Der Mitschnitt eines Liveauftritts von Ian Gillan ist ein echter Wiedergänger – seit Jahr und Tag begegnen einem die Aufnahmen aus Reading immer wieder; mal in Form kostenloser Dreingaben auf den CD-Versionen der regulären Studioalben des Deep Purple-Sängers, mal, wie hier, in Form eines eigens ... Bericht lesen
Aus Erich Honeckers Geheimakten: Der Mann mit der Drucklufthupe
Erfahrungsbericht von Spassprediger über Live at Reading '80 - Ian Gillan 02.07.2010
Produktbewertung des Autors:
Cover-Design:
nicht so toll
Klangqualität:
nicht so toll
Langzeithörspaß:
wird sehr schnell langweilig
Pro:
Die Stücke des Sets
Kontra:
Der Mann mit der Hupe verübt ein musikhistorisches Kapitalverbrechen
Empfehlenswert?
nein
Kompletter Erfahrungsbericht
Der Mitschnitt eines Liveauftritts von Ian Gillan ist ein echter Wiedergänger – seit Jahr und Tag begegnen einem die Aufnahmen aus Reading immer wieder; mal in Form kostenloser Dreingaben auf den CD-Versionen der regulären Studioalben des Deep Purple-Sängers, mal, wie hier, in Form eines eigens für die Stücke des Reading-Gigs reservierten Tonträgers.
Die Erscheinungsformen mögen wechseln, am Inhalt ändert sich natürlich nichts: In allen Fällen handelt es sich um ein und denselben Mitschnitt, den die altehrwürdige BBC im Rahmen des „Reading Festivals“ am 22. August 1980 für ihre legendäre Friday Rock Show angefertigt hat.
Gute Tradition ist es, dass, in welchem Gewand Gillans Auftritt in der südenglischen Universitätsstadt auch daherkommt, der fragliche Tonträger schon für vergleichsweise kleines Geld zu haben ist. Die Frage danach, woran das liegt, ist schnell beantwortet: Unter Fans (hier: mindestens zweien) hat die Aufnahme nämlich unter dem Alternativtitel „Gillan vs. Der Idiot mit der Drucklufthupe“ traurige Berühmtheit erlangt. Ja, richtig gelesen: Unter die Fans des Sängers hat sich damals auch ein Menschlein gemischt, dem es offenkundig gelungen ist, einen jener Krachmacher ins Open Air-Gelände einzuschmuggeln, die sich auch bei Fans von Fußballturnieren großer Beliebtheit erfreuen. Was jemanden dazu bewegen mag, auf einem Musikfestival mit einem akustischen Warnsignalgeber der Art aufzutauchen, dessen Einsatz wahrscheinlich nur kurz vor der Sprengung im Steinbruch einen Sinn hat, ist mir einigermaßen schleierhaft.
Steckte etwa ein Bediensteter von Honeckers Staatssicherheitsdienst hinter den regelmäßig nicht nur in Pausen zwischen einzelnen Stücken, sondern auch mitten im Song gerittenen Trommelfellattacken? Werde ich dereinst im „SPIEGEL“ einen Artikel über einen Mitarbeiter aus dem Bereich „Störkommando Imperialistisches Beatfestival“ lesen?
Werde ich erfahren, dass ein Inoffizieller Mitarbeiter mit besonders geringer Sachkenntnis im und deshalb äußerst geringer Liebe zum Bereich Hardrockmusik eigens zu westlichen Rockfestivals entsandt wurde, um dort empfindlich zu stören – und so die verlotterte, langhaarige und vermeintlich krawallversessene Jugend des Klassenfeindes ins rechte, sprich linientreu schlechte Licht zu rücken? Wirklich überraschen würde mich das nicht, denn echte Fans von Hardrock/ProgRock der Güteklasse 1A werden zu einem Konzert einer der besten Bands aus dem Bereich kaum mit Vuvuzela, Pump-Nebelhorn oder einem anderen Störsender auftauchen.
R e s ü m e e
Vom Kauf einer jedweden CD, für deren Titel man die Namen „Gillan“ und „Reading“ kombiniert hat, kann ich folglich nur ganz entschieden abraten. Ein enttäuschter, entnervter Gillan-Fan hat mir die damals noch von einem etwas anderen Covermotiv als dem derzeit verwendeten gezierte CD vor Jahr und Tag kostenlos überlassen – ich habe sie, obwohl Ian Gillan einer meiner erklärten Lieblingskünstler ist, lediglich ein einziges Mal gehört und seitdem nicht wieder; die Qualität der Songs und des Auftritts ist unstrittig, die Störaktionen des mit einer Drucklufthupe bewehrten Konzertbesuchers sind ärgerlicher als alles Vergleichbare, was mir je zu Ohren gekommen ist.
Nur der Vollständigkeit halber: das Tracklisting
1. "Smoke On The Water" 2. "Child In Time (live)" 3. "Woman From Tokyo" 4. "Clear Air Turbulence" 5. "Future Shock" 6. "Money Lender" 7. "Unchain Your Brain" 8. "Take A Hold Of Yourself" 9. "Twin Exhausted" 10. "Roller" 11. "On The Rocks" 12. "Sleeping On The Job" 13. "Lucille" 14. "Purple Sky"