Zwei Helden
19.07.2005
Pro:
gute Beats, Lyrics, Sklills, Flow
Kontra:
songs teilweise fast schon fragmentarisch, sehr speziell
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:
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 derDosch
Über sich:
gone
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Erfahrungsberichte:227
Vertrauende:18
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 39 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ähnlich wie Superhelden die mindestens zwei Identitäten besitzen, verfügten MF Doom und vor allem Madlib über mehrere Identitäten. So war Madlib schon als Jaylib oder Quasimoto unterwegs. MF Doom veröffentlichte auch schon unter dem Pseudonym Victor Vaughn. Wenn sich die beiden zusammentun ist es klar, dass sie dafür einen neuen Namen finden: Madvillain. Auf "MADVILLAINY" finden sich ganze 22 Songs, selten länger als 3 Minuten. In der scheinbar kaum zu bändigenden Kreativität der zwei Künstler springen sie von einer Idee zur nächsten. Madlib stellt sein Status als der heißeste Produzent des Undergrounds mal wieder unter Beweis während MF Doom einen Reim and en nächsten abfeuert und in Teils comichafter Manier seine Geschichten erzählt. Los geht’s gleich mit einem Highlight. Bei "ACCORDEON" wurde ein Akkordeon gesampled und über die zwei Minuten des Songs gelooped. Klickendes Drumprogramming und ein schläfriger Bass folgen dem Sample während MF Doom mit verrauchter Stimme erzählt. "MEAT GRINDER" beginnt dann mit hektischem Drum Sample, beruhigt sich dann plötzlich und wird fast ausschließlich von einer breit brummenden Bassline dominiert über die sich geisterhaft ein Gitarrensample legt. In monotoner und gelassener Weise feuert Doom seine Reime ab. Auf einen Chorus wurde wie in fast allen Songs verzichtet. Die Melodie, dass sind die Rhythmen MF Doom's Reime und die ineinandergeflochtenen Samples.
Dass die beiden Musiker einen Großteil ihrer Kreativität aus des Rappers Lieblingspflanze ziehen, beweisen sie bei "AMERICA'S MOST BLUNTED." Auch hier wurde fleißig gesampled, gerne auch Voicesamples aus Filmen der 40er Jahre. Bass und Drumline machen Tempo, ebenso wie die gesampleten Gitarrenlicks. Durchzogen wird das Ganze von Scratches und Weed geschwängerten Lyrics, die auch aus dem Helium gefütterten Lungen Quasimotos kommen: "And they wonder how he dealt with stress so well Wild guess – you could say he stayed sedated Some say booted, some say faded Some day pray that he will grow a farm barn full Recent research shows it's not so darn harmful"
Ebenso weed inspiriert ist sicherlich das träge "RAINBOWS", ein mit Samples gespickter Beat, aufbauend auf einem langsamen Bass, gefüttert mit trägen Bläsern und MF Dooms ebensolchem Gesang. Sonnig wird die Gestaltung dann bei "CURLS", locker zuckende Bassline mit luftigen Samples die das Ganze wie eine frische Briese durchwehen. Aber es mogeln sich immer dunkle Wolken dazwischen, dramatische Orgelsamples tauschen ab und an auf. Textlich zeichnet Doom in dem 1:38 Minuten Song die Welt in den amerikanischen Ghettos ab, wo man das Geld auf der Straße verdient und siebenjährigen Kiffern begegnet. Bei "SHADOWS OF TOMORROW" meldet sich Quasimoto wieder zu Wort. Man ahnt das Zeilen wie "Today is the shadow of tomorrow/ Today is the present future of yesterday/ Yesterday is a shadow of tomorrow/ ..../ One upon a time there has been a yesterday" die eines Kiffers in Philosphierlaune sind. Präsentiert wird die Wort- und Gedankenspielen auf einem trockenen Drumbeat, gespeist mit Flötensample und Scratches. "OPERATION LIFESAVER" widmet sich dem weiblichen Geschlecht, gezeichnet wird die Begegnung zwischen Mann und Frau, der Beat bleibt langsam, wechselt von soulig ruhig zu überladen theatralisch. Doch nach 1:30 ist dieser Ausschnitt vorbei und man wird in den nächsten Song "FIGARO" geworfen. Trocken und schnörkellos ist hier der Beat, gradlinige Bassline und Hand Claps bilden das Soundgerüst auf dem MF Doom die ganze Pracht seines Könnens ("The best emcee with no chains ya ever heard") ausbreiten kann.
Bei "HARDCORE HUSTLE" wird der es wieder verspielter, was der ideale Nährboden für Wildchilds hochgeschwindigkeits- Flow ist. "FANCY CLOWS" ist der melodischste Song des Albums, ein samtiges R'n'B Voicesample spielt im Hintergrund. Über den Bass hat Madlib Klaviertakte ausgebreitet. In den Lyrics wir von einer Frau erzählt, die es mit der Treue nicht so genau genommen hat: "You coulda broke it off and dipped And if you spoke soft coulda preserved a friendship Now you apologize thats what they all say You wasn't sorry when you sucked him off in the hallway"
Und so geht es weiter, von Song zu Song, eine Idee jagt die andere. Da liegt letztendlich vielleicht auch das (kleine) Problem des Albums: "MADVILLAINY" ist Hip Hop für Fortgeschrittene. Und selbst als erfahrener Hörer hat man Anfangs erhebliche Schwierigkeiten in den Samplejungel einzuhören. Man ist nie sicher wenn ein Song beginnt und der andere aufhört, da zwischen den ohnehin kurzen Songs noch Skits und Samples eingestreut wurden. Das Ohr hat es schwer sich zu orientieren. Orientierungshilfe leisten die Lyrics, an Melodien kann man sich in den seltensten Fällen festhalten. So ist "MADVILLAINY" letztendlich ein Album, das viel Zeit in Anspruch nimmt und von den guten Beats sowie den großartigen Lyrics (was für Reime!) lebt. Danke für Lesung. Kommentare wie immer willkommen. Dosch.
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23.06.2006 03:41
http://www.youtube.com/watch?v=lddRCE306c8 *ggg* guaranteed XXXL-grin - this cat's the coolest mutha* on the planet.
19.07.2005 22:24
Kenne ich auch gar nicht, muss ich mal reinhorchen. :o)
19.07.2005 20:22
110% density: excellent infoperience piece! habe jetzt eine konkrete vorstellung und den anstoß bekommen, mich endlich mal aktiv auf e-bay suche nach einem full length album des mr. doom zu begeben. seine herbalizer features haben mich schon vor jahren so very softly weggebombt; ich war allerdings immer skeptisch, ob seine lässige smartness auf albumlänge nicht irgendwo im letzten drittel abflauen würde - aber anscheinend hat er ja einen würdigen compagnon in sachen beats gefunden. und etwas verspult darf's ja bekanntlich gerne sein, wenn ich dem hiphop fröne. großartiger bericht, aber ich wiederhole mich...