Heute möchte ich mich nach längerer Zeit mal wieder in ein Terrain wagen, welches ich sehr liebe und trotzdem Berichten dazu extrem respektvoll gegenübertrete, der Musik. Wagen in zweierlei Hinsicht, zum einen auf Grund der schwer greifbaren Faszination, die Musik in einem auslösen kann, zum anderen aber auch, da ich im digitalen Zeitalter schon gar nicht mehr zu den gepressten Scheiben im Laden greife. Dank Plattformen wie simfy oder Spotify braucht man diese für den heimischen Genuss guter Musik nämlich - meiner Meinung nach - gar nicht mehr.
Als ich in der Beststeller-Lotterie nun ein Album einer von mir sehr geschätzten Künstlerin entdeckt habe, konnte ich einfach nicht anders als schreiben, auch wenn ich mir "nur" die digitalen Versionen der Lieder zu Gemüte führe. Man braucht schließlich nicht eine silbern-glänzende Scheibe, um über Musik berichten zu können.
*~* Norah Jones *~*
Norah Jones ist eine US-amerikanische Jazz-Sängerin, Pianistin und Songwriterin. Bei Wikipedia wird sie, auf Grund einer Filmrolle im Jahr 2007, ebenfalls als Schauspielerin gelistet. In ihrer Kindheit erlernte sie einige Instrumente und erhielt für Gesang und Kompositionen einige Preise. Nach der Veröffentlichung des Albums "Come away with me" im Jahre 2002 konnte Norah Jones bisher 10 Grammys und zahlreiche andere Preise mit nach Hause nehmen.
Aufmerksam wurde ich auf Norah Jones durch das Lied "Sunrise", welches ich damals zufällig im Musikfernsehen entdeckte. Es brannte sich so sehr in meinen Kopf, dass ich auch jetzt noch ab und an aus heiterem Himmel die Melodie samt Textfragmenten im Kopf habe. Seitdem habe ich, zugegebenermaßen etwas lückenhaft, immer wieder mal ein Ohr auf ihre Werke gehabt. Das neueste Album nennt sich
*~* Little Broken Hearts *~*
Da ich, wie gesagt, nicht über eine CD-Version verfüge, bitte ich um Verständnis, dass ich so essentielle Dinge wie die Farbgestaltung des Covers, die Fotoqualität des Booklets oder die Verarbeitung der Plastikhüllen nicht näher beschreiben kann. Stattdessen werde ich direkt zum wesentlichen kommen, der Musik.
Tracklist:
01: Good Morning
02: Say Goodbye
03: Little Broken Hearts
04: She's 22
05: Take It Back
06: After The Fall
07: 4 Broken Hearts
08: Travellin' On
09: Out On The Road
10: Happy Pills
11: Miriam
12: All A Dream
* 01 - Good Morning *
Die ersten Pianotöne erinnern mich ein wenig ans Ave Maria, diese Assoziation hat sich aber schon beim Einsetzen der Gitarrenklänge zerschlagen. Zusammen mit Norahs Gesang bildet es eine harmonische Einheit, passt klanglich zum Aufstehen - noch nicht ganz wach halt. Teils sehr sphärisch angehaucht kommt dieses Lied recht ruhig daher, im Gegensatz zu einem klassischen Pop-Album nicht gerade ein schwungvoller Opener. Die Gitarre schrammelt ein wenig im Hintergrund dahin, aber gesanglich ist Norah hier auf jeden Fall top.
6/10 Punkten - definitiv Geschmackssache, meiner nicht ganz aber ein gutes Lied
* 02 - Say Goodbye *
Hier versteckt sich direkt am Anfang schon wesentlich mehr Schwung als bei "Good Morning". Eine eingängige, elektronische Melodie, im nahen Vordergrund erkennt man sogar einen ins Ohr gehenden Beat. Norah ist aufgewacht, die Stimme leicht verzerrt klingend, könnte man hier schon fast behaupten sie rockt die Menge. Auch wenn es sich hier defintiv eher um einen Pop-Song hat, so bleibt trotzdem das jazzige, soulige erhalten, alleine schon durch Norahs Stimme.
"Well, it ain't easy to stay in love
When you're telling lies,
So I'll just have to take a bow
And say goodbye."
9/10 Punkten - eingängig, mitreißend, so muss Musik sein
* 03 - Little Broken Hearts *
Müsste man Vergleiche zum aktuellen Pop-Himmel ziehen, wäre hier Lana del Rey wohl am ehesten angebracht. Leicht düster und musikalisch eher monoton kommt "Little Broken Hearts" daher und setzt die Stimme von Norah richtig in den Mittelpunkt. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, ist auch die Hintergrund sehr eingängig. Nicht unbedingt ein Song zum Träumen, eher nachdenklich. Hier kommen die Soul- und Jazz-Wurzeln deutlicher heraus, jedoch ohne den Song in eine bestimmte Musikrichtung hin zu charakterisieren.
"Little broken hearts of the night
Slowly picking up their knives
On the way to the fight
Tonight they want revenge"
10/10 Punkten - die Einfachheit und Vielfalt zugleich lässt hier nur die Höchstwertung zu
* 04 - She's 22 *
Mit "She's 22" kommt ein Song, wie ich ihn von Norah Jones kenne und eigentlich auch erwarte. Ruhig, mit einem Hauch von Jazz, im Prinzip wie "Sunrise" nur düsterer.
"Your flowers grow in the frozen snow
And I'd like to know if it's all a show
'Cause you sure look happy
Are you really happy?"
Auch dieser Song plätschert mehr oder weniger nur vor sich hin, schafft es aber doch eine Stimmung zu erzeugen, die zum Nachdenken anregt. Dies ist sicherlich auch mit begründet in den tiefsinnigen, sehr bildhaften Texten von Norah.
9/10 Punkte - Schön, aber leider schon etwas zu monoton
* 05 - Take It Back *
"Take It Back" lässt sich wirklich schwer beschreiben. Leichte Dissonanzen, teils fast schon rockig angehaucht, aber doch ruhig, melancholisch und wieder diese typische Soul- und Jazz-Note. Gefällt es mir? Ich bin hin- und hergerissen. Da der Song verhältnismäßig wechselhaft ist, gibt es Passagen die ich wahnsinnig toll finde, andere öden mich ein wenig an.
"Words spoken silently
I could never understand
How breath delivers such poison
To someone too weak to stand"
Gerade das etwas rockigere Ende, was für Norah Jones eher ungewöhnlich klingt, verleiht dem Song aber auch wieder ein gewisses Etwas, zumal es sich über recht lange Zeit hinwegzieht. Insgesamt ist dies eher ein Song um in Gedanken zu verfallen, der im Hintergrund die Untermalung bietet, aber nicht wirklich durchdringt.
7/10 Punkte - Gehobenes Mittelfeld, sicherlich nicht der schlechteste Song, aber auch nichts, was zu jeder Gelegenheit gehört werden kann
* 06 - After The Fall *
Wenn auch ein wenig heiterer von der musikalischen Untermalung als der Vorgänger, kommt man auch bei diesem Song in Versuchung, sich zurückzulehnen und die Gedanken schweifen zu lassen. Eher verträumt als nachdenklich, mit mehr Hintergrundmelodie, wird Norahs Stimme schon ein wenig verdrängt. Trotzdem eine gelungene Mischung, die aber auch nicht zu 100% vom Hocker hauen kann. Die gewohnte Melancholie ist auch hier in gewisser Weise vorhanden und bildet den Gegenpol zu den etwas frühlingshafteren Klängen, allerdings trotz Gegenpol in einer sehr guten Einheit.
"You never told me about the winter
Everyday was changing
But I remember
But life went on
In my mind so cold"
8/10 Punkten
* 07 - 4 Broken Hearts *
Gitarre und Schlagzeug am Anfang bringen hier Assoziationen zur Band "Element Of Crime" hervor, man erwartet statt Norah Jones schon fast die einsetzende Stimme von Sven Regener. "4 Broken Hearts" ist wieder ein musikalisch gemischter Song, mal ruhig und eher eintönig, mal etwas lauter und schneller, jedoch auch hier sind die Wechselspiele perfekt aufeinander abgestimmt. Zwar geht er, im Vergleich zu den Vorgängern, wieder etwas mehr in den Kopf rein als nur ins Ohr, ist aber auch eher für melancholische Stunden als zum einfachen Abschalten.
"And we tried to be faithful
But didn't get far
Now all we'll be left with is 4 broken hearts"
7/10 Punkten
* 08 - Travelin' On *
Ein weiteres Highlight der CD stellt definitiv "Travelin' On" dar. Die zarten Gitarrenakkorde, die sanfte Stimme von Norah, dazu die punktuelle Cello-Untermalung, die musikalisch gefühlvolle Akzente setzt - dieser Song quillt über vor Gefühlen und man kann sich nicht entscheiden - möchte man der Gänsehaut erliegen, oder einfach nur auf der Musik träumend hinfort schweben.
"If you notice that I'm falling behind
I'm taking my time taking it all in
So call me when you get where you're going
I'll keep travelin' on, travelin' to you"
Es ist kein Gute-Laune-Song, aber er hat einfach das gewisse Etwas, was auch "Sunrise" damals hatte, man kann sich dabei perfekt zurücklehnen und Kraft tanken.
10/10 Punkten - Absoluter Anspieltip, genau das, was ich an Norah Jones liebe
*09 - Out On The Road *
Musikalische Kehrtwende - "Out On The Road" ist ein absoluter Gute-Laune-Song, der zum Mitwippen einlädt. Nicht tanzen - nur wippen! In einer ganz speziellen musikalischen Mischung aus Jazz, Soul, Country und etwas undefinierbarem mit drin, was einfach nur Stimmung ausstrahlt. Dazu noch Norahs Stimme in voller Entfaltung und automatisch klappen hängende Mundwinkel nach oben.
"On my way to paradise
A little voice says,
"Don't think twice
And don't look back if you want things to change""
Einfach nach vorne, das ist sowohl die Aussage des Songs als auch die Wirkung und das ganz ohne den Anschein eines Pop-Songs in gewohnt bekannter, eher ruhiger Art.
10/10 Punkten - kann es noch besser werden?
* 10 - Happy Pills *
Poppiger Soul, das trifft diesen Song wohl relativ gut. Man könnte sich "Happy Pills" auch gut im Radio zwischen dem Rest der Charts vorstellen, was sicher auch an dem eingängigen Beat liegt, der hier mitspielt. Unter normalen Umständen hätte ich den Song im Radio vielleicht wahrgenommen, für gut befunden, aber nicht weiter Beachtung geschenkt.
"How does it feel?
Oh how does it feel to be the one shut out?
You broke all the rules.
I won't be a fool for you no more my dear."
Trotzdem geht er irgendwie ins Ohr und das ist sein Vorteil. Die Melodie ist einfach, aber eingängig, Norahs Stimme muss ich wohl nicht noch weiter loben, und trotz der poppigen Einflüsse passt es doch zu Norah.
8/10 Punkten - letztendlich etwas zu wenig Norah Jones für meinen Geschmack
* 11 - Miriam *
"Miriam
That's such a pretty name
I'm gonna say it when
I'll make you cry"
Eine leicht düstere, bedrohliche Stimmung, untermalt mit viel Piano, passt wunderbar zu dem gesäuselten Text. Ein kleiner Hauch Wahnsinn schwingt in diesem Lied mit, bedingt durchs Fremdgehen - genial interpretiert von Norah Jones. Man kann richtig mitfühlen, wie die Emotionen der betrogenen Frau ausbrechen wollen.
"I know he said it's not your fault
But I don't believe that's true
I've punished him for being too weak
Now I've saved the best for you"
Es ist kein Song, den ich einer bestimmten Stimmung zuordnen würde. Eigentlich passt er nirgendwo richtig hin, man kommt dabei nicht ins Träumen, nicht ins Grübeln, aber doch kann man nicht anders als ihn zu genießen.
"Oh Miriam
That's such a pretty name
And I'll keep saying it
Until you die"
Vielleicht wäre der einzige Anlass, zu dem dieser Song wirklich passen würde, eben genau die beschriebene Situation, doch trotzdem strahlt er eine wahnsinnige Faszination aus. Von vorne bis hinten absolut perfekt, obwohl er eigentlich gar nicht ins sonstige Bild von Norah Jones passt.
10/10 Punkten - Anspieltipp, da er völlig aus der Art fällt und trotzdem fasziniert
* 12 - All A Dream *
Zum Abschluss stellt Norah Jones wieder eine sehr düstere Stimmung her, heulende Gitarrenklänge, sanft gesetzte musikalische Akzente mit Schellen und Schlagzeug, dazu düsterer Gesang, trotzdem irgendwie zum mitwippen. Auch von diesem Song geht eine Faszination aus, die sich nicht wirklich beschreiben lässt. Man wird immer tiefer und tiefer in den Bann der Musik gezogen, dem Ende des Albums entgegen.
"My stomach starts to churn
And the curtains in the wind begin to burn
And now I know it's all a dream"
9/10 Punkten - ein gelungener Abschluss
105/120 Punkten ~ 87,5%
*~* Fazit *~*
An Hand der Einzelwertungen der Songs ergibt es sich schon deutlich, dass das Urteil nur 5 Sterne lauten kann. Hätte ich zwischen 2 Sternen schwanken müssen, wäre aber auf Grund von Songs wie "Travelin' On", "Out On The Road", "Little Broken Hearts" und "Miriam" die Entscheidung für die höhere Wertung sicherlich nicht schwer gefallen. Die absolut erstaunliche Vielfalt, die Norah Jones hier wieder an den Tag gelegt hat, verpflichtet quasi dazu, sich näher mit diesem Album zu beschäftigen. Sicherlich sind Geschmäcker verschieden, einen Hip-Hopper wird man von den Qualitäten von Norah nicht überzeugen können, aber für Freunde von Jazz, Soul und den eher gediegeneren Klängen, die auch was mit Künstlern wie Katie Melua, Element Of Crime oder Coldplay anfangen können, die sind mit diesem Album definitiv gut aufgehoben. Ich werde sicher weiterhin auch immer wieder auf die Klänge von Norah Jones zurückgreifen und kann jedem nur dazu raten es mir gleich zu tun. War ich anfangs noch ein wenig enttäuscht und verunsichert, ob dieses Album mit Freude bringen wird, hat es sich im Laufe der Songs immer wieder gesteigert und durch seine Vielfalt die unterschiedlichsten Emotionen hervorgerufen. Ebenfalls die gezielte und gekonnte Verwendung unterschiedlichster Instrumente hat dazu einen großen Beitrag geleistet, so dass hier nicht nur der Gesang, sondern auch die komplette Umsetzung phänomenal ist.
5 Sterne und eine volle Empfehlung!
© by FrankyMarc, 19.05.2012, unter Verwendung von Informationen von Wikipedia sowie Textausschnitten von Norah Jones
22.04.2013 17:16
Sollte man mal reinhören. Gruß Achim
04.04.2013 15:11
BH! Norah Jones mag ich auch sehr gerne. Das Album kenne ich allerdings nicht, werde ich mal reinhören!
27.11.2012 20:59
bh :)