiger Medien ein.


8. "We Found A Place (These Are The Days)" (5/5):

He was never called cool,
no, he never fit in
'cause he thought for himself
and he went against the trends
[…]

Justin erzählt vier verschiedene Geschichten von Kindern/Jugendlichen, die ihren Platz in der Punkszene gefunden haben und dadurch ihre Probleme im Alltag vergessen konnten – eine der vier Geschichten scheint dabei autobiografisch zu sein. Ohne Zweifel ein schöner Track, der zum Mitsingen einlädt.


9. "Thanks For The Letter (From A Kinder, Gentler America)" (4/5):_

_The struggle we're engaged in - does anybody really even care?
But then I thought of your letter and I knew better!
So I'll do it again – yeah, I'll sing it again
for my family, myself, my friends, THE KIDS!

"Thanks For The Letter (From A Kinder, Gentler America)" überzeugt durch exzellentes Songwriting. Zunächst überlegt Justin Sane selbst, ob es überhaupt jemanden interessiert, worüber er schreibt – doch dann fällt ihm der Brief eines Fans ein, der ihn daran erinnert, für wen er seine Songs schreibt: für seine Familie, sich selbst, seine Freunde und "die Kinder", also seine Fans (wobei er defintiv auch Fans hat, die über 18 Jahre alt sind – ich spreche aus "Konzerterfahrung" ;)). Dann folgt ein Auszug aus einem vermutlich fiktiven Brief eines Fans. Ich finde die Idee mit den Brief außerordentlich gut; das Lied gefällt mir!


10. "Cassette Deck, Road Trip, Grand Canyon" (5/5):

That three week road trip was a road trip and a half – maybe more!
Captured on one roll of film, out of focus pictures bore,
every national monument – every tourist trap
across the 48 states that fell within our path.

Endlich! Eines der genialsten Lieder auf dem gesamten Album! "Cassette Deck, Road Trip, Grand Canyon" ist, wie der Name schon sagt, ein fröhlicher Reisesong und ideal für lange Bahn- oder Autofahrten. Richtig schön – der Song geht einem so schnell nicht mehr aus dem Kopf!


11. " Where Has My Country Gone?" (5/5):

From lies and disinformation ignorance is born.
Can you smell the hatred being bred from fear?
And don't you understand that, when you give your rights away,
there is no freedom left to die for?

"Where Has My Country Gone?" hat wohl den kritischsten und zugleich durchdachtesten Text auf dem gesamten Album. Justin meint festellen zu können, dass es in Amerika Gedankengut gibt, dass die amerikanische Constitution gefährdet und zieht dabei gewagte Parallelen zum kommunistischen China und zum Nazideutschland. Er kritisiert mangelnde Information und die Einschränkung der Zivilrechte und stellt fest, dass sich die Amerikaner in ihrer Konsumgier von dem Staat und den großen Konzernen gefügig machen lassen. "Und wer profitiert von Globalisierung, Ausbeutung & Co? Das amerikanische Volk? Oder die, die ihre Macht missbrauchen?", fragt Justin Sane. Für ihn liegt die Antwort auf der Hand. Ob man Justin Sane nun zustimmt oder nicht – es ist anzuerkennen, dass er sich mit dem Thema sehr differenziert auseinandersetzt und den Hörer zum Nachdenken motiviert.


12. "College Avenue" (4/5):

[…]
Brainwashed to the core, like a stupid fucking drone !
Just because you're book smart, don't mean you're not a chump!

Manche Menschen sind der Ansicht, dass man das echte Leben nicht aus Büchern lernt. In diese Richtung geht auch das Lied "College Avenue". Justin Sane befürchtet, dass die Collegestudenten zwar viel Wissen anhäufen, jedoch nicht in der Lage sind, kritisch und differenziert zu denken. Sein trauriges Fazit lautet, dass der ein oder andere vielleicht etwas erreichen wird, aber wohl eher nicht.


13. "Tommy Gun" (5/5):

Little boy solider Tommy Gun,
he'd kill to play "peace keeper man".
It's a little game he learned from dad,
his daddy was a "peace keeper" in Iraq
[…]

Zum Schluss gibt man sich wieder nachdenklich und hochpolitisch wie auch sozialkritisch – den Kindern in der USA wird schon früh eine Mentalität anerzogen, die unter anderem kriegsbejahend ist. Justin Sane stellt fest, dass diese Kriegsbegeisterung der Amerikaner eigentilch ziemlich widersprüchlich, da ein Großteil der Amerikaner christlich ist und und man laut Bibel seinen Nächsten lieben und nicht töten soll ("Thou shall love they neighbor, and thou shall never kill […]"). Am Beispiel des fiktiven Charakters "Tommy Gun" erzählt Justin die Geschichte eines jungen Mannes, der schon als Kind für den Krieg begeistert wird und als er dann tatsächlich eingezogen ist, gar nicht weiß, was er da tut. Kurz bevor er erschossen wird, realisiert er jedoch, dass er gar nicht hinter dem steht, was er da tut. Wieder ein sehr schöner und nachdenklicher Song, ein runder und gelungener Abschluss!


Fazit und Kaufempfehlung:

Justin Sanes "Life, Love and the Pursuit of Justice" ist musikalisch gesehen irgendwo im Singer-Songwriter- bzw. seichten Folk-Rock-Bereich anzusiedeln. Der Titel fasst die gesamte textliche Spannbreite zusammen: "life" und "love" beschreiben dabei die privaten, persönlichen Texte; "the pursuit of justice" ("das Streben nach Gerechtigkeit") bezieht sich auf die politischen und sozialkritischen Texte und spielt gleichzeitig auf die amerikanische Unabhängigkeitserklärung an, die das "Streben nach Glück" ("pursuit of happiness") an ein unabdingbares Recht des Menschen festlegt.
Musikalisch ist das Album sehr leicht zugänglich, textlich wird sicherlich nicht jeder etwas mit den Liedern Justin Sanes anfangen können. Mir sagt das Album als Gesamtwerk sehr zu, aber mir gefallen nicht alle Lieder gleichermaßen. Ich vergebe hier 4 Sterne.
Mich erinnert Justin Sane sehr an den sozialkritischen Singer-Songwriter Billy Bragg; musikalisch lassen sich aber durchaus auch Parallelen zu Bands wie Against Me! ziehen. Wer hier knallharten Polit-Punk wie von Anti-Flag erwartet, der wird jedoch enttäuscht sein.
Ansonsten kann ich wie immer nur folgendes empfehlen: sollte ich mit meinem Bericht euer Interesse für diesen Tonträger geweckt haben, dann hört euch die Scheibe doch mal im Plattenladen eures Vertrauens an und entscheidet euch dann, ob das das Richtige für euch ist!


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Django006

Django006

18.03.2011 03:56

auf zu Silber :o))) lg Alan

Cybersyssy

Cybersyssy

10.03.2011 20:41

Für Silbäääär :-)

Zatzeck

Zatzeck

13.07.2009 09:32

Super!

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