Hallo und Willkommen,
Schon wieder so eine Boys – Band dacht ich mir als ich zum ersten Mal von Boys Night Out hörte – nach Boy Sets Fire und unzähligen anderen Boys wieder eine Band die sich in Emocore und Punkgefilden angesiedelt hat. Besonderheit Nummer eins – diese ... Bericht lesen
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Erfahrungsbericht von Senilm über Make Yourself Sick - Boys Night Out 10.11.2003
Produktbewertung des Autors:
Cover-Design:
gut
Klangqualität:
gut
Langzeithörspaß:
wird nie langweilig
Pro:
Emocore der besten Sorte, mit genialen Textwerken
Kontra:
musikalisch nichts neues !
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Hallo und Willkommen,
Schon wieder so eine Boys – Band dacht ich mir als ich zum ersten Mal von Boys Night Out hörte – nach Boy Sets Fire und unzähligen anderen Boys wieder eine Band die sich in Emocore und Punkgefilden angesiedelt hat. Besonderheit Nummer eins – diese Band kommt aus Kanada und Besonderheit Nummer zwei – diese Band macht alles richtig ! Musik für Jungs, Halbstarke und Männer...
Die ersten drei legen gleich ordentlich Tempo vor und zelebrieren Emocore mit melodischen Passagen, gespickt mit Brülleinlagen und echten Mitsingchören – dies kommt besonders bei „I got punched in the nose for sticking my face into other people`s business“ zum tragen. Für die nötige Abwechslung sorgen rumpelnde Bassträger in „(Just once) Let`s do something different“ und knallende Beattorpedierung bei „The first time it shouldn`t taste like blood“. Wobei vor allem letzteres dann vollends aus der Gesangskombination aus melodischer Gesangsstimme und schizophren, ausgeflippten Schreigesang schöpft ! Sound für ausgeflippte Jungs...
Musik für Halbstarke bietet man uns mit dem durch die Untiefen der Seele watenden „It`s Dylan, you know the drill“ – Punkriffs und Hardcoregesangseinlagen lassen das Blut aufkochen – welches von „Hold on tightly, let`s go lightly“ mit Akustikstimmung schnell wieder gekühlt wird – dafür kommt hier die Stärke des Albums besonders zum tragen – das Textwerk! Tragische, deprimierte, Suizidgedankengut enthaltende und melancholische Texte lassen dieses Album besonders werden, „When you`re left with only a bullet – i`ll bring the trigger and promise to pull it“. “The subleties that make mass murderers out of otherwise decent human beings” hinter diesem Titel verbirgt sich das Highlight des Albums – eingängige Emocoresounds ballern sich hier abwechslungsreich mit dem zweistimmigen Gesang ins Ohr. Für die Halbstarkenmännerrunde nach durchzechter Nacht ist der Mitgröhlrefrain bestens geeignet. „The fine art of making it out alive“ sollte man sich hingegen nur mit nüchternem Magen anhören– denn hier kann der Brechreizerzeugende Schreigesang schnell zu Nebenwirkungen führen, die diesem Punkderwisch gar nicht zustehen.
Mit immer tiefer in der Seele grabenden Texten nähern wir uns der Musik für echte Männer. „I was the devil for one afternoon“ lässt nicht nur den Fuß im Takt mitwippen, die Riffs zehren an den Saiten – während man Trennungsschmerz überwindet und von Einsicht geleitet gemeinsam mit seinen Kneipenkumpels „i ruined everything for you“ einstimmt. Kumpels vor denen man sich auch mit einem weinenden Auge blicken lassen kann. „The anatomy of the journey“ ist ein von purer Wut geschriebenes, wirres Riffgewitter was sich erst spät mithilfe von Kirchenorgelspiel fängt – „is it still you and me against the world ? all i´ve got to lose are my teeth“ Tragischer als bei “Yeah, no... i know“ geht es nicht mehr – der atmosphärisch dichteste Titel erinnert stellenweise arg an Nine Inch Nails und entwickelt sich mit suizidgetränktem Textwerk schnell zur Herbstdepression bestärkendem Nebelwetter. Schleppende Drumschläge – an den Nerven zehrendes, heulendes Saitenspiel und ein wahres Horrorszenario, lassen diesen Titel für 3 Minuten zur harten Kost werden. Der zuvor vocoderverzerrt breiige, von Geschreiarien durchzogene, Sprechgesang wird erst spät zum melodischen Hoffnungsschimmer. Dafür darf Mann sich bei „Where we breath“ noch einmal richtig wohlfühlen in seiner Haut! Emocore gespickt mit poppigen Einfällen lässt hier eine Beziehung passe ziehen, die wie so typisch für dieses Album, einen gebrochene Seele zurückgelassen hat. Doch gemeinsam in der Männerrunde singt man sich den Frust, dosenbiertrinkend von der Seele und das Album seinem Ende entgegen.
Und so stellt man als Mann/Frau nach dem Durchhören fest, dass dieses Album zwar musikalisch nichts wirklich neues bietet – aber abwechslungsreich im Emocore und Punk wildert und diesen erfolgreichen mit Popattitüde mischt. Der Duettgesang mit Kombination aus melodischer und kreischender Stimme wurde von Kollegen wie Taking back Sunday schon besser gemacht. Aber dennoch hat dieses Album etwas, was es beinahe in den Olymp vordringen lässt, nämlich Textwerk welches einem das Blut in den Adern gefrieren lässt, wie bei dem auf dem Cover abgebildetem frühmorgendlichen Eiswürfelbad. Deprimierter, tragischer, abstruser und melancholischer geht’s kaum mehr. Was auch der Grund ist, warum man diesem Album mindestens zwei Durchläufe in einem dunklem Raum gewähren sollte um seine Genialität zu zeigen. Und so lässt einem das Album dann freudig emotional und hormonell ausgelastet zurück, ähnlich einem Besuch in dem, dem Bandnamen gleichlautenden, Männeretablissements in den USA. Rundum ein Album für Männer... und solche die es werden wollen!