... Nach einer langen Pause erschien im Frühjahr 2000 Recoils drittes reguläres Album „Liquid“.
Jenes ist ein sehr, sehr spezielles geworden. Von wirklichen Liedern kann man, von zweien oder dreien mal abgesehen, jedoch eigentlich nicht sprechen. Der Kern des Albums besteht zum Einen aus ... Bericht lesen
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Erfahrungsbericht von Halo_Fourteen über Liquid - Recoil 20.07.2001
Produktbewertung des Autors:
Cover-Design:
exzellent
Klangqualität:
ausgezeichnet
Langzeithörspaß:
mittelmäßig
Häufigkeit der Nutzung
ab und zu
Dieser Tonträger ist:
der beste des Künstlers
Pro:
Innovation
Kontra:
Innovation
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Es könnte IHNEN passieren… denken Sie immer daran. Versetzen Sie sich nun bitte in folgende Situation. Es ist ein lauer Wintermorgen, es war ein gemütlicher, doch auch feierlicher Abend bei Freunden, eine kleine Geburtstagsfeier oder so etwas vielleicht, sie fahren mit Ihrer Frau oder Ihrem Mann durch karge winterliche Landschaften.
Sie haben mit Freunden, Bekannten oder auch fremden Gesichtern über ihre Geschäfte gesprochen, Sie haben gelacht, etwas getrunken, über die Kinder geredet, Urlaubsbilder ausgetauscht, einen schönen Abend gehabt, Sie haben dort übernachtet, jetzt fahren Sie nach Hause. Es ist noch früh, und der morgendliche Dunst liegt über weissen und nassen Feldern, deren Bestimmung Sie nicht kennen. Es könnten Weizenfelder sein, im Winter ist dies ja schwer zu erkennen.
Die Person auf dem Beifahrersitz ist schon seit längerer Zeit eingeschlafen, das Radio ist nicht eingeschaltet, nur Sie, der Motor, die Heizung, die Ihre Brille beschlagen lässt, zumindest am Anfang der Reise. Sie freuen sich auf ihr Heim, die schlafenden Kinder, so früh am Morgen werden sie sicherlich noch schlafen, vielleicht ist die Zeitung schon da, obwohl, es ist ja Sonntag, da kommt ja gar keine Zeitung.
Aus lauter Euphorie und Vorfreude treten Sie unbewusst aufs Gas, der Motor heult deutlich hörbar auf, die Geräuschkulisse steigert sich, doch Moment mal…
Irgendetwas stimmt nicht.
Der Motor war noch nie so laut, glauben Sie zu merken. Klar, Sie kennen ihren Motor, naja, Sie kennen Ihr Auto, sie behandeln es mütterlich und kennen jeden seiner Laute, doch dieser ist neu. Sie sehen ihren Beifahrer blinzeln, er scheint es auch bemerkt zu haben, etwas liegt in der Luft, im wahrsten Sinne des Wortes. Etwas riecht verbrannt. Panisch sehen Sie sich um und versuchen Rauch aus ihrem Auto aufsteigen zu sehen, Sie sind auf’s Schlimmste gefasst, doch Sie sehen nichts.
Jetzt hören Sie es deutlicher, es kommt aus dem Wald rechts neben Ihnen… von oben Vögel, die aus den Bäumen emporsteigen.
Sie sehen das Cockpit der Maschine über den Tannen erscheinen, wie in Zeitlupe nehmen Sie die Situation war, nach und nach zeigt sich der Rest des Flugzeuges; die Tragflächen, die Turbinen und schliesslich das Heck. Eine der Turbinen steht in Flammen. Der Lärm dröhnt in Ihren Ohren und betäubt Sie auf eine wundersame Weise.
Sie bleiben stehen. Mit aufgerissenen Augen starren Sie auf die Szenerie. Das Flugzeug schlägt links neben Ihnen auf einem Feld, es könnte ein Weizenfeld sein, (dachten Sie das nicht schon einmal?) auf. Die Explosion ist gewaltig.
Sie sehen Eisblöcke durch die Morgenluft fliegen, schwarzes Eis, Chromstücke, Rauch, viel Rauch, und viel Lärm. Dann Stille.
Das Wetter an diesem Morgen ist absolut perfekt und klar, so dass Sie alles perfekt sehen können. Sie wussten, dass es eine schreckliche Erschütterung gegeben hatte und das von der Maschine nicht mehr viel übrig sein konnte. Als Sie näher kommen sehen sie überall zerfetzte Metallstücke liegen, schwarzes Chrom, schwarze Eisblöcke.
Sie nähern sich dem Krater und blicken hinein. Noch mehr Eisblöcke, schwarz, in einem Eiswasser, das von einer schwarzen Russschicht überzogen ist. Der Geruch von Rauch ist überall, Asche bedeckt den Boden, auf dem Sie stehen.
Was denken Sie?
Was geht Ihnen durch den Kopf?
Sie sind froh, nicht in dieser Maschine gesessen zu haben.
Warum sind Sie froh darüber? Haben Sie das Recht dazu? Da ist noch etwas Anderes, was Sie denken, ist dem nicht so? Lassen Sie es revue passieren… ____________________________________________________
Alan Wilder, seinerzeit Keyboarder und Mastermind der Gruppe Depeche Mode, der es immer geliebt hatte mit seinen individuellen Ideen zu spielen, entschied sich im Sommer des Jahres 1986 dazu, seine Vision eines Nebenprojektes in die Realität umzusetzen. Der Name dieses Projektes lautete Recoil, und erste Versuche in Form simpler Demotapes namens „1+2“ bewiesen, dass Mitglieder von Depeche Mode sich auch vom Klischee Pop der Black Celebration Era befreien konnten, und eigenständiges Denken kein Fremdwort war.
Nach einem weiteren Album namens „Bloodline“ Anfang der neunziger Jahre zerbrach Alan Wilder jedoch emotional am Gipfelsturm seiner Gruppe (deren damals aktuelles Album „Songs of Faith and Devotion“ sie an die Spitze der Charts katapultierte) und entschied sich zum finalen Ausstieg. Nach einer langen Pause erschien im Frühjahr 2000 Recoils drittes reguläres Album „Liquid“.
Jenes ist ein sehr, sehr spezielles geworden. Von wirklichen Liedern kann man, von zweien oder dreien mal abgesehen, jedoch eigentlich nicht sprechen. Der Kern des Albums besteht zum Einen aus sehr an das „Ultra“ Album von Depeche Mode erinnernden Rhytmen und Klangfarben, die grösstenteils dunkel und bedrohlich wirken.
Der Andere Teil des Speziellen macht dieses Album zu einem ganz kleinen Juwel. „Hörspiel“ schrieb ein anderes Ciao! Mitglied in der Überschrift zu seiner Meinung, und im Prinzip trifft das genau diesen Kern. Alan Wilders Vorliebe für Experimente macht sich genau da deutlich, wo viele andere Bands erheblich sparen, nämlich an der Präsentation der Texte.
Wilder bedient sich auf „Liquid“ der einzigarigen Talente von Spoken Word Künstlern wie Nicole Blackman, Samantha Coerbell oder auch Diamanda Galás, die mir jedoch allesamt unbekannt waren. Gesungen wird hier nicht, das Ganze gleicht eher Poesie. Theatralisch anmutende Texte werden vor dunkler und beklemmender Soundkulisse leicht, locker, manchmal erotisch, manchmal bedrohend und dominant, entspannt und absolut fesselnd vorgetragen. Ein Hörspiel, gar nicht mal so falsch.
„I want to throw you. I want you to know I know. I want to know if you read me. I want to swing with my eyes shut and see what I hit. I want to know just how much you hate me, so I can predict what you’ll do. I want to be your secret hater. I want to stop destroying you, but I can’t.“
Diese aus dem Lied „Want“ entnommen Worte deuten leicht an, in welche Richtung die Gedanken aller Lieder gehen. So lächerlich es klingen mag, meistens handelt es sich um fehlgeschlagene Beziehungen, Partnerschaften, die im Chaos enden, Gedanken der betreffenden Personen über deren Zukunft oder ihre Ängste und Befürchtungen.
Doch sind doch gerade dies die Gedanken, die dem Menschen am meisten zu schaffen machen. „Liquid“ durchforstet genau diese peinlichst genau und führt den Hörer an den Rande seines Verstandes und seiner Psyche, ein Seelentrip, der begleitet wird durch einen Soundtrack, der genausogut zum Jüngsten Gericht passen würde. Überall streut Alan Wilder in seinen Liedern kleine, feine Soundspielereien ein, fast schon unbewusst, man nimmt sie zwar als Teil der Lieder war, jedoch wird einem erst bei genauerer Überlegung klar, wie viel Arbeit hinter „Liquid“ stecken muss. So ein Album produziert man nicht mal so eben nebenher, Wilder arbeitet sich tief, sehr tief, in seine Kompositionen ein, und verleiht so jeder einzelnen eine einzigartige Klangfarbe.
Diese ist, wie könnte es anders sein, natürlich pechschwarz, doch Wilder suchte sich diese Farbe bewusst aus, beruht sie doch auf ein besonderes Ereignis, welches „Liquid“ ganz klar zu einem Gesamtkunstwerk, ja sogar einem Gemälde, macht. Wilder war Augenzeuge eines Flugzeugabsturzes in England, den er aus seinem Auto heraus miterlebte. Das erste Lied der CD „Blackbox“ verdeutlicht dies, und beschreibt die Szenerie aus der Sicht des Augenzeugen, der möglicherweise (oder sicherlich) Alan Wilder selbst darstellt.
„Black Box“ besteht aus zwei Teilen, der erste befindet sich am Anfang, der zweite am Ende des Albums; deutlicher kann man das Album ja gar nicht als Gesamtkunstwerk beschreiben. Doch was liegt zwischen diesen beiden Liedern?
Gedanken. Alan Wilder sagte, die restlichen Lieder beschreiben die Gedanken, die dem Augenzeugen beim Anblick der Absturzstelle in den Sinn kommen, dass Leben sollte an seinen Augen vorüber ziehen, so Wilder. Und in Anbetracht der Texte macht dies auch Sinn. Gescheiterte Beziehungen, wie bereits erwähnt, scheinen den Kern dieses Lebens beschrieben zu haben.
Ein Lied sollte trotz allem Gesamtkunstwerk besonders hervorgehoben werden. Das dritte Stück „Jezebel“ weicht von den anderen leicht ab, was unter anderem daran liegt, dass tatsächlich gesungen wird, jedoch von einem Quartett schwarzer Gospelsänger, dem „Golden Gate Jubilee Quartet“.
Interessant wird es aber daher, da Alan Wilder auch bei diesem Lied nicht auf die düstere Stimmung verzichtet hat. So hört man also die lockere Stimme eines Gospelsängers, der von der religiösen Person Jezebel, deren Sünden und böse Taten Gott nicht länger dulden will, und daher beschliesst sie in Öl zu kochen. Jezebel, vom Tod selber gewarnt, der ihr baldiges Ende im Buch des Lebens vorhersagt, stirbt. Begleitet wird die seltsam fremd wirkende Stimme dabei von flüsternden Lauten, dunklen Schlagzeugrhytmen, ebenso dunklen Synthesizer Tönen und vielen kleinen versteckten Lauten und Stimmen, wodurch eine Atmosphäre aufkommt, die ihresgleichen sucht und nicht gefunden hat, wie ich finde.
Diese Lied hat mich von der ersten Minute an schlichtweg umgehauen. Mein persönlicher Anspieltip.
Abschliessend bleibt zu sagen, dass die Bewertung dieser CD natürlich einen gewaltigen Bonus durch ihre Originalität erhalten hat. Etwas Vergleichbares habe ich noch nie gehört, und so etwas perfektes auch sehr selten. „Liquid“ fesselt, ist packend und unangenehm beklemmend und führt an die Abgründe des menschlichen Verstandes.
Doch natürlich gibt es auch Abzüge, die aber von Hörer zu Hörer in ihrer Wichtigkeit variieren werden. Es ist natürlich sehr schwierig, einem Album die volle Aufmerksamkeit zu schenken, wenn es sich ausschliesslich um gesprochene Texte handelt, von den Liedern „Jezebel“ und „Strange Hours“ (auch beide als Singles ausgekoppelt), die noch am kompatibelsten sind, mal abgesehen. So sinkt nach der ersten halben Stunde die Aufmerksamkeit, und die anfängliche Begeisterung tut es ersterer gleich.
Doch alles in allem ist „Liquid“ ein überaus gelungenes und intensives Stück Musik geworden, das sich kompositorisch nicht hinter den Alben der alten Kollegen von Depeche Mode oder sogar Nine Inch Nails verstecken muss. Ein schwieriges Hörvergnügen zwar, doch meiner Meinung nach eine Anschaffung allemal wert, allein der Innovation wegen.
Pro: gute Sounds Kontra: etwas gewöhnungsbedürftig gegenüber den anderen LP's
Bei Depeche Mode warAlan Wilder der Mann der die Sounds kreierte, austüftelte der Soundmaker eigentlich. Nach Jahren (wenn ich mich nicht irre, waren es 13 an der Zahl) verließ Alan 1996 Depeche Mode, um sich seinem heimlichen Projekt RECOIL zu voll zuzu ...
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Pro: Schön mal wieder von ihm zu hören Kontra: ...aber nicht so viel!
Neben A Perfect Circle gebührte "Recoil" die Ehre, einen Teil der letzten Nine Inch Nails-Tour zu supporten. Das sollte aber nicht dazu verleiten anzunehmen, es handele sich hier um ein weiteres Fossil aus der Progressive-Rock-Szene, ganz im Gegenteil. St ...
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Cover-Design:
Klangqualität:
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Dieser Tonträger ist:
sehr hilfreich
23.11.2000
Düstere Dramen Bewertung für Liquid - Recoilvon
ChilledDreams
Pro: Es ist schön Kontra: nichts
...Recoil aka Alan Wilder war früher der soundmäßige Mastermind von Depeche Mode. Sein Weggang hat mich damals schockiert. Aber er macht es mit inzwischen gereiften Eigenproduktionen wieder gut.
Liquid ist das bisher letzte Album von Recoil und ich würde ...
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...Endlich, das neue Recoil Album ist auf dem Weg zu Euch nach hause. 10 Songs voller inspirierter Klangqualität eines Mr. Alan Charles Wilder. Im Opener `Black Box` spricht eine männliche Stimme, die Geschichte, die Liquid wohl wiederspiegeln soll. Als ich Alan im Interview auf diese Stimme ansprach, dachte ich eigentlich, das er selbst zu Black Box gesprochen hätte, doch ist es nicht er der spricht, sondern ein besonderer Freund, der den neuen Longplayer von Alan Wilder eröffnet. `Want´ gehört zu den besten Songs, die Alan Wilder je geschrieben hat. Der Sprechgesang ist So in die Musik involviert, das man sich einen wirklichen Gesang dazu nie hätte vorstellen können. Liquid ist auf seine Weise wirklich einzigartig und sensationell inszenierte Produktionsarbeit einer der besten Musiker, die es auf der Welt gibt. In liquid steckt, wie man...
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