Peinliches aus der Gothic-Mottenkiste
04.05.2001
Pro:
Die Stimme von Heppner, die Dudelsäcke von Tanzwut
Kontra:
Der Rest !
Empfehlenswert:
Nein
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 Crazy666
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:72
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 131 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Eins vorab: Falls jemand „Umbra et imago“, die Karlsruher Gothic-Rock-Combo um Frontmann Mozart nicht kennt, kann er es auch getrost dabei belassen. Trotz 5 veröffentlichten Alben haben es die S/M-Prediger bis auf das heitere Gruftie-Schunkel-Liedchen „Der Trieb“ noch zu keinem nennenswerten Erfolg gebracht. Mit ihrem neuen Album „Mea culpa“ versuchten die schwarzen Badener jetzt zu beweisen, das sie mehr können als in faszinierenden Bühnenshows leichtbekleidete Damen unter der Decke aufzuhängen und fleissig jedes Klischee einer Gothicband zu erfüllen. Und damit das auch ganz sicher klappt, hat sich Mozart namhafte Hilfe geholt, und zwar von der Wolfsheim-Stimme Peter Heppner, Crematory-Frontman Felix Krull, Tanzwut und – man beachte – einem Kinderchor! Trotzdem – ich hätte es wissen müssen! Aber weil mir ein Freund glaubhaft versicherte, das „Mea culpa“ sich deutlich von seinen nicht nennenswerten Vorgängern abhebt, sondern im Gegenteil richtig gut sei, hab’ ich mir das gute Stück dann widerstrebend angehört und somit 57,41 Minuten meines jungen Lebens vergeudet.
Schon beim Anblick der CD wusste ich nicht, worüber ich zuerst lachen sollte: Über das billig aufgemachte rote Cover, das eine nackte Frau in Demutshaltung zeigt, oder über das peinliche Booklet mit Akt-Models, die ihre Tattoos zur Schau stellen...aber so richtig lustig wurde es dann, als ich die CD einlegte und auf „Play“ drückte. Allein schon der Prolog „Lieber Gott, gib uns unseren täglichen Schmerz“ macht deutlich, worauf der Hörer sich einlassen muss: Billige Pennäler-Prosa aus der Gothic-Mottenkiste, unterlegt mit tumben ausgelutschten Sounds. Wo der erste Track „Lieber Gott“ noch mit der fantastischen Stimme von Peter Heppner veredelt wird und das Liedchen gerade noch erträglich macht, langweilt Track Nr. 2 „Schmerz“ mit kreativen Textzeilen wie „Fessle mich / Kneble mich / Bespuck mich mit Deinem Gift / Mach mich hart / Mach ihn hart / Geißle meinen Stolz". Doch, ich muss sagen....da haben sich die Jungs ECHT was einfallen lassen! Bei „Mea Culpa“ schwingt Felix Krull die Gitarre, was den Song allerdings auch nicht retten kann.
Mit langweiligen Gothic-Metal-Spielereien und peinlich-sägenden Gitarren geht es weiter, während Mozart mit penetrant gerolltem „R“ ins Mikro grunzt und röhrt...hätte er das Singen auf der GANZEN Scheibe Peter Heppner überlassen, wäre das Ganze vielleicht noch einigermassen erträglich, aber so warte ich nur gequält auf das Ende der Spielzeit. Lied Nr. 10, „Weinst Du“ stellt laut Umbra et imago den alten Konflikt zwischen Mann und Frau dar, und das mit originellen Texten wie „..lachst Du ganz weiblich, dann bin ich unleidlich“ oder „Ich bin doch so männlich und Du bist so weiblich“ Allerdings...DIESES Stück gefällt mir richtig gut, und zwar wegen dem melodieführenden Einsatz der Tanzwut-Dudelsäcke. Wenn man es also schafft, die peinlich-geraunten Texte zu überhören, geht „Weinst Du“ doch ganz gut ins Ohr.
Das war’s dann auch schon mit Lob...nachdem ich endlich, endlich den 7 Minuten langen Bonustrack „Vater“ (mit Einsatz von besagtem Kinderchor) überstanden hab, ist mein Bedarf an qualvoll-vertönter Düsterlyrik für die nächsten 10 Jahre gedeckt. Mögen pubertierende Schwarzkuttenträger mit dieser Scheibe ihren Sarg beschallen oder selig mit ihren Silberkreuzen wedeln – ich finde, Umbra et imago und Mozart sollten in Zukunft das tun, was sie können, nämlich S/M-Shows inzenieren....und von Musik einfach ihre schwarzen Fingerchen lassen!
Label: Oblivion Records Tracklist. 01 Intro 02 Lieber Gott 03 Schmerz 04 Mea Culpa 05 Goth`music 06 Prinz Vogelfrei 07 Teutonenlied 08 Jahr und Tag 09 Aufrecht 10 Weinst du? 11 1780 12 Rock me Amadeus 13 Vater
Preis: Zum Glück bloss ausgeliehen! (c) 04.05.01 Crazy666
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26.04.2004 00:43
Umbra sind eine Band, deren musikalische Tiefe erst nach mehrmaligen Hören zur vollen Geltung kommt. So ist eine Bewertung nach einmal Anhören inakzeptabel!!!
09.07.2001 21:15
Ich habe Umbra et Image mal durch Zufall auf einem Festival gesehen - optisch kann man sie sich ja zur Belustigung durchaus anschauen - musikalisch war's aber wirklich nicht erwähnenswert... Viele Grüße, The-Wishmaster
08.06.2001 18:23
Auch noch sehr schlimm ist das Lied "Milch". Meine Güte, demgothicgottseidank ist Crematory nicht so schlecht ;-) Gruß Ami666