Live at Carnegie Hall - Renaissance

Live at Carnegie Hall - Renaissance

von Renaissance

Rock - 1 - CD - Label: H. T. D. - Vertrieb: Rough Trade - Veröffentlicht am: 3. Mai 1999 - EAN: 5023387004022 mehr

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... Lange Zeit war dieser Livemitschnitt der einzige, den es von Renaissance zu kaufen gab - und er ist bis heute einer der beiden besten. Aber wer sind/waren Renaissance? Hier eine Telegramminfo für Nochnichtbewanderte: die fünfköpfige britische Band Renaissance gilt als eine der stillen Größen ... Bericht lesen





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Ein Vollbad von einem Album
Erfahrungsbericht von Pengoblin über Live at Carnegie Hall - Renaissance
27.09.2005


Produktbewertung des Autors:   

Cover-Design: gut 
Klangqualität: gut 
Langzeithörspaß: wird nie langweilig 

Pro: Konsequent melodisch, virtuos
Kontra: .  .  . man hört's wohl gar nicht  -  oder aber dauernd

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

1975 war ein großes Jahr - vielleicht DAS Jahr - für Renaissance. Die britische Band gab ihre spektakulärsten und virtuosesten Konzerte und gastierte u.a. für einige Abende in der legendären Carnegie Hall, unterstützt von einem 30köpfigen Orchester unter der Leitung von Terry Cox. Lange Zeit war dieser Livemitschnitt der einzige, den es von Renaissance zu kaufen gab - und er ist bis heute einer der beiden besten.

Aber wer sind/waren Renaissance? Hier eine Telegramminfo für Nochnichtbewanderte: die fünfköpfige britische Band Renaissance gilt als eine der stillen Größen des Genres Classic bzw. Symphonic Rock. Ihr besonderes Markenzeichen war neben der großartigen Stimme Annie Haslams die Eigenart, die Stücke statt mit E-Gitarre oftmals mit Orchester zu arrangieren; dies haben Renaissance mit am konsequentesten über mehrere Alben in ihren Sound integriert. Das Repertoire bestand zum größten Teil aus epischen Stücken mit zumeist recht lyrisch-entrückten Themen, aber auch aus sehr schwungvollen, melodischen Arrangements, die auch das ein und andere klassische Zitat nicht scheute.

Die Band: ANNIE HASLAM (Gesang), JOHN TOUT (Piano, wenige andere Keyboards), JON CAMP (Gesang, Bass), MICHAEL DUNFORD (akustische Gitarre), TERENCE SULLIVAN (Schlagzeug), Orchester, keine E-Gitarre.

Das Album: 2CDs, sehr schöne Außengestaltung, innen drin das übliche freundliche Fotosammelsurium von vor und hinter der Bühne (was durch die CD-Formatierung leider ins Lupenbedürftige abgleitet), einige Begleitnotizen. Die Aufnahmequalität ist für die Zeit der Entstehung des Albums recht gut, wenn auch gelegentlich etwas verwaschen gegenüber den meistenteils rauheren Studioklängen.

Die Playlist (in Klammern setze ich den Titel des Albums der urspr. Studioversion): CD 1: PROLOGUE (8min, Prologue) OCEAN GYPSY (7min, Scheherazade & Other Stories) CAN YOU UNDERSTAND? (11min, Ashes Are Burning) CARPET OF THE SUN (3min, Ashes Are Burning) RUNNING HARD (10min, Turn Of The Cards) MOTHER RUSSIA (10min, Turn Of The Cards) /// CD 2: SONG OF SCHEHERAZADE (28min abzgl. 3min Gerede, Scheherazade & Other Stories) ASHES ARE BURNING (24min, Ashes Are Burning).

Das Konzert: Vornweg vielleicht eine kleine 'Warnung' - dies ist ein Vollbad von einem Album. Es ist mit Melodie und Schwung, konsequenter Harmonie und unaufdringlicher Virtuosität so vollgestopft, daß man sich davon nur entweder 'durchperlen' lassen kann - oder man legt relativ rasch etwas Rauheres und Kantigeres auf. Für dieses Album gilt, was für fast alle Renaissance-Alben der 70er gilt, in ganz besonderem Maße: man muß drin schwelgen können. Es ist ein Album, das man entweder gar nicht hört oder immer wieder.

Eröffnet wird mit dem - gewissermaßen schon titelbedingt - typischen Intro eines Renaissance-Konzertes, dem schmissigen, pianofreudigen Vocalesestück PROLOGUE. Mit Vocalese ist die von Annie Haslam gelegentlich (nicht zu oft) gepflegte wortlose Gesangstechnik gemeint, wo die Stimme eher als 'Leadinstrument' denn als Textträger gemundhabt wird. Und Haslam ist auf diesem Konzert in Hochform: ihre Stimme wirkt unglaublich sicher und energiegeladen und scheint Band & Orchester anzutreiben, so daß fast alle Passagen des Live-Albums zwar nicht schneller, aber noch einen Tick dynamischer wirken als die Studioversionen. Prologue ist mit seinen Melodieläufen und jazzig-klassigen Harmonien der ideale Opener, um das Publikum in die typische entrückte Stimmung eines Renaissance-Konzertes einzuführen.

Etwas ruhiger wird es mit dem zweiten Stück, der unirdisch schönen sanften Ballade OCEAN GYPSY. Das schwebende, atmosphärisch dichte Stück um gefundene und verlorene Liebe und allgemeines Lebensweh (… ist ja eigentlich nicht gerade ein seltenes Thema für Lieder, aber hier besonders schön poetisch umgesetzt) darf sicherlich als eines der Meisterstücke aus der Feder des Hauptsongwriters Michael Dunford gelten - den ich um so mehr schätze, weil er auf der Bühne völlig bescheiden im Hintergrund seine Rhythmusgitarre zupft und seinen Kollegen den Großteil des virtuosen Tuns überläßt.

Es folgt CAN YOU UNDERSTAND? - bei diesem Stück tritt nun auch das bislang sehr zurückhaltend agierende Orchester stärker hervor und tritt in eine sehr gelungenen, schwungvollen Dialog mit der Band; zunächst ist das Stück instrumental und schnell, wird dann sehr leise, der Gesang setzt ein, und ganz allmählich werden wieder der volle Einsatz und der ursprüngliche Schwung des Stückes wiedererlangt. Das Stück ist in dieser Liveversion ein unbedingtes Muß, wenn man Renaissance mag, und sicher eine Extraperle selbst unter den zahlreichen anderen gelungenen Werken der Band.

Als einziges Kleinod inmitten der Epen folgt einer der beiden einzigen kleinen Single-Hits der Band, CARPET OF THE SUN. Seinerzeit war es das erste Lied, das Renaissance mit Orchesterarrangement angereichert hatten, und so durfte es hier natürlich nicht fehlen. Sehr melodisch, sehr brav, textlich etwas naiv (der Titel basiert auf einem 'Kinderzitat', wo eine Blumenwiese als Teppich der Sonne bezeichnet wurde), aber nett.

Es folgen zwei Stücke aus dem damals neuesten Album Turn Of The Cards, das dynamische RUNNING HARD, wo besonders Pianist Tout zeigen kann, was er draufhat, sowie das melancholisch-kraftvolle MOTHER RUSSIA. Beide Stücke sind unverwechselbar Renaissance, haben schon recht klassische Dimensionen und gewinnen durch die Liveatmosphäre deutlich an Kraft (Letzteres mag aber auch mein Eindruck sein, weil ich diese Aufnahmen zuerst kennenlernte - das prägt ja). Sie zählen ganz klar beide zu meinen privaten Renaissance-Favoriten.

Die zweite CD wird ausgefüllt von nur zwei Stücken. Zunächst folgt das Magnum Opus von Renaissance, der 25minütige SONG OF SCHEHERAZADE, Titelstück des damals kurz vor der Veröffentlichung stehenden Albums Scheherazade & Other Stories. Zunächst erzählt einer der Musiker (Jon Camp, glaube ich) kurz die Rahmengeschichte (ich übernehme das hier aus meinem Bericht über das Studioalbum):
Der Sultan von Baghdad ist aufgrund der Untreue seiner ersten Liebe entschlossen, nie wieder betrogen zu werden und sich an den Frauen zu rächen. Daher wird jeden Abend eine schöne junge Frau ausgewählt und zu ihm gesandt, um am nächsten Morgen enthauptet zu werden, ehe sie dem Sultan untreu werden kann. Eines Tages wird die schöne junge Scheherazade ausgewählt, und sie rettet sich mit einem Trick: sie beginnt eine so lange und faszinierende Geschichte zu erzählen, daß der Sultan am nächsten Morgen die Hinrichtung aufschieben muß, weil die Geschichte noch nicht fertig erzählt wurde und er sonst das Ende verpaßt. In der folgenden Nacht ist es das Gleiche: wieder kommt der Morgen inmitten einer fesselnden Geschichte, und die Hinrichtung wird verschoben. So geht das 1001 Nacht lang, bis schließlich - natürlich längst unsterblich in Scheherazade verliebt - der Sultan von seinem blutigen Schwur abläßt, Scheherazade heiratet und das ganze Volk mitfeiert. Der SONG OF SCHEHERAZADE folgt dieser Handlung in großen Sprüngen, eigentlich gibt es drei 'Blöcke': "The Sultan": die Vorgeschichte wird erzählt, und Scheherazade kommt zum Sultan / "The Young Prince and Princess, as Told by Scheherazade" - stellvertretend wird eine einzelne der Geschichten Scheherazades erzählt / "The Festival" - der Sultan bekennt sich erneut zur Liebe, es wird gefeiert.
Das üppig orchestrierte Stück wird von Band und Orchester perfekt und mit lässiger Virtuosität umgesetzt, selbst der ansonsten vergleichsweise bläßliche männliche Gesang gewinnt an Kraft und Ausdruck. Weil natürlich ein so kunstvoll errichtetes Klanggebäude nicht viel Raum für Abweichungen bei der Umsetzung auf der Bühne läßt, gibt es nur hier und da kleine Unterschiede zur Studioversion, die wohl nur den schon etwas enthusiastischeren Fan interessieren dürften. Es ist einfach Geschmackssache, welcher Variante man den Vorzug gibt. Daher ist auch die Liveversion - Gerede abgerechnet - fast auf die Sekunde gleichlang mit der Studioversion.

Für den Mangel an freier Bandentfaltung entschädigt das zweite Stück, DAS Glanzschlußlicht fast jedes Renaissancekonzertes über Jahre hinweg und zugleich das Stück, bei dem sich die Versionen (ich habe, glaube ich, sechs verschiedene) am deutlichsten voneinander unterscheiden und Stärken und Schwächen der Band besonders zutage treten lassen: ASHES ARE BURNING. Die Studioversion ist etwas über 11min lang, diese Liveversion dauert 24min. Da an diesem Stück kein Orchester beteiligt ist, hat die Band mehr Freiraum zur Entfaltung, und den nutzt sie auch. Besonders John Tout und Jon Camp tun sich mit ausgiebigen Keyboardausflügen (Tout) und einem lässiggekonnten, melodischen Bassgitarrensolo (Camp) hervor. Das erste, gesungene Drittel ist dem Studiostück sehr nahe, erst ab der zweiten und schnelleren Passage entfalten sich Renaissance als eine Band von Könnern auch jenseits der fertigen Studiovorlage.
Einen eigenen Absatz möchte ich bei diesem Stück wieder Annie Haslam widmen. Obwohl sie im Grunde bei Ashes nicht so sehr viel zu tun hat, ist ihr Gesang in dieser Version des Stückes das Element, welches es seit fast 25 Jahren unangefochtenen zu einem meiner drei, vier Lieblingsstücke meiner (nicht ganz kleinen) Sammlung macht. Die Studioversion von Ashes wird mit einem ganz ruhigen Gesangsteil eingeleitet, der in ein langsames E-Gitarrensolo mündet, das dann langsam ausblendet. Da Renaissance später keine E-Gitarre mehr verwendeten, übernahm es Annie Haslam, dem ansonsten recht gleichförmigen Schlußstück Melodie und Ausdruck zu verleihen. Haslam entschwebt dabei mit lässiger Kraft in Tonhöhen, die vom Quieken wirklich nur noch eine Haaresbreite entfernt sind, ohne irgendwie angestrengt oder unsicher zu wirken, und es gelingt ihr, selbst diese Töne noch sicher zu modulieren und zu halten. Das ist in dieser Aufnahme um so bewundernswerter, als es in späteren Aufnahmen Haslam selbst nur noch bedingt gelang, diese stimmliche Kraft und Perfektion zu erreichen; es macht diese eine Aufnahme - zumindest für mich - zu einem einzigartigen und vielleicht schon etwas unirdischen Moment. Und wer das ganze Album bis hierher 'geschafft' und genossen hat, wird mir vielleicht meine Schwärmerei verzeihen…
Ich finde, es gibt viele gute, aber nicht wirklich viele wahrhaft großartige Livealben. Während z.B. Metallicas "S & M" wohl ganz klar eines der kraftvollsten Band-mit-Orchester-Livealben überhaupt ist, überzeugt "Live in Europe" von Transatlantic mit einem atemberaubend gekonnten dynamischen Bandzusammenspiel, "Seconds Out" von Genesis mit lebendiger Perfektion, "Yesshows" von Yes mit übersprudelnder Kreativität und so fort. "Live at Carnegie Hall" von Renaissance ist sicherlich bei weitem nicht so spektakulär wie diese anderen Alben, aber in meiner ganz persönlichen Hitliste wird es wohl immer mit ganz oben stehen und mich mit seiner ganz eigenen Faszination entführen. Während ich die anderen Renaissance-Alben häufig als vertraute Hintergrundmusik schätze (ich kann dabei sehr gut Briefe schreiben), geht es mir mit "Live at Carnegie Hall" wie mit meinen liebsten Klassikaufnahmen: am liebsten mit wenig Beleuchtung hören, in angenehmer Lautstärke, sich sanft durchwirken lassen. Danach fühle ich mich immer wie nach einem guten Vollbad: etwas erschöpft, aber durchwärmt und sehr wohl. Wer lieber duscht, hört dann eben was anderes…
   


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Leise, verspielt und eine schöne Erinnerung
Bewertung für Illusion - Renaissance von  Pengoblin

Pro: Origineller, leise-charismatischer Früh-ling des Classic Rock
Kontra: Man muß schon die 70er mögen...

...Gesangspassagen mit Spinett, die eine instrumentale Bandimprovisation umrahmen (Kenner werden das Orgelsolo in dieser Aufnahme in "Ashes are Burning" auf "Live at Carnegie Hall" wiederfinden). "Face of Yesterday" (6min) ist, wie ich finde, bis heute eine der absolut schönsten Balladen nicht nur von Renaissance, sondern der frühen 70er überhaupt und hätte wesentlich größeren Erfolg verdient gehabt. Hier kommt Jane Relfs Stimme (von der man leider insgesamt weniger hört als auf dem Vorgänger) sehr schön zum Tragen. "Past Orbits of Dust" (14min) zuletzt ist ganz offenbar daraufhin angelegt, daß nach dem Gesangsteil so nach und nach die freie Bandimprovisation einsetzt - im Ergebnis ein verhalten dynamisches, charismatisches Stück, das immer leiser und ferner klingt, bis zuletzt nur noch Bass und Klavier sich entschwindende Tonreihen zuflüstern... Bericht lesen

Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als hilfreich

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01.01.1970


Illusion - Renaissance

Haupteigenschaften

Titel: Live at Carnegie Hall

Künstler: Renaissance

Genre: Rock

Schlagworte: Classic Rock & Pop; Pop international; Progressive Rock; Art Rock; Flower Power

Medium: CD

Set-Inhalt: 1

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